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Tagesanbruch: Enthüllungsbuch von Bob Woodward über die Zustände im Weißen Haus


Was heute Morgen wichtig ist

Von Florian Harms

Aktualisiert am 05.09.2018Lesedauer: 6 Min.
Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Donald Trump im Oval Office.
Donald Trump im Oval Office. (Quelle: Evan Vucci/ap-bilder)
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

(Quelle: t-online.de)

Eigentlich wollte ich Ihnen heute Morgen von Idlib erzählen – aber die Lage dort ist derzeit diffus. Was wir wissen: Russische Kampfjets schießen die letzte Rebellenhochburg Syriens sturmreif und bereiten eine Bodenoffensive iranischer Söldner vor. Am Freitag wollen Assads Verbündete sowie die Türkei als Schutzmacht der Opposition über die Krise beraten, dann könnte sich das Schicksal Idlibs endgültig entscheiden. Zwischendrin feuert US-Präsident Trump Drohungen gegen Moskau und Teheran. Die syrische Krise ist längst zum Stellvertreterkrieg mutiert, und wie immer in so einem Konflikt bringen Zivilisten die größten Opfer. Millionen Menschen leben in der Region, Fluchtwege in die Türkei sind tückisch, die UN warnen vor der "größten humanitären Katastrophe des 21. Jahrhunderts".

Auf t-online.de werden wir Sie heute und in den folgenden Tagen über diese Tragödie unterrichten, aber wie so oft in kriegerischen Konflikten ist die Quellenlage schwierig, sind Wahrheit und Lüge schwer zu trennen. Deshalb empfehlen sich vorsichtige Formulierungen.

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Donald Trump im Oval Office
Donald Trump im Oval Office (Quelle: Evan Vucci/AP/dpa)

Sehr viel besser ist die Quellenlage in einem anderen Fall: Der amerikanische Enthüllungsjournalist Bob Woodward hat monatelang über Donald Trumps Regierung recherchiert und das Ergebnis in einem Buch niedergeschrieben, das am 11. September erscheint. Sein Arbeitgeber, die "Washington Post", veröffentlicht nun vorab Auszüge. Und die haben es in sich.

Im Weißen Haus herrschen demnach ungeheuerliche Zustände. Alle beschimpfen einander, enge Mitarbeiter verschweigen dem Präsidenten Informationen und stibitzen Dokumente von seinem Schreibtisch, damit er nicht noch mehr Unheil anrichtet. Aber der bemerkt das gar nicht. "Er ist ein Idiot", soll Stabschef John Kelly über seinen Boss gesagt haben. "Es ist sinnlos zu versuchen, ihn von irgendetwas zu überzeugen. Er ist entgleist."

"Woodwards Recherchen haben ein anderes Gewicht als vorige Enthüllungsbücher über Trump", erklärt unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold. "Denn Woodward ist seit den Watergate-Enthüllungen ein absoluter Profi-Rechercheur im Hauptstadtbetrieb." Hier beschreibt mein Kollege für Sie die bislang bekannten Erkenntnisse – und möglichen Folgen. Und hier hören Sie einen minutenlangen Mitschnitt eines Telefonats zwischen Woodward und Trump, der offenbart, wie der Präsident von seinen eigenen Leuten hintergangen wird. In jedem normalen Unternehmen würden wir sagen: Das reicht für fristlose Kündigungen. Im Fall des Weißen Hauses sagen wir: danke. Es gibt dort Menschen, die offenkundig alles in ihrer Macht Stehende tun, um ein noch größeres Trump-Chaos zu verhindern.

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Teilnehmer der "Pro-Chemnitz"-Kundgebung in Chemnitz
Teilnehmer der "Pro-Chemnitz"-Kundgebung in Chemnitz (Quelle: Boris Roessler/dpa)

Gestern schrieb ich im Tagesanbruch über Chemnitz und versuchte zu erklären, warum sich dort so viele Leute von Extremisten vereinnahmen lassen. Es gibt aber Menschen, die noch viel Interessanteres dazu beitragen können. Zum Beispiel Joachim Klose von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im Gespräch mit meinem Kollegen David Ruch sagt er viele kluge Dinge über die Verunsicherung vieler Ostdeutscher, die Transformation nach der Wende, all die Ausnahmesituationen – von der Finanzkrise über die Flüchtlingskrise bis zu persönlichen Krisen. "Daraus entstand eine Haltung, jede Form von Veränderung intuitiv abzuwehren. Und die negativen Effekte der Veränderungen wurden zur Lunte an einem Pulverfass."

