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Donald Trumps Leibarzt: Manchmal rutscht Sean Conley die Wahrheit heraus

Leibarzt Sean Conley  

Manchmal rutscht ihm die Wahrheit über Trump heraus

07.10.2020, 21:13 Uhr
Donald Trumps Leibarzt: Manchmal rutscht Sean Conley die Wahrheit heraus. Sean Conley: Der Leibarzt des US-Präsidenten hat einen komplizierten Job. Oft ist er zugleich Doktor Gute Laune. (Quelle: AP/dpa/Jacquelyn Martin)

Sean Conley: Der Leibarzt des US-Präsidenten hat einen komplizierten Job. Oft ist er zugleich Doktor Gute Laune. (Quelle: Jacquelyn Martin/AP/dpa)

Was der Doktor sagt, das wird schon stimmen? Nicht so bei Sean Conley. Donald Trumps Leibarzt ist wichtiger Teil der Inszenierung des erkrankten Präsidenten – ob er nun will oder nicht.

Wer Doktor Sean Conley in den vergangen Tagen zugehört hat, der konnte den Eindruck gewinnen, dass es Donald Trump ständig prächtig geht und sich sein Zustand zugleich jeden Tag weiter verbessert.

Was für ein wundersamer Patient. 

Der Leibarzt des US-Präsidenten hat gerade einen ziemlich komplizierten Job. Er muss nicht nur Covid-19 behandeln, eine gefährliche Krankheit, über die Ärzte noch immer zu wenig wissen. Er muss einen Donald Trump mit Covid-19 behandeln – einen tatsächlich ziemlich besonderen Patienten. 

Die Wahrheit über den Zustand des Präsidenten kommt dabei trotz täglicher Pressekonferenzen immer nur nebenbei ans Licht. Das ist hochproblematisch – und nicht allein die Schuld des Doktors.

Der doppelte Chef

Dr. Sean Conley ist seit 2018 der Leibarzt des Präsidenten. Er ist gelernter Osteopath, ein Alternativmediziner mit ganzheitlichem Ansatz. Vor allem aber ist er Soldat. In der US-Marine war er nach einer weiteren Ausbildung als Notfallmediziner Chef des Traumazentrums der Nato in Kandahar, Afghanistan. 

Trump ist somit gleich doppelt Conleys Chef. Der Doktor untersteht dem Präsidenten in seiner Funktion als Leiter des medizinischen Teams des Weißen Hauses. Und er untersteht als Soldat dem Oberbefehlshaber Trump. 

Sichtbar gezeichnet: Bei seiner Rückkehr ins Weiße Haus wird deutlich, wie die Coronavirus-Infektion Trump zusetzt. (Quelle: t-online/Reuters)

Das macht es doppelt kompliziert. 

Conley sagt auf den Pressekonferenzen das, was Trump von ihm verlangt. Zumindest versucht er es. Im Zweifel lügt er für ihn. Befehl und Gehorsam, so funktioniert das beim Militär. Wer sich dem widersetzt, bekommt ernsthafte Probleme.

Die verspätete Wahrheit

Und die Botschaft, die Trump hören will, lautet: Mir geht es super. Ich bin stark. Entsprechend fielen Conleys offizielle Statements aus. Am Freitag hat der Präsident angeblich nur "leichte Symptome", am Samstag geht es ihm "sehr gut", am Sonntag auch, und am Montag sowieso, da wird er schon wieder entlassen.

Trumps wahres Befinden kommt immer erst Tage später ans Licht, durch hartnäckige Nachfragen der Journalisten, oder aus anderen Quellen. Am Samstag sagt Trumps Stabschef Mark Meadows direkt nach einer von Conleys aufmunternden Pressekonferenzen zu Journalisten: "Die Werte des Präsidenten in den vergangenen 24 Stunden waren sehr besorgniserregend."

