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Gauland bei Lanz: Würde neben Boateng wohnen

Eine TV-Kritik von Nina Jerzy

Aktualisiert am 25.06.2021Lesedauer: 4 Min.
Alexander Gauland (Archivbild): In der jüngsten Lanz-Sendung äußerte der AfD-Politiker zu seinem Boateng-Tweet.
Alexander Gauland (Archivbild): In der jüngsten Lanz-Sendung äußerte der AfD-Politiker zu seinem Boateng-Tweet. (Quelle: Future Image/gbric)
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Fußballnationalspieler und die AfD – das gibt manchmal Zoff. Gauland erklärt bei Lanz sein Boateng-Zitat zum Zeichen gegen Alltagsrassismus. Der homophobe Tweet gegen Neuer ist für ihn aber kein Grund für einen Parteiausschluss.

Die Gäste

  • Alexander Gauland, Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion
  • Fabio De Masi, finanzpolitischer Sprecher der Linkspartei
  • Neven Subotić, Fußballprofi
  • Ann-Katrin Müller, "Spiegel"-Redakteurin

In der nordamerikanischen Football-Liga NFL hat sich mit Carl Nassib der erste aktive Spieler als schwul geoutet. In Deutschland sorgt das Eintreten für die Rechte nicht-heterosexueller Menschen im Spitzensport für Anfeindungen. Der AfD-Politiker Uwe Junge verunglimpfte die Regenbogenfarben am Arm von Nationaltorhüter Manuel Neuer während der EM in einem Tweet als "Schwuchtelbinde". Alice Weidel drohte dem ehemaligen AfD-Fraktionschef in Rheinland-Pfalz daraufhin mit dem Parteiausschluss. Ihr Co-Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland sieht das anders. "Ich finde es falsch, was Herr Junge gemacht hat. Aber ich finde es keinen Grund, jemanden aus der Partei auszuschließen", sagte er am Donnerstagabend bei "Markus Lanz".

"Der Tweet ist albern. Das ist nicht unsere Partei. Das hätte er besser gelassen den Quatsch", meinte Gauland. "Spiegel-"Journalistin Ann-Katrin Müller warf dem AfD-Politiker Verharmlosung vor: "Das ist ja nicht albern, das ist homophob." Außerdem spiegele Junges Äußerung die Haltung der Partei wider, dass eine Familie nur aus Vater, Mutter, Kind bestehen darf.

"Deshalb muss ich ja aber Leute, die anders orientiert sind, nicht beleidigen", konterte Gauland. "Sie wissen, dass Frau Weidel anders orientiert ist und ich arbeite seit vier Jahren mit ihr sehr gut zusammen." Bei diesem Thema sind sich die Oppositionsführer aber offenbar uneins. "Ich bin kein Freund von dauernden Versuchen, Leute aus der Partei auszuschließen", sagte Gauland.

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Gauland zu Boateng-Zitat

Lanz hatte den AfD-Politiker wie schon Weidel vor einigen Wochen nicht auf den inoffiziellen Ehrenplatz zu seiner Linken gesetzt und die Sendung auch dieses Mal mit einem anderen Gast begonnen. "Mit Schaum vorm Mund einen AfD-Vertreter zu zerlegen, kann böse nach hinten losgehen. Das ist erwartbar, vielleicht sogar ein bisschen billig", hatte der Moderator kürzlich im Branchenmagazin "Journalist" seine Strategie erklärt. Wirkungsvoll, wenn auch nicht sonderlich elegant fiel seine Überleitung zu Gauland aus. Eben hatte Neven Subotić, Ex-Spieler von Borussia Dortmund, über sein humanitäres Engagement in Äthiopien, den dortigen Bürgerkrieg und seine eigene Flucht als Kind aus Jugoslawien nach Deutschland berichtet. Eine Familie im Schwarzwald hatte seine Familie aufgenommen. "Wie fanden das die Nachbarn, als Sie plötzlich eingezogen sind?", fragte Lanz und wollte erwartungsgemäß als Nächstes von Gauland wissen, ob der eigentlich seinen Ausspruch zu Jérôme Boateng so stehen lassen wolle.

