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Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Auf dem Weg in die Idiokratie?

  • Carsten Werner
Von Carsten Werner

Aktualisiert am 06.07.2020Lesedauer: 6 Min.
US-PrĂ€sident Donald Trump bei einer Veranstaltung im Weißen Haus.
US-PrĂ€sident Donald Trump bei einer Veranstaltung im Weißen Haus. (Quelle: Michael Reynoldsx/Pool via CNP/MediaPunch/imago-images-bilder)
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Guten Tag liebe Leserinnen und Leser,

Ich hoffe, Sie hatten angenehme freie Tage und starten beschwingt in die neue Woche. Heute prÀsentiere ich Ihnen in Vertretung von Florian Harms die kommentierten Themen des Tages. Und beginnen möchte ich mit einem Hollywood-Film.

WAS WAR?

Ein Mann und eine Frau werden im Rahmen eines Experiments in einen kĂŒnstlichen Tiefschlaf versetzt. Anders als geplant, wachen sie erst nach 500 Jahren wieder auf. Was sie vorfinden, sind nicht mehr die USA, die sie kannten. Die Amerikaner sind ein debiles Volk geworden, das kaum noch dazu in der Lage ist, die eigene Existenz zu sichern. Joe (gespielt von Luke Wilson) und Rita (gespielt von Maya Rudolph), ein durchschnittlicher Soldat und eine Prostituierte, sind nach ihrem Erwachen die klĂŒgsten Menschen und mĂŒssen das Land vor dem drohenden Untergang retten.

Die Science-Fiction-Komödie "Idiocracy" ist kein guter Film. Der Plot ist simpel, die Umsetzung wirkt billig und der Humor ist platt. Der Grund, weshalb ich ihn mir nun noch einmal ansah, war eine Kolumne des konservativen Autors Max Boot in der "Washington Post". Darin sieht Boot Parallelen zwischen der Hollywood-Dystopie aus dem Jahr 2006 und den USA im Corona-Jahr 2020. Sicher, "Idiocracy" ist Satire. Die Personen und das Geschehen sind grenzenlos ĂŒberzeichnet. Satire bedeutet aber auch, dass darin ein wahrer Kern steckt.

Soldat Joe (Luke Wilson) auf der "Staatskarosse" von PrÀsident Camacho im Film "Idiocracy".
Soldat Joe (Luke Wilson) auf der "Staatskarosse" von PrÀsident Camacho im Film "Idiocracy". (Quelle: 20th Century Fox)

Im Film wird das Land von Missernten bedroht, weil die Felder statt mit Wasser mit einem Energy Drink bewĂ€ssert werden. In der heutigen RealitĂ€t scheitern die USA anders als die meisten anderen westlichen Staaten an der BekĂ€mpfung der Covid-19-Pandemie. Im Film ist ein Ex-Wrestler PrĂ€sident und setzt auf Showeffekte statt auf ernste Politik. In der heutigen RealitĂ€t verweigert ein zum PrĂ€sidenten erhobener Hotelier und Ex-TV-Moderator in einer der grĂ¶ĂŸten Krisen des Landes jede FĂŒhrung.

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FĂŒr Boot ist die Sache klar: Schuld an allem ist nicht Donald Trump. Schuld sind die Millionen Amerikaner, die ihn 2016 wĂ€hlten und ihm bis heute die Treue halten. Und nicht nur ihm, sondern auch den vielen kleinen realitĂ€tsverweigernden Trumps in den GouverneurspalĂ€sten vor allem im SĂŒden und in den AbgeordnetenbĂŒros. "Jede Nation bekommt die Regierung, die sie verdient", zitiert Boot den französischen Philosophen Joseph de Maistre (1753-1821). Und tatsĂ€chlich sind die heutigen Probleme tief verwurzelt in Teilen der amerikanischen Gesellschaft.

GĂ€ste von US-PrĂ€sident Donald Trump feiern am 4. Juli am Weißen Haus den UnabhĂ€ngigkeitstag. Einen Mundschutz trĂ€gt fast niemand.
GĂ€ste von US-PrĂ€sident Donald Trump feiern am 4. Juli am Weißen Haus den UnabhĂ€ngigkeitstag. Einen Mundschutz trĂ€gt fast niemand. (Quelle: Chris Kleponis/imago-images-bilder)

Wenn ein gefĂ€hrliches Virus trotz Tausender Toter nicht ernst genommen wird. Wenn das Tragen von Masken unter religiösen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes verteufelt wird. Wenn wissenschaftliche Empfehlungen bei jungen Leuten als spießig und uncool gelten. Wenn sie wie gewohnt Party machen, in vollem Bewusstsein damit das Virus weiter zu verbreiten, dann sitzen die Probleme tiefer als in kurzfristigen Wahlentscheidungen. Sie haben mit fehlender Bildung und falscher GlĂ€ubigkeit zu tun, mit mangelndem Verantwortungsbewusstsein ĂŒber sich selbst hinaus, mit falschen Vorbildern und mit grotesker Auslegung angeblicher Rechte als Amerikaner.

