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AfD-Streit: Alexander Gauland nennt Frauke Petry "illoyal"

Nächste Runde im AfD-Dauerstreit  

Gauland bezeichnet Petry als "illoyal"

03.06.2016, 17:34 Uhr | t-online.de, AFP

AfD-Streit: Alexander Gauland nennt Frauke Petry "illoyal". Geraten in der Öffentlichkeit immer häufiger aneinander: AfD-Chefin Frauke Petry und ihr Stellvertreter Alexander Gauland. (Quelle: dpa)

Geraten in der Öffentlichkeit immer häufiger aneinander: AfD-Chefin Frauke Petry und ihr Stellvertreter Alexander Gauland. (Quelle: dpa)

Die Spannungen in der Spitze der AfD geraten mehr und mehr an die Öffentlichkeit: Auslöser ist die umstrittene Boateng-Aussage von Alexander Gauland. Im Interview mit dem "Spiegel" hat der AfD-Vize Parteichefin Frauke Petry jetzt Illoyalität vorgeworfen.

Gauland kritisierte Petry, die sich für vorige Äußerungen von ihm öffentlich entschuldigt hatte: "Frau Petry sprach von Erinnerungslücken. Dass sie mir dies ohne Kenntnis des Vorgangs unterstellt hat und damit auf mein Alter angespielt hat, fand ich illoyal."

Der 75-jährige Vize-Vorsitzende der Alternative für Deutschland hatte laut Darstellung der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" in einem Hintergrundgespräch über Fußballer Jerome Boateng gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."

Daraufhin hatte Petry in der "Bild"-Zeitung erklärt: "Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat." Sie entschuldige sich "unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist".

Kräftemessen zwischen Petry und Gauland

Seit Längerem sei es im Bundesvorstand der Partei ein offenes Geheimnis, dass die beiden nicht miteinander können, berichtete der "Spiegel" zuvor. Petry fühlt sich demnach von Gauland an den Rand gedrängt.

Nach den gescheiterten Gesprächen zwischen Petry und dem Zentralrat der Muslime hatte Gauland Vorwürfe gegen die AfD-Chefin geäußert: Jeder gute Verhandlungsführer wisse, dass man in ein Gespräch nicht mit unerfüllbaren Bedingungen hinein gehen könne. Das lasse den Schluss zu, dass es Petry "in erster Linie um etwas anderes als einen echten Dialog gegangen sein muss".

Anders als Petry unterstützt Gauland den rechten Flügel der Partei um den Thüringer Landes- und Fraktionschef Björn Höcke: Während Petry kürzlich im Bundesvorstand ein Auftrittsverbot der AfD auf Kundgebungen der antiislamischen Pegida-Bewegung durchgesetzt hatte, verteidigte Gauland die Pegida-Kontakte der Partei. Der AfD-Vize gilt als enger Vertrauter Höckes.

Gauland über Nationalspieler: erst Boateng, jetzt Özil

Nach seinen scharf kritisierten Aussagen zu Boateng nahm sich Gauland - obwohl er laut eigener Aussage keine Ahnung von Fußball hat - nun den nächsten Nationalspieler vor: Mesut Özil.

Der deutsche Fußballer mit türkischen Eltern hatte jüngst ein Foto von seiner Pilgerreise nach Mekka veröffentlicht. Das bezeichnete Gauland gegenüber dem "Spiegel" nun als "sehr gewöhnungsbedürftig für eine Partei, die den Islam nicht als Teil Deutschlands betrachtet".

Der 75-jährige Politiker ergänzte: Bei Fußballspielern akzeptiere er dies, aber "bei Beamten, Lehrern, Politikern und Entscheidungsträgern würde ich sehr wohl die Frage stellen: Ist jemand, der nach Mekka geht, in einer deutschen Demokratie richtig aufgehoben? Liegt die Loyalität beim deutschen Grundgesetz, oder liegt sie bei einem Islam, der ein politischer Islam ist?"

Nationalelf "schon lange nicht mehr deutsch"

Für Gauland ist die deutsche Fußballnationalmannschaft außerdem "schon lange nicht mehr deutsch" im "klassischen Sinne". Profifußball sei "keine Frage der nationalen Identität mehr", sondern "letztlich eine Geldfrage", sagte er. "Eine deutsche oder eine englische Fußballnationalmannschaft sind schon lange nicht mehr deutsch oder englisch im klassischen Sinne."

Dem "Spiegel" sagte Gauland weiter, die vielen Spieler mit Migrationshintergrund seien kein Beweis dafür, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei. "Ich glaube nicht, dass die Nationalmannschaft dafür das passende Symbol ist." Auch das Lebensgefühl der meisten Deutschen ist nach Ansicht Gaulands nicht "so multikulti". Es gebe "noch immer eine starke Verbundenheit zu Land und Leuten und Geschichte und Tradition. Sie fiebern zwar mit dem Fußball mit, aber diese multikulturelle Welt ist den meisten noch immer fremd", sagte er.

Boateng bekennt sich zu "deutschen Tugenden"

In der Bevölkerung wird die Einschätzung Gaulands zu Boateng offenbar nicht geteilt: Die allermeisten Deutschen hätten den Fußball-Nationalspieler einer Umfrage zufolge gerne zum Nachbarn. In einer am Freitag vom "Focus" vorab veröffentlichten Emnid-Umfrage sprachen sich 82 Prozent der Befragten dafür aus. Auch bei den AfD-Wählern lag die Zustimmung bei 87 Prozent.

Boateng selbst bekannte sich in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung als Fan von als typisch deutsch geltenden Tugenden: "Fleiß und Disziplin, das ist einfach unsere Kultur", schrieb er. Dazu gehöre aber auch "Lockerheit und Weltoffenheit", wie es die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gezeigt habe.

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