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Fake News und Propaganda: Die gefährliche Schattenwelt des Donald Trump

Schattenwelt des Ex-Präsidenten  

Trumps Pläne für ein alternatives Medienuniversum

Von Bastian Brauns, Washington

21.10.2021, 03:09 Uhr
Fake News und Propaganda: Die gefährliche Schattenwelt des Donald Trump. Buttons bei einer Pro-Trump-Veranstaltung in Georgia: Der Ex-Präsident plant einen neuen Anlauf auf die Kandidatur für das höchste politische Amt der USA. (Quelle: imago images)

Buttons bei einer Pro-Trump-Veranstaltung in Georgia: Der Ex-Präsident plant einen neuen Anlauf auf die Kandidatur für das höchste politische Amt der USA. (Quelle: imago images)

Der Ex-Präsident hat ein Problem: Die meisten Massenmedien ignorieren ihn. Auf Facebook, Twitter und Youtube bleibt er gesperrt. Deshalb hat Donald Trump sich eine eigene gefährliche Medienrealität geschaffen.

"Ich will unser Land zurückhaben", sagte Donald Trump vor wenigen Tagen in einem Interview mit Bill O'Reilly, jenem bekannten, wegen Sex-Skandalen aber inzwischen geschassten Fox News-Kommentator.

Für seinen Plan tue er, was eben nötig sei, so der Ex-Präsident. Mit Bill O'Reilly geht er demnächst auf "Trump Tour". Die beiden Männer haben eine Reihe öffentlicher Auftritte mit jeweils Zehntausenden Zuschauern geplant. Mit dem Interview soll für die kostenpflichtigen Shows geworben werden. Zu sehen sind sie nicht auf einem herkömmlichen Sender, sondern auf "Billoreilly.com". Eine "Concierge"-Mitgliedschaft kostet dort rund 8 Dollar pro Monat – ein angeblich persönlicher Email-Kontakt zu Bill O'Reilly inklusive.

Trump im Interview mit Fox-News-Legende Bill O'Reilly (Quelle: billoreilly.com)Trump im Interview mit Fox-News-Legende Bill O'Reilly. (Quelle: billoreilly.com)

Tatsächlich gibt Trump derzeit abseits der Mainstream-Öffentlichkeit fast wöchentlich Interviews. Fernab von CNN, ABC oder NBC hat Trump sich ein mediales Paralleluniversum aufgebaut, mit dem er trotzdem ein Millionenpublikum erreicht. Die Kanäle heißen Newsmax, OAN, Real America's Voice, oder eben Bill O'Reilly.

Alle haben ein paar Dinge gemeinsam: Sie sind stramm rechtskonservativ, verbreiten Fake News, Propaganda und Desinformation, sind eng untereinander vernetzt, feiern Donald Trump und lassen an seinem Nachfolger Joe Biden kein gutes Haar. Journalismus im eigentlichen Sinn ist das nicht.  Aber darauf kommt es den Machern auch nicht an. Es geht darum, eine Schattenwelt zu schaffen, die permanent mit einem Mix aus Unwahrheiten, Halbwahrheiten und Wahrheiten bespielt wird. So, dass das Publikum Fakten und Falsches kaum noch auseinanderhalten kann.

Das Ziel: Trump zurück ins Weiße Haus zu bringen.

Die herkömmlichen Sender und auch die sozialen Netzwerke Twitter, Facebook und Youtube nicht mehr direkt bespielen zu können, ist nach wie vor Trumps größtes Problem. Doch längst hat er daraus eine Tugend gemacht. Zwar kommen seine alternativen Sender bei weitem nicht an die Reichweite der großen Medien heran. Sie könnten aber spätestens dann zur Gefahr werden, wenn Trump tatsächlich wieder fürs Weiße Haus antreten sollte. Dann kämen auch die herkömmlichen Medien nicht mehr an ihm vorbei – und womöglich würde die Trump ergebene Propaganda-Maschinerie dann den Takt vorgeben. Schon während seiner Präsidentschaft begünstigte Trump ihm zugewandte Medien. Der Rest war für ihn Fake News.

