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Nach US-Wahl: Gestank von Fast Food? Donald Trumps Verlotterung im Weißen Haus

MEINUNGWas heute wichtig ist  

Szenen der Verlotterung

13.11.2020, 19:38 Uhr
Nach US-Wahl: Gestank von Fast Food? Donald Trumps Verlotterung im Weißen Haus. Ein Marinesoldat hält Wache vor dem Weißen Haus. Drinnen soll die Stimmung am Tiefpunkt sein. (Quelle: AP/dpa/Evan Vucci)

Ein Marinesoldat hält Wache vor dem Weißen Haus. Drinnen soll die Stimmung am Tiefpunkt sein. (Quelle: Evan Vucci/AP/dpa)

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Der Newsletter von Chefredakteur Florian Harms

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hoffentlich sind Sie heil aus dem Bett gestiegen und haben sich nicht am Kaffee verbrüht. Machen Sie bitte weiter so und seien Sie unbesorgt: Auch dieser Freitag, der 13., ist ein ganz normaler Tag. Mit fast ganz normalen Themen:

WAS WAR?

Wir sind Zeugen einer Krise der amerikanischen Demokratie, und Donald Trump ist ihr Protagonist. Seine Behauptung, die Präsidentschaftswahl sei gefälscht worden, schürt das Misstrauen vieler Bürger in rechtsstaatliche Prozesse und bestätigt sie in ihrem Vorurteil, die Politiker in Washington seien korrupte Schlitzohren. Wir sind aber auch Zeugen eines psychologischen Dramas. Dieses ist aus der Ferne schwer zu deuten, aber die Berichte skurriler Szenen mehren sich. Für einen kurzen Augenblick mögen wir uns das Drama deshalb heute Morgen in theatralischer Weise vor Augen führen. Vorhang auf für den letzten Akt im großen Donald-Drama! Auftritt des Hauptdarstellers im Bademantel:

Donald: Die haben eine Verschwörung gegen mich angezettelt! Haben die doch von Anfang an gemacht! Diese gefälschte Russland-Sache! Das getürkte Impeachment! Jetzt die total gefälschte Wahl! Alles Betrug von vorne bis hinten! Junior, gib mir noch einen Burger! Nein, den mit extra viel Speck, Mann, wo ist die Fernbedienung? WER HAT MEINE FERNBEDIENUNG??? Totaler Betrug! Man hat mir meine Fernbed… ah, da isse, her damit!

Donald Junior: Die lügen eh alle, Dad, alles Lügner da, auf allen Kanälen.

Donald: Lass mal sehen, Fox News … diese Verräter, haben die Seiten gewechselt! Siehst du, wie die sich jetzt dem Opi Joe anbiedern? Die sind gekauft! DIE SIND ALLE GEKAUFT! Serviette!

Eric: Hier, Dad.

Donald: Guck dir diese Hackfresse von Lügenjournalist an! Der lügt doch schon, wenn er morgens aus dem Bett fällt! Die haben mir … die wollen mich … das ist ein Tweet! WO IST MEIN PHONE???

Donald Junior: Du musst denen den totalen Krieg erklären, Dad. Beende die Schummeleien der Betrüger ein für alle Mal!

Donald: Totaler Krieg ist gut, Junior! Wir müssen die total ausmanövrieren … mehr Pommes, WO SIND MEINE POMMES???

Eric: Hier, Dad, deine Pommes.

Donald Junior: Dieses Land ist schlimmer als eine Bananenrepublik in Armenistan! Die Demokraten haben von Anfang an total betrogen, schon der Araber Obama hat total betrogen!

Eric: Dieser Terrorist! Und wo sind die Republikaner? Wieso sagt keiner von denen was gegen den Betrug? Diese Schafe! Total kein Rückgrat!

Donald: Total! Denen wird ich‘s zeigen! Die werden schon sehen! Das ist der total größte Betrug aller Zeiten! Aber ich werde ihn verhindern! ICH BIN DER PRÄSIDENT DER USA!!! TWITTER! WO IST MEIN PHONE???“

Eric: Hier, Dad.

Donald: Her damit!

Und so weiter und so fort. Lassen wir lieber schnell den Vorhang vor dieser Szene fallen, denn wir wissen natürlich, dass sie total fiktiv ist. Zugleich ahnen wir, dass sie womöglich gar nicht so total weit von der Realität entfernt ist. Dürfen wir Reportern in Washington Glauben schenken, hat sich Donald Trump seit seiner Wahlniederlage im Weißen Haus verbarrikadiert, schleicht über die Gänge, stiert stundenlang in den Fernseher, kommandiert seine Anwälte am Telefon herum, schimpft unablässig über den "Wahlbetrüger" Joe Biden und wähnt sich als Opfer der größten Verschwörung aller Zeiten. Er hat nur noch seine engsten Vertrauten um sich versammelt, zwei seiner Söhne, einige Anwälte, die Herren bestellen angeblich so viel Fast Food, dass die Angestellten des Weißen Hauses Duftkerzen gegen den penetranten Geruch aufgestellt haben. Szenen der Verlotterung.

Zwischendurch lässt sich der wütende Noch-Präsident auf einen seiner Golfplätze kutschieren, vorgestern absolvierte er einen Pflichttermin auf einem Soldatenfriedhof, dann ging es zurück in den Pommes-Bunker, Pardon: das Weiße Haus. Donald Trump hasst Verlierer, also kann er selbst kein Verlierer sein. Schon in den Monaten vor der Präsidentschaftswahl soll er trotz schlechter Umfragewerte keine Minute lang erwogen haben, für den Fall einer Niederlage eine Gratulationsrede für seinen Rivalen oder gar eine Versöhnungsgeste an die aufgewühlte Bevölkerung vorzubereiten. Nun scheint es ihm sein Tunnelblick erst recht unmöglich zu machen, das Ergebnis zu akzeptieren. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. "Der sehr narzisstische Mensch hat eine unsichtbare Mauer um sich erstellt", hat der deutsche Psychoanalytiker Erich Fromm geschrieben. "Er ist alles, die Welt ist nichts – oder vielmehr: Er ist die Welt."

