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"Montagsdemo" in Leipzig: Alle wollen Sahra Wagenknecht


Alle wollen Wagenknecht

  • Annika Leister
Von Annika Leister

Aktualisiert am 09.09.2022Lesedauer: 4 Min.
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Gregor Gysi bei der linken Protestkundgebung in Leipzig: Viele Teilnehmer hätten lieber Sahra Wagenknecht gesehen. (Quelle: Jens Schlueter/Getty Images)
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Linke und Rechte demonstrieren in Leipzig gegen die Regierung. Der Protest ist vor allem für die Linkspartei ein großes Problem.

Die Diskussion um ein recht kleines Schild zeigt das gesamte Dilemma der Linken an diesem Protesttag. "Nord Stream 2 öffnen – Waffenstillstand jetzt!" steht darauf. Gerade hält es Martin Baier, 67 Jahre alt, mitten im Publikum vor der Bühne in Leipzig hoch.

Vor wenigen Minuten noch trug das Schild ein älteres Ehepaar aus Thüringen. Aber ein Ordner der Linken erklärte ihnen: Das geht hier nicht, ihr müsst es runternehmen. So erzählen sie es selbst, so erzählt es Baier.

Zensur, auf einer Linken-Demo?

"Das wäre ja noch schöner!", sagt Baier und lacht. Er bot sich als neuer Schildträger an und rutschte ein paar Reihen nach hinten. "Und wenn sie es mir verbieten – dann findet sich noch jemand anderes!"

"Nord Stream 2 öffnen": Zu viel Geld sei in die Pipeline gesteckt worden, um sie nicht zu nutzen, finden viele auch auf der Linken-Demo.
"Nord Stream 2 öffnen": Zu viel Geld sei in die Pipeline gesteckt worden, um sie nicht zu nutzen, finden viele auch auf der Linken-Demo. (Quelle: Leister)

Solidarität mit der Ukraine? Deutschland geht vor

Daran gibt es wenig zu zweifeln. Denn die Positionen, die Baier und das Ehepaar am Ende der Kundgebung gut gelaunt austauschen, jene Positionen also, vor denen sich die Ordner an diesem Abend offenbar so fürchten, sind in Teilen der Anhängerschaft der Linken eher Standard als Seltenheit: Sanktionen gegen Moskau beenden, Nord Stream 2 öffnen, alle Waffenlieferungen stoppen, Verhandlungen mit Putin aufnehmen. Der größte Profiteur des Krieges? Nicht der Aggressor Russland, sondern die USA. Solidarität mit der Ukraine? Vielleicht – aber günstige Energiepreise in Deutschland gehen vor. Redeverbote, auch wenn sie Minderheiten und Kriegsopfer schützen sollen? Gehen gar nicht.

Dieser Teil der Linken-Fans hat ein prominentes Sprachrohr: Linken-Ikone Sahra Wagenknecht. Ihr enger Vertrauter Sören Pellmann hat zur Demonstration in Leipzig aufgerufen, als Start der von der Linken angestrebten großen Proteste gegen die Energie- und Sozialpolitik der Bundesregierung in diesem Herbst und Winter. Und das unter dem Begriff "Montagsdemonstration", der eigentlich gerade in Leipzig für die friedliche Revolution von 1989 reserviert ist.

Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht (Archiv): "Da wäre ich gern vor Ort gewesen und hätte mich in die Debatten eingebracht."
Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht (Archiv): Auf der Demonstration fehlt sie so manchem. (Quelle: Rainer Unkel/imago-images-bilder)

Pellmann hat mit dieser Instrumentalisierung der ostdeutschen Geschichte für heftige Kritik gesorgt sowie großes Interesse von Rechtsextremen geweckt, die diese Form der Vereinnahmung eigentlich pflegen. Die Linke in Leipzig hat er so vor einige Probleme gestellt.

Ein großes Problem bereits in der Planung war Wagenknecht selbst. Sie ist die populärste Linke Deutschlands, angesichts ihrer häufig nach rechts anschlussfähigen Positionen aber auch die umstrittenste. Sollte sie auf der polarisierenden Versammlung sprechen?

"Wagenknecht ist ganz stark"

Einer "Welt"-Recherche zufolge entschied die Parteiführung wohl: nein. Wagenknecht soll demnach erst ein- und dann wieder ausgeladen worden sein. Auf Druck der Parteiführung – den Vorwurf zumindest soll sie selbst in einer SMS erhoben haben.

Stattdessen steht die offizielle erste Garde der Partei am Montagabend auf der Bühne vor der Leipziger Oper: Urgestein Gregor Gysi, die Fraktionsvorsitzende Amira Mohamed Ali und der neue Co-Parteichef Martin Schirdewan. Sie kritisieren "mickrige Entlastungspäckchen" der Bundesregierung, fordern Konsequenzen für gierige Energiekonzerne, das Ende für zumindest Teile der Sanktionen gegen Russland und betonen Fehler der Nato mindestens so ausführlich wie Vergehen von Putin.