Gauland hatte 2016 über den damaligen Nationalspieler gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Der AfD-Fraktionschef stellte sich als missverstanden dar. "Es gibt einen gewissen Alltagsrassismus in der Gesellschaft. Das habe ich damit ausdrücken wollen. Das war alles", sagte er. Lanz reagierte ein wenig ungläubig: "Das heißt, das war Ihr Einsatz gegen Rassismus, verstehe ich das richtig?" "Ich wollte sagen, dass wir nicht immer ehrlich miteinander sind: Dass wir beim Fußball jubeln, aber wenn er unser Nachbar ist, dann gibt es erst mal einen Schluckauf. Das war meine Aussage. Das hatte überhaupt nichts Rassistisches von mir aus zu tun", bekräftigte Gauland. Auf die Frage, ob er denn neben Boateng wohnen würde, antwortete er: "Ja, natürlich, das ist doch überhaupt kein Problem."

"Keinen bösen Willen" attestierte Gauland seiner Partei auch bei den dubiosen Parteispenden an Weidel und AfD-Chef Jörg Meuthen. "Das sind Fehler, die wir gemacht haben", räumte er ein. "Wir hätten da in beiden Fällen etwas sorgfältiger mit umgehen müssen." Weder er noch Weidel würden aber ihren Geldgeber kennen und das Geld sei ja zurücküberwiesen worden. Fabio De Masi, Finanzexperte der Linkspartei, findet das Ganze weit weniger harmlos. "Sie stellen sich immer hin, Sie schimpfen auf die Eliten. Aber Sie sind nicht die Partei der kleinen Leute", warf er Gauland vor. "Sie hängen am Rockzipfel von Milliardären aus der Schweiz", "von einigen Schweizer Oligarchen".

In diesem Zusammenhang sind in dieser Woche neue Vorwürfe lautgeworden. NDR, WDR und "Zeit" berichteten, der Unternehmer Tom Rohrböck habe sich als eine Art "rechtes Phantom" und "heimlicher Strippenzieher" in der AfD etabliert. "Mir ist der Mann unbekannt", beteuerte Gauland auf das wiederholte Nachfragen des Gastgebers. Er sei zwar mal mit Rohrböck und vielen weiteren Gästen bei einer Veranstaltung fotografiert worden, kenne ihn aber im Gegensatz zu Weidel nicht. Gauland sprach von einer Geschichte ohne Belege und einem "Gernegroß", der sich wichtig machen wolle.

De Masi fordert von Scholz Ehrlichkeit

Für De Masi stellen Geschichten wie diese eine Gefahr für die Grundpfeiler unserer Gesellschaft dar. In einer Demokratie sollte jede Stimme gleich viel wert sein. Dieser Grundsatz werde aber untergraben, wenn sich Reiche politischen Einfluss erkaufen könnten. Der Linkenpolitiker griff dabei auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit dessen Spenden-Dinner an und attestierte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) wegen des Verzichts auf Steuerrückzahlungen einer Hamburger Privatbank im Cum-ex-Steuerskandal mangelnde Transparenz und Glaubwürdigkeit.

Der ehemalige Erste Bürgermeister Hamburgs hatte sich im April 2021 in einem Untersuchungsausschuss wiederholt auf Erinnerungslücken berufen. "Ich kann mich manchmal auch nicht erinnern, wo ich einen Zehn-Euro-Schein hingelegt habe. Aber wenn es um über 40 Millionen Euro für die Stadt geht, dann erinnere ich mich", kritisierte De Masi den SPD-Kanzlerkandidaten. "Das Problem ist nicht nur die Summe", unterstrich er. "Das Problem ist auch, dass etwas viel Wertvolleres geschädigt wird – das Vertrauen in die Demokratie, dass wir vor dem Gesetz alle gleich sind. Da muss man sich gerade machen, da muss man ehrlich sein", appellierte er an den potenziellen Koalitionspartner.

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Lars Wienand
Von Lisa Becke
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