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Schneechaos in Texas (USA): Betroffene verbrennen Einrichtung und Spielzeug

Schneekatastrophe in Texas  

Kampf ums Überleben – Betroffene verbrennen Einrichtung und Spielzeug

19.02.2021, 16:51 Uhr
Weiter Stromausfälle in Texas – mehrere Tote

Bereits den dritten Tag in Folge müssen knapp 2,7 Millionen Haushalte in Texas ohne Strom und Heizung leben. Ein eisiger Wintersturm hat weite Teile des Staates lahmgelegt. Das Extremwetter kostete bisher mehr als 30 Menschen das Leben. (Quelle: t-online)

Dramatische Bilder aus Texas: 2,7 Millionen Haushalte sind ohne Strom, mehr als 20 Menschen sind gestorben. (Quelle: t-online)


Lebensmittel werden knapp, Rohre zerbersten, Wasser fehlt – in Texas herrscht ein Ausnahmezustand. Betroffene schildern die dramatischen Zustände, unter denen sie derzeit leben müssen.

Texas versinkt im Schnee – und für Hunderttausende bedeutet das seit Tagen ein Kampf ums Überleben. Der schwere Wintereinbruch hat zu massenhaften Stromausfällen geführt. Am schwersten betroffen ist der Bundesstaat im Süden des Landes. Die Temperaturen im Land sanken auf bis zu Minus 20 Grad, wie "Agrar heute" berichtet. In mehreren Städten in Texas war auch die Wasserversorgung unterbrochen.

Tausende Menschen schildern in US-Medien und auf Twitter, wie dramatisch die Situation derzeit ist:

Kimberly Hampton, Irving

In der texanischen Stadt Irving herrschen derzeit Minus sieben Grad. Dort lebt Kimberly Hampton mit ihrem Mann und drei Kindern. Zunächst habe sie geglaubt, dass sie die Stromausfälle von ihrem Haus aus überstehen würden. Erst hatten sie noch etwas Holz besorgen können, um ein Feuer zu machen. Gefrorene Muttermilch für ihr sieben Monate altes Baby konnte sie so bei Zimmertemperatur langsam auftauen. "Wir haben jetzt aber kein Feuerholz mehr und es gibt auch keines mehr zu kaufen", sagte Hampton CNN. Das Thermostat im Haus sei schnell nach dem Ausfall der Heizung auf zwei Grad Celsius gefallen. "Meine ganze gefrorene Muttermilch wird schlecht, deshalb muss mein Mann nun Ersatznahrung besorgen."

Um gegen die Kälte anzukämpfen, habe sie die "Schlafzimmer alle geschlossen und Handtücher in die Türzwischenräume gestopft". Mit Decken seien die Fenster abgeschirmt worden, um die Kälte zumindest ein wenig draußen zu halten. 

Ein Obdachloser in einem Kirchenasyl: Wegen des heftigen Wintersturms suchen viele Menschen dort Schutz. (Quelle: imago images/Zuma Wire)Ein Obdachloser in einem Kirchenasyl: Wegen des heftigen Wintersturms suchen viele Menschen dort Schutz. (Quelle: Zuma Wire/imago images)

Nach einigen Tagen ohne Strom geraten viele Menschen an den Rand der Erschöpfung – denn was bisher noch funktionierte, kann nicht mehr lange so weitergehen. "Wir haben einen Generator, aber das Benzin dafür ist uns extrem schnell ausgegangen. Die Kinder sind alle mit drei Schichten Kleidung eingepackt und wir haben uns im Grunde alle übereinander gelegt und die Körperwärme geteilt", erzählt Kimberly Hampton.
 

 
Viele Menschen fangen nun an, Einrichtungsgegenstände zu verbrennen, um irgendwie Wärme zu erzeugen. "Ich habe einfach angefangen, meine Leinwände von der Wand zu nehmen, sie zu zerbrechen und sie ins Feuer zu werfen", erzählt eine weitere Betroffene dem Nachrichtensender CNN.

Im US-Bundesstaat Texas fehlte am Donnerstag noch immer Hunderttausenden Haushalten und Geschäften der Strom. Die Webseite "poweroutage.us" verzeichnete Stromausfälle unter anderem auch im benachbarten Louisiana und in Mississippi. Die Lage verbesserte sich zwar im Vergleich zu den vergangenen Tagen, doch das Wetter wirkte sich auch auf die Wasserversorgung aus.

Angel Garcia, Killeen

Viele Menschen bewegt in den sozialen Medien auch die Geschichte von Angel Garcia. Mit ihrer Familie lebt sie im texanischen Killeen. Der fünf Monate alte Sohn kam als Frühgeburt auf die Welt und braucht noch immer Sauerstoff. Die Sauerstoffflaschen müsse die Familie nun rationieren, erzählte Garcia CNN. Sie teilte zudem ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie sie Spielsachen ihrer Tochter Jordan verbrennt, um Wärme im Haus zu erzeugen. Die Familie hatte kein Holz mehr, also verbrannten sie Holzspielzeug ihrer dreijährigen Tochter im Kamin. "Viele Leute wissen nicht, wie schlimm es ist, was hier passiert. Die Leute reißen ihre Zäune nieder, um sie zu verbrennen", sagte Garcia. "Wir haben angefangen, die kleinen Holzklötze meiner Tochter zu verbrennen, weil es einfach zu kalt war."