Donald Trumps Welt allerdings bröckelt. Der Exodus in seinem Regierungsstab hat begonnen, mehrere wichtige Mitarbeiter haben das Weiße Haus verlassen. Viele prominente Republikaner trauen sich zwar immer noch nicht, Trump offen zum Abtritt aufzufordern, dafür wird der Gegenwind der siegreichen Demokraten stärker. Bisher haben sie Trumps Verhalten als kindisch abgetan, nun beginnen sie, gegen das präsidentielle Lügenfeuerwerk verbal zurückzuschießen. "Die Republikaner im Kongress verbreiten Verschwörungstheorien, verweigern sich der Realität und vergiften die Quelle unserer Demokratie", wettert der einflussreiche Senator Chuck Schumer. "Es ist, als würde das Haus abbrennen – und sie weigern sich, Wasser darauf zu schütten", sekundiert Nancy Pelosi, die Vorsitzende des Repräsentantenhauses.

Wir ahnen: Das amerikanische Drama ist noch nicht zu Ende, uns stehen weitere wilde Tage bevor. Im Weißen Haus hockt ein gekränkter Narzisst, der Rücksicht auf nichts und niemanden nimmt, um seinen Willen durchzusetzen. "Je mehr du dich selbst liebst, desto mehr bist du dein eigener Feind", hat die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach geschrieben. Das war vor mehr als hundert Jahren, aber wenn wir nach Washington blicken, sehen wir, dass es auch heute noch gilt. So, nun aber den Vorhang endgültig zu!

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WAS STEHT AN?

Tatort des Messermords in Dresden.  (Quelle: dpa/Sebastian Kahnert)Tatort des Messermords in Dresden. (Quelle: Sebastian Kahnert/dpa)

Anfang Oktober erstach ein Islamist in Dresden einen Touristen, der gemeinsam mit seinem Freund aus Krefeld angereist war. In der niederrheinischen Stadt findet heute das Gedenken an den Mann statt. Hauptredner ist der Krefelder Oberbürgermeister; es sollen Grablichter und eine Regenbogenflagge am Kirchenportal niedergelegt werden. Der militante Islamismus bleibt eine der größten Bedrohungen unserer Sicherheit und muss konsequent bekämpft werden.

Am fünften Jahrestag der Attentate im Musikclub Bataclan, in Cafés und am Stade de France gedenkt Paris der Opfer. Bei der Anschlagsserie töteten Terroristen des "Islamischen Staats" damals 130 Menschen.

Die EU-Innenminister beraten über den Kampf gegen den Terrorismus und den Vorschlag der EU-Kommission für eine Neuausrichtung der Migrations- und Asylpolitik.

Deutschland ist ein hochentwickeltes Land, schafft es aber seit vielen Jahren nicht, ein stabiles Pflegesystem zu gewährleisten.  Die Bundesregierung will den Notstand mit der "Konzertierten Aktion Pflege" beheben. Heute ziehen die Minister Jens Spahn (Gesundheit), Franziska Giffey (Familie) und Hubertus Heil (Soziales) ein Zwischenfazit.

In Hannover wollen die Corona-Spinner um Bodo Schiffmann demonstr... ach, nein, das ist keine Terminankündigung wert.

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WAS LESEN?

Donald Trump klammert sich an sein Amt – allerdings gibt es nun auch erste Hinweise, dass er seine Niederlage womöglich langsam einsehen könnte. Unser Reporter Johannes Bebermeier berichtet aus Washington.

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Nach seiner Wahlniederlage hat Noch-Präsident Trump die Führung des Pentagons gegen Lakaien ausgetauscht. Der frühere US-Kommandeur bei der Nato James Stavridis hat dem "Spiegel"-Kollegen Matthias Gebauer erklärt, welche Folgen die Rochade haben kann.

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Die Geschichte der Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci beschäftigt viele Journalisten, denn die Welt wartet sehnlichst auf einen Corona-Impfstoff. Doch der Medienzirkus birgt Gefahren, meint unsere Kolumnistin Lamya Kaddor.

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Endlich ist ein Corona-Impfstoff in Sicht. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sieht trotzdem noch kein Ende der Krise. "Wir müssen mit dem Virus mindestens noch ein Jahr leben", sagt Marcel Fratzscher im Interview mit unseren Wirtschaftsredakteuren Florian Schmidt und Mauritius Kloft. "Wir haben die Risiken unterschätzt."

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Nicht jeder Corona-Infizierte steckt zwangsläufig andere Menschen an. Warum das so ist, darüber diskutieren Fachleute seit Monaten. Die Virenkonzentration könnte eine entscheidende Rolle spielen – und die zeigt der Ct-Wert an. Meine Kollegin Melanie Weiner erklärt Ihnen, was dahintersteckt.

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WAS AMÜSIERT MICH?

Alles nicht so schlimm heute! Wirklich!

 (Quelle: Mario Lars) (Quelle: Mario Lars)

Ich wünsche Ihnen einen unfallfreien Freitag. Morgen erhalten Sie den Tagesanbruch mit unserem Wochenend-Podcast. Mein Kollege Marc Krüger spricht mit unserem Washington-Reporter Johannes Bebermeier und mir über die jüngste Entwicklung in den USA. Außerdem reden wir über die folgenschwere Demonstration von "Corona-Rebellen" in Leipzig. Herzliche Grüße,

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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