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Skandal auf AfD-Parteitag: Liveübertragung im kritischen Moment unterbrochen


Kritischer Moment auf AfD-Parteitag
Weidel schreitet ein – Livestream unterbrochen


04.08.2023Lesedauer: 4 Min.
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Redner auf AfD-Bundesparteitag wird ausgeblendet (Quelle: Screenshot)Vergrößern des Bildes
Livestream zum Parteitag: Erst wird der kritische Redner nur noch klein eingeblendet, dann verschwindet er ganz. (Quelle: Screenshot)

Im kritischsten Moment des AfD-Parteitags unterbricht die Regie des AfD-Bundesparteitages die Liveübertragung. Ein Zufall dürfte das nicht sein.

Es war der kritischste Moment auf der Europawahlversammlung der AfD am Freitag: Gegen 17 Uhr wurde in der Magdeburger Messehalle ein Antrag auf Abwahl von Mary Khan-Hohloch gestellt. Sie war bereits am vergangenen Wochenende von rund 600 Delegierten mehrheitlich auf Listenplatz 14 gewählt worden.

Doch Kritiker in der Partei erhoben in den vergangenen Tagen schwere Vorwürfe gegen sie: Khan-Hohloch habe bei ihrer Vorstellung zu ihrem Studium und ihrer Berufserfahrung die Unwahrheit gesagt, wurde kolportiert – deswegen solle Khan-Hohloch wieder weg von der Liste, der Platz neu vergeben werden.

Werbung statt Kritik

Wer dem Schauspiel aber auf dem heimischen Sofa folgen wollte, der wurde enttäuscht. Denn die heikelste und spannendste Stelle des Parteitages, der zuvor eher dahin getröpfelt war, wurde im Livestream einfach ausgeblendet.

Die AfD hatte bis zu diesem Zeitpunkt nahezu jede Minute der Versammlung live auf YouTube übertragen. Doch wenige Sekunden, nachdem der Antragssteller ans Mikro gegangen war, wurde die Liveübertragung gestoppt.

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Stattdessen zeigte die AfD-Regie ein Werbevideo über ihre Partei. "10 Jahre Wachstum, 10 Jahre Rückgrat, 10 Jahre Patriotismus", so beginnt der Film, der danach mit heroischer Musik, Interviewschnipseln und Bilder aus Gründungszeiten den "Aufstieg" der AfD zeigt. Der Redner war nicht mehr zu hören und zu sehen.

Ein Zufall? Eher nicht

Ein Zufall? Eher nicht. Ein Antrag auf Abwahl von Mary Khan-Hohloch kursierte in den vergangenen Tagen bereits in vielen Chatgruppen der Partei. t-online berichtete darüber vorab. Dem Bundesvorstand lag er bereits am Donnerstag vor, wie die Pressestelle der AfD t-online bestätigte. Lange aber wagte es kein Delegierter, ihre Abwahl auch am Saalmikrofon zu fordern.

Ein Grund dafür: Khan-Hohloch gilt als bestens vernetzt im Bundesvorstand. Ihr Ehemann, Dennis Hohloch, ist als Bundesschriftführer Mitglied des Vorstands. Das Ehepaar steht außerdem AfD-Chefin Alice Weidel nahe.

Khan-Hohloch soll am Sonntag zudem mit Unterstützung des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke auf Listenplatz 14 gewählt worden sein. Ein Antrag gegen Khan-Hohloch ist also mittelbar auch ein Affront gegen Weidel und Höcke, zwei der mächtigsten Köpfe in der Partei.

Diese Verbindungen allerdings sind auch ein Grund für den Antrag gegen sie. Über "Vetternwirtschaft" und "Filz" schimpften in Chatgruppen der Partei vorab viele mit Blick auf Khan-Hohlochs Ehemann und Verbindungen zu Weidel. Und darüber, dass das in einer Partei wie der AfD, die Alternative sein wolle, nicht sein dürfe.

Ob diese Vorwürfe begründet sind, ist unklar. Schmutzkampagnen sind in der AfD nicht selten.

Der Delegierte, der am Samstag den Schritt ans Mikrofon wagte, begründete sein Vorgehen nicht mit "Filz" und "Vetternwirtschaft". Sondern damit, dass Khan-Hohloch bei ihrer Bewerbung am Sonntag die Unwahrheit gesagt haben soll.

Die Kandidaten haben Pflichtfragen beantwortet, hierbei seien "erhebliche Zweifel an der Wahrhaftigkeit" ihrer Angaben aufgekommen. Mindestens ein abgeschlossenes Studium habe Khan-Hohloch angegeben, dazu vier Jahre Berufstätigkeit außerhalb der Politik, zusätzlich sei sie noch junge Mutter – und erst 1994 geboren.

Weidel greift ein

Beim Vorstellen seines Antrags wurde der Delegierte immer wieder ausgebuht – und bekam dann noch mächtigeren Gegenwind. Parteichefin Alice Weidel trat auf der Bühne ans Mikrofon. Kurze Interventionen, die die oft chaotische Menge auf den Parteitagen wieder beruhigen und auf Linie bringen, sind ihre Spezialität. "Angela Merkel macht Wahlen rückgängig. Wir als AfD nicht", rief sie. Lauter Applaus.

Dann ging alles ganz schnell: Zuerst stimmte das Plenum darüber ab, ob man geheim, also schriftlich und hinter Pappaufstellern, abstimmen möchte. Das war ein womöglich entscheidender Punkt: Vorab nämlich hatte es von einigen geheißen, man könne sich schon vorstellen, gegen Khan-Hohloch zu stimmen – allerdings nur in geheimer Wahl. Das Plenum aber entschied auf Abstimmung per Handzeichen.

Dann folgte ein Antrag auf Nichtbefassung. Er wurde vom Plenum per Handzeichen mit "deutlicher Mehrheit", wie der Versammlungsleiter sagte, angenommen.

Damit war der Aufstand schon wieder vorbei. Ein Sturm im Wasserglas, der nach wenigen Minuten beendet war.

Vorwurf: Zensur und "System Weidel"

Der Umgang der AfD mit ihrem Livestream allerdings sorgt für heftige Diskussionen. Der Chat im Netz, der bei der AfD generell nicht zimperlich ist, eskalierte während der unterbrochenen Übertragung. Die Zuschauer beschwerten sich, dass sie den Antrag nicht verfolgen konnten, und kritisierten "Zensur". Einer beschwerte sich über das "System Weidel".

Und auch in der Halle war mancher mit dem Vorgehen nicht einverstanden. Rasch folgte der nächste Antrag: "Ich beantrage, dass der Livestream während Anträgen, die einigen nicht passen, nicht abgeschaltet wird", rief ein Delegierter. Ein anderer stellte Antrag auf Nichtbefassung: "Ich gehe da von einer technischen Panne aus", sagte er – und wurde laut ausgebuht.

Ein weiterer Redner betonte, es sei nicht das erste Mal, dass das passiere. Bei bestimmten, kritischen Themen falle der Livestream aus – als Delegierter erhalte man dann sofort viele Nachrichten aufs Handy, was denn da los sei, und müsse das erklären.

Der Antrag zum Aufrechterhalten des Livestreams allerdings wurde anschließend abgeschmettert – wieder fand sich eine Mehrheit in der Halle, die sich damit nicht befassen wollte.

Verwendete Quellen
  • Beobachtungen in der Magdeburger Messehalle
  • Livestream der AfD
  • Livechat des Streams
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