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Tagesanbruch: Italien schlingert, Trump verwirrt, Mario Gomez plaudert

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MEINUNGTagesanbruch  

Was heute Morgen wichtig ist

Von Florian Harms

28.05.2018, 05:49 Uhr

Guten Morgen nun wieder aus Berlin, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Regierungsbildung in Italien gescheitert (Quelle: Fabio Frustaci/ANSA/AP/dpa )Italiens Präsident Sergio Mattarella (Quelle: Fabio Frustaci/ANSA/AP/dpa )

Italiens politisches System sieht eine starke Stellung des Staatspräsidenten vor. Er wacht über die Demokratie, die freie Marktwirtschaft – und die Verankerung des Landes in Europa. Ein Meilenstein des europäischen Einigungsprozesses war die Unterzeichnung der Römischen Verträge vor 61 Jahren im Konservatorenpalast auf dem Kapitol.

Heute ist dort ein Museum untergebracht – und so schauen viele Italiener auch auf die Europäische Union: ein angestaubtes Konglomerat aus einer vergangenen Zeit, das seinen Glanz verloren hat. Das zum Instrument dunkler Mächte verkommen ist, die an den Finanzmärkten in Brüssel und in Berlin herrschen. Viele Italiener haben den Eindruck, dass ihr Land zum Spielball dieser Mächte geworden ist. Und dass ihre eigenen, ständig wechselnden Regierungen diesen nichts entgegenzusetzen haben. Das ist einer der Gründe für die Wahlerfolge der radikalen Parteien 5 Sterne und Lega.

Radikale Parteien aber verfolgen radikale Ziele, und als die beiden Koalitionäre den Sarden Paolo Savona zum Minister für Wirtschaft und Finanzen machen wollten, klingelten bei Staatspräsident Mattarella die Alarmglocken. Savona wettert gegen die deutsche Übermacht in Europa. Was Berlin vor mehr als 70 Jahren militärisch nicht geschafft habe, verfolge es jetzt finanzpolitisch, meint er: seine Nachbarn zu unterjochen und sich zur neuen Großmacht aufzuschwingen. Deshalb müsse Italien schnell aus dem Euro raus und am besten auch aus der EU. Und das in einer Zeit, in der Italien mit knapp 132 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet ist (erlaubt sind 60 Prozent). Die Schulden können dann ja andere bezahlen.

Könnten 5 Sterne, Lega und ihr Frontkämpfer Savona diesen Plan umsetzen, würde nicht nur Italien, sondern auch die EU bis ins Mark erschüttern. Deshalb hat Staatspräsident Mattarella sich offenkundig geweigert, Savona ins Amt zu heben. Der designierte Ministerpräsident Conte gab deshalb gestern seinen Auftrag zur Regierungsbildung zurück.

Noch wissen wir nicht, wie dieses Drama ausgeht. Aber ich bin froh, dass Italien einen starken und verantwortungsvollen Präsidenten hat.

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WAS STEHT AN?

Bundeskanzlerin Angela Merkel in China: In der Volksrepublik besuchte die Kanzlerin auch das Startup iCarbonX. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)Bundeskanzlerin Angela Merkel in China: In der Volksrepublik besuchte die Kanzlerin auch das Startup iCarbonX. (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Was folgt nun aus Angela Merkels China-Reise? Wer die Nachrichtenbilder verfolgt hat, konnte den Eindruck bekommen: Das war ein zwar routinierter, aber uninspirierter Besuch ohne Höhepunkte und spürbare Folgen. Wie so oft bei Reisen von Regierungschefs.

Wer aber in China dabei war, der konnte auch eine ganz andere Kanzlerin erleben. Sicher, bei den protokollarischen Zeremonien wirkte sie hier und da müde. Aber das ist angesichts ihres großen Arbeitspensums und des eng getakteten Reiseprogramms verständlich. In den entscheidenden Augenblicken war sie hellwach, neugierig, wissbegierig.

