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Antisemitismus in Deutschland: "Es ist dasselbe Böse"

Von dpa
Aktualisiert am 23.01.2020Lesedauer: 2 Min.
Frank-Walter Steinmeier in Yad Vashem: Der Bundespräsident nimmt an einer Gedenkveranstaltung zur Befreiung von Auschwitz teil.
Frank-Walter Steinmeier in Yad Vashem: Der Bundespräsident nimmt an einer Gedenkveranstaltung zur Befreiung von Auschwitz teil. (Quelle: Abir Sultan/Reuters-bilder)
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Zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz hat Frank-Walter Steinmeier in Yad Vashem an die Verantwortung Deutschlands erinnert. Nicht alle hätten aus der Geschichte gelernt, so der Bundespräsident.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich 75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz zur deutschen Schuld am Holocaust bekannt und den Schutz jüdischen Lebens heute zugesagt. "Dieses Deutschland wird sich selbst nur dann gerecht, wenn es seiner historischen Verantwortung gerecht wird", sagte er beim World Holocaust Forum in Jerusalem.

Vor Staats- und Regierungschefs aus fast 50 Ländern versicherte er: "Wir bekämpfen den Antisemitismus! Wir trotzen dem Gift des Nationalismus! Wir schützen jüdisches Leben! Wir stehen an der Seite Israels. Dieses Versprechen erneuere ich hier in Yad Vashem vor den Augen der Welt."

Am kommenden Montag, dem 27. Januar, jährt sich zum 75. Mal die Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz im von Hitler-Deutschland besetzten Polen durch die Rote Armee. Allein dort brachten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen um. Der Holocaust kostete insgesamt rund sechs Millionen Juden das Leben. Sie wurden von den Deutschen erschossen und in Gaskammern ermordet oder starben an den Folgen von Hunger, Krankheit und Erschöpfung.

Steinmeier: Antismetismus noch immer weit verbreitet

"Die Mörder, die Wachleute, die Helfershelfer, die Mitläufer: Sie waren Deutsche", sagte Steinmeier. "Ich wünschte, sagen zu können: "Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt." Aber das könne er nicht sagen, wenn sich in Deutschland Hass und Hetze ausbreiten, jüdische Kinder auf dem Schulhof bespuckt werden und unter dem Deckmantel angeblicher Kritik an israelischer Politik kruder Antisemitismus hervorbricht. "Das kann ich nicht sagen, wenn nur eine schwere Holztür verhindert, dass ein Rechtsterrorist an Jom Kippur in einer Synagoge in Halle ein Blutbad anrichtet."

Es sei nicht dieselbe Zeit, es seien nicht dieselben Worte, nicht dieselben Täter, sagte Steinmeier. "Aber es ist dasselbe Böse. Und es bleibt die eine Antwort: Nie wieder! Niemals wieder! Deshalb darf es keinen Schlussstrich unter das Erinnern geben."

Steinmeier: Deutsche stehen an der Seite der USA

Der Bundespräsident bekannte sich auch zur internationalen Ordnung, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut und heute vor allem von den USA unter Präsident Donald Trump infrage gestellt wird. "Wir Deutsche stehen zu dieser Ordnung und wir wollen sie, mit Ihnen allen, verteidigen", sagte er in Anwesenheit von US-Vizepräsident Mike Pence.

Steinmeier sprach als erstes deutsches Staatsoberhaupt in der internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Dazu hatte ihn der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin eingeladen. Steinmeier und Rivlin werden am kommenden Montag auch in Auschwitz an der zentralen polnischen Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers teilnehmen. Am Mittwoch werden beide in einer Gedenkstunde im Bundestag sprechen.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen dpa
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