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Verkehrschaos auf Autobahnen: "Lage ist katastrophal"

Von dpa, aj

Aktualisiert am 08.02.2021Lesedauer: 6 Min.
Mehrere R├Ąumfahrzeuge sind auf der verschneiten A2 bei Hannover: Es kam vielerorts zu Unf├Ąllen.
Mehrere R├Ąumfahrzeuge sind auf der verschneiten A2 bei Hannover: Es kam vielerorts zu Unf├Ąllen. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa-bilder)
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Auf vielen Autobahnen geht angesichts

Schnee und Eis treffen den Stra├čenverkehr in vielen Regionen Deutschlands schwer ÔÇô zahlreiche Unf├Ąlle und teils kilometerlange Staus sind die Folge. Steckengebliebene Lastwagen blockierten nach heftigen Schneef├Ąllen die Autobahnen, etwa im Norden und Osten Hessens auf der A4 und der A7.


Extremwetter mit Schnee und Eis in Deutschland

Auch am Dienstag h├Ąlt die Extremwetterlage in Teilen Deutschlands an. Glatte Stra├čen und eisige Temperaturen sorgen teilweise f├╝r Chaos. Auf der schneebedeckten A2 in Sachsen-Anhalt ist ein Lkw in einen Graben gerutscht.
R├╝gen: Starker Wind sorgt im Norden der Insel f├╝r Schneeverwehungen und riesige Schneeberge.
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"Die Lage ist katastrophal", sagte ein Sprecher der Polizei in Fulda am fr├╝hen Montagmorgen. In vielen Bereichen st├╝nden Lastwagen und Autos seit sechs Stunden im Stau, und es gehe nicht vorw├Ąrts oder r├╝ckw├Ąrts. R├Ąumfahrzeuge k├Ąmen kaum durch. Lkw-Fahrer sollten die Autobahnen nicht mehr befahren. Es sei noch nicht abzusehen, wann die Fahrbahnen wieder frei seien.

Reihenweise Lastwagen bleiben im Schnee stecken

Wegen des heftigen Wintereinbruchs stellten mehrere St├Ądte in Hessen den Busverkehr komplett ein ÔÇô etwa Kassel und Marburg an der Lahn. Grund sei der starke Schneefall sowie vereiste Stra├čen, teilten die Stadtwerke Marburg mit. Auch die Busse und Stra├čenbahnen in Kassel bleiben laut Stadtwerken in den Depots.

Auf der A6 bei N├╝rnberg blieben Lastwagen ebenfalls reihenweise im Schnee stecken. Ein Auto hatte sich w├Ąhrend des Schneefalls gedreht und die Fahrbahn versperrt, wie ein Polizeisprecher am Montagmorgen sagte. Bis das Auto geborgen wurde, seien etliche Lastwagen eingeschneit worden. Das Technische Hilfswerk befreite die Lkws bis in die Nacht hinein.

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Auf der A4 bei Gera in Th├╝ringen fuhren sich Lastwagen in Schneeverwehungen fest, es bildete sich ein kilometerlanger Stau. Abschleppdienste und R├Ąumfahrzeuge mussten die Lkws befreien.

Familie bleibt in Schnee stecken

Ebenfalls in Th├╝ringen blieb eine dreik├Âpfige Familie mit ihrem Auto im Schnee stecken. Laut Polizei versuchte die Familie stundenlang, das Auto vom Schnee zu befreien und w├Ąhlte gegen Mitternacht schlie├člich den Notruf. Die Eltern und ihre siebenj├Ąhrige Tochter mussten von der Feuerwehr gerettet werden und wurden in eine Notunterkunft gebracht.

Nicht mehr so dramatisch dagegen war die Lage in Nordrhein-Westfalen: Auf den Autobahnen herrschte am Montagmorgen weitgehend freie Fahrt f├╝r Pkws. "Es gab kaum Unf├Ąlle, alle waren sehr diszipliniert", sagte ein Sprecher der Polizei M├╝nster. Die Autobahnen im Bezirk seien nach dem Schneechaos vom Wochenende weitgehend befahrbar.

Noch Fahrverbot f├╝r Lastwagen in Westfalen

Die Bilanz der NRW-Polizei: Insgesamt 720 Eins├Ątze innerhalb von 24 Stunden bescherte das extreme Winterwetter den Beamten. Bei den Unf├Ąllen habe es einen Toten und 37 leicht verletzte Personen gegeben. In Duisburg war am Sonntag ein Wagen von der Stra├če abgekommen und in einem Bach gelandet. Dabei starb der Fahrer.

