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AKW Saporischschja: "Die Russen laufen mit Gewehren auf dem Gelände herum"


"Dann haben wir hier Fukushima"

Von Martin Küper

Aktualisiert am 17.08.2022Lesedauer: 2 Min.
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Angriffe auf AKW Saporischschja: Aufnahmen zeigen die dramatische Lage vor Ort. (Quelle: t-online)
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Russische Truppen haben das Atomkraftwerk Saporischschja zur Festung ausgebaut. Der Druck auf die Ingenieure ist Berichten zufolge immens.

Nach einem mutmaßlich russischen Cyberangriff wächst erneut die Sorge vor einem Zwischenfall am Atomkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine. Die Attacke am Dienstag sei die bislang größte seit dem russischen Überfall im Februar, so der Atomkonzern Energoatom. Die Internetseite sei "von russischem Territorium aus angegriffen worden". In einem Telefonat mit seinem französischen Amtskollegen Macron warf der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Russland Nuklearterrorismus vor.

Russische Truppen besetzen die Anlage mit sechs Reaktorblöcken seit 4. März, während die ukrainischen Mitarbeiter die Anlage am Laufen halten müssen – und das offenbar unter immer dramatischeren Bedingungen.

"Die Russen laufen ständig mit Gewehren auf dem Gelände herum", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Techniker. Die ukrainische Kernkraftsicherheitsbehörde erklärte, sie glaube, die Mitarbeiter der Anlage seien in Gefahr. Schon Anfang Juli gab es Berichte über Folter von Angestellten, einen Taucher sollen russische Soldaten zu Tode geprügelt haben. Zuletzt waren mehrfach Raketen und Granaten auf dem weitläufigen Gelände eingeschlagen, Ukrainer und Russen machten sich gegenseitig dafür verantwortlich.

Psychischer Druck auf Angestellte

Von psychischem Druck auf die Mitarbeiter berichtet auch Jan Karl Klebert von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit. Der Zustand der Mannschaft bereite ihm große Sorgen, sagte Klebert dem Deutschlandfunk: "Die arbeiten da im Drei-Schicht-Betrieb und müssen unter den Soldaten ihre Pflicht erfüllen. In einem Atomkraftwerk läuft natürlich vieles automatisch, aber wenn man sich vorstellt, aus irgendeinem Grund fällt der Strom aus, und man muss unter hohem psychischen und physischen Druck Entscheidungen treffen, dann ist das nicht mehr so trivial. Die meisten Katastrophen passieren, weil viele unglückliche Umstände zusammenkommen."

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Auch bei der Betreiberfirma wächst die Sorge, dass die Stromleitungen zum Kraftwerk unterbrochen werden könnten, und die Pumpen, die den Reaktorkern und die Becken mit abgebrannten Brennelementen kühlen, nicht mehr funktionieren könnten. "Wir haben genug Diesel, um die Generatoren zehn Tage lang zu betreiben", zitiert der "Spiegel" einen Ingenieur der Anlage. "Wenn diese aufgebracht sind und keine Ersatzstromquelle gefunden wird, droht ein Blackout." In der Folge würde das Kühlwasser in den Reaktoren verdampfen und es würde zur Kernschmelze kommen. "Dann haben wir hier Fukushima", so der Ingenieur.

"Das ist vollkommen wahnsinnig"

Unterdessen bauen die russischen Besatzer das Kernkraftwerk immer mehr zur Festung aus. Nach ukrainischen Angaben befinden sich etwa 500 russische Soldaten auf dem Gelände, darunter Mitglieder der Söldnertruppe Wagner. Sie sollen Waffen und Munition in Maschinenräumen lagern und Teile des Areals vermint haben.

Bewaffnet sein sollen sie mit Granatwerfern, Panzer- und Flugabwehrraketen. Nach Angaben des Ingenieurs sollen die Russen auch Gräben ausgehoben und Betonsperren errichtet haben: "Sie machen sich für einen Abwehrkampf bereit, das ist vollkommen wahnsinnig."

Am Donnerstag reist UN-Generalsekretär António Guterres in die Ukraine, um dort mit Präsident Selenskyj und dem türkischen Präsident Erdoğan über die Lage am AKW Saporischschja und eine politische Lösung für den Ukraine-Konflikt zu sprechen. Am Freitag will Guterres dann die für die Getreideexporte wichtige Hafenstadt Odessa besuchen.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen AFP und Reuters
  • dlf.de: "Ein Super-GAU ist auch unter Beschuss unwahrscheinlich" (Stand: 17. August 2022)
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