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TV-Duell zur US-Wahl – Joe Biden zu Donald Trump: "Hältst du mal die Klappe?"

Hitzige TV-Debatte zur US-Wahl  

Joe Biden: "Der schlechteste Präsident, den Amerika jemals hatte"

30.09.2020, 07:32 Uhr | dpa, AFP, rtr, job, fab, t-online

US-Wahlkampf: Trump und Biden treffen in TV-Debatte aufeinander

Am Dienstag trafen die beiden US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Joe Biden erstmals in einer TV-Debatte direkt aufeinander. Moderator Chris Wallace hatte stellenweise Mühe, die hitzige Debatte zu kontrollieren. (Quelle: t-online/Reuters)

"Hältst du mal die Klappe, Mann?": Hier sehen Sie die wichtigsten Ausschnitte aus dem hitzigen TV-Duell. (Quelle: t-online/Reuters)


Schon von Beginn an ging es rund: Donald Trump und Joe Biden haben sich in der ersten TV-Debatte heftig duelliert. Es wurde schnell persönlich. Ihre Positionen könnten gegensätzlicher kaum sein.

US-Präsident Donald Trump und der demokratische Herausforderer Joe Biden haben sich im ersten TV-Duell des Präsidentschaftswahlkampfs heftige Wortgefechte geliefert. Trump und Biden unterbrachen sich gegenseitig immer wieder. "Hältst du mal die Klappe, Mann?", sagte Biden an einer Stelle zu Trump, der seinem Gegenüber besonders oft ins Wort fiel. An anderer Stelle sagte Biden: "Es ist schwer, überhaupt zu Wort zu kommen mit diesem Clown."

Biden warf Trump vor: "Jeder weiß, dass er ein Lügner ist." An anderer Stelle sagte er zu ihm: "Du bist der schlechteste Präsident, den Amerika jemals hatte." Und: "Er ist Putins Welpe." Trump hingegen zweifelte Bidens Intelligenz an: "Da gibt es nichts Kluges an dir." Zudem behauptete er, Biden werde von der "radikalen Linken" und seiner demokratischen Partei gesteuert. 

Biden lachte immer wieder über Trumps Anwürfe, wohl um deutlich zu machen, dass er sich nicht provozieren lassen will. Moderator Chris Wallace hatte große Mühe, sich Gehör zu verschaffen und einen geordneten Ablauf der Debatte zu erreichen. "Ich hasse es, laut zu werden. Aber wieso sollte ich mich anders verhalten als Sie?"

Biden: Trump will Obamacare abschaffen

Biden warf Trump vor, mit der raschen Nominierung einer Nachfolgerin für die verstorbene Supreme-Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg die Gesundheitsreform Obamacare abschaffen zu wollen und so 20 Millionen Menschen ihre Krankenversicherung zu entziehen. Trump hingegen warf Biden vor, ein sozialistisches Gesundheitssystem einführen zu wollen, ohne Belege dafür vorzulegen.

Trump beharrte darauf, er habe als Präsident das Recht zur Nominierung der Nachfolgerin Amy Coney Barrett. Seine Republikaner im Senat hätten die notwendige Mehrheit, um Barrett zu bestätigen. Biden hingegen bestand darauf, die Nominierung auf die Zeit nach der Wahl im November zu verschieben. Die Menschen sollten ein Mitspracherecht haben, sagte er.

Trump macht sich über Bidens Masken lustig

Biden machte Trump für die hohe Zahl der Corona-Toten in den USA verantwortlich. Bislang starben dort mehr als 205.000 Menschen. Der Präsident sei angesichts der Krise in Panik verfallen. Biden hielt Trump auch dessen Vorschlag vor, man könne sich vielleicht Desinfektionsmittel gegen das Coronavirus spritzen. Trump sagte, das sei ein sarkastischer Kommentar gewesen und konterte, dass noch viel mehr Menschen gestorben wären, wenn Biden Präsident gewesen wäre. "Du hättest keine Beatmungsgeräte produziert", behauptete Trump. Biden wolle im Kampf gegen das Virus die US-Wirtschaft wieder stilllegen. Biden widersprach.