Das sind Trumps wichtigste Kanäle:

Bill O'Reilly

Cancel-Duo: Donald Trump und Bill O'Reilly (Quelle: billoreilly.com)Cancel-Duo: Donald Trump und Bill O'Reilly. (Quelle: billoreilly.com)

Der in Ungnade gefallene Ex-Fox-News-Mann Bill O'Reilly wirbt auf seiner Webseite schon lange für "No Spin News" und "ehrlichen Journalismus", also angeblich objektive Nachrichten. Tatsächlich gab er in seinem Interview mit Trump eher Ratschläge im Stil eines Trump-Strategen. Wie Trump auch moderate Wähler überzeugen könnte? Wenn er nicht immer so aggressiv auf den Putz hauen würde. Ob er diese Art nicht ablegen könne? "Zumindest ein bisschen?", wollte O'Reilly ergründen. Trump blieb dabei: "Wenn ich harsch sein muss, werde ich harsch sein." Schuld daran seien die "Linksradikalen".

Das Gespräch war noch eines der konfrontativeren Trump-Interviews in letzter Zeit. O'Reilly hakte mehrfach nach. Fragte etwa, was Trump wirklich anders gemacht hätte beim Abzug aus Afghanistan? Doch schnell löste sich alles in einvernehmlichem Wohlgefallen auf. Der Zustand des Landes unter Präsident Joe Biden? "Es ist eine Katastrophe", sagte O'Reilly und Trump wiederholte kopfnickend: "Es ist eine Katastrophe." O'Reilly fragte: "Sind die wirklich alle so dumm?" Und Trump antwortete: "Ich weiß es nicht, Bill, ich habe so etwas noch nie gesehen." Und: "Bill, du machst einen echt guten Job!" Wie viele Abonnenten O'Reilly hat, ist nicht bekannt. Aber seine Berühmtheit hilft Trump. 30.000 Tickets für die erste Show im Dezember in Florida seien bereits verkauft, sagte O'Reilly.

Newsmax

Newsmax Logo (Quelle: Newsmax)Newsmax Logo (Quelle: Newsmax)

Nach der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr sah es kurz so aus, als könnte der rechte Kabelsender zum neuen Haussender von Trump werden. Viele enttäuschte Zuschauer wechselten mit dem Ex-Präsidenten zu Newsmax, weil Fox News den Sieg von Joe Biden verkündet hatte. Auf Newsmax wird die Lüge vom massenhaften Wahlbetrug dafür bis heute aufrechterhalten. Im US-Bundesstaat Delaware klagt die kanadische Wahlmaschinenfirma Dominion Votings Systems seit August gegen Newsmax, weil der Sender "ohne Evidenz" behauptet, dass die Wahl manipuliert worden sei.

Auch sonst bemüht sich der Sender um die Wahrung der eigenen Weltsicht. Nach dem von Joe Biden veranlassten Afghanistan-Abzug wurde auf Newsmax im September ein Veteran interviewt, der nicht das sagte, was der Moderator gerne hören wollte. Der Interviewte wurde angebrüllt und aus der Sendung geschmissen: "Sie kommen hier nicht in meine Sendung und beschuldigen Donald Trump! Das macht mich wirklich wütend!" 

Zwischenzeitlich hatte Newsmax, gemessen an der Anzahl der Zuschauer bei einer bestimmten Show, Fox News mit mehr als 300.000 im Schnitt tatsächlich überholt. Das von Newsmax-CEO Chris Ruddy, einem engen Freund von Donald Trump, ausgegebene Ziel, Fox News wirklich zu "übernehmen", ist bislang jedoch krachend gescheitert. Längst hat Fox News die eigene Strategie  angepasst und ist so der Nachrichtensender Nummer eins geblieben. Kommentatoren wie Chris Tucker heizen die Agenda rechtskonservativer Republikaner und Verschwörungsideologien stetig an. Und dennoch: Newsmax hat zuletzt wieder zugelegt, mehr als 140.000 Zuschauer schauen durchschnittlich zu. Auf Youtube hat der Sender rund zwei Millionen Abonnenten.

One America News Network (OAN)

OAN Logo (Quelle: OAN)OAN Logo (Quelle: OAN)

Gegründet wurde der rechtspopulistische Kabelsender mit Hauptsitz im kalifornischen San Diego bereits 2013. Rund 150 Mitarbeiter gibt es an dem Standort. Auch bei OAN werden Falschmeldungen und Verschwörungsideologien verbreitet und Wahrheit vorgegaukelt. Die Shows dort tragen Titel wie "Real America" oder "The Real Story". Die Videoplattform Youtube sperrte den Kanal von OAN mit seinen 1,4 Millionen Zuschauern vergangenes Jahr für kurze Zeit wegen der Verbreitung von Unwahrheiten zur Covid-19-Pandemie. Auch gegen OAN ist eine Klage der Wahlmaschinenfirma Dominion Votings Systems in Delaware wegen Falschbehauptungen zu Wahlmanipulationen anhängig. 

Zwar gibt es kaum gesicherte Kabel-TV-Zuschauerzahlen von OAN. Im Oktober allerdings wurde bekannt, dass ausgerechnet der US-Kabelanbieter AT&T zum finanziellen Gelingen des Senders ordentlich beigetragen haben soll. So hat AT&T offenbar nicht nur darauf gedrängt, den Sender 2013 zu gründen, um zahlende Abonnenten anzulocken. OAN soll von dem Kabelanbieter auch deutlich mehr Lizenzgebühren erhalten haben als andere Sender, die bei AT&T empfangen werden können.

Real America's Voice (RAV)

RAV Logo (Quelle: RAV)RAV Logo (Quelle: RAV)

Verglichen mit OAN und Newsmax ist Real America's Voice (RAV) zwar kleiner und auch kein richtiger TV-Sender. Im Umfeld der Trumpisten spielt RAV aber wie viele andere ähnliche Propaganda-Kanäle eine wichtige Rolle. Auch hier gibt der Ex-Präsident als Noch-Präsident regelmäßig Interviews zu dem von ihm diagnostizierten desolaten Zustand der USA unter Joe Biden. Wahlbetrug, Inflation, offene Grenzen, Afghanistan-Desaster und Pandemie-Versagen laufen hier rund um die Uhr. Trumps Ex-Sicherheitschef, der Rechtsextremist und Breitbart-Gründer Steve Bannon, darf auf RAV seine Podcast-Show "War Room" vermarkten.

Right Side Broadcasting Network (RSBN)

RSBN Logo (Quelle: RSBN Logo)RSBN Logo (Quelle: RSBN Logo)

Das Right Side Broadcasting Network (RSBN) ist quasi Trumps Livestream-Dienst Nummer eins. Die oft stundenlangen Übertragungen seiner Rallyes samt Rahmenprogramm können hier verlässlich verfolgt werden, auch wenn die großen Medien nicht dabei sind. RSBN stammt noch aus den frühen Tagen von Trumps erster Präsidentschaftskandidatur. Auf Youtube folgen dem Kanal mehr als 1,5 Millionen Nutzer. 

Der rechte Kanal durfte als einer der ersten am Mittwoch dieser Woche verkünden, dass Donald Trump offenbar dabei ist, ein eigenes, alternatives soziales Netzwerk mit dem Namen "Truth Social" zu gründen. RSBN verbreitete eine Pressemitteilung einer sogenannten "Trump Media & Technology Group", der Trump offenbar vorsitzt. Es soll darum gehen, „einen Rivalen für das liberale Medienkonsortium zu schaffen und sich gegen die 'Big Tech'-Unternehmen des Silicon Valleys zu wehren". Diese hätten zu viel Macht und versuchten oppositionelle Stimmen zum Schweigen zu bringen. Trump lässt darin verkünden, es gehe darum, "gegen die Tyrannei von 'Big Tech' aufzustehen." Ein eigenes Video-Streaming-Angebot mit dem Namen TMGT+ soll "non woke" Unterhaltung, Podcasts und News ohne "political correctness" bieten. 

