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├ťberwiegend ruhige Demos am 1. Mai ÔÇô mit einer Ausnahme

Von Jannis Gro├če

Aktualisiert am 03.05.2022Lesedauer: 5 Min.
Einsatzkr├Ąfte begleiten Demonstranten: Tausende Menschen demonstrierten am 1. Mai in Hamburg.
Einsatzkr├Ąfte begleiten Demonstranten: Tausende Menschen demonstrierten am 1. Mai in Hamburg. (Quelle: Jannis Gro├če)
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Zum "Kampftag der Arbeiterklasse" fanden mehrere gro├če Demonstrationen in Hamburg statt. Neben verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten wurde dabei immer wieder auch der russische Angriffskrieg thematisiert.

Mehr als 6.500 Menschen demonstrierten laut Polizei am Sonntagvormittag f├╝r Frieden, Gerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt in Hamburg. Unter dem Motto "GeMAInsam Zukunft gestalten" hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) insgesamt drei Demonstrationsz├╝ge angemeldet.

Zahlreichen Gewerkschaften waren vor Ort, so etwa ver.di, IG Metall, IG BCE und die Gewerkschaft der Polizei. Auch sozialistische Gruppen wie die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) oder die Falken nahmen teil. Ebenso linksradikale Kleinparteien wie die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschland (MLPD) oder die Deutsche Kommunistische Partei (DKP).

Daneben gab es bei der Demo Vertreter der SPD, der Linkspartei, der Gr├╝nen und verschiedener kurdischer Gruppen.

Demonstrationen auch im Zeichen des Ukraine-Kriegs

Der 1. Mai stand in diesem Jahr auch im Zeichen des Krieges. Zahlreiche Plakate f├╝r Frieden und Abr├╝stung pr├Ągten die Demo. Gemeint war dabei aber nicht nur der Krieg in der Ukraine, auch die Angriffe der T├╝rkei auf die kurdischen Gebiete in Nordsyrien und dem Nordirak wurden von den Demonstranten verurteilt.

Klassische Gewerkschaftsthemen wie die Forderung nach mehr Lohn, Mindestlohn f├╝r Azubis oder mehr Gelder f├╝r Gesundheit, Bildung und Soziales waren wichtige Themen der Demo. Ein Redner der SDAJ erkl├Ąrte, dass der Kapitalismus keine Zukunftsperspektive biete.

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Die Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes stand auch im Zeichen des Ukraine-Kriegs.
Die Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes stand auch im Zeichen des Ukraine-Kriegs. (Quelle: Jannis Gro├če)

Mit "100 Milliarden in Bildung und Gesundheit statt in die Bundeswehr", schloss er seine Rede. Der Jugendblock skandierte: "Jugend, Zukunft, Sozialismus". In einem anderen Block riefen die Demonstrantinnen und Demonstranten: "Ausbildungspl├Ątze statt Kriegseins├Ątze".

Mehrere Hundertschaften bei "Hafencity entern"-Demo

Gegen 13 Uhr startete die Demo des B├╝ndnis "Wer hat, der gibt", die unter dem Motto "Hafencity entern" von der Elbphilharmonie bis zur Warburg-Bank am Jungfernstieg zog. Die mehr als 2.000 Demonstrierenden setzten sich f├╝r Umverteilung und eine soziale, ├Âkologische und bed├╝rfnisorientierte Gesellschaft ein.

Bereits in der Vergangenheit organisierte das Umverteilungsb├╝ndnis "Wer hat, der gibt" Demonstrationen durch die wohlhabenden Viertel in Hamburg-Rotherbaum, Harvestehude und Blankenese.

Das B├╝ndnis "Wer hat, der gibt" zog von der Elbphilharmonie bis zum Jungfernstieg.
Das B├╝ndnis "Wer hat, der gibt" zog von der Elbphilharmonie bis zum Jungfernstieg. (Quelle: Jannis Gro├če)

Mehrere Einsatzhundertschaften begleiteten die Demo. Neun thematische Bl├Âcke gab es bei der Demonstration, darunter ein barrierefreier Block, ein Enteignungsblock, ein Block des G├Ąngeviertels und ein satirischer Block der "Bonzen".

Gro├čer Antifa-Block begleitet Demonstration

"Wir k├Ânnen uns die Reichen nicht mehr leisten", sagte eine Rednerin von "Wer hat, der gibt". "Wir k├Ânnen es uns nicht mehr leisten, Milliarden in Prestigeprojekte wie die Elbphilharmonie zu pumpen", so die Rednerin weiter. Durch steigende Energiepreise und Inflation w├╝rde Wohnen und Heizen zum Luxus werden, erz├Ąhlt sie.

"Wir sagen: Wer hat, der gibt." Die Kampagne "Hamburg enteignet", die mit einem eigenen Block vertreten ist, fordert ganz konkret, alle Unternehmen zu enteignen, die mehr als 500 Wohnungen besitzen.

Im hinteren Teil der Demo lief ein gro├čer Antifa-Block mit mehreren hundert schwarz gekleideten Aktivisten. Am Sandtorkai z├╝ndeten sie mehrere Raucht├Âpfe. Kurz vor Ende forderte die Polizei den Block am Jungfernstieg auf, die Vermummung abzulegen, weil nur OP- und FFP2-Masken seit dem Ende der Maskenpflicht erlaubt sind.

Revolution├Ąrer 1. Mai demonstriert am Berliner Tor

Auch am Berliner Tor zeigte sich die Hamburger Polizei zur Revolution├Ąren 1.-Mai-Demo mit einer gro├čen Zahl an Einsatzkr├Ąften. Unter dem Motto "Kapitalismus ist Pandemie, Krieg und Krise" demonstrierten hier zahlreiche kommunistische Gruppen.