Wie gut, dass wir in Deutschland leben. Oder? In der Coronakrise haben wir vieles richtig gemacht. Die Regierungen von Bund und LĂ€ndern ergriffen notwendige, oft drastische Maßnahmen. Und sie erinnerten regelmĂ€ĂŸig an den Ernst der Lage. Wir haben unser Leben in der Pandemie an wissenschaftlichen RatschlĂ€gen ausgerichtet und EinschrĂ€nkungen akzeptiert, um das Virus unter Kontrolle zu behalten.

Das war im FrĂŒhjahr. Geht man heute durch die InnenstĂ€dte, fĂ€hrt man mit Bahnen oder besucht Einkaufszentren, man könnte glauben, Corona gĂ€be es nicht mehr. Menschen treffen sich und feiern fast wie eh und je. Abstandhalten war einmal. Wer zur BegrĂŒĂŸung nicht umarmt oder zumindest HĂ€nde schĂŒttelt, gilt als unhöflich. Und der Mundschutz hĂ€ngt in der Bahn lĂ€ssig unterm Kinn, falls doch mal jemand kommt und mahnt.

Menschen mit und ohne Mundschutz in einem Berliner S-Bahnhof.
Menschen mit und ohne Mundschutz in einem Berliner S-Bahnhof. (Quelle: imago-images-bilder)

Es ist, als wĂ€re alles halb so wild gewesen. Das Homeoffice, die Schulschließungen, die geschlossenen LĂ€den und Restaurants. Es ist als hĂ€tten wir die Tragödien vergessen, die es in KrankenhĂ€usern und Pflegeheimen gab. Als wĂ€re es egal, dass die Wirtschaft in eine historische Krise rutschte und nur dank aberwitziger Summen vom Staat das Schlimmste verhindert werden konnte. Als wĂ€re all das so unbedeutend, dass man nicht einmal einfachste Vorsichtsmaßnahmen ergreifen mĂŒsste, um eine zweite Corona-Welle zu verhindern.

UnvernĂŒnftige Amerikaner, clevere Deutsche? Diesen Beweis sind wir der Welt noch schuldig. Im Moment sieht es nicht danach aus, als könnten wir ihn erbringen.

WAS STEHT AN?

Nach dem RĂŒcktritt der französischen Regierung wird am Montag voraussichtlich das Kabinett des neuen Premierministers Jean Castex bekanntgegeben werden. Nach dem Triumph der GrĂŒnen bei den Kommunalwahlen vor einer Woche hatte PrĂ€sident Emmanuel Macron angekĂŒndigt, bis zur PrĂ€sidentschaftswahl 2022 mit einem "neuen Team" einen "neuen Weg" einzuschlagen. Dazu sollen etwa ZugestĂ€ndnisse in der Klimapolitik gehören.

Der zurĂŒckgetretene bisherige Regierungschef Edouard Philippe (l.) und sein Nachfolger Jean Castex (r.).
Der zurĂŒckgetretene bisherige Regierungschef Edouard Philippe (l.) und sein Nachfolger Jean Castex (r.). (Quelle: Aurelien Morissard/Xinhua/imago-images-bilder)

In London beginnt am Montag eine weitere GesprĂ€chsrunde ĂŒber ein Abkommen zwischen der EU und Großbritannien nach dem Brexit. Die erste dieser Verhandlungsrunden in kleinem Kreis war vergangenen Donnerstag ergebnislos beendet worden. Die Chancen, dass es diesmal echte Fortschritte geben könnte, stehen schlecht.


Tausende Experten und Interessierte diskutieren ab Montag bei der Welt-Aids-Konferenz ĂŒber Wege und Strategien im Kampf gegen die Epidemie. Wegen der Corona-Pandemie findet die Konferenz in diesem Jahr im Internet statt. Bis zum 10. Juli gibt es online unter anderem Ansprachen, Diskussions- und Fragerunden.

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Tagesanbruch - Was heute wichtig ist
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Werder Bremen droht im RĂŒckspiel der Relegation am Montagabend (ab 20.30 Uhr im Liveticker auf t-online.de) der erste Abstieg aus der Fußball-Bundesliga seit 40 Jahren. Nach dem 0:0 im ersten Duell mit dem Zweitliga-Dritten 1. FC Heidenheim darf Werder sich in der entscheidenden Partie keine Niederlage erlauben.