Auf den Autobahnen in Westfalen gilt noch bis Montagmittag um 12.00 Uhr ein Fahrverbot f├╝r Lastwagen ├╝ber 7,5 Tonnen. Grund daf├╝r sind der anhaltende Schneefall sowie vereiste Fahrbahnen. In Niedersachsen gilt die Regelung f├╝r die Landkreise Emsland, Osnabr├╝ck und Grafschaft Bentheim. Trotz des Verbots f├╝r den Schwerlastverkehr waren auf den Autobahnen um Osnabr├╝ck vereinzelt Lastwagen unterwegs. "Ganz verhindern k├Ânnen wir es nicht", sagte ein Sprecher der Polizeileitstelle Osnabr├╝ck am Morgen.

Einschr├Ąnkungen auf den Autobahnen gibt es etwa auch in Berlin: Auf den Stadtautobahnen solle aufgrund der Wetterlage nicht schneller als 60 Kilometer pro Stunde gefahren werden, erkl├Ąrte die Verkehrsinformationszentrale.

50 Bahnfahrer in Uelzen gestrandet

Auch den Fahrplan der Bahn trifft das extreme Winterwetter. "Schnee und Eis werden den Nah- und Fernverkehr der DB in weiten Teilen des Landes auch am Montag beeintr├Ąchtigen", so die Deutsche Bahn am Sonntagabend. Reisende wurden gebeten, "die zahlreichen Informationskan├Ąle der DB zu nutzen, um sich vor Fahrtantritt ├╝ber ihre Verbindung zu informieren".

Im Bahnhof in Uelzen im Nordosten Niedersachsens strandete am Sonntagabend ein Zug mit rund 50 Fahrg├Ąsten. Hilfskr├Ąfte versorgten die Menschen mit Decken, hei├čen Getr├Ąnken und einer Suppe. Am Montagmorgen konnten die Reisenden ihre Fahrt fortsetzen.

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Derzeit hilft nur "schieben, schieben, schieben"

Der heftige Wintereinbruch brachte die R├Ąumdienste vielerorts an ihre Grenzen. Die Polizei musste spiegelglatte Autobahnen sperren, es gab Hunderte Unf├Ąlle, bei der Bahn fielen Z├╝ge wegen vereister Oberleitungen aus. Autos blieben in tiefen Schneewehen stecken. Bei G├Âttingen brachte der Schneefall den Verkehr auf der A7 fast vollst├Ąndig zum Erliegen.

Schneeschippen vorm Haus war vielerorts angesagt, so wie in Irxleben bei Magdeburg. Dort erz├Ąhlte der Mitarbeiter eines Winterdienstes, aktuell habe es keinen Sinn, Salz zu streuen, weil der Schnee eh drauf falle. Zur Zeit helfe einfach nur "schieben, schieben, schieben".

In Braunschweig barg die Feuerwehr einen Stra├čenbahnwaggon, der aufgrund des Schnees aus den Schienen gesprungen war. Der Waggon geh├Ârte zu einem Sonderfahrzeug mit Schneepflug, mit dem die Verkehrsgesellschaft eigentlich unterwegs war, um Schienen von den Schneemassen zu befreien, wie ein Feuerwehrsprecher am Sonntag sagte. Rettungskr├Ąfte hoben den tonnenschweren Wagen mit einem Autokran zur├╝ck in die Spur.

In Duisburg musste die Feuerwehr anr├╝cken, weil f├╝nf H├Ąuser direkt am Rhein durch die Schneeverwehungen von der Au├čenwelt abgeschnitten worden waren. R├Ąumfahrzeuge waren in den teils 1,50 Meter hohen Schneeverwehungen stecken geblieben, wie die Polizei mitteilte.

In Wuppertal blieb die Schwebebahn in eisiger K├Ąlte stehen, sechs Menschen mussten mit Drehleitern in luftiger H├Âhe befreit werden.

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In Hessen hingen mehr als 55 Sattelschlepper bei Schnee und Eis auf den Autobahnen fest. In Halle an der Saale entgleiste wegen vereister Weichen eine Tram. Der gesamte Stra├čenbahnverkehr der Stadt brach zusammen.