Zugleich mokierte sich der Präsident darüber, dass Biden sehr häufig eine Schutzmaske trägt. Biden trage auch dann einen Mund-Nasen-Schutz, wenn er weit entfernt von anderen Menschen spreche, sagte Trump. Selbst dann trete Biden "mit der größten Maske auf, die ich je gesehen habe". Biden betonte die Bedeutung von Masken, um die Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden.

Trump: "Ich habe Millionen Dollar Einkommenssteuer gezahlt"

US-Präsident Trump widersprach den Enthüllungen der "New York Times", dass er in den letzten Jahrzehnten kaum Einkommenssteuer bezahlt habe. Auf eine Frage des Moderators, wie viel Einkommenssteuer auf Bundesebene er 2016 und 2017 gezahlt habe, antwortete Trump: "Ich habe Millionen von Dollar gezahlt." Er betonte zugleich, dass er vor seiner Wahl Geschäftsmann gewesen sei und wie jeder kluge Unternehmer die Möglichkeiten genutzt habe, die ihm zur Verfügung standen. "Ich möchte keine Steuern zahlen", sagte Trump.

Die "New York Times" hatte am Wochenende berichtet, dass Trump in den Jahren 2016 und 2017 lediglich jeweils 750 Dollar Einkommenssteuer auf Bundesebene zahlte, obwohl er sich immer wieder seines Reichtums rühmt. Möglich gemacht hatten das laut der Zeitung Abschreibungen und Gutschriften unter anderem wegen hoher Verluste.

Beim Thema Wirtschaft wandte sich Biden direkt an die Wähler. In der Corona-Krise sei es Millionären und Milliardären wie Trump gut ergangen, "aber Ihr Leute zuhause, wie geht es Euch?", sagte Biden in die Kamera. Trump wiederholte unterdessen seine Darstellung, dass er die beste Wirtschaft in der Geschichte des Landes aufgebaut habe, bevor das Coronavirus sie weitgehend zum Stillstand gebracht habe. Jetzt baue er sie wieder auf. Biden entgegnete: "Man kann die Wirtschaft nicht in Ordnung bringen, bevor man die Corona-Krise löst."

Biden bezeichnet Trump als Rassisten

Als es um George Floyds Tod bei einem brutalen Polizeieinsatz ging, bezeichnete Biden den US-Präsidenten als Rassisten. Er habe damals Ende Mai versucht, "rassistischen Hass zu erzeugen, rassistische Spaltung". Trump reagierte darauf mit der Anschuldigung, Biden habe die Gemeinschaft der Schwarzen in den USA schlechter behandelt als jeder andere und sie als "Super-Raubtiere" bezeichnet.

Zu den teilweise gewaltsamen Unruhen im Anschluss an den Tod von George Floyd in Minneapolis sagte Trump, die Regierung habe dort wieder für Ruhe gesorgt, "weil wir an Recht und Ordnung glauben – und du tust dies nicht, Joe", fügte der Präsident hinzu.

Bei den Unruhen in Portland und Kenosha handele es sich um ein Problem von links, nicht von rechts. Biden betonte erneut: "Gewalt ist nie richtig, nur friedlicher Protest ist es." Wenn er zum Präsidenten gewählt würde, wolle er Bürgerrechtsgruppen und Polizeibehörden im Weißen Haus zusammenbringen und auf eine Überwindung der Spaltung hinwirken.

Kaum Live-Publikum

Moderiert wurde die Debatte von dem Fernsehjournalisten Chris Wallace. Der 72-Jährige steht aktuell für den Trump-freundlichen Sender Fox News vor der Kamera, war aber zuvor lange bei den Sendern NBC und ABC im Einsatz. 

Das Publikum bei der Debatte in der Universität Case Western Reserve in Cleveland wurde wegen der Corona-Pandemie deutlich eingeschränkt. Der Sender Fox 8 berichtete unter Berufung auf die Organisatoren, um Abstand zu ermöglichen, würden bis zu 75 Zuschauer zugelassen. Die Zuschauer müssten Masken tragen. Bei Debatten vor früheren Präsidentschaftswahlen waren Hunderte Menschen im Publikum.

Verwendete Quellen:
  • Livestream der TV-Debatte
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP, Reuters

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