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Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Das Geheimnis des gro├čen Zampanos

  • Florian Harms
Von Florian Harms

Aktualisiert am 04.02.2020Lesedauer: 6 Min.
Donald Trump feiert sich auf einer Party in seinem Hotel Mar-a-Lago in Florida.
Donald Trump feiert sich auf einer Party in seinem Hotel Mar-a-Lago in Florida. (Quelle: imago images)
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte ├ťberblick ├╝ber die Themen des Tages:

WAS WAR?

Hierzulande neigen viele Leute dazu, absch├Ątzig ├╝ber den gro├čen Teich zu schauen: St├Ąndig diese Superlative! Dieses archaische Weltbild! Und dann dieser unm├Âgliche Pr├Ąsident! Trumpelt durch die Au├čenpolitik, grinst sein feistes Million├Ąrsgrinsen, bel├Ąstigt uns mit seinem Twittergewitter, haut eine L├╝ge nach der anderen raus, so banal, so geistlos, eine Beleidigung f├╝r jeden ehrbaren Menschen, schlimmer noch: eine Gefahr f├╝r die ganze Welt! Bei der Lekt├╝re vieler Leitartikel deutscher Medien und beim Blick auf manches deutsche Nachrichtenmagazin-Cover kann man den Eindruck gewinnen, die B├╝rger der Vereinigten Staaten von Amerika seien mehrheitlich fanatisierte Ignoranten, die einem Wahnsinnigen die Macht ├╝berlassen haben. Ziemlich holzschnittartig, dieses Bild.

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Sicher, Donald Trump ist kein Intellektueller und ein Diplomat ist er auch nicht. Was andere denken/wollen/tun interessiert ihn augenscheinlich nur dann, wenn es seine Ansichten best├Ątigt oder ihm als Steilvorlage f├╝r den n├Ąchsten Tweet dient. Manieren scheinen ihm ebenso fremd zu sein wie Moral, als "Paten" habe ich ihn vor einiger Zeit tituliert. Die Enth├╝llungen in der Ukraine-Aff├Ąre zeigen: Dieser Mann ordnet Gesetze seinen pers├Ânlichen Interessen unter; sein Amt kann er nur deshalb behalten, weil die amerikanische Politik ebenso scharf in zwei Lager gespalten ist wie der Rest des Landes und seine Republikaner derzeit nun mal die (knappe) Mehrheit im Kongress besitzen. In dem ehrw├╝rdigen Haus mit der hohen Kuppel g├Ânnt man einander nicht einmal das Schwarze unter den Fingern├Ągeln, man sieht in den Typen von der jeweils anderen Partei nicht politische Gegen├╝ber, sondern Feinde, die es auszutricksen und zu bek├Ąmpfen gilt. Um die Macht zu behalten, nimmt man im Zweifel auch einen Gesetzesbrecher im Wei├čen Haus in Kauf. So ist das heutzutage in Amerika. Ziemlich wild.

Chuck Schumer, F├╝hrer der demokratischen Minderheitsfraktion im Senat, berichtet den Medien vom Stand des Impeachment-Verfahrens gegen Donald Trump.
Chuck Schumer, F├╝hrer der demokratischen Minderheitsfraktion im Senat, berichtet den Medien vom Stand des Impeachment-Verfahrens gegen Donald Trump. (Quelle: imago images)

Trotzdem: Der deutsche Blick auf die Geschehnisse in den USA ersch├Âpft sich oft zu schnell im Schwarz und Wei├č. Donald Trump mag ein unberechenbarer Narzisst sein, aber ein Quartalsirrer ist er nicht. Eigentlich ist er sogar recht klar zu verorten, wenn man bedenkt, wie er dorthin gelangt ist, wo er heute ist: Big Donald ist die Inkarnation einer tiefen Sehnsucht vieler Amerikaner. Jener Menschen, die sich jahrelang von der politischen Kaste in Washington vernachl├Ąssigt gef├╝hlt haben. Die den Eindruck gewonnen haben, dass sich die wechselnden Pr├Ąsidenten ihres Landes zwar intensiv um Probleme in Europa, im Nahen Osten, in Afrika oder Asien k├╝mmerten, aber viel zu wenig um die Probleme der Arbeiter vor ihrer eigenen Haust├╝r. Die finden, dass die Regierung ohne Not chinesischen Firmen und deutschen Autoherstellern T├╝r und Tor ├Âffnete, ohne gleichwertige Gegenleistungen zu verlangen. Ziemlich verk├╝rzt, diese Weltsicht, klar, aber sie verf├Ąngt ÔÇô besonders in jenen Bundesstaaten, wo die Fabriken rosten, die Drogenepidemie grassiert, ganze St├Ądte verfallen. "Make America great again" klingt dort nicht wie eine Plattit├╝de, sondern wie ein Prophetenspruch.

