Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Diese kindische Strategie muss scheitern Ôłĺ immer

  • Carsten Werner
Von Carsten Werner

Aktualisiert am 23.11.2020Lesedauer: 5 Min.
Donald Trump: Er hat die US-Wahl gegen Joe Biden verloren, will davon aber nichts wissen.
Donald Trump: Er hat die US-Wahl gegen Joe Biden verloren, will davon aber nichts wissen. (Quelle: Jim Loscalzo/imago-images-bilder)
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Ich hoffe, Sie konnten Ihr Wochenende genie├čen und starten gest├Ąrkt in die neue Woche. An diesem Montag darf ich Ihnen in Vertretung von Florian Harms die Themen des Tages pr├Ąsentieren. Und da wei├č man heutzutage ja kaum noch, wo man eigentlich anfangen soll. Weshalb ich auch nach der einen Gemeinsamkeit in den vielen Unbilden unserer aktuellen Zeit gesucht habe.

WAS WAR?

Das Kind weint, br├╝llt, wirft die Sachen zu Boden und l├Ąsst die anderen am Tisch genervt und vielleicht auch etwas peinlich ber├╝hrt zur├╝ck. Die meisten Eltern werden solche Szenen vermutlich von Spieleabenden mit dem Nachwuchs kennen. Nat├╝rlich verzeiht man S├Âhnchen oder T├Âchterchen derartiges Verhalten, wenn das gemeinsame Spiel f├╝r sie nicht wie erhofft verlief. Niederlagen und andere unangenehme Realit├Ąten zu akzeptieren, muss man lernen. Sie sind nun einmal da und sie zu leugnen, w├Ąre sinnlos.

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Womit wir bei Donald Trump w├Ąren. Das gro├če, trotzige Kind im Wei├čen Haus hat das Spiel US-Wahl 2020 verloren und w├╝tet seitdem gegen alle, die sich vermeintlich gegen ihn verschworen haben: kommunistische Wahlhelfer, korrupte Richter, linksextreme Medien und verr├Ąterische Parteigenossen. Mit Klageschreiben und rasenden Tweets wirft er um sich wie das Kind mit Monopoly-Spielfiguren und Karten. Allein, es wird ihm nichts n├╝tzen. Die Wahl ist entschieden, das ist Fakt. Joe Biden hat ihn, der andere am liebsten als Loser tituliert, zum Verlierer gemacht. Und die Welt schaut seitdem fassungslos und peinlich ber├╝hrt dem Wutausbruch an Amerikas Staatsspitze zu.

Boris Johnson: Der britische Premierminister war Brexit-Vork├Ąmpfer. Jetzt f├╝hrt er sein Land in den wohl sicheren Niedergang.
Boris Johnson: Der britische Premierminister war Brexit-Vork├Ąmpfer. Jetzt f├╝hrt er sein Land in den wohl sicheren Niedergang. (Quelle: i Images/imago-images-bilder)

├ähnlich ergeht es vielen bisweilen beim Blick ├╝ber den ├ärmelkanal und auf den Brexit. Vor Jahren hatte ein blonder Wirrkopf seinen Landsleuten den Floh ins Ohr gesetzt, man k├Ânne aus dem Vereinigten K├Ânigreich allein dadurch wieder eine gro├če Nation machen, indem man sich von Europa lossagt. Dass ein kleines Land in einer globalisierten Welt schlechtere Chancen hat als ein gro├čes Staatenb├╝ndnis, ist eigentlich selbstverst├Ąndlich. Allerdings widerspricht dies dem Wunschdenken vieler Briten, ganz allein Weltmacht zu sein. So wie fr├╝her, als man noch mit Segelschiffen um die Welt schipperte und den Kolonien zeigte, was Zivilisation ist. Doch diese Zeiten sind f├╝r immer pass├ę, sich daran zu klammern, ist sinnlos. Und der Brexit wird sein zerst├Ârerisches Werk anrichten.

Auch in Deutschland werden viele Menschen mehr von Wunschdenken angetrieben als von Logik und Fakten. F├╝r "Querdenker" ist die Corona-Krise reine Fiktion, die notwendigen Vorsichtsma├čnahmen sind in ihren Augen Instrumente der staatlichen Unterdr├╝ckung. Welche Folgen derart verqueres Denken in der Pandemie haben kann, zeigt sich in den USA. In dem Land mit dem obersten Querdenker direkt im Oval Office sterben im Jahr der Pandemie 20 Prozent mehr Menschen als in fr├╝heren Jahren. Mehr als 250.000 Todesf├Ąlle im Zusammenhang mit Covid-19 sind dort bisher zu beklagen und die Krankenh├Ąuser ├Ąchzen vielerorts unter dem Ansturm von Corona-Erkrankten. Das ist die Realit├Ąt, die Corona-Leugner nicht sehen wollen.

"Querdenker"-Demo in Berlin: Die Teilnehmer halten die Ma├čnahmen zum Schutz vor Corona f├╝r Willk├╝r.
"Querdenker"-Demo in Berlin: Die Teilnehmer halten die Ma├čnahmen zum Schutz vor Corona f├╝r Willk├╝r. (Quelle: F. Kern / Future Image/imago-images-bilder)

Im Vergleich zu einer weiteren Bew├Ąhrungsprobe wirkt die Corona-Krise jedoch beinahe harmlos. Die Klimakrise entscheidet ├╝ber das Schicksal der gesamten Menschheit. Werden wir die drohende Katastrophe meistern und bleiben? Oder sind wir eine aussterbende Spezies? Alle Fakten liegen auch hier auf dem Tisch. Wir wissen genau, was uns droht. Und wir wissen, was zu tun ist, um das Schlimmste noch zu verhindern. Handeln wir nun auch oder ignorieren wir die Tatsachen f├╝r ein paar weitere Jahrzehnte unbeschwerter Tr├Ąumerei? Im Moment wirkt es fatalerweise so, als habe sich die Welt f├╝r Letzteres entschieden.

Es ist verlockend, unangenehme Wahrheiten zu ignorieren, so zu tun, als g├Ąbe es bestimmte Probleme nicht. Das macht das Leben einfacher, unbeschwerter und weniger m├╝hsam. Es ist aber auch der Weg des sicheren Scheiterns, das zeigt sich immer wieder. Nur wer die Fakten anerkennt und angemessen darauf reagiert, kann dauerhaft bestehen und im Kampf gegen Krisen erfolgreich sein. Realit├Ątsleugner dagegen stehen immer auf der falschen Seite der Geschichte. Ihr Denken erinnert an das bockige Kind, das nicht wahrhaben will, was nicht wahr sein soll, und am Ende damit nichts erreicht.


WAS STEHT AN?

Vor dem Corona-Gipfel mit der Kanzlerin am Mittwoch wollen sich die L├Ąnder am Montag weiter ├╝ber einen eigenen Vorschlag abstimmen. Schon am Sonntagabend wurde bekannt, dass die bereits geltenden Einschr├Ąnkungen bis mindestens 20. Dezember bestehen bleiben sollen. F├╝r Weihnachten sind dagegen Lockerungen f├╝r Treffen mit Familienmitgliedern und Freunden geplant. Vorgesehen ist offenbar auch ein B├Âllerverbot an Silvester.


Der fr├╝here franz├Âsische Staatspr├Ąsident Nicolas Sarkozy steht ab 13.30 Uhr wegen Bestechungsverdachts in Paris vor Gericht. Er soll 2014 versucht haben, ├╝ber seinen Anwalt von einem hohen Juristen beim Kassationsgericht Ermittlungsgeheimnisse zu erlangen.

Nicolas Sarkozy: Der fr├╝here franz├Âsische Pr├Ąsident steht unter Bestechungsverdacht.
Nicolas Sarkozy: Der fr├╝here franz├Âsische Pr├Ąsident steht unter Bestechungsverdacht. (Quelle: Vincent Isore/imago-images-bilder)

Mit zwei Nominierungen geht Deutschland in die diesj├Ąhrige Verleihung der International Emmys. Die 1998 in Monheim am Rhein geborene Emma Bading ist f├╝r ihre Rolle in dem ARD-Film "Play" in der Kategorie "beste Leistung einer Schauspielerin" nominiert. Au├čerdem ist die zweite Staffel der historischen ARD-Krankenhaus-Serie "Charit├ę" als beste Drama-Serie nominiert. Wegen der Corona-Pandemie findet die Preisgala f├╝r nicht-amerikanische Produktionen diesmal online statt (ab 17 Uhr).


WAS LESEN?

Deutschland hat in der Corona-Pandemie einen Fehler nach dem anderen gemacht, kritisiert der Virologe Alexander Kekul├ę. Im Interview mit meinen Kolleginnen Nicole Sagener und Melanie Weiner verr├Ąt er, was seiner Meinung nach besser gewesen w├Ąre.


Die Corona-Zahlen in den USA sind schon jetzt dramatisch und sie k├Ânnten noch viel dramatischer werden. Thanksgiving steht in dieser Woche an und damit traditionell gro├če Familienfeiern. Meine Kollegin Sonja Eichert fragt sich, kann die Katastrophe verhindert werden?

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Was heute wichtig ist

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Steve ist taub, Pascal schwerh├Ârig. Auf welche H├╝rden sie deshalb im allt├Ąglichen Leben sto├čen und wieso Musik f├╝r sie trotzdem unverzichtbar ist, verraten sie meinen Kolleginnen Sophie Loelke, Sandra Sperling sowie Nicolas Lindken in unserem Videoformat "Frag mich".

Steve ist taub, Pascal schwerh├Ârig: Bei t-online berichten sie, wie es ihnen damit im Alltag geht.
Steve ist taub, Pascal schwerh├Ârig: Bei t-online berichten sie, wie es ihnen damit im Alltag geht. (Quelle: t-online)

Ritter ohne Fehl und Tadel, so stellen wir uns heute die milit├Ąrische Elite des Mittelalters vor. Auch vor Jahrhunderten wurden K├Ąmpfe allerdings bisweilen alles andere als ehrenhaft ausgetragen, wie mein Kollege Marc von L├╝pke schildert.


WAS AM├ťSIERT MICH?

Auch die Politik sch├Ątzt die Vorz├╝ge von Videokonferenzen.

(Quelle: Mario Lars)

Ich w├╝nsche Ihnen einen angenehmen Tag. Am morgigen Dienstag schreibt wieder Chefredakteur Florian Harms f├╝r Sie.

Ihr

Carsten Werner

Chef vom Dienst t-online.de

Mit Material von dpa.


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