Merkel ist beeindruckt von Chinas enormer wirtschaftlicher Dynamik. Dort wird nicht lang mit Weh und Ach über Projekte diskutiert. Sie werden einfach gemacht. Und wenn sie scheitern, werden neue gemacht. Der Kanzlerin imponiert dieser unbedingte Fortschrittsglaube, dieser Schwung – auch wenn er seine Schattenseiten hat: die Umweltzerstörung, die Menschenrechtsverletzungen, die eingeschränkten individuellen Freiheiten.

Zurück in Deutschland erlebt sie wieder eine ganz andere Welt: auf Ausgleich aller Interessen bedacht, zuverlässig, geordnet – aber auch träge, überkompliziert und manchmal zum Haare raufen unflexibel. Genehmigungsverfahren dauern ewig, jedes Risiko wird vermieden, die digitale Infrastruktur ist mittelmäßig. Auch die in Deutschland weit verbreitete Freude am Misslingen kann beunruhigend sein: dass viele Leute sich lang und breit darüber auslassen, was alles nicht klappt und wer alles daran schuld ist, statt einfach den nächsten Versuch zu starten wie die Amerikaner und Chinesen mit ihrem Trial and Error. Manchmal hat Merkel den Eindruck: Wir in Europa, auch gerade wir Deutschen, müssten uns eine Scheibe von dieser Dynamik abschneiden. Weniger reden, mehr machen. Um in den kommenden Jahren den Anschluss in der Weltwirtschaft nicht zu verpassen.

Die Frage ist: Wenn die Einsicht da ist, warum sagt Merkel das nicht lauter? Warum hält sie keine Ruckrede wie damals Bundespräsident Roman Herzog, warum versucht sie die Bürger nicht stärker mitzureißen?

Die Antwort ist: Weil sie nicht daran glaubt, dass es hilft. Sie ist Pragmatikerin, zutiefst davon überzeugt, dass man nicht reden, sondern machen muss.

Was sie dabei übersieht: dass man vor dem Machen erst mal erklären muss – und durchaus auch mitreißen.

Eine Eigenart von Merkels Politikstil ist es, dass sie sich selbst intensiv mit großen Themen und Problemen beschäftigt, abwägt und dann entscheidet. Allzu oft aber, ohne ihr Abwägen, Ihre Zweifel und den Weg, wie sie zu ihren Überzeugungen gelangt, den Bürgern transparent zu erklären. Dann entstehen Kommunikationslücken. So war es in der Flüchtlingskrise, beim Atomausstieg, bei der Abschaffung der Wehrpflicht: einsame Entscheidungen. Zumindest hatten viele Bürger diesen Eindruck.

Und so ist es auch, wenn Merkel durch die Welt fliegt, in China Bahnbrechendes erlebt – und zu der Überzeugung gelangt, dass wir Deutschen deutlich mehr Tempo aufnehmen müssen, um in der Weltwirtschaft nicht von der Spitzengruppe ins Mittelfeld durchgereicht zu werden. Merkel will keine Ruckrede halten, und vielleicht kann sie es auch nicht.

Das kann man verständnisvoll akzeptieren. Oder man kann es für eine unverzeihliche Schwäche halten, die Deutschland noch teuer zu stehen kommen wird.

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Mario Gomez und t-online.de-Reporter Luis Reiß (Quelle: t-online.de)Mario Gomez und t-online.de-Reporter Luis Reiß (Quelle: t-online.de)

Mario Gomez und die Nationalmannschaft, das war lange ein heikles Thema. Nach Fehlschüssen wurde der Stürmer gar ausgepfiffen und verspottet. Doch mit 32 Jahren ist er immer noch dabei, inzwischen als ältester Profi im vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft in Russland. Ebenfalls im DFB-Trainingslager ist unser Reporter Luis Reiß (dem sie übrigens hier folgen können). Er hat Gomez zum Gespräch gebeten und einen nachdenklichen Mann erlebt, der offen über den größten Fehler seiner Karriere und einen möglichen Abschied aus der Nationalelf spricht. Das Interview lesen Sie heute Morgen auf unserer Seite.

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WAS STEHT NOCH AN?

