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Lambrecht-Diskussion: Mein Mitleid gilt dem Nachfolger


Mein Mitleid gilt dem Nachfolger

Von Gerhard Spörl

Aktualisiert am 14.01.2023Lesedauer: 3 Min.
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Christine Lambrecht: Dieses Video der Verteidigungsministerin erntet heftige Kritik. (Quelle: t-online)
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Verteidigungsminister verlassen nie ungeschoren ihr Amt. Christine Lambrecht, vom Kanzler gezwungen, steht da in einer langen Tradition.

Wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre ich gerne Außenminister. Man kommt herum in der Welt, hat ein eigenes Flugzeug, die Journalisten freuen sich über lange Reisen, weit weg von der Redaktion, und sind handzahm. Deutschland ist ein wichtiges Land, und wenn ich nicht gerade in Peking landen müsste, dann ließe es sich blendend in diesem Job aushalten. Beliebt sind Außenminister sowieso, egal wer das Amt bekleidet. Selbst Guido Westerwelle blieb eine Weile populär, bis sein pompöses Ego sich entfaltete.

Justizminister ist auch nicht schlecht. Ich wäre der Justitiar der Bundesregierung und könnte eigene Schneisen schlagen, hätte mit schlauen Leuten im Bundesverfassungsgericht zu tun. Gut, der Arbeits- und Sozialminister ist im Organigramm wichtiger, verfügt über ein Riesenbudget und verfasst, vor allem wenn er Hubertus Heil heißt, Gesetze am Fließband.

Aber Verteidigungsminister: O Gott, bloß nicht.

Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist: wenn er etwas von der Sache versteht oder blank ins Amt kommt. Hans Apel verstand einiges vom Metier und scheiterte am Ende doch, wenn auch hanseatisch-heiter, immerhin. Gerhard Stoltenberg, Helmut Kohls Wahl, verstand anfangs wenig und dabei beließ er es dann auch. Verteidigungsminister sind arme Schweine, Christine Lambrecht steht da in einer langen Reihe unglücklicher Menschen, die in dieses Amt geschoben wurden, meistens gegen ihren Willen.

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Kramp-Karrenbauer ging in Rekordkürze unter

Immer ist da ein Kanzler, der sagt: Du musst das machen, ich brauche dich dort, du machst das schon, ich helfe dir – ein Vorsatz, der sofort vergessen geht, wenn der oder die Neue schlecht in der Presse wegkommt. So hielt es Angela Merkel mit Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich kanzlertauglich machen sollte. Kam anders, aber die Bundeswehr veränderte er fundamental.

Dann bugsierte die Kanzlerin Ursula von der Leyen dorthin, die führungsstark war und trotzdem fast unterging. Annegret Kramp-Karrenbauer ging dann tatsächlich in Rekordkürze unter.

Das Verteidigungsministerium ist die Hölle

Jetzt also Christine Lambrecht. Sie war eine gute Justizministerin. Qualifiziert sie sich damit als Verteidigungsministerin? Natürlich nicht, sofern es um Kompetenz ginge. Natürlich schon, wenn es um Koalitionsproporz geht. Haben solche Menschen eine Chance in diesem Monsterministerium? Natürlich nicht.

Das Verteidigungsministerium ist die Hölle. Voller Fußangeln, Tücken, Fallenstellern. Das Innere der Hölle ist seit jeher das Beschaffungswesen, das Aufträge an Industrie, Handel und Gewerbe vergibt. 100 Milliarden Euro dürfen jetzt verteilt werden. Schwierig, schwierig.

Wer da alles im Normalfall schon mitreden will, ist ein Albtraum. Die Staatssekretäre, der Generalinspekteur, die Inspekteure von Heer, Luftwaffe, Marine und Sanität. Dann sollen Regiments- und Bataillonskommandeure, Kompaniechefs, Leutnants und Oberleutnants, Unteroffiziere und Angehörige der Bundeswehrverwaltung auf Tagungen bedacht und gehört werden. Zu schweigen von den Fachleuten unter uns Journalisten, die Veitstänze aufführen, um jedem Neuankömmling vor Augen zu führen, dass sie selber mehr wissen, viel mehr.

Was schieflaufen konnte, lief von Anfang an schief

Dieses Amt sollte man nur seinen ärgsten Feinden gönnen. Denn so gut wie jeder Verteidigungsminister ist gescheitert. Eine kleine Auswahl: Kai-Uwe von Hassel. Gerhard Stoltenberg. Rudolf Scharping. Franz-Josef Jung. Peter Struck (der noch am wenigsten). Thomas de Maizière. Es gibt keine geborenen Verteidigungsminister. Es gibt nur dazu verhaftete, gezwungene, hingeschobene.

So erging es auch Christine Lambrecht. Olaf Scholz hat sie ins Amt gezwungen. Was schieflaufen konnte, lief von Anfang an schief. Wie der Fußballspieler Olaf Thon einmal sagte, kam zum fehlenden Glück auch noch Pech hinzu.

Christine Lambrecht: Dieses Video der Verteidigungsministerin erntet heftige Kritik. (Quelle: t-online)

Wobei man sich fragen muss, welcher unglückselige Ratgeber auf diese seltsame Idee kam, im Freien eine Botschaft aufzunehmen, wo doch in Deutschland das Böllern zum Brauch am Jahreswechsel gehört, was man selbst im Verteidigungsministerium wissen könnte. Und dann kam der Hinweis auf den Krieg in der Ukraine eben im Hagel der Raketen. Schlimmer geht immer, tja.

Ich habe Mitleid mit Christine Lambrecht, wie ich mit vielen Verteidigungsministern und -ministerinnen Mitleid hatte. Kein Anlauf wird ihnen gewährt, kein Einarbeiten, keine Atempause eingeräumt. Von der ersten Minute an sollen sie funktionieren, was nur heißt, dass sie von Leuten abhängig sich, die sie noch nicht kennen, und die schon viele Minister und Ministerinnen kommen und gehen sahen. Christine Lambrecht amtiert wohl nur noch auf Abruf. Mein Mitleid gilt jetzt schon der Nachfolgerin oder dem Nachfolger.

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