WAS LESEN ODER ANSEHEN?

Es lĂ€uft gerade nicht gut fĂŒr Armin Laschet: Seine Beliebtheitswerte sinken, er, der oberste Lockerer, musste in seinem Bundesland fĂŒr zwei Landkreise einen Lockdown verhĂ€ngen und sich ĂŒberdies gegen Rassismus-VorwĂŒrfe verteidigen. Seit dem 25. Februar, als Laschet verkĂŒndete, fĂŒr den CDU-Vorsitz zu kandieren, wird jede Äußerung von ihm wie unter dem Brennglas betrachtet. Nun steht die Frage im Raum: Soll der Mann wirklich CDU-Chef und vielleicht auch deutscher Kanzler werden? Die Zweifel daran wachsen. Doch als meine Kollegen Peter Schink und Tim Kummert Armin Laschet interviewten, trafen sie auf einen Mann im Angriffsmodus, der sich gute Chancen ausrechnet und sich von seinem großen Konkurrenten Friedrich Merz absetzen will.

Von links: t-online.de-Vizechefredakteur Peter Schink, Politikreporter Tim Kummert und NRW-MinisterprÀsident Armin Laschet beim Interview in der Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen in Berlin.
Von links: t-online.de-Vizechefredakteur Peter Schink, Politikreporter Tim Kummert und NRW-MinisterprÀsident Armin Laschet beim Interview in der Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen in Berlin. (Quelle: T-Online-bilder)

Donald Trump hat den amerikanischen Nationalfeiertag dafĂŒr genutzt, die Demonstranten, die das Erbe von Rassismus und Sklaverei aufarbeiten wollen, als Feinde Amerikas zu brandmarken. Es ist Trumps neuester Versuch eines Befreiungsschlages aus der Krise. Vier Monate vor der Wahl schwinden laut Umfragen seine Chancen auf die Wiederwahl. Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold sieht Trump tatsĂ€chlich am Tiefpunkt seiner PrĂ€sidentschaft, doch noch lĂ€ngst nicht am Ende.


Einige lokale Corona-AusbrĂŒche in Deutschland sind auf Gottesdienste zurĂŒckzufĂŒhren. Das scheint naheliegend, schließlich wird in Kirchen, Moscheen oder Synagogen gemeinsam gesungen, Menschen sitzen eng nebeneinander, teilweise gibt es Riten mit Körperkontakt. Meine Kollegin Sandra Simonsen hat bei den grĂ¶ĂŸten Glaubensgemeinschaften nachgefragt, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf ihre Gemeinden hatte und Antworten von Katholiken, Protestanten, Muslimen und Juden bekommen.


Die Corona-Krise bringt Fußballklubs in finanzielle Probleme. Der FC Schalke 04 etwa kann dabei auf UnterstĂŒtzung der Politik setzen – andere Traditionsvereine nicht, prangert der Vorstand von Rot-Weiss Essen, Marcus Uhlig, im GesprĂ€ch mit meinem Kollegen Dominik Sliskovic an: "Wenn wir nur darauf warten wĂŒrden, dass die Politik uns hilft, könnten wir den Laden direkt zumachen."


Es ist bis heute ein RĂ€tsel, was in den 1930er Jahren auf der Galapagos-Insel Floreana geschah. Fest steht, mehrere Gruppen deutscher Auswanderer ließen sich damals dort nieder, um in dem Inselparadies ein neues Leben ohne Konventionen zu beginnen. Es kam zu Spannungen und möglicherweise auch zu Morden. Eine ZDF-Dokumentation trĂ€gt zusammen, was ĂŒber den fast vergessenen Kriminalfall am Ende der Welt bekannt ist.

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Russland soll Phosphorbomben auf Schlangeninsel geworfen haben
Ein Satellitenbild zeigt die Schlangeninsel (Achivbild): Die Ukraine behauptet, Russland habe Phosphorbomben angeworfen.


Dore Strauch und Dr. Friedrich Ritter zogen Ende der 1920er Jahre von Deutschland auf die Galapagos-Insel Floreana.
Dore Strauch und Dr. Friedrich Ritter zogen Ende der 1920er Jahre von Deutschland auf die Galapagos-Insel Floreana. (Quelle: ZDF / JĂŒrgen Stumpfhaus)

WAS AMÜSIERT MICH?

Alles wie immer.

(Quelle: Mario Lars)

Morgen prĂ€sentiert Ihnen mein Kollege Daniel Fersch die Themen des Tages. Ich wĂŒnsche Ihnen einen wundervollen Montag!

Ihr

Carsten Werner
Chef vom Dienst t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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