Und doch ist die Sehnsucht nach Wagenknecht bei einigen im Publikum groß. Ob Baier dafür gewesen wäre, dass Wagenknecht hier auftritt? "Unbedingt", antwortet er und nickt. "Wagenknecht ist ganz stark."

Das findet auch ein beachtlicher Teil der rechten und rechtsextremen Szene. Die versammelt sich an diesem Montag direkt neben der Linken, am anderen Ende des Augustusplatzes. Mit langen, roten Transparenten schirmen jüngere Demonstranten die linke Versammlung von der Veranstaltung der rechtsextremen "Freien Sachsen" ab. Eine rote Linie, gezogen von der Linken. "Es gibt keine Solidarität von rechts", steht auf dem Stoff.

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Blick-Barriere: Junge Linke trennen die beiden Kundgebungen auf dem Augustusplatz.
Blick-Barriere: Eine Transparentwand trennt die beiden Kundgebungen auf dem Augustusplatz. (Quelle: Leister)

"Freie Sachsen": "Wir sind offen für Dialog"

Die versammelte Prominenz der extremen Rechten allerdings will anderes suggerieren. Es ist ihre Mission an diesem Tag. "Wir sind offen für Dialog", ruft Martin Kohlmann, Chef der rechtsextremen "Freien Sachsen", in ein Mikrofon, das immer wieder fiept. Mehrere Minuten lang buhlt er um die Linken, um einen Schulterschluss, um eine gemeinsame Protestbewegung. "Man kann sich gegenseitig ausgrenzen – oder man könnte mal anfangen, miteinander zu reden."

Allerdings bemüht sich nicht jeder Redner, Harmonie statt der sonst üblichen Häme gegenüber der Linken zu verbreiten. "Warum habt ihr Wagenknecht ausgeladen?", ruft Jürgen Elsässer, Chef des rechtsextremen Szene-Hetzblatts "Compact". Wagenknecht sei doch die einzige populäre Linke und die Einzige, die die richtige Forderung vertrete: die Öffnung von Nord Stream 2. Elsässer macht den Vorbeter, die mehr als 150 Zuhörer folgen – und ein "Sahra, Sahra, Sahra!"-Sprechchor steigt von der Versammlung der "Freien Sachsen" auf.

Wagenknecht, Waffen, Nord Stream 2, Wut auf "die da oben", besonders auf die bevormundenden Grünen – es sind wichtige, aber lange nicht die einzigen Symbole und Themen, auf die Linke wie Rechtsextreme setzen.

Publizist Jürgen Elsässer: "Warum habt ihr Wagenknecht ausgeladen?"
Publizist Jürgen Elsässer: "Warum habt ihr Wagenknecht ausgeladen?" (Quelle: Jan Woitas/dpa)

Dank an die Antifa

In Leipzig hält die Linke die rote Linie. Vorerst. Gysi und Schirdewan wettern auf der Bühne gegen "braunes Gesocks" und "rechte Spinner". Plakatkontrollen und abschirmende Transparente tun ihr Übriges. Und auf der Straße schneiden linke Gruppen der Demonstration der Rechten mit Sitzblockaden so oft den Weg ab, liefern sich immer wieder kleine Gefechte auf der Straße, bis die "Freien Sachsen" schließlich genervt aufgeben und umdrehen, zurück zum Augustusplatz.

Weniger als von der Partei-Linken scheinen diese Einhegungen allerdings von Gruppen wie der Leipziger Antifa auszugehen. Mancher Linker gibt das unumwunden zu. Die Leipziger Landtagsabgeordnete Jule Nagel bedankt sich gleich im Anschluss an die Veranstaltung auf Twitter: Dass der Tag nicht zum Desaster für die Partei geworden sei, "ist vor allem den außerparlamentarischen linken Gruppen zu verdanken, die die Kundgebung auf dem Augustusplatz flankiert und unterstützt haben, und denen, die den Faschisten widersprochen und blockiert haben".

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Demo-Anmelder Sören Pellmann ist da schon nicht mehr auf dem Augustusplatz, wo die Linke ihre Kundgebung gegen 21 Uhr beendet.

Zahlenmäßig dürfte die Linke die Rechtsextremen an diesem Tag übertroffen haben. Doch der Abend hat gezeigt: Kommt es tatsächlich zu "heißem Herbst" und "Wutwinter", steigen die Preise und wächst die Verzweiflung der Demonstranten, dann könnten Transparente bald nicht mehr genügen, um die Lager zu trennen.

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Verwendete Quellen
  • Beobachtungen und Gespräche vor Ort
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