Lange Schlange vor einem Supermarkt: Bei Schneetreiben müssen viele Menschen in Texas vor den Läden ausharren. (Quelle: imago images/Zuma Wire)Lange Schlange vor einem Supermarkt: Bei Schneetreiben müssen viele Menschen in Texas vor den Läden ausharren. (Quelle: Zuma Wire/imago images)

Die Texanerin hofft, dass die Menschen erkennen, wie schlimm die Situation sei, in einem Staat, in dem die Menschen nicht an diese Art von Kälte gewöhnt sind. Nicht jeder habe beispielsweise Benzin im Haus. "Wir haben etwa eine Stunde in der Schlange gewartet, bis wir endlich Benzin bekommen haben", sagte Garcia. "Man kann so gut wie nirgendwo hingehen. Jeder in Texas sitzt im selben Boot. Wenn sie Strom haben, gibt es kein Wasser. Wenn sie Wasser haben, gibt es keinen Strom."

John Mays, Carrollton

Bei einigen ist sogar der doppelte Notfall eingetroffen. In Carrollton hatten John Mays, Jon Milton Blackburn und ihre drei Kinder seit dem frühen Montag weder Wärme noch Wasser in ihrem Haus. Um ihren Kamin zu befeuern, musste die Familie Fußleisten abreißen und als Brennmaterial nutzen. "Als nächstes nehmen wir den Esszimmertisch", erzählte John Mays. Nachdem auch noch ein Wasserrohr platzte, musste die Familie ihr Haus ganz verlassen und fand Unterschlupf in ihrer Kirche. "Wenn überhaupt, dann war das eine wunderbare Lektion für uns, wie wichtig die Gemeinschaft ist und wie wichtig es ist, als Gemeinschaft zusammenzuhalten", sagte Mays.

Nach heftiger Kritik wegen eines Urlaubstrips an die mexikanische Karibikküste inmitten der Winterwetter-Krise in seinem Heimatstaat Texas hat US-Senator Ted Cruz Fehler eingeräumt. "Es war offensichtlich ein Fehler, und im Nachhinein hätte ich es nicht getan", sagte der 50-jährige Republikaner am Donnerstag nach seiner Rückkehr nach Texas. "Ich kann verstehen, warum die Menschen verärgert sind", ergänzte er vor Reportern. Bereits bei der Hinreise seien ihm im Flugzeug Zweifel an der Reise gekommen.

Timothy Wilsey, Euless 

Timothy Wilsey, seine Frau Nicole und ihr siebenjähriger Sohn haben seit Tagen keinen Strom. Die Familie lebt in Euless und berichtet, dass sie ihre Autos zum Wärmen und zum Aufladen von Akkus und Telefonen nutzen. Die Telefone sind derzeit enorm wichtig, denn nur so könne man die Nachrichten weiter verfolgen und auch schauen, welche Restaurants noch geöffnet sind. Denn warme Mahlzeiten gibt es ohne Strom nicht. Meist würde die Familie "unter Decken im Bett liegen", um sich so warm zu halten. "Wir beschäftigen uns, indem wir Bücher lesen und Brettspiele spielen", sagte Wilsey zu CNN.

Yasmin Elsaba, Austin

Besonders betroffen ist auch die Hauptstadt des US-Bundesstaats, Austin. Bei Yasmin Elsaba platzten die Rohre der Sprinkleranlage in einer Wohnung im dritten Stock ihres Wohnhauses. Die unteren Etagen einschließlich ihrer Wohnung wurden überflutet. "Ich fing an zu schluchzen, als ich sah, dass Wasser auf meinem Bett stand", sagte Elsaba. "Ich konnte dort nicht mehr bleiben; die Böden waren bereits durchnässt, also war es auch keine Option, auf dem Boden zu schlafen." In den USA sind in vielen Decken Sprinkleranlagen eingebaut, die bei Feuer automatisch ausgelöst werden und Wasser in die Wohnungen abgeben. Das Wasser wird über Rohre in die Sprinkleranlagen eingeführt. Diese Rohre halten den Minusgraden allerdings offenbar nicht stand.

Jesus Cortez, San Marcos

Geplatzte Rohre gab es offenbar in vielen Teilen Texas. Jesus Cortez und seine drei Mitbewohner mussten ihre Studentenwohnung verlassen, als ein Sprinkler in einem der Schlafzimmer platzte und die Wohnung in San Marcos überflutete. "Wir liefen in einer Wasserlache und versuchten, so viel wie möglich herauszuholen", schrieb Cortez am Dienstag in einem Tweet. Cortez sagte CNN, dass er noch nicht wisse, ob sie in die Wohnung zurückkehren können.

