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Friedensnobelpreis: Diese Preisträger waren keine gute Wahl


Diese Preisträger waren keine gute Wahl

  • Marc von Lüpke-Schwarz
Von Marc von Lüpke

Aktualisiert am 07.10.2022Lesedauer: 4 Min.
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Drei Aktivisten: Die Gewinner des Friedensnobelpreises im Video. (Quelle: Reuters)
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Eigentlich sollen die Träger des Friedensnobelpreises Vorbilder sein. Doch so manche Ehrung hätte sich das Komitee lieber sparen sollen. Eine Auswahl.

Eine Auszeichnung ist eigentlich ein Grund zur Freude, besonders wenn es sich um eine der bedeutendsten der Menschheit handelt. Barack Obama, im Jahre 2009 noch relativ frischgebackener 44. Präsident der USA, schien allerdings weniger erfreut zu sein, als er Neuigkeiten aus Europa bekam. Ausgerechnet er war zum Friedensnobelpreisträger auserkoren worden! Alle Ehrlichkeit in Ehren, so das amerikanische Staatsoberhaupt, "verdient" habe er diese Ehrung nicht.

Womit Barack Obama auch verdammt recht hatte. Denn friedlicher wurde die Welt in seinen zwei Amtszeiten sicher nicht, was auch eine ziemlich naive Hoffnung gewesen wäre. Was Menschenrechtsaktivisten aber besonders empörte, war die Tatsache, dass unter Obama Angriffe des US-Militärs per Drohne inflationär wurden.

"Gut im Töten"?

Luftschläge in Afghanistan auf Terroristen und Menschen, die für solche gehalten wurden? Für Obama kein Problem, auch nicht, wenn US-Drohnen in Syrien und Libyen, Irak und Jemen zuschlugen. Präzise sollten sie töten, nur Bösewichte treffen. Dass dies eher Theorie als Praxis war, versteht sich. Immer wieder wurden auch Zivilisten Opfer dieser entpersonalisierten Kriegsführung.

Selbst Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika fielen den damaligen "Kill Lists" zum Opfer, die der US-Präsident abgenickt hatte. "Ich bin wohl gut im Töten", soll Obama diesen Umstand einmal kommentiert haben. Ob dies die Haltung eines Mannes sein sollte, der den Friedensnobelpreis erhalten hat? Nun ja. Überhaupt hatte das zuständige Norwegische Nobelkomittee 2009 mit der Auswahl Obamas eher eine Wette auf eine bessere Zukunft abgeschlossen – und verloren.

Theodore Roosevelt: Der frühere US-Präsident war ein Vertreter einer "robusten" Außenpolitik.
Theodore Roosevelt: Der frühere US-Präsident war ein Vertreter einer "robusten" Außenpolitik. (Quelle: CPA Media/imago-images-bilder)

Aber im Klub der unehrenhaft Geehrten ist Obama nicht alleine. Henry Kissinger, unter US-Präsident Richard Nixon Sicherheitsberater, erhielt den Friedensnobelpreis 1973 – weil er zusammen mit seinem kommunistischen Verhandlungspartner Lê Đức Thọ den US-Ausstieg aus dem Vietnamkrieg ausgehandelt hatte. Schön und gut, nur hatte eben Kissinger zuvor energisch die Ausweitung des Krieges vorangetrieben. Opfer wurde dann auch Kambodscha, über dem US-Bomber Zigtausende Tonnen Bomben abwarfen, die Zigtausende Tote forderten.

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Theodore Roosevelt, ein Vorgänger Obamas, erhielt hingegen 1906 die Auszeichnung für die Vermittlung eines Friedens zwischen den Kriegsgegnern Russland und Japan. Fatalerweise war er ansonsten ein ziemlich skrupelloser Vertreter der amerikanischen Interessen, dessen Außenpolitik Roosevelt nach diesem Motto betrieb: "Rede sanft und hab' einen großen Knüppel."

Eher Saulus als Paulus

Das 28. Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten, Woodrow Wilson, hatte sich zwar für eine Beendigung des Ersten Weltkriegs eingesetzt und dafür 1919 den Friedensnobelpreis erhalten. Allerdings war Wilson ein eifriger Verfechter der Rassentrennung in den USA – was er als seine ganz eigene pervertierte Form der "Friedenserhaltung" in der Vereinigten Staaten empfand.