Rumble, Telegram und Gettr

Der Schritt wirkt nur konsequent, denn das Trump-gefällige Paralleluniversum aus Fake News, Propaganda und Hetze, gemischt mit harmlosen Inhalten, dehnt sich schon seit langem immer weiter aus, auch mithilfe alternativer Socialmedia-Plattformen. Zwar können viele der Sender nach wie vor auch auf Youtube empfangen werden. Donald Trump selbst aber ist dort und auf Facebook und Twitter gesperrt.

Erst im Sommer hatte sich Trump deshalb dazu entschieden, ein eigenes Profil auf der kanadischen Videoplattform Rumble einzurichten, die insbesondere bei rechtskonservativen Anhängern beliebt ist. Mehr als 800.000 Follower hat er dort seither zusammenbekommen. Hinzu kommen unzählige Telegram-Kanäle, die rund um die Uhr damit beschäftigt sind, Trumps Inhalte zu teils noch drastischeren Lügen zu verarbeiten und zu verbreiten.

Zahlreiche Rechtskonservative versuchen derzeit außerdem weltweit, eine "zensurfreie" Twitter-Alternative mit dem Namen Gettr bekannt zu machen.  

Bereit, wenn Trump es ist

Es ist schwer abzuschätzen, wie viele Menschen Donald Trump mit seiner Dauerpräsenz in diesem Paralleluniversum tatsächlich erreicht. Aber der Ex-Präsident, der sich als rechtmäßiger Präsident inszeniert, ist in den USA längst nicht so unsichtbar, wie es den Anschein haben könnte.

Die Wucht, die diese kaum noch zu überblickenden Netzwerke im Falle einer tatsächlichen Nominierung Trumps zum Kandidaten der Republikaner entfalten könnten, dürfte gewaltig sein. Die Furcht vor einem "perfect storm", einem kaum noch aufzuhaltenden Sturm aus Desinformationen, gibt es nicht ohne Grund. Alle Sender handeln gemäß der Ansage, die Steve Bannon einst gemacht haben soll: "Die Demokraten spielen keine Rolle. Die wahre Opposition sind die Medien. Und der Weg, mit ihnen umzugehen, besteht darin, das Gebiet mit Scheiße zu überfluten."

Ohne die herkömmlichen Medien aber geht es offenbar trotzdem nicht. Auf Fox News taucht Trump in Form von Gefälligkeitsgesprächen seit einiger Zeit auch wieder auf. Kein Wunder, denn der Sender schlingert weiter in Richtung des Lagers der Trump-Verschwörer. Auch gegen Fox News hatte die Wahlmaschinenfirma Dominion Voting Systems im März eine milliardenschwere Klage wegen Falschbehauptungen eingereicht.

Bevor Donald Trump sein Land zurückhaben will, wie er es bei Bill O'Reilly sagte, will er aber vor allem seine alten sozialen Medien zurück. Seit Juli bereits klagt er vor einem Bundesgericht in Florida gegen seine Sperren auf Twitter, Facebook und Youtube. Trump beruft sich auf die Redefreiheit, garantiert im ersten Verfassungszusatz der USA.

Auch hiermit legen der Ex-Präsident und seine mediale Armada wieder eine falsche Fährte. Denn das "First Amendment" bezieht sich in Wahrheit auf etwaige staatliche Zensur, nicht aber auf Entscheidungen privater Unternehmen. Doch das ist den Zuhörern und Zuschauern egal. Denn die glauben längst: Hinter den Tech-Giganten aus dem Silicon Valley steckt ohnehin nur ein von Demokraten kontrollierter Deep State.

Verwendete Quellen:

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