Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland > Militär & Verteidigung >

Ischinger warnt Ampel-Parteien vor Abzug der US-Atombomben

"Folgen wären katastrophal"  

Ischinger warnt Ampel vor Abzug der US-Atombomben

28.10.2021, 10:06 Uhr | dpa

Ischinger warnt Ampel-Parteien vor Abzug der US-Atombomben. Der Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz: Hier lagern die letzten US-Atombomben auf deutschem Boden. (Quelle: dpa/Thomas Frey)

Der Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz: Hier lagern die letzten US-Atombomben auf deutschem Boden. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Die Ampel-Parteien verhandeln über die Bildung einer Koalition – dabei soll es auch um die US-Atomwaffen in Deutschland gehen. Sicherheitsexperte Wolfgang Ischinger zeigt sich vorab besorgt.  

Angesichts der laufenden Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP hat der Sicherheitsexperte Wolfgang Ischinger davor gewarnt, die deutsche Beteiligung an der atomaren Abschreckung der Nato infrage zu stellen. Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz sagte der Deutschen Presse-Agentur, ein Abzug der US-Atombomben aus Deutschland würde schwerwiegende Folgen für die Sicherheit in Europa haben: "Den Polen ziehen wir sicherheitspolitisch den Teppich unter den Füßen weg, wenn Deutschland aus der nuklearen Abschreckung aussteigt."

Polen könnte dann auf einer Stationierung von Atombomben auf seinem Territorium bestehen, warnte Ischinger. "Eine aktive polnische Rolle bei der nuklearen Abschreckung der Nato hätte dann wiederum Folgen in Moskau, über die ich gar nicht nachdenken möchte", sagte er. "Meine Vermutung ist, die Folgen wären katastrophal. Die Nato würde nuklear noch näher an Russland heranrücken." In der deutschen Diskussion werde viel zu wenig darüber nachgedacht.

20 Nuklearwaffen in Deutschland

Auf dem Luftwaffenstützpunkt Büchel in Rheinland-Pfalz sind Schätzungen zufolge noch 20 US-Atombomben stationiert, die im Ernstfall von Bundeswehr-Kampfjets abgeworfen werden sollen. Sowohl die Partei- und Fraktionsführung der SPD als auch die Grünen haben sich in der Vergangenheit für einen Abzug dieser Nuklearwaffen stark gemacht. Damit würde sich Deutschland aus der nuklearen Abschreckung der Nato zurückziehen. Das Thema wird in den Koalitionsverhandlungen eine Rolle spielen.

Wolfgang Ischinger: "Eine aktive polnische Rolle bei der nuklearen Abschreckung der Nato hätte Folgen in Moskau, über die ich gar nicht nachdenken möchte. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)Wolfgang Ischinger: "Eine aktive polnische Rolle bei der nuklearen Abschreckung der Nato hätte Folgen in Moskau, über die ich gar nicht nachdenken möchte.". Foto: Kay Nietfeld/dpa.

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hatte erst vergangenes Wochenende Äußerungen der scheidenden Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) kritisiert, die sich zur deutschen Beteiligung an der atomaren Abschreckung der Nato bekannt hatte. Er warf ihr vor, an der "Eskalationsschraube" mit Russland zu drehen.

Harte Verhandlungen erwartet

Rund einen Monat nach der Bundestagswahl hatten SPD, Grüne und FDP am Mittwoch Verhandlungen über die konkreten Details ihrer geplanten gemeinsamen Regierungsarbeit aufgenommen. Bis zum 10. November sollen 22 Arbeitsgruppen Bausteine für einen Koalitionsvertrag ausarbeiten. In der Woche ab dem 6. Dezember soll der neue Kanzler – voraussichtlich Olaf Scholz (SPD) – gewählt und die neue Regierung gebildet werden. Die derzeitige schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist so lange geschäftsführend im Amt.

Unterdessen unterstrich der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Marco Buschmann, noch einmal die Haltung der Liberalen, Steuererhöhungen abzulehnen. "Die FDP ist immer bereit, über die Entlastung niedriger und mittlerer Einkommen zu sprechen, so wie SPD und Grüne es möchten", sagte Buschmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Donnerstag). "Aber die FDP ist nicht bereit, in dem Land mit den höchsten Steuern und Abgaben über Steuererhöhungen zu sprechen. Das war und ist unsere Haltung."

Vor knapp zwei Wochen hatten die Unterhändler der Parteien ihre Sondierungen beendet und ein Ergebnispapier vorgestellt. Danach soll es keine Steuererhöhungen geben und die Schuldenbremse eingehalten werden. Es werden aber harte Verhandlungen bei der Finanzierung der Projekte der künftigen Koalition erwartet.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Madeleinetchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deMadeleine

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: