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Donald Trump: Diese kindische Strategie muss scheitern − immer

MEINUNGWas heute wichtig ist  

Diese kindische Strategie muss scheitern − immer

23.11.2020, 07:17 Uhr
Donald Trump: Diese kindische Strategie muss scheitern − immer. Donald Trump: Er hat die US-Wahl gegen Joe Biden verloren, will davon aber nichts wissen. (Quelle: imago images/Jim Loscalzo)

Donald Trump: Er hat die US-Wahl gegen Joe Biden verloren, will davon aber nichts wissen. (Quelle: Jim Loscalzo/imago images)

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Ich hoffe, Sie konnten Ihr Wochenende genießen und starten gestärkt in die neue Woche. An diesem Montag darf ich Ihnen in Vertretung von Florian Harms die Themen des Tages präsentieren. Und da weiß man heutzutage ja kaum noch, wo man eigentlich anfangen soll. Weshalb ich auch nach der einen Gemeinsamkeit in den vielen Unbilden unserer aktuellen Zeit gesucht habe.

WAS WAR?

Das Kind weint, brüllt, wirft die Sachen zu Boden und lässt die anderen am Tisch genervt und vielleicht auch etwas peinlich berührt zurück. Die meisten Eltern werden solche Szenen vermutlich von Spieleabenden mit dem Nachwuchs kennen. Natürlich verzeiht man Söhnchen oder Töchterchen derartiges Verhalten, wenn das gemeinsame Spiel für sie nicht wie erhofft verlief. Niederlagen und andere unangenehme Realitäten zu akzeptieren, muss man lernen. Sie sind nun einmal da und sie zu leugnen, wäre sinnlos.

Womit wir bei Donald Trump wären. Das große, trotzige Kind im Weißen Haus hat das Spiel US-Wahl 2020 verloren und wütet seitdem gegen alle, die sich vermeintlich gegen ihn verschworen haben: kommunistische Wahlhelfer, korrupte Richter, linksextreme Medien und verräterische Parteigenossen. Mit Klageschreiben und rasenden Tweets wirft er um sich wie das Kind mit Monopoly-Spielfiguren und Karten. Allein, es wird ihm nichts nützen. Die Wahl ist entschieden, das ist Fakt. Joe Biden hat ihn, der andere am liebsten als Loser tituliert, zum Verlierer gemacht. Und die Welt schaut seitdem fassungslos und peinlich berührt dem Wutausbruch an Amerikas Staatsspitze zu.

Boris Johnson: Der britische Premierminister war Brexit-Vorkämpfer. Jetzt führt er sein Land in den wohl sicheren Niedergang. (Quelle: imago images/i Images)Boris Johnson: Der britische Premierminister war Brexit-Vorkämpfer. Jetzt führt er sein Land in den wohl sicheren Niedergang. (Quelle: i Images/imago images)

Ähnlich ergeht es vielen bisweilen beim Blick über den Ärmelkanal und auf den Brexit. Vor Jahren hatte ein blonder Wirrkopf seinen Landsleuten den Floh ins Ohr gesetzt, man könne aus dem Vereinigten Königreich allein dadurch wieder eine große Nation machen, indem man sich von Europa lossagt. Dass ein kleines Land in einer globalisierten Welt schlechtere Chancen hat als ein großes Staatenbündnis, ist eigentlich selbstverständlich. Allerdings widerspricht dies dem Wunschdenken vieler Briten, ganz allein Weltmacht zu sein. So wie früher, als man noch mit Segelschiffen um die Welt schipperte und den Kolonien zeigte, was Zivilisation ist. Doch diese Zeiten sind für immer passé, sich daran zu klammern, ist sinnlos. Und der Brexit wird sein zerstörerisches Werk anrichten.

Auch in Deutschland werden viele Menschen mehr von Wunschdenken angetrieben als von Logik und Fakten. Für "Querdenker" ist die Corona-Krise reine Fiktion, die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen sind in ihren Augen Instrumente der staatlichen Unterdrückung. Welche Folgen derart verqueres Denken in der Pandemie haben kann, zeigt sich in den USA. In dem Land mit dem obersten Querdenker direkt im Oval Office sterben im Jahr der Pandemie 20 Prozent mehr Menschen als in früheren Jahren. Mehr als 250.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 sind dort bisher zu beklagen und die Krankenhäuser ächzen vielerorts unter dem Ansturm von Corona-Erkrankten. Das ist die Realität, die Corona-Leugner nicht sehen wollen.

"Querdenker"-Demo in Berlin: Die Teilnehmer halten die Maßnahmen zum Schutz vor Corona für Willkür. (Quelle: imago images/F. Kern / Future Image)"Querdenker"-Demo in Berlin: Die Teilnehmer halten die Maßnahmen zum Schutz vor Corona für Willkür. (Quelle: F. Kern / Future Image/imago images)

Im Vergleich zu einer weiteren Bewährungsprobe wirkt die Corona-Krise jedoch beinahe harmlos. Die Klimakrise entscheidet über das Schicksal der gesamten Menschheit. Werden wir die drohende Katastrophe meistern und bleiben? Oder sind wir eine aussterbende Spezies? Alle Fakten liegen auch hier auf dem Tisch. Wir wissen genau, was uns droht. Und wir wissen, was zu tun ist, um das Schlimmste noch zu verhindern. Handeln wir nun auch oder ignorieren wir die Tatsachen für ein paar weitere Jahrzehnte unbeschwerter Träumerei? Im Moment wirkt es fatalerweise so, als habe sich die Welt für Letzteres entschieden.

Es ist verlockend, unangenehme Wahrheiten zu ignorieren, so zu tun, als gäbe es bestimmte Probleme nicht. Das macht das Leben einfacher, unbeschwerter und weniger mühsam. Es ist aber auch der Weg des sicheren Scheiterns, das zeigt sich immer wieder. Nur wer die Fakten anerkennt und angemessen darauf reagiert, kann dauerhaft bestehen und im Kampf gegen Krisen erfolgreich sein. Realitätsleugner dagegen stehen immer auf der falschen Seite der Geschichte. Ihr Denken erinnert an das bockige Kind, das nicht wahrhaben will, was nicht wahr sein soll, und am Ende damit nichts erreicht.

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WAS STEHT AN?

Vor dem Corona-Gipfel mit der Kanzlerin am Mittwoch wollen sich die Länder am Montag weiter über einen eigenen Vorschlag abstimmen. Schon am Sonntagabend wurde bekannt, dass die bereits geltenden Einschränkungen bis mindestens 20. Dezember bestehen bleiben sollen. Für Weihnachten sind dagegen Lockerungen für Treffen mit Familienmitgliedern und Freunden geplant. Vorgesehen ist offenbar auch ein Böllerverbot an Silvester.

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Der frühere französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy steht ab 13.30 Uhr wegen Bestechungsverdachts in Paris vor Gericht. Er soll 2014 versucht haben, über seinen Anwalt von einem hohen Juristen beim Kassationsgericht Ermittlungsgeheimnisse zu erlangen.

Nicolas Sarkozy: Der frühere französische Präsident steht unter Bestechungsverdacht. (Quelle: imago images/Vincent Isore)Nicolas Sarkozy: Der frühere französische Präsident steht unter Bestechungsverdacht. (Quelle: Vincent Isore/imago images)

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Mit zwei Nominierungen geht Deutschland in die diesjährige Verleihung der International Emmys. Die 1998 in Monheim am Rhein geborene Emma Bading ist für ihre Rolle in dem ARD-Film "Play" in der Kategorie "beste Leistung einer Schauspielerin" nominiert. Außerdem ist die zweite Staffel der historischen ARD-Krankenhaus-Serie "Charité" als beste Drama-Serie nominiert. Wegen der Corona-Pandemie findet die Preisgala für nicht-amerikanische Produktionen diesmal online statt (ab 17 Uhr).

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WAS LESEN?

Deutschland hat in der Corona-Pandemie einen Fehler nach dem anderen gemacht, kritisiert der Virologe Alexander Kekulé. Im Interview mit meinen Kolleginnen Nicole Sagener und Melanie Weiner verrät er, was seiner Meinung nach besser gewesen wäre.

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Die Corona-Zahlen in den USA sind schon jetzt dramatisch und sie könnten noch viel dramatischer werden. Thanksgiving steht in dieser Woche an und damit traditionell große Familienfeiern. Meine Kollegin Sonja Eichert fragt sich, kann die Katastrophe verhindert werden?

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Steve ist taub, Pascal schwerhörig. Auf welche Hürden sie deshalb im alltäglichen Leben stoßen und wieso Musik für sie trotzdem unverzichtbar ist, verraten sie meinen Kolleginnen Sophie Loelke, Sandra Sperling sowie Nicolas Lindken in unserem Videoformat "Frag mich".

Steve ist taub, Pascal schwerhörig: Bei t-online berichten sie, wie es ihnen damit im Alltag geht. (Quelle: t-online)Steve ist taub, Pascal schwerhörig: Bei t-online berichten sie, wie es ihnen damit im Alltag geht. (Quelle: t-online)

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Ritter ohne Fehl und Tadel, so stellen wir uns heute die militärische Elite des Mittelalters vor. Auch vor Jahrhunderten wurden Kämpfe allerdings bisweilen alles andere als ehrenhaft ausgetragen, wie mein Kollege Marc von Lüpke schildert.

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WAS AMÜSIERT MICH?

Auch die Politik schätzt die Vorzüge von Videokonferenzen.

 (Quelle: Mario Lars) (Quelle: Mario Lars)

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag. Am morgigen Dienstag schreibt wieder Chefredakteur Florian Harms für Sie.


Ihr

Carsten Werner

Chef vom Dienst t-online.de

E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Twitter: @Carsten_Werner

Mit Material von dpa.


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