Mit roten OP-Masken und roten Fahnen stellte sich die Demo in 6er-Reihen auf. Rund 2.000 Menschen beteiligten sich bereits zu Beginn an der Demo. Die Polizei sprach von 1.500 Teilnehmern.

Auch der Acht-Stunden-Tag, f├╝r den Arbeiter schon vor 136 Jahren auf die Stra├če gegangen sind, war hier Thema. In einem Aufruf hie├č es dazu: "Die Bundesregierung arbeitet daran, den 8-Stunden-Tag durch Flexibilisierungen quasi abzuschaffen. Dies zeigt, die vergangenen Siege im System werden uns wieder streitig gemacht."

Aufgeteilt in drei Bl├Âcke zog die Demo durch Barmbek, die Demonstranten riefen: "Klasse gegen Klasse! Krieg dem Krieg! Kampf dem Kapital, bis der Frieden siegt."

"Anarchismus in die Offensive"

W├Ąhrend die Revolution├Ąre 1.-Mai-Demo noch unterwegs war, startete au├čerhalb der klassischen Demorouten die Demonstration des anarchistischen B├╝ndnisses "Schwarz-Roter 1. Mai" an der S-Bahn-Station in Wilhelmsburg. Das Motto der Demo: "Verboten gut: Anarchismus in die Offensive".

Auch bei den Anarchisten und der revolution├Ąren Demo ist der russische Angriffskrieg ein Thema. "Wir sind nicht auf der Seite des ukrainischen Staates", erkl├Ąrte ein Aktivist in einer Rede in Wilhelmsburg. "Wir sind immer auf der Seite der Bev├Âlkerung, wir begr├╝├čen einen Widerstand von unten."

Beide Demos kritisierten das 100-Milliarden-Paket f├╝r die Bundeswehr und die fehlende Aufmerksamkeit auf die t├╝rkischen Angriffe auf kurdische Gebiete.

Aktivisten verdecken sich mit Regenschirmen

Rund 850 Menschen sind laut Angaben der Polizei nach Wilhelmsburg gekommen, die Veranstalter sprechen von ├╝ber 1.000. Mit einem gro├čen Schwarzen Block zog die Demo der Anarchisten los, Regenschirme verdeckten die Sicht in den Block.

Mit Regenschirmen wollten die Demonstranten den Blick in den Aufzug verdecken.
Mit Regenschirmen wollten die Demonstranten den Blick in den Aufzug verdecken. (Quelle: Jannis Gro├če)

In gro├čen Buchstaben steht "Riots work! You shouldn't" auf einem Seitentransparent. Nach wenigen hundert Metern z├╝ndete der vordere Block zahlreiche Bengalos, sodass die Polizei die Demo stoppte.

Die Aktivisten in Wilhelmsburg mussten die Regenschirme einpacken, die Banner niedriger halten und Schlauchschals ablegen, dann durften sie weiterlaufen. Die Route f├╝hrte durch den nord├Âstlichen Teil des Stadtteils.

W├Ąhrend die Polizei den vorderen Block nahezu dauerhaft filmt, antwortet dieser mit Spr├╝chen gegen die Polizei. So rufen die Demonstranten immer wieder: "Erster Mai, Stra├če frei, nieder mit der Polizei".

Demo findet zum ersten Mal seit 2019 statt

Die Antiautorit├Ąre 1.-Mai-Demo des B├╝ndnisses fand zum ersten Mal 2019 statt. Damals zogen rund 500 Menschen durch Hamburg-Harburg und z├╝ndeten Raucht├Âpfe und Bengalos. "Wir wollen ein bisschen raus aus den Szenekiezen und dahin, wo die Menschen wohnen, mit denen wir Politik machen wollen", erkl├Ąrte Kim B. vom "Schwarz-roten 1. Mai"- B├╝ndnis in einem Interview beim Freien Sender Kombinat (FSK).

2019 hatte die Polizei die Demonstration deutlich falsch eingesch├Ątzt und war zun├Ąchst nur mit wenigen Streifenwagen vor Ort. 2021 wurde die Demo des B├╝ndnisses verboten, eine Spontan-Demo von mehreren hundert Anarchisten von der Polizei gestoppt.

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Kurz vor dem Endpunkt an der S-Bahn-Station Veddel z├╝ndeten Teilnehmer am Sonntag erneut Pyrotechnik. Die Polizei stoppte die Demo, woraufhin mindestens eine Flasche flog. Anschlie├čend nahm die Polizei zwei Personen fest. Keine 50 Meter weiter griff die Polizei die Demo in einer Unterf├╝hrung an.

├ťbertriebene Polizeigewalt?

Im Rahmen der gewaltsamen Auseinandersetzung kam es mehrfach zu Angriffen der Beamten mit Schlagst├Âcken ÔÇô vereinzelt auch mit gezielten Hieben auf die K├Âpfe der Demonstrierenden. Au├čerdem wurde Pfefferspray in Richtung der Menge eingesetzt.

Ziel sei es gewesen, zwei Tatverd├Ąchtige im Zusammenhang mit Straftaten festzunehmen, erkl├Ąrt die Polizei sp├Ąter dazu. Das B├╝ndnis "Schwarz-Roter 1. Mai" berichtet auf Twitter in der Nacht, dass mehrere Menschen zur Behandlung ins Krankenhaus mussten.

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Feste feiern, wie sie fallen

Aber nicht nur Demonