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Tagesanbruch: Was Messi und Merkel gemeinsam haben, Erdogan droht zu scheitern

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MEINUNGTagesanbruch  

Was heute Morgen wichtig ist

Von Florian Harms

22.06.2018, 06:04 Uhr

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Lionel Messi nach der Niederlage gegen Kroatien (Quelle: Reuters/Matthew Childs)Lionel Messi nach der Niederlage gegen Kroatien. (Quelle: Matthew Childs/Reuters)

Argentinien. Das große Argentinien. 1986 bei der Weltmeisterschaft in Mexiko: der Durchmarsch ins Finale. Diego Maradonas 60-Meter-Dribbling gegen England, das WM-Tor des Jahrhunderts. Sein Tanz mit dem Ball gegen Belgien. Das 3:2 im Finale gegen Deutschland, ich saß draußen auf der Terrasse und raufte mir die Haare nach Toni Schumachers Patzern. Dann vier Jahre später die Revanche: Die Argentinier sind dem DFB-Team mindestens ebenbürtig, aber Andi Brehme behält beim Elfmeter die Nerven und schenkt Deutschland den Wiedervereinigungstitel.

Und das Argentinien von heute? Eine Schattentruppe. Uninspiriert, behäbig, mürrisch. Mittendrin der unvergleichliche Messi, der mal der beste Spieler der Welt war, aber im Nationaltrikot so gut wie nie seine Weltklasse ausspielt. 0:3 gegen Kroatien gestern Abend. Versteinerte Gesichter auf der Trainerbank, der weinende Maradona auf der Tribüne. Ein Debakel.

Auch die deutsche Nationalmannschaft ist Kroatien bei einer Weltmeisterschaft mal 0:3 unterlegen. 1998 war das. Ich saß in einer Kneipe in Damaskus und starrte fassungslos in das fassungslose Gesicht des mit der Roten Karte bestraften Christian Wörns auf der Großbildleinwand. Anschließend sprachen alle davon, dass die DFB-Elf nun dringend einen Generationenwechsel brauche. Aber es dauerte acht Jahre, bis er beim Sommermärchen 2006 in Deutschland gelang. Den Argentiniern wünsche ich, dass sie den Umbau schneller schaffen. Ohne ein starkes Argentinien ist eine WM nur halb so schön. Selbst wenn es bedeutet, dass der große Messi sich in den Ruhestand verabschiedet. Neben Maradona ist auf der Tribüne bestimmt noch ein bequemes Plätzchen frei.

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Regierungsbank im Bundestag (Quelle: imago/Felix Zahn)Regierungsbank im Bundestag. (Quelle: Felix Zahn/imago)

Wenn ich mir die argentinische Nationalmannschaft so anschaue, dann fallen mir durchaus Parallelen abseits des Fußballs ein. Zum Beispiel im Berliner Regierungsviertel. Auch dort gibt es eine Mannschaft, die uninspiriert, behäbig, mürrisch wirkt. Mittendrin die Kanzlerin, die mal die mächtigste Frau der Welt war, aber ihre Stärken nur noch selten ausspielen kann. Braucht es auch hier einen Generationenwechsel? Mancher würde jetzt sagen: lieber früher als später! Andere denken: Um Himmels Willen, wer soll das Team in diesen chaotischen Zeiten denn sonst leiten? Schauen wir es uns doch mal an, dieses Team, nachdem es nun die ersten hundert Tage im Amt ist. Mein geschätzter Kollege Gerhard Spörl hat sich die Arbeit gemacht und Merkels Ministern Noten erteilt. Das Ergebnis ist, finde ich, treffend.

Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings auch dieses Ergebnis:


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WAS STEHT AN?

Recep Tayyip Erdogan (Quelle: Reuters/Goran Tomasevic)Recep Tayyip Erdogan. (Quelle: Goran Tomasevic/Reuters)

In Ankara steht ein Thron. Auf dem Thron sitzt der Sultan, und der Sultan heißt Erdogan. Allerdings wackelt der Thron: Nachdem es jahrelang meist bergauf ging, könnte Erdogan bei der Präsidentschafts- und Parlamentswahl am Sonntag scheitern. So oder so: In jedem Fall wird der Urnengang nicht nur die Geschicke des Landes am Bosporus entscheidend beeinflussen, sondern auch spürbare Folgen für Deutschland haben. Weil hier 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken leben, aber auch wegen Erdogans Entscheidungen in der Flüchtlings-, Kurden- und Syrienpolitik. Deshalb fliegt unser Reporter Patrick Diekmann heute Morgen in die Türkei, um Sie mit Analysen und Interviews zu versorgen. Vorab empfehle ich Ihnen seinen Hintergrundartikel: Warum Erdogan ein politisches Debakel droht. 

Und wenn Sie sich neben dem politischen auch ein malerisches Bild machen wollen, schauen Sie doch mal in diese Geschichte aus dem "SZ Magazin": Mehr als 8.000 Mal hat der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk den Ausblick aus seiner Wohnung in Istanbul fotografiert. Die Bilder erzählen viel über seine Heimatstadt, über die Türkei – und über Pamuk selbst. 

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Rosinenbomber über Berlin (Quelle: Care)Rosinenbomber über Berlin. (Quelle: Care)

Vor 70 Jahren, am 24. Juni 1948, sperren Rotarmisten alle Zufahrtswege nach Berlin. Dieser Versuch, die ganze Stadt unter sowjetische Kontrolle zu zwingen, dauert bis zum 12. Mai 1949. Unter der Devise "Jetzt erst recht!" richtete General Lucius D. Clay, Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone, die Berliner Luftbrücke ein. Im Minutentakt landeten "Rosinenbomber" mit Lebensmitteln, Medikamenten und weiteren Gütern in der blockierten Trümmerstadt. Zeitweise brachten sie bis zu 30.000 Care-Pakete im Monat. Warum schreibe ich Ihnen das? Weil dieses Ereignis zeigt, wie viel die Amerikaner für unser Land getan haben, nachdem sie es gemeinsam mit den anderen Alliierten von den Nazis befreiten. In Zeiten, in denen wir oft nur kopfschüttelnd auf die andere Seite des Atlantiks blicken, hilft die Erinnerung an so ein Ereignis, die aktuelle politische Lage im historischen Kontext und damit vielleicht etwas weniger düster zu sehen. Deshalb schauen Sie doch mal in dieses kurze Video hinein.

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Bundestrainer Joachim Löw (Quelle: dpa/Christian Charisius)Bundestrainer Joachim Löw. (Quelle: Christian Charisius/dpa)

Von außen betrachtet vermittelte die Nationalelf in den vergangenen Wochen oft einen gleichgültigen Eindruck. Der Skandal um Özils und Gündogans Fan-Foto mit Sultan Erdogan. Die Hängepartie um Manuel Neuer. Die wurstigen Testspiele gegen Österreich und die Saudis. Häufig hatte man das Gefühl: Der Mannschaft ists egal. Mit Bundestrainer Löw ist man schließlich noch immer irgendwie ins Halbfinale gekommen. In diesen Tagen ändert sich etwas, zumindest nach außen, beobachtet unser Reporter Luis Reiß in Sotschi. Ob das für den so wichtigen Sieg im zweiten WM-Spiel gegen Schweden reicht? 

Während Luis Reiß das DFB-Team in Moskau und Sotschi unter die Lupe genommen hat, war unser zweiter WM-Reporter Benjamin Zurmühl beim schwedischen Auftaktsieg gegen Südkorea im Stadion in Nischni Nowgorod. Dabei hat er drei Dinge beobachtet, auf die die deutsche Mannschaft morgen aufpassen muss. Nach dem Sieg der Schweden sprach Zurmühl auch mit einigen Spielern – und stellte dabei eine Gemeinsamkeit fest: Die Skandinavier strotzen vor Selbstbewusstsein. Angst vor wütenden Weltmeistern haben sie jedenfalls nicht. Eher Vorfreude auf das Spiel, sagen die Bundesliga-Profis Emil Forsberg und Albin Ekdal.

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WAS LESEN?

Europa zieht seine Grenzen hoch, um Flüchtlinge abzuwehren. Dabei wäre eine kluge Entwicklungshilfe in Krisenländern viel sinnvoller. Der Chef der Welthungerhilfe, Till Wahnbaeck, erklärt, was es dafür braucht.

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Wir kannten uns nicht persönlich, doch es ist immer ein bisschen traurig, wenn jemand stirbt. Zumal bei einer so sympathischen Persönlichkeit. Zwar konnte sie nicht sprechen und sich nur mit Zeichensprache verständigen, und sie verstand auch nicht mehr als circa 2.000 Worte auf Englisch. Mit einem IQ zwischen 75 und 95 lag sie etwas unter dem IQ eines Durchschnittsmenschen. Aber sie hatte ein gutes Herz, besonders ein Herz für Tiere. Das erste Kätzchen, das sie adoptierte, entlief nach kurzer Zeit und wurde überfahren. "Schlimm, traurig, schlimm", signalisierte sie damals, "Stirnrunzeln, weinen, Stirnrunzeln, traurig". Nach dem Tod ihres Lebensgefährten Michael kam ihr ein halbes Jahr lang kein Lächeln mehr über die Lippen, erst die Begegnung mit dem Schauspieler Robin Williams munterte sie wieder auf – die beiden blieben in Freundschaft verbunden, bis zu seinem Tod. Hier können sie die denkwürdige Begegnung der beiden noch einmal sehen. Diese Woche ist Koko nun gestorben, im Alter von 46 Jahren. Sie war ein wirklich außergewöhnlicher Gorilla. Stirnrunzeln, weinen, Stirnrunzeln, traurig.

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WAS FASZINIERT MICH?

"Ich wollte den Leuten zeigen, dass selbst wir in Slums Talent haben", sagt Gracious Amani, eine Dreizehnjährige aus Nairobi. Eigentlich war sie nur zu ein paar Besuchern gelaufen, die Bonbons verteilten, hatte sich zwei genommen und wollte sich irgendwie bedanken. Und sang dann halt für die Fremden ein bisschen. Als die ihre Fassung wiedergewonnen hatten, sollte sie es gleich noch mal tun, diesmal vor laufender Handy-Kamera. Das Mädchen aus dem Slum holte also noch mal Luft. Schauen Sie es sich ruhig an! Sie werden Ihre Fassung schon wiedergewinnen.

Ich wünsche Ihnen einen gefassten Tag und dann ein schönes Wochenende.


Ihr Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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