Interview
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Der Gespr├Ąchspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschlie├čend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

"F├╝r Trump sieht es pers├Ânlich und finanziell nicht gut aus"

Von Fabian Reinbold

Aktualisiert am 19.01.2021Lesedauer: 5 Min.
Trump und Bolton im Wei├čen Haus (2018): "Sieht f├╝r ihn pers├Ânlich und finanziell nicht gut aus."
Trump und Bolton im Wei├čen Haus (2018): "Sieht f├╝r ihn pers├Ânlich und finanziell nicht gut aus." (Quelle: Kevin Lamarque/Reuters-bilder)
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John Bolton war Donald Trumps Nationaler Sicherheitsberater, dann kam es zum Zerw├╝rfnis. Im Interview spricht er ├╝ber die Fehler im Umgang mit dem Pr├Ąsidenten, dessen Platz in der Geschichte ÔÇô und ├╝ber den Streit mit Deutschland, der bleiben wird.

John Bolton f├Ąllt ein hartes Urteil ├╝ber den Mann, dem er 17 Monate im Wei├čen Haus als Nationaler Sicherheitsberater gedient hat. Donald Trump werde "definitiv als der schlechteste US-Pr├Ąsident in die Geschichte eingehen", sagt der Republikaner im Interview mit t-online.

Bolton stellt die Angst vieler republikanischer Politiker vor dem scheidenden Pr├Ąsidenten als ├╝bertrieben dar. Seine Partei k├Ânne sich rasch aus der Umklammerung Trumps befreien. "Trump wird mehr mit den Ermittlungen gegen ihn und mit seinen Gesch├Ąfts- und Finanzproblemen zu tun haben als mit unserer Partei."

Der au├čenpolitische Hardliner warnt hingegen Europa und Deutschland, dass gro├če Streitpunkte der Trump-├ära auch unter einem Pr├Ąsidenten Joe Biden fortbest├╝nden ÔÇô und erhofft sich eine bestimmte Initiative von Angela Merkel in den letzten Monaten im Amt.

t-online: Herr Bolton, haben Sie f├╝r den schlechtesten US-Pr├Ąsidenten aller Zeiten gearbeitet?

John Bolton: Ja, ich denke, Trump wird definitiv als der schlechteste US-Pr├Ąsident in die Geschichte eingehen. Bis jetzt galt James Buchanan als der schlimmste, weil er 1860 vor dem B├╝rgerkrieg die USA auseinanderbrechen lie├č. Doch Trump wird ihm diesen Platz streitig machen. Was am 6. Januar mit dem Sturm aufs Kapitol geschah, war wirklich ein Vergehen, das eine Amtsenthebung rechtfertigt. Dass ein Pr├Ąsident einen Mob gegen seine eigene Regierung ins Feld schicken w├╝rde, war f├╝rchterlich und ein sehr, sehr trauriger Tag f├╝r Amerika.

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Sie sind also daf├╝r, Trump noch formell des Amtes zu entheben?

Nein. Ich denke, sein Vergehen war schlimm genug daf├╝r, doch ich sehe nicht den Vorteil, jetzt diesen gro├čen verfassungsrechtlichen Prozess zu beschreiten. Daf├╝r m├╝sste man nachweisen, dass dieser Weg n├╝tzlicher ist als die Variante, Trump einfach verschwinden zu lassen. Er sieht sich bald ohnehin strafrechtlichen Ermittlungen ausgesetzt. Die absolut schlimmste Strafe f├╝r Trump w├Ąre, ihn k├╝nftig einfach zu ignorieren. Ein Impeachment erreicht das Gegenteil.

John Bolton, 72, ist ein au├čen- und sicherheitspolitischer Hardliner der Republikaner. Unter George W. Bush diente er als Uno-Botschafter und war lautstarker Bef├╝rworter des Irakkriegs. Den Atomdeal mit dem Iran lehnte er ab und vollzog als nationaler Sicherheitsberater Donald Trumps den Austritt der Amerikaner aus dem Abkommen. ├ťber seine Zeit im Wei├čen Haus, die im September 2019 wegen anhaltender Differenzen mit Trump endete, schrieb er das Buch "Der Raum, in dem alles geschah".

Sie arbeiten seit Jahrzehnten im Bereich nationaler Sicherheit. Welche Folgen darauf hat solch eine Attacke, die in Echtzeit in alle Welt ├╝bertragen wird?

Es schadet unserem Land sehr. So etwas will man in einer demokratischen Gesellschaft nicht sehen. Es war ein katastrophales Sicherheitsversagen, das untersucht werden muss. Es wirft auch ein schreckliches Licht auf Donald Trump, dass er Teil davon war ÔÇô und ich glaube nicht, dass wir schon alles zu seiner Rolle wissen. Ich denke allerdings, dass es seinen Abschied als pr├Ągende Kraft auf der politischen B├╝hne beschleunigt.

Nun ja, selbst in der Nacht nach dem Anschlag haben zwei Drittel Ihrer Parteifreunde im Repr├Ąsentantenhaus gegen die Best├Ątigung des Wahlsiegs Joe Bidens gestimmt und so Trumps Spiel mitgespielt. Sch├Ąmen Sie sich f├╝r Ihre Partei?

Viele, die so abgestimmt haben, waren von Trump eingesch├╝chtert, aus meiner Sicht unn├Âtigerweise. Das Versagen meiner Partei geschah schon zuvor, als Trump seine Behauptungen einer gestohlenen Wahl wochenlang verbreitete, obwohl sie von Gerichten im ganzen Land zur├╝ckgewiesen wurden. Da h├Ątten viel mehr Republikaner die Stimme erheben m├╝ssen. Eine der Reparaturaufgaben f├╝r uns Republikaner lautet jetzt: Wir m├╝ssen gegen├╝ber so vielen wie m├Âglich klarstellen, dass Trump wirklich verloren hat.

