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"Die Selbstverzwergung Deutschlands sollte enden"

Ein Gastbeitrag von Annegret Kramp-Karrenbauer

Aktualisiert am 03.10.2018Lesedauer: 4 Min.
CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer: Als die Mauer fiel, war sie 27.
CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer: Als die Mauer fiel, war sie 27. (Quelle: Archivbild/Ralph Orlowski/Reuters-bilder)
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Das vereinte Deutschland steht nach der Wende vor neuen Herausforderungen. Aber Nein-Sager machen keine Geschichte. Unser Land

Annegret Kramp-Karrenbauer, 56, ist Generalsekretärin der CDU. Sie stammt aus dem Saarland und war dort von 2011 bis 2017 Ministerpräsidentin.

Jeder von uns hat Situationen erlebt, an die er sich noch Jahre später ganz genau erinnern kann, genauso wie an die damit verbundenen Gefühle. Bei mir sind dies insbesondere die Geburt meiner Kinder, aber auch der Fall der Berliner Mauer.

Ich war damals 27 Jahre alt. Ich erinnere mich noch genau an die atemlose Spannung, an die überwältigenden Gefühle. Ich habe die wackeligen Fernsehbilder im Kopf von den Menschen, die damals in der DDR auf die Straße gegangenen sind; aus ihrem Ruf "Wir sind das Volk" wurde später "Wir sind ein Volk". Und ich denke an die Freuden und die Tränen bei der der ersten Begegnung zwischen den Menschen aus Ost- und Westberlin.

Der Zauber der ersten Tage

An den Zauber dieser ersten Stunden und Tage sollten wir denken, gerade am Tag der Deutschen Einheit 2018. Denn heute ist leider wieder mehr vom Trennenden zwischen Ost- und Westdeutschland als vom Verbindenden die Rede. Heute missbraucht eine kleine laute Minderheit den Ruf "Wir sind das Volk" und heute scheinen wir manchmal von "Wir sind ein Volk" weiter entfernt zu sein als zuvor.

Wir sollten an den Zauber des Anfangs denken, um uns zu vergegenwärtigen, dass die Kraft der Freiheit heute noch genauso lebendig ist wie die Solidarität in ganz Deutschland. Und genauso lebendig sind die Kraft und Entschlossenheit der Menschen, die Herausforderungen der Zukunft anzupacken.

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Die Veränderungen treffen heute ganz Deutschland

Gemessen an damals sind die Aufgaben und Veränderungen heute anders. Aber sie sind nicht größer und sollten auch nicht größer gemacht werden. Vielmehr müssen wir uns vor Augen führen, dass die Veränderungen uns alle in Deutschland betreffen, überall.

Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ist nicht mehr nur die Frage zwischen Ost und West. Boomregionen gibt es fast überall. Auch in den neuen Ländern gibt es Landkreise mit Vollbeschäftigung. Gleichzeitig machen Wohnungsnot und steigende Lebenshaltungskosten den Leuten in ganz Deutschland zu schaffen. Ländliche Räume, die ausbluten, finden sich mittlerweile ebenfalls fast in jedem Bundesland.

Die Antwort auf diese Herausforderungen finden wir nur gemeinsam. Die Lausitz muss sich dieser Tage mit dem Auslaufen des Bergbaus auseinandersetzen, ein Prozess den das Saarland und das Ruhrgebiet schon bewältigt haben. Wenn in der Eifel oder in Ost-Niedersachsen die Auswirkung von Bevölkerungsrückgang und Überalterung immer deutlichere Spuren in der öffentlichen Infrastruktur hinterlassen, dann können diese Regionen von den östlichen Bundesländern und deren Antworten lernen.

Rückhalt für alle, die sich gegen Nazi-Parolen wehren

Und wenn Digitalisierung, Migration und die immer stärker werdende Individualisierung uns in unserer Gesellschaft mit immer schnelleren Veränderungen konfrontieren, dann ist dies eine Herausforderung für uns alle. Genauso geht es uns alle an, wenn darauf Populisten von rechts und von links mit immer radikaleren Parolen und neuen Feindbildern reagieren. Gerade Naziparolen dürfen keine Resonanz finden, egal ob sie in Chemnitz oder in Dortmund gegrölt werden. Und Menschen, die sich dagegen wehren wollen, müssen Rückhalt und Unterstützung aus der politischen Mitte erhalten und nicht vom extremen linken Rand.


Um die Aufgaben zu meistern, brauchen wir eine klare Haltung. Dazu gehört vor allem, dass wir den Menschen etwas zutrauen. Einige Verantwortliche in Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft neigen zur Selbstverzwergung Deutschlands und seiner Tugenden. Digitalisierung oder Globalisierung werden einseitig und ängstlich als Bedrohungen dargestellt, die man "zähmen" müsste. Mehr noch: Die Menschen werden als hilflose und unmündige Opfer betrachtet, um die man sich "kümmern" muss.

Demokratie heißt: für etwas kämpfen – nicht gegen etwas

Anstatt Mut zu machen, werden Ängste geschürt – nicht nur von der AfD. Und anstatt verantwortungsbewusst über Chancen zu reden, werden nur die Risiken gesehen. Helmut Kohl hat 1990 auf dem Vereinigungsparteitag der CDU in Hamburg die – rhetorische – Frage gestellt: "Wo stünden wir eigentlich heute in Deutschland, wenn in historischen Situationen unserer Geschichte die Zauderer und die Kleinmütigen die Geschicke unseres Vaterlandes bestimmt hätten?"

Recht hatte er. Wir brauchen Mut, Optimismus und eine klare Haltung. Dazu gehört, Politik und Demokratie zuallererst als "kämpfen für" und "einstehen für" eine Sache zu verstehen. Die mutigen Menschen in der DDR sind gegen das menschenverachtende SED-Regime auf die Straße gegangen, aber vor allem: für die Freiheit, für Demokratie und für die Wiedervereinigung. Ihnen ging es um Aufbruch und Zusammenhalt. Nur dagegen zu sein, immer nur Nein zu sagen, ist keine Haltung. Das ist billig.

Der Tag der Deutschen Einheit ist für viele heute leider nicht mehr als ein freier Tag. Aber er ist ein Feiertag und ein Erinnerungstag. Wir feiern den Sieg der DDR-Bürger über das SED-Regime. Wir feiern die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes. Und wir erinnern uns, dass wir ein Volk mit Haltung sind!

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