U.S. President Donald Trump  sits in the Oval Office of the White House in Washington (Quelle: Reuters/Yuri Gripas)US-Präsident Donald Trump (Quelle: Yuri Gripas/Reuters)

  • Erst will Donald Trump sich mit Nordkoreas Kim treffen. Dann sagt er das Treffen ab. Dann kommt die Absage der Absage. Was kommt als nächstes? Und was sollen wir von all dem halten? Unser Amerika-Kolumnist Gerhard Spörl hat das Drama zu einer Chronologie verarbeitet, die wir heute Vormittag auf t-online.de veröffentlichen. Ich habe den Text schon gelesen und kann Ihnen versprechen: Die Lektüre lohnt sich sehr.
  • Zu den am härtesten belasteten Gruppen in unserer Gesellschaft gehören Eltern. Neben dem Job auch noch Kinder großziehen, die ja die Zukunft unseres Landes sind – und dabei allzu oft vom Staat im Regen stehen gelassen werden. Weil es zu wenig Kitaplätze, zu wenig bezahlbare Wohnungen, zu wenig flexible Arbeitsmodelle gibt. Die Bertelsmann-Stiftung hat das Problem systematisch untersucht, heute präsentiert sie die Ergebnisse (und hoffentlich auch Lösungsvorschläge).
  • Plastik ist praktisch: billig, biegsam, bleibt beinah ewig in Form. Plastik ist ein Riesenproblem: vermüllt die Weltmeere, lässt Millionen Tiere verenden, verschmutzt Strände und Korallen. Jetzt will die EU-Kommission endlich etwas dagegen unternehmen. Einmalprodukte wie Strohhalme, Cocktailstäbchen oder Luftballonhalter sollen verboten werden. Richtig so, es gibt ja längst unbedenkliche Alternativen. Sie, liebe Leserinnen und Leser, müssen aber gar nicht so lange warten, bis das Verbot greift. Sie können einfach auch jetzt schon auf den schädlichen Müll verzichten.

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WAS LESEN?

"Hört das denn nie auf?" Wegen der Datenschutzgrundverordnung bittet nun jede Firma, bei der wir vor fünf Jahren mal eine Reise gebucht oder eine Kiste Wein bestellt haben, per E-Mail um unser Einverständnis, unsere Daten weiter nutzen zu dürfen. Diese E-Mail-Flut wirft kein gutes Licht auf das EU-Gesetz, das eigentlich unsere Rechte als Verbraucher stärken soll. Leider ging der Schuss nach hinten los, meint meine Kollegin Laura Stresing. 

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Im Dezember 1956 kam in Deutschland ein Kind mit Fehlbildungen an den Ohren auf die Welt. Der Vater des Kindes, ein Mitarbeiter des Pharmaunternehmens Grünenthal, hatte seiner Frau während der Schwangerschaft ein Muster eines Beruhigungsmittels gegeben, das zehn Monate später auf den Markt kommen sollte: Contergan. Gestern vor 50 Jahren startete der Prozess um einen der größten Medizinskandale der Geschichte. Heute wird der Contergan-Wirkstoff wieder eingesetzt – und birgt Hoffnung für viele Menschen. Wie kann das sein? Meine Kollegin Juliane Wellisch kennt die Hintergründe. 

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Haben Sie am Samstagabend das Champions-League-Finale gesehen? Dann wollen Sie vielleicht wissen, wie der deutsche Torwart des FC Liverpool, Loris Karius, sich nach seinen beiden unfassbaren Patzern fühlt. Unser Sportchef Florian Wichert hat die Geschichte aufgeschrieben – und darüber hinaus mit Kult-Torwart Lutz Pfannenstiel gesprochen. Er erklärt, warum Karius auch nach seinen Patzern ein guter Botschafter für den deutschen Fußball ist – aber trotzdem über einen Vereinswechsel nachdenken sollte.

Wie, Sie haben das Finale nicht gesehen? Dann schauen Sie sich rasch die Traumtore und die Patzer an, dann können Sie mitreden. 

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WAS AMÜSIERT MICH?

Da gab es doch diese Demo gestern in Berlin. Worum ging es noch mal? Ach ja. Und warum kamen so wenig Leute? Ach ja:

 (Quelle: Mario Lars) (Quelle: Mario Lars)


Ich wünsche Ihnen einen schwungvollen Wochenbeginn.

Ihr Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: harms.chefredaktion@t-online.de

Mit Material von dpa.

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