Meadows will das "off the record" sagen, sodass die Journalisten ihn nicht direkt zitieren dürfen und er es im Zweifel zu "Fake News" erklären kann. Doch weil zunächst noch eine Kamera läuft, wird sein Name öffentlich. Trump soll wütend gewesen sein angesichts so viel Wahrheit.

Auch wichtige Details werden nur nach und nach bekannt. Am Samstag sagt Conley, Trump bekomme "im Moment keinen Sauerstoff". Nach Recherchen von US-Medien gesteht er am Sonntag ein, dass Trump am Freitag für kurze Zeit Sauerstoff verabreicht bekam. Für den Samstag sei er sich da nicht ganz sicher, trotz erneut gefallener Blutsauerstoffwerte. Die zweite Dosis Sauerstoff bestätigt Conley dann erst am Montag.

Die besondere Krankheit

Auf andere zentrale Fragen antwortet Conley konsequent überhaupt nicht. Wann genau hat Trump Symptome entwickelt? Es ist nur eine von vielen dieser Fragen. Aber sie zeigt, warum die Covid-Erkrankung anders ist als andere Krankheiten von Präsidenten und warum deshalb auch die Informationspolitik eine andere sein sollte. So sehen das viele in den USA.

Denn nicht nur für Trump selbst und die Bewertung, ob er die Amtsgeschäfte uneingeschränkt führen kann, sind diese Fragen wichtig. Sie sind auch für sein Umfeld essenziell und die vielen Kontaktpersonen, die sich bei ihm angesteckt haben könnten.

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Es ist nichts Neues, dass Präsidenten über ihre Gesundheit lügen und lügen lassen. Die Geschichte ist voll von ihnen. Woodrow Wilson verschwieg einen schweren Schlaganfall im Amt. John F. Kennedy seine vielen chronischen Leiden.

Nur brachten sie dadurch nicht unmittelbar andere Menschen in Gefahr, anders als bei der hochansteckenden Infektionskrankheit Covid-19. Wie ehrlich über Trumps Erkrankung informiert wird, dürfte zudem darüber mitentscheiden, wie ernst seine Anhänger das Coronavirus nehmen.

Es geht längst nicht nur um ihn selbst.

Die vereinzelte Aufrichtigkeit 

Trotzdem rutschen Sean Conley die meisten Wahrheiten offensichtlich nur nebenbei heraus. Das bringt ihm in den USA immer mehr Kritik ein – trotz seiner komplizierten Job-Konstellation. 

Am Sonntag gesteht Conley nach einer viel zu positiven Beschreibung vom Vortag, er habe versucht, "die optimistische Haltung wiederzugeben", die im Team herrsche. Und er habe keine Informationen geben wollen, "die den Krankheitsverlauf in eine andere Richtung lenken könnten". Seine Botschaft richtete sich also vor allem an Trump selbst, so muss man das verstehen. Nicht an die Öffentlichkeit, die zu erfahren hofft, wie es dem mächtigsten Mann der Welt wirklich geht.

Doktor Gute Laune. Ein bemerkenswertes Geständnis.

Wie er Trumps Situation wirklich einschätzt, dazu rutschen Conley am Montag einige Sätze raus, als die Journalisten ihn nach einem rosigen Eingangsstatement beharken. Auf die Frage, ob Trump aus dem Gröbsten raus sei und wie sich sein ungewöhnlicher Medikamentenmix darauf auswirke, antwortet Conley: "Wir betreten Neuland mit einem Patienten, der so früh eine solche Behandlung bekommen hat wie er." 

Neuland also, durch das Conley und sein Team den Präsidenten nun im Weißen Haus führen wollen. Mit viel medizinischem Equipment, aber eben nicht so viel wie im Militärkrankenhaus Walter Reed.

Wie lang dieser Weg durchs Neuland noch sein wird, wie lange also die kritische Phase für Trump dauert, dazu sagt Conley dann auch noch etwas: "Wenn wir den Montag erreichen, dann werden wir alle vor Erleichterung tief durchschnaufen." Nächste Woche.

Es ist also noch längst nicht vorbei. 

Verwendete Quellen:

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