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Matrosin geht ├╝ber Bord

Auf einem Containerschiff nahe Bremen war in der Nacht zu Sonntag bei starkem Sturm eine Matrosin ├╝ber Bord gegangen. Die 24-J├Ąhrige gilt als vermisst. Ein Mann starb zudem bei einem Unfall in Duisburg in Nordrhein-Westfalen. Der 66-J├Ąhrige war mit seinem Wagen von der Stra├če abgekommen und in den Dickelsbach gest├╝rzt.

Das Heimspiel von Arminia Bielefeld gegen Werder Bremen in der Fu├čball-Bundesliga musste abgesagt werden. Beim Zirkus Max Renz in Wesel erwischte der Schnee das Zelt der Kamele. "Als h├Ątten wir im vergangenen Jahr nicht schon genug mitgemacht", schrieb der Zirkus bei Facebook mit Blick auf die Corona-Zwangspause. Die Tiere seien aber unverletzt geblieben.

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Eisige K├Ąlte kommt aus dem Osten

Tief "Tristan" ├╝ber Mitteleuropa und dem zentralen Mittelmeer bringt im Zusammenspiel mit Hoch "Gisela" ├╝ber Skandinavien weitere eisige Luft. "Nach dem schnee- und windreichen Wochenende kommt nun aus Osten die gro├če K├Ąlte auf uns zu", sagte Meteorologe Simon Trippler vom DWD am Sonntag. Mit Schnee muss weiter gerechnet werden, allerdings f├Ąllt dieser nicht mehr so intensiv wie am Wochenende. Am Dienstag lassen die Schneef├Ąlle dann gr├Â├čtenteils nach, au├čer an der K├╝ste.

Menschen in Norddeutschland m├╝ssen sich auf Hochwasser an der Ostsee einstellen. Ein kontinuierlicher Ostwind bringt Wassermassen an die Ostseek├╝ste, wie ein Meteorologe sagte. F├╝r den Montag sei in der Kieler Bucht mit bis zu 80 Zentimeter h├Âheren Wasserst├Ąnden zu rechnen und auch in der L├╝becker Bucht steige das Wasser deutlich an.

Nach Schneekatastrophe klang das noch nicht

Nach einer Schneekatastrophe klang das noch nicht. Meteorologen hatten vor dem Wochenende von einem "denkw├╝rdigen Ereignis mit Seltenheitswert" gesprochen. Die Bilder vom Winter 1978/79 wurden wach, als der Norden Deutschlands, damals noch zwischen BRD und DDR geteilt, bis zur Dachkante im Schnee versank. 42 Jahre sp├Ąter spiegelte sich das Wetter im Netz: Bei Twitter lagen Schlagw├Ârter wie "Eisregen" und "Flockdown" im Trend. Die Wortsch├Âpfung aus "Flocke" und "Lockdown" hatte der Wetterdienst Kachelmannwetter schon am Mittwoch ins Spiel gebracht.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) riet den vom Schneechaos betroffenen Menschen in Deutschland, am Wochenbeginn besser zu Hause zu bleiben. Man k├Ânne nicht garantieren, im Laufe des Montags den Bahnverkehr wieder zum Laufen zu bekommen, sagte Scheuer nach einer Lagebesprechung am Sonntag bei "Bild live".

Kontrastprogramm im S├╝den Deutschlands

Vom Nordosten Spaniens ├╝ber Lyon und die C├┤te d'Azur bis nach Baden-W├╝rttemberg war der Himmel am Samstag in tr├╝bes gelbes Licht getaucht. Sand aus der Sahara hatte sich laut Wetterexperten wieder mal auf den Weg gemacht. "Menschen von ├╝berall her riefen an. Manche wollten wissen, ob das der Weltuntergang ist", sagte ein DWD-Sprecher in Stuttgart. In Th├╝ringen verf├Ąrbte sich Schnee gelblich-rot zu "Blutschnee".

W├Ąhrend deutsche St├Ądte nach Sibirien aussahen, gab es in Italien am Sonntag fr├╝hlingshaftes Wetter mit Temperaturen um 20 Grad. Das lockte die Menschen in Massen ins Freie. In Rom und anderen St├Ądten r├╝ckten am Wochenende Polizisten mit Blaulicht auf beliebten Pl├Ątzen an, um im Kampf gegen Corona abendliche Menschentrauben zu zerstreuen.

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