Zugegeben: Angesichts der Anma├čungen und Absurdit├Ąten, die der amtierende Pr├Ąsident sich herausgenommen hat, mag das noch nicht reichen, um seine starke Stellung zu erkl├Ąren. Zwei ungeschriebene Gesetze der amerikanischen Politik helfen da schon eher weiter. Das erste besagt: Schw├Ąchelt ein Pr├Ąsident oder hat er zwei Amtszeiten vollendet, neigen die Amerikaner dazu, denjenigen Kandidaten zu w├Ąhlen, der das Gegenteil des Vorg├Ąngers verk├Ârpert. Der jugendliche Bill Clinton war das Gegenteil des altv├Ąterlichen George Bush. Nachdem Clinton sich mit seiner Lewinsky-Aff├Ąre als windiger Sch├╝rzenj├Ąger entpuppt hatte, folgte der texanische Cowboy George W. Bush. Als der sein Land in ein irakisches Blutbad gest├╝rzt hatte, durfte der Intellektuelle Barack Obama den Vers├Âhner geben. Und als Obama sich in den Augen vieler B├╝rger als zaudernder Leisetreter entpuppt hatte, folgteÔÇŽ na, das wissen Sie ja.

Gem├Ą├č dieser Regel m├╝sste nun eigentlich der langweilig-integre Joe Biden gute Chancen haben, Herrn Trump im Wei├čen Haus nachzufolgen ÔÇô w├Ąre da nicht ein zweites ungeschriebenes Gesetz der amerikanischen Politik: Die Wirtschaft ist das Z├╝nglein an der Waage. Der letzte Pr├Ąsident, der nach nur einer Amtsperiode abgew├Ąhlt wurde, war George Bush der ├ältere. Ausschlaggebend f├╝r seine Niederlage war nicht seine Unbeliebtheit im linksliberalen Teil der Bev├Âlkerung oder sein milliardenschwerer Erd├Âl-Feldzug in Kuwait und im Irak. Ausschlaggebend war die Wirtschaftsmisere. "ItÔÇśs the economy, stupid!" lautete der ebenso simple wie eing├Ąngige Schlachtruf seines Herausforderers Bill Clinton. Nun mag die wirtschaftliche Lage zwar heutzutage nicht mehr allein den Ausgang einer Wahl bestimmen, die Spaltung der Gesellschaft in unvers├Âhnliche Lager wiegt ebenfalls schwer. Dennoch: Der wirtschaftliche Trumpf ist der h├Âchste im Spiel, auch in diesem Wahlkampf wieder, und es ist ziemlich klar, wer ihn in den H├Ąnden h├Ąlt: Donald Trump ist es ÔÇô zumindest vordergr├╝ndig betrachtet. Die Wirtschaft w├Ąchst, die L├Âhne steigen, die Arbeitslosenzahl sinkt. Der Pr├Ąsident wird nicht m├╝de, diese Erfolge auf seinen Jubelveranstaltungen und in die gro├če weite Twitter-Welt hinauszuposaunen.

Schaut man etwas genauer hin, w├╝rde man sehen, dass erstens nicht Herr Trump, sondern sein Vorg├Ąnger Obama den Grundstein f├╝r den Aufschwung gelegt hat, dass zweitens das Wachstum durch horrende Schulden sowohl des Staates als auch der Privathaushalte erkauft wird, dass drittens die Arbeitslosenquote auch deshalb so niedrig ist, weil in den USA so viele Menschen krank sind oder im Gef├Ąngnis sitzen und dass viertens der von Herrn Trump angezettelte Handelskonflikt mit China die Lage nicht besser, sondern eher noch prek├Ąrer gemacht hat.

Aber wer schaut bei diesem Pr├Ąsidenten schon genau hin? In 10, 15 Jahren wird man r├╝ckblickend wom├Âglich feststellen: Die bemerkenswerteste Leistung dieses Pr├Ąsidenten war es, die ├ľffentlichkeit permanent durch ├ťberraschungen, Grenz├╝berschreitungen und Winkelz├╝ge abzulenken. Trump behauptet heute dies und droht morgen das, Trump charmiert heute diesen und beleidigt morgen denselben, Trump macht dies! Trump macht das! Trump! Trump! Trrruuuuuump! So blasen die Fanfaren durch die Fernsehsender, durchs Internet und von Nachrichtenmagazintitelbildern. Unterdessen hat der gro├če Zampano die B├╝ros in seinem Wei├čen Haus nach zahlreichen Rausw├╝rfen mit Jasagern und Stiefelleckern besetzt, sammelt eifrig Wahlkampfspenden von Superreichen ein, die ihm seine Steuerreform danken, und d├╝rfte auch das Amtsenthebungsverfahren in K├╝rze ├╝berstanden haben.

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Tagesanbruch - Was heute wichtig ist
Was heute wichtig ist

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Joe Biden will Amerika vers├Âhnen.
Joe Biden will Amerika vers├Âhnen. (Quelle: Carlos Barria/Reuters-bilder)
Bernie Sanders punktet mit linken Parolen.
Bernie Sanders punktet mit linken Parolen. (Quelle: Andrew Harnik/ap-bilder)

Wer will so einem Meister der T├Ąuschung das Wasser reichen? Ein alternder Joe Biden? Ein linker Populist Bernie Sanders? Eine Traumt├Ąnzerin Elizabeth Warren? Ein redlicher Nobody Pete Buttigieg? Einer der anderen Wiehei├čensienochgleichs? "Es ist wie bei einem Dinner. Du hast elf Gerichte auf der Speisekarte, aber du m├Âchtest keines davon bestellen", zitiert die "Welt" einen ern├╝chterten Anh├Ąnger der Demokraten.