Trump hat viele Anh├Ąnger an der Parteibasis doch l├Ąngst von seiner L├╝ge ├╝berzeugt. Wie viel Macht wird er in Zukunft haben?

Von den 74 Millionen W├Ąhlern, die f├╝r Trump votiert haben, h├Ątten mehr als 90 Prozent auch f├╝r einen Pappkameraden gestimmt, den die republikanische Partei aufstellt. Auf der Gegenseite ist es doch auch so. Wenn er am 20. Januar vom m├Ąchtigsten Raum der Welt, dem Oval Office, an den Swimming Pool nach Mar-a-Lago wechselt, wird das alles ver├Ąndern. Trump hat die Partei nicht in seiner Hand. Das schafft Raum f├╝r vern├╝nftige Republikaner. Wir haben hier dieses Sprichwort in der Politik: Wenn sich vern├╝nftige Politiker nicht die Bed├╝rfnisse der B├╝rger annehmen, tun dies unvern├╝nftige Politiker. So bekommt man einen Trump.

Sind Sie da nicht zu optimistisch? In unserem letzten Gespr├Ąch im August sagten Sie, nach der Wahl werde sich die Partei sehr schnell von Trump abkehren. Es ist anders gekommen.

Fr├╝here Pr├Ąsidenten sind doch Nachrichten von gestern. Trump wird mehr mit den Ermittlungen gegen ihn sowie mit seinen Gesch├Ąfts- und Finanzproblemen zu tun haben als mit unserer Partei. Wenn er aus dem Amt scheidet, sieht es f├╝r ihn pers├Ânlich und finanziell nicht gut aus.

Ber├╝hmte Szene vom G7-Gipfel in Kanada im Jahr 2018: Bolton beobachtet Angela Merkel und Donald Trump.
Ber├╝hmte Szene vom G7-Gipfel in Kanada im Jahr 2018: Bolton beobachtet Angela Merkel und Donald Trump. (Quelle: Jesco Denzel/Bundesregierung/getty-images-bilder)

Der Pr├Ąsident soll den Gewaltexzess am 6. Januar gen├╝sslich am Fernsehen verfolgt haben. Passen diese Berichte zu dem Pr├Ąsidenten, den Sie im Wei├čen Haus aus n├Ąchster N├Ąhe erlebt haben?

Diese Berichte halte ich f├╝r absolut glaubw├╝rdig. Ich habe in meinem Buch angeregt, dass jemand mal eine Arbeitszeitstudie f├╝r Trump anfertigen sollte und die Zeiten vergleichen sollte, die er im Oval Office verbringt und im kleinen Esszimmer daneben, wo an der Wand ein gro├čer Fernsehbildschirm h├Ąngt. Ich kann vor meinem inneren Auge f├Ârmlich sehen, wie er dort sitzt und das Spektakel verfolgt. Er war vom Schauspiel wahrscheinlich fasziniert. Schlie├člich ging es dabei allein um Donald Trump, und das ist sein Lieblingsthema.

Werden Sie je wieder mit Donald Trump sprechen?

Ich freue mich zumindest nicht darauf, falls wir es tun sollten.

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  • gebundene Ausgabe
  • ISBN: 978-3360013712

Schauen wir nach vorn. Die neue US-Regierung hat klargemacht, dass sie die von Trump besch├Ądigten Beziehungen zu den Verb├╝ndeten in Europa reparieren will. Wovon wird abh├Ąngen, ob das wirklich funktioniert?

Es w├Ąre ein Fehler, wenn Europa denkt, dass mit Trumps Abschied bestimmte Streitthemen einfach verschwinden. Seine Klagen ├╝ber Handelspolitik bleiben relevant, beide Seiten m├╝ssen da unbedingt Handelsbarrieren abbauen. Trumps Klagen ├╝ber die Nato und die Lastenverteilung innerhalb des B├╝ndnisses werden ebenfalls aktuell bleiben. Deutschland w├╝rde sich in Washington bei den Demokraten ebenso wenig Freunde machen wie bei den Republikanern, wenn man die Verteidigungsausgaben wieder auf 1,1 Prozent der Wirtschaftsleistung senkt. Dazu w├╝rde ich auf keinen Fall raten. Auch die Deutschen m├╝ssen ihren fairen Anteil zahlen.

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Wird man ohne Trump zu einer gemeinsamen Strategie beim Umgang mit China finden?

Die Biden-Regierung wird viele Europ├Ąer mit einer konfrontativen China-Politik ├╝berraschen. Sie wird zwar nicht so hart sein, wie ich es gern h├Ątte, aber h├Ąrter als man in Europa denkt.

Wie soll Deutschland damit umgehen?

Angela Merkel schlug Donald Trump bei zahlreichen Treffen vor, dass man sich gegen China dort zusammenschlie├čen sollte, wo man ├Ąhnliche Interessen hat: beim Diebstahl geistigen Eigentums und bei den unfairen Handelspraktiken Pekings. H├Ątte man bei diesen Treffen die Meinung der Amerikaner im Raum abgefragt, w├Ąren wir alle daf├╝r gewesen, nur eben mit der Ausnahme Trumps. Merkel sollte, solange sie noch im Amt ist, Pr├Ąsident Biden diese gemeinsamen Initiativen erneut vorschlagen.

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Herr Bolton, vielen Dank f├╝r das Gespr├Ąch.

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