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Warum stellt die Union nicht einfach den Umfrage-König auf?

  • Johannes Bebermeier
  • Tim Kummert
Von Johannes Bebermeier, Tim Kummert

Aktualisiert am 13.04.2021Lesedauer: 4 Min.
Armin Laschet und Markus Söder: Wenn es nach dem Umfragen ginge, stünde der Kanzlerkandidat wohl fest.
Armin Laschet und Markus Söder: Wenn es nach dem Umfragen ginge, stünde der Kanzlerkandidat wohl fest. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Ginge es nach den Umfragewerten, wäre die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur der Union klar: Markus Söder muss es machen. Warum hat trotzdem Armin Laschet die besseren Chancen?

Eigentlich scheint die Lage eindeutig: Das Präsidium und der Vorstand der CDU haben sich am Montag für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Doch Markus Söder möchte ebenfalls gern Kanzler werden – und verweist dabei gern auf seine guten Umfragewerte. Wieso ist die Stimmung in der Union trotzdem gespalten? Eine Analyse in drei Kapiteln.

1. Es wäre eine Selbstverzwergung der CDU

Die CDU hat insgesamt 17 Landesverbände in der Union. Die CSU ist dagegen eine einzelne bayerische Partei. Daher galt über Jahrzehnte schon, dass die CDU in der Regel den Kanzlerkandidaten stellt, zwischen den beiden Schwestern ist die Macht klar verteilt. Kanzlerkandidaten der CSU kamen immer nur im Ausnahmefall zum Zug, wie beispielsweise Franz Josef Strauß im Jahr 1980 und Edmund Stoiber im Jahr 2002.

In beiden Fällen lösten die CSU-Kandidaten großes Zähneknirschen in der CDU aus. Eine Selbstverzwergung vor der Schwesterpartei ist ein Ausnahmefall und soll es auch bleiben. Die CDU ist ohnehin in den Umfragen aktuell unter Druck, in der Partei heißt es: In der aktuell schlechten Lage sich auch noch der CSU zu unterwerfen, würde den Status als Volkspartei nachhaltig beschädigen. Deshalb sind die Bedenken gegen Söder groß.

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Hinzu kommt: Eine Kanzlerkandidatur von Söder wäre eine erneute Beschädigung von Armin Laschet. Wer zum CDU-Chef gewählt wird, hat im Selbstverständnis der Partei auch den Anspruch, Kanzler zu werden. Laschet ist seit gerade einmal drei Monaten im Amt, würde er jetzt schon verzichten, könnte die CDU wohl innerhalb von drei Jahren zum dritten Mal einen neuen Vorsitzenden wählen. In einer Partei, in der die Mitglieder Stabilität lieben, wäre das ein Graus.

2. Das Risiko von Söder im Wahlkampf ist groß

Markus Söder ist ein Mann, den viele als politisches Chamäleon beschreiben: Erst versuchte er die AfD im Landtagswahlkampf 2018 politisch rechts zu überholen, das scheiterte krachend. Kurz darauf gab Söder den Grünen-Versteher und legte eine Kehrtwende um 180 Grad hin. In der CDU sehen das viele als Indiz für einen mangelnden politischen Kompass. Es heißt, ihm fehle es an Rückgrat, an eigentlicher Substanz.

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Nun kann Söder in München auch deshalb so viele Kehrtwenden vollführen, weil er dort einer von insgesamt 16 deutschen Ministerpräsidenten ist. Doch in dem Moment, in dem Söder wirklich Kanzlerkandidat wird, wäre es damit vorbei. Das öffentliche Licht der Bundespolitik in Berlin ist deutlich gleißender als die wenigen Lampen in München. Mancher in der Union argwöhnt schon, dass den Wählern ganz schwindelig werden könnte, bei den vielen Ideen von Söder. Aber Kanzlerkandidaten brauchen, das zeigt die Historie, oft eine klare Linie, um von den Wählern akzeptiert zu werden.

Es geht auch um eine ganz praktische Frage. Besonders in der Bundestagsfraktion keimen Zweifel auf, die sich in eine Frage gießen lassen: Kann Markus Söder im Wahlkampf wirklich Betonwüsten in Duisburg-Marxloh besichtigen und als verständnisvoller Kümmerer auftreten? Wirkt er dabei glaubwürdig? Oder will er eigentlich lieber mit einer goldverzierten Kutsche über eine Insel fahren, wie er das im letzten Sommer gemeinsam mit der Kanzlerin gemacht hat? Söder, heißt es, sei im Zweifel immer für die goldene Kutsche.

3. Gute Umfragen sind nicht gute Wahlergebnisse

Dass beliebte Politiker nicht unbedingt erfolgreiche Wahlkämpfer sein müssen, damit hat bei den vergangenen drei Wahlen die SPD bittere Erfahrungen gemacht. Im Jahr 2009, die SPD hatte die erste Amtszeit in der großen Koalition unter Angela Merkel hinter sich, stellte sie Frank-Walter Steinmeier auf. Der war damals Außenminister. Mit niemandem waren die Deutschen einer ARD-Umfrage zufolge kurz vor der Nominierung zufriedener als mit Steinmeier (67 Prozent), selbst nicht mit der Kanzlerin (63 Prozent). Eigentlich eine gute Ausgangslage, auch wenn Merkel schon damals in Umfragen vorn lag, wenn es darum ging, wen die Bürger direkt zur Kanzlerin wählen würden.

Doch auf einen soliden, staatsmännischen Wahlkampf folgte das erste Desaster: 23 Prozent, das schlechteste Ergebnis der SPD bis dahin, mit einem Minus von 11,2 Prozentpunkten.

Nicht viel besser sah es für die SPD 2013 aus, mit dem damals gefeierten Autor und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück. Steinbrück, der den Deutschen in der Finanzkrise 2008 bei einem historischen Auftritt mit der Kanzlerin erfolgreich versprochen hatte, dass ihr liebes Geld sicher sei, kam aus der Politik-Frührente zurück. Die richtige Personalentscheidung für die SPD, fanden die Deutschen zunächst, die Umfragen der SPD stiegen zwischenzeitlich wieder auf rund 30 Prozent. Nach einem Pannen-Wahlkampf landete die SPD trotzdem wieder tief in den 20ern – bei 25,7 Prozent.

Und auch der verunglückte Schulz-Zug von 2017 ist inzwischen Legende. Der frühere Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, sollte die SPD als authentischer Berlin-Außenseiter aus dem Tief führen. In Umfragen kletterte die SPD anschließend erneut auf mehr als 30 Prozent – und sogar vor die Union. Am Ende stand ein neues historisches Debakel für die SPD: 20,5 Prozent.

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