Aber nicht nur in der Neuen Welt wurden Menschen ausgezeichnet, die sich bei näherer Betrachtung als eher wenig würdig erwiesen. Aung San Suu Kyi avancierte zur Ikone der Demokratiebewegung in ihrer vom Militär unterjochten Heimat Burma, lange Jahre zogen die Machthaber sie deshalb per Hausarrest aus dem Verkehr. 2019 fand die fast 20 Jahre zuvor mit dem Friedensnobelpreis Ausgezeichnete nichts dabei, ausgerechnet das burmesische Militär zu verteidigen, das die muslimische Minderheit der Rohingya brutal verfolgte.

Abiy Ahmed: Der äthiopische Ministerpräsident wird mittlerweile heftig kritisiert für seine Rolle im Bürgerkrieg.
Abiy Ahmed: Der äthiopische Ministerpräsident wird mittlerweile heftig kritisiert für seine Rolle im Bürgerkrieg. (Quelle: MATRIXPICTURES.CO.UK /imago-images-bilder)

Glück für Aung San Suu Kyi, denn ein Nobelpreis kann einem nicht wieder aberkannt werden. Glück auch für eine nicht geringe Zahl an anderen Preisträgern. Carlos Filipe Ximenes Belo, Friedensnobelpreisträger von 1996 für seine Bemühungen um eine friedliche Lösung des Osttimor-Konflikts, wird vorgeworfen, Jungen sexuell missbraucht zu haben. 2019 hatte der Vatikan von den Vorwürfen erfahren, später sei Belo der Umgang mit Minderjährigen komplett untersagt worden.

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Die Wandlung von einem Saulus zum Paulus verleitete 1994 wahrscheinlich das Norwegische Nobelkomittee dazu, Jassir Arafat auszuzeichnen. Ein Terroristenführer, der zum Friedensbringer wird? Eine wunderbare Wandlung, wenn sie denn geklappt hätte. Nur war der damalige Friedensprozess im Palästinakonflikt alles andere als erfolgreich. Wieder hatten die Norweger auf das Prinzip Hoffnung gesetzt, wie sie es auch 2009 bei Obama tun sollten.

"Besondere Verantwortung"

Zehn Jahre nach Barack Obama hat dann der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed die Auszeichnung erhalten. Sein Verdienst ist unbestritten, immerhin hatte er sich stark für ein Ende des Konflikts zwischen seinem Land und Eritrea eingesetzt. Doch im seit 2020 wütenden Bürgerkrieg im Norden Äthiopiens spielt Ahmed nicht gerade die Rolle des Friedensstifters – im Gegenteil: Die äthiopischen Streitkräfte haben dort Kriegsverbrechen begangen.

"Als Ministerpräsident und ein Träger des Friedensnobelpreises hat Abiy Ahmed eine besondere Verantwortung dafür, den Konflikt zu beenden und dabei zu helfen, Frieden zu schaffen", mahnte Anfang 2022 das Norwegische Nobelkomittee. Beendet ist der Konflikt immer noch nicht.

So umstritten die Verleihung des Friedensnobelpreises manchmal auch sein mag – es gibt zweifellos zahlreiche Geehrte, die ihn verdient haben. Willy Brandt etwa, der 1970 in Warschau kniete und einen Beitrag zur Verständigung zwischen West und Ost im Kalten Krieg leistete. Oder Malala Yousafzai aus Afghanistan, die sich für die Rechte von Kindern einsetzt. Auch Henri Dunant, der 1901 für sein Lebenswerk, die Gründung des Roten Kreuzes, ausgezeichnet wurde, war ohne Frage eine würdige Wahl. Von Nelson Mandela ganz zu schweigen.

Ein Mann ist der Welt als Friedensnobelpreisträger erspart geblieben: Donald Trump. Obwohl dieser heftigste Ambitionen auf die Auszeichnung durchblicken ließ. Dass Trump diesen Preis aber mit Würde tragen würde, traute ihm weiß Gott niemand zu.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • sueddeutsche.de: "Ausgezeichnet, die Herrschaften" (kostenpflichtig)
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