Auch die speziellen Probleme Sachsens analysiert Klose: "Sachsen hat seit Beginn der friedlichen Revolution in der DDR rund eine Million Menschen durch Flucht oder Abwanderung verloren. Das ist ein Fünftel der gesamten Bevölkerung. Vor allem junge Leute gingen weg, zurück blieb eine überalterte Gesellschaft. Chemnitz ist heute die Großstadt mit dem höchsten Durchschnittsalter in Europa. In der Mehrzahl waren es junge Frauen, die den Freistaat verließen. Sachsen hat einen Männerüberschuss von elf Prozent. Vor allem im ländlichen Raum finden junge Männer weder eine Arbeit noch eine Partnerin. Und dann greifen sie die Meinungen der älteren, durch die Wende enttäuschten und frustrierten Menschen auf." Dieses Interview sollten Sie gelesen haben.

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Und dann war da noch der Tweet des österreichischen Politikers Efgani Dönmez gegen die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli. Wer ihn las, konnte ihn nur als sexistisch verstehen. Verletzend, abgeschmackt, inakzeptabel. Dönmez wurde in der Folge aus der ÖVP-Fraktion ausgeschlossen, entschuldigte und rechtfertigte sich umständlich. Da hat jemand Nachhilfestunden in Respekt und Anstand nötig.

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WAS STEHT AN?

Michael Kretschmer
Michael Kretschmer (Quelle: Monika Skolimowska/dpa-bilder)

Die wichtigsten Termine des Tages in Kürze:

Das Bundeskabinett bringt am Morgen die Mietpreisbremse für Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt auf den Weg. Sie enthält neue Rechte für Mieter und schärfere Regeln für Vermieter. Wurde allerhöchste Zeit.

In Dresden gibt Ministerpräsident Kretschmer am Vormittag eine Regierungserklärung ab, Titel: "Für eine demokratische Gesellschaft und einen starken Staat." Ich werde genau zuhören.

In Berlin erklärt Bundesforschungsministerin Karliczek, welche Fortschritte die "Hightech-Strategie 2025" macht. Sie soll Forschung und Innovationen in Deutschland antreiben. Wer guckt, was da so geschieht, findet zum Beispiel ein neues Internetportal: Es gibt Tipps, was man als einzelner Bürger zum Klimaschutz beitragen kann. Doch, das geht wirklich.

Außenminister Maas reist zu seinem Antrittsbesuch in die Türkei. Die Zeichen zwischen Berlin und Ankara stehen auf Entspannung. Gut so. Erdogan ist ein Autokrat, aber sein Land ist zu wichtig für Deutschland, als dass wir uns die diplomatische Dauerkrise weiter leisten könnten.

Die ebenfalls dauerkriselnde Commerzbank fliegt heute Abend vermutlich hochkant aus dem Dax. Ist einfach nicht mehr wertvoll genug. Stattdessen rückt der Zahlungsabwickler Wirecard nach, ein Unternehmen, das systematisch auf ein digitales Geschäftsmodell und schlanke Strukturen setzt. Merke: Dampfer dümpeln, Schnellboote siegen – so ist das heute in der Finanzwirtschaft.

Heute vor zwölf (12!) Jahren erfolgte der erste Spatenstich für den Hauptstadtflughafen BER. Eröffnet ist er immer noch … wissen Sie ja. Aber wissen Sie auch, wie die Baustelle derzeit genutzt wird? Nein, nicht nur als Parkplatz.

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Tagesanbruch - Was heute wichtig istWas heute wichtig ist

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Nach Hamburg jetzt auch Frankfurt: Ein Verwaltungsgericht verhandelt heute über ein mögliches Diesel-Fahrverbot in der Finanzmetropole. Die Deutsche Umwelthilfe hat auf die Einhaltung von Stickoxid-Grenzwerten geklagt. Die Bürger sollen also ausbaden, was Politik und Autokonzerne ihnen eingebrockt haben. Macht schlechte Laune.

Im Fernsehen steigt heute Abend das Finale der Kuppelfernsehshow "Die Bachelorette". Macht etwas bessere Laune.

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Löw, Vogts
Jogi Löw, Berti Vogts (Quelle: Sven Simon/ imago)

Apropos Laune: Die Fußballfürsten Löw und Bierhoff suchen händeringend den Weg aus ihrer Krise und holen sich vor dem ersten Länderspiel nach dem WM-Debakel (morgen Abend gegen Weltmeister Frankreich) Hilfe von unserem Kolumnisten: Berti Vogts soll als eine von zehn "Koryphäen" die DFB-Lenker in einem neu geschaffenen Beirat unterstützen. Worum es da geht und was Löw jetzt sofort ändern muss? Wenn Sie Vogts neue Kolumne lesen, wissen Sie mehr.

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WAS LESEN?

Wer etwas Neues wagt, hat in der Regel meine Sympathie. Aber einigermaßen durchdacht sollte die Idee schon sein. Wie Sie wissen, hat Sahra Wagenknecht gestern ihre neue Sammlungsbewegung "Aufstehen" vorgestellt. Die Mehrheit der Bundesbürger glaubt einer exklusiven Umfrage zufolge zwar nicht, dass die Linken-Fraktionsvorsitzende damit Erfolg hat. Aber Umfragen sind das eine und politische Analysen das andere. Also schaue ich mal, was unsere Politikchefin Tatjana Heid denkt. Schnell ihren Kommentar aufrufen … ah, so ist das!

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Wenn ein Normalsterblicher Spaghetti in die Hand nimmt, tut er sie in einen Topf. Wenn ein berühmter Physiker Spaghetti in die Hand nimmt, tut er sie in einen Topf – und macht sich dabei Gedanken. Über die geheimnisvolle dunkle Materie zum Beispiel. Über Quantenfeldtheorie. Oder darüber, dass Spaghetti nie, nie, nie in zwei Teile zerbrechen, wenn man sie biegt. Sondern immer mindestens in drei. Immer. Ist so.

Warum? Die Frage verdanken wir einem gemeinsamen Kochabend von Richard Feynman (Nobelpreis für Physik) und Danny Hillis (Entwicklung von Supercomputern). Es dauerte dann noch einige Jahrzehnte, bis eine Forschungsgruppe schließlich der Nudel ihre Geheimnisse abrang. Und wie so oft ist es hinterher eigentlich ganz einfach: Wenn man eine der dünnen Stangen biegt und bricht, schnellt sie zurück und zerbricht durch die Kraft des Rückschlags in weitere Stücke. So weit, so gut.

Doch der menschliche Drang, das Universum im Großen und im Kleinen zu begreifen, gibt sich mit Halbgarem nicht zufrieden und mit dreigeteilten Nudeln schon gar nicht. Ob man Spaghetti doch in nur zwei Hälften brechen kann? Ein Team aus Boston hat nun den Dreh entdeckt: verdrehen. Die Nudeln. Ganz doll. Nach dem Verdrehen: durchbrechen. Die Spaghetti drehen sich blitzschnell zurück, das bremst die Schwingung nach außen – stark genug, dass es bei zwei Teilen bleibt. Und damit zurück zur Quantenfeldtheorie.

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WAS RÜHRT MICH?

Sie kennen das bestimmt: Man kehrt von einer Reise zurück, die Tür der Flughafenkontrolle oder des Zuges öffnet sich – und dann rennen sie einem entgegen: die eigenen Kinder oder Enkel, die Liebste, der Kumpel, die beste Freundin. Umarmung, Küsse, vielleicht Freudentränen. Ein beglückender Moment, in dem wir spüren, wie schön es ist, diese Menschen um uns zu haben. Was sagen Sie, wenn ich Ihnen jetzt sage, dass sich so ein Moment noch steigern lässt? Obwohl Sie die beiden Menschen in diesem kurzen Video vermutlich nicht kennen, verspreche ich Ihnen: Diese Szene hat große Chancen, heute zu Ihrem schönsten Moment des Tages zu werden.

Ich wünsche Ihnen viele schöne Momente mit Ihren Lieben.

Ihr Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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