Bei der ersten Vorwahl der demokratischen Pr├Ąsidentschaftsbewerber im Bundesstaat Iowa haben alle Kandidaten sich in der vergangenen Nacht bem├╝ht, dem gro├čen Zampano eine kraftvolle Alternativbotschaft entgegenzusetzen. Doch ein Sieger der Abstimmung steht bisher nicht fest; bei der Ausz├Ąhlung der Stimmen gibt es ein heilloses Chaos (hier ist der aktuelle Nachrichtenstand). Unser Korrespondent Fabian Reinbold war mittendrin im Get├╝mmel des Caucus und wird das Ergebnis heute auf t-online.de f├╝r Sie einordnen. Da gibt es viel zu deuten, zu interpretieren und zu analysieren. Aber wir d├╝rfen davon ausgehen, dass sich 1.600 Kilometer weiter ├Âstlich der Ablenkungsmeister vor dem Fernseher k├Âstlich ├╝ber den Wettkampf seiner Herausforderer am├╝siert ÔÇô und voraussichtlich nur ein, zwei Tweets ben├Âtigen wird, um den Gewinner in den Dreck zu ziehen, wenn der dann irgendwann feststeht. Ziemlich wild, dieses Amerika.

Unser Korrespondent Fabian Reinbold berichtet von Bernie Sanders Wahlkampftour durch Iowa.
Unser Korrespondent Fabian Reinbold berichtet von Bernie Sanders Wahlkampftour durch Iowa. (Quelle: imago images)

WAS STEHT AN?

Der Champagner ist ausgetrunken, die Girlanden sind eingerollt ÔÇô jetzt geht es ans Eingemachte: Formal sind die Briten aus der EU ausgetreten, aber nun m├╝ssen sie sich mit Br├╝ssel auf die Details der k├╝nftigen Handelsbeziehungen verst├Ąndigen. Premier Boris Johnson spuckt gro├če T├Âne und will sein Land zu einem "Superchampion des Freihandels" aufm├Âbeln. Doch seine Kraftmeierei ist durchsichtig: In Wahrheit steht er extrem unter Druck, wie mein Kollege Patrick Diekmann zeigt.

Boris Johnson will nun hoch hinaus.
Boris Johnson will nun hoch hinaus. (Quelle: Reuters-bilder)
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Es schlug ein wie eine Bombe
Erdo─čan und seine Frau Emine kommen in Madrid an: F├╝r seine Zustimmung zum Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens kassiert der t├╝rkische Pr├Ąsident viele Zugest├Ąndnisse.



WAS LESEN UND ANSCHAUEN?

Wussten Sie, dass Greta Thunberg eine Marionette ihres Vaters ist, der mit ihren Aktionen haufenweise Geld verdient? Wussten Sie, dass Greta gar nicht auf einem Segelschiff nach New York fuhr, sondern die Crew samt Boot unterwegs in ein Transportflugzeug verfrachtet wurde? Verschw├Ârungstheorien wie diese geistern durchs Internet und finden dort viele dienstfertige Verbreiter. Unser Kolumnist Gerhard Sp├Ârl erkl├Ąrt, wie man sich gegen den gr├Â├čten Unsinn wappnet.


Als Sie gestern Abend ferngeschaut haben, wie viele Schauspielerinnen im Alter zwischen 40 und 65 Jahren haben Sie da gesehen? Genau. Angelika Mann jedenfalls sagt: "Ab 40 Jahren kann sich eine Schauspielerin einfrieren". Es werden viel zu wenig Rollen vergeben. Schon zu DDR-Zeiten hat Frau Mann den Mund aufgemacht, und so h├Ąlt sie es nun auch im Interview mit meinen Kollegen Martin Trotz und Nicolas Lindken.


Ich gebe zu, viele Gr├╝nde gibt es nicht mehr, klassisches Fernsehen zu schauen. Aber hier ist einer: Heute beginnt die zweite Staffel der Serie "Bad Banks" (ab sofort in der ZDF-Mediathek, ab Donnerstag auf Arte) ├╝ber die Abenteuer der Bankerin Jana Liekam, gespielt von Paula Beer. Ehrgeiz, Gier, Erfolgsrausch, Scheitern, kurz: Die ganze Palette menschlicher Regungen werden hier in eine spannende Story gepackt. Pr├Ądikat: sehenswert (finde ich).


WAS AM├ťSIERT MICH?

Es ist gar nicht alles schlecht bei der Bundeswehr!

(Quelle: Mario Lars)

Ich w├╝nsche Ihnen einen optimistischen Tag. Herzliche Gr├╝├če,

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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