Etwa zur gleichen Zeit stürzte in Friendswood die Decke in einer Wohnung ein: Sandra Erickson und ihr Mann erzählten, es sei so kalt geworden, dass die geplatzten Rohre in drei Zimmern die Decken zum Einsturz brachten. "Das ist wie eine Hurrikan-Katastrophe", sagte sie.

Thomas Black, Dallas

Thomas Black aus Dallas teilte ein Bild auf Social Media, das viral ging. Es zeigt Eiszapfen, die von einem Deckenventilator hängen. Texas sei einfach nicht bereit gewesen für eine Katastrophe wie diese, sagte er CNN.

Black hat auch andere Bilder aus seinem Wohnhaus geteilt. Darauf zu sehen sind überschwemmte Flure, Wasser, das von den Decken in Versorgungsschränke floss, und vereiste Inneneingänge.
Auf die Frage, warum er sich entschlossen hat, die Bilder in den sozialen Medien zu posten, sagte Black: "Ich denke, das Blut eines jeden Texaners sollte kochen, dass dies überhaupt die Realität ist, in der wir leben... wir sind in einer schlimmen Situation und es wird immer schlimmer."

Philip Shelley, Fort Worth

Auch die Lebensmittel werden vielerorts knapp. Philip Shelley lebt in Fort Worth, zusammen mit seiner schwangeren Frau Amber und seiner elf Monate alten Tochter Ava. Schon am 4. April soll das Baby geboren werden. "(Ava) hat nur noch eine halbe Dose Milchnahrung", erzählte der Familienvater. In den Geschäften gebe es nur noch extrem wenig Lebensmittel. "Die meisten unserer Lebensmittel im Kühlschrank sind verdorben. Die Lebensmittel im Gefrierschrank sind fast aufgetaut, aber wir haben keine Möglichkeit, sie aufzuwärmen."

Leere Regale: Wasser und Lebensmittel fehlen in Austin, Texas. (Quelle: imago images/ZUMA Wire)Leere Regale: Wasser und Lebensmittel fehlen in Austin, Texas. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)


In mehreren Städten in Texas, darunter in der Hauptstadt Austin, wurden Millionen Menschen angewiesen, das Leitungswasser wegen zu geringen Drucks vor dem Gebrauch abzukochen. In der Stadt Kyle bei Austin ging ein dramatischer Appell an die Bürger: "Bitte verwenden Sie Wasser nur, um das Leben aufrechtzuerhalten. Wir stehen kurz davor, dass die Wasservorräte in Kyle zur Neige gehen."

Brenda Aly, San Antonio

In San Antonio sagte Brenda Aly, dass sie neben dem Schnee auch das Poolwasser eines Nachbarn verwendet, um Geschirr abzuspülen und die Toiletten zu reinigen. Seit Dienstag bleibe das Wasser aus.
Aly sagte, dass sie das Glück hätten, einen Gasherd und einen Grill zu besitzen und Essen kochen zu können. Sie schätzt, dass sie noch Rationen für etwa zwei Tage übrig habe. "Sobald wir unser Wasser in Flaschen verbraucht haben, wird unsere einzige Trinkwasseroption Schnee sein, bis unser Wasser zurückkommt oder die Geschäfte wieder öffnen können", sagte Aly.

Feuerwehr kann Brand nicht löschen – Wasser eingefroren

In der Gegend um San Antonio ist es außerdem zu einem Wohnungsbrand gekommen. Der Freiwilligen Feuerwehr von Bexar-Bulverde ging während der Löscharbeiten das Wasser aus. "Viele der Hydranten am Einsatzort sind eingefroren und es gibt kein Wasser", sagte der Leiter der Abteilung, Jerry Bialick. Die Einsatzkräfte mussten erst ein Stück die Straße hinuntergehen, um ihre Tankwagen mit Wasser zu füllen. Eine schwierige Situation, wenn jede Minute zählt. 

Ein Apartmentkomplex in der Gegend um San Antonio steht in Flammen: Die Feuerwehr hatte durch das extreme Wetter Probleme, Wasser zu beschaffen. (Quelle: Reuters/INSTAGRAM @OLIVAREZ)Ein Apartmentkomplex in der Gegend um San Antonio steht in Flammen: Die Feuerwehr hatte durch das extreme Wetter Probleme, Wasser zu beschaffen. (Quelle: INSTAGRAM @OLIVAREZ/Reuters)

"Unsere Hauptsorge ist die Wasserversorgung", sagte Bialick während der Pressekonferenz am Donnerstag. "Sobald wir dem Feuer ein wenig zu Leibe gerückt sind, geht uns das Wasser aus." Die Bewohner des Gebäudes wurden evakuiert, ebenso wie die Gebäude daneben. Laut Bialick gab es keine Verletzten.

Das Winterwetter in den USA hat auch Auswirkungen auf das Nachbarland Mexiko. Nachdem es zu Engpässen bei der Erdgasversorgung gekommen war, rief Präsident Andrés Manuel López Obrador am Donnerstag zum Energiesparen auf. Alle Mexikaner sollten abends zur Stoßzeit zwischen 18 und 23 Uhr nicht unbedingt nötigen Energieverbrauch vermeiden.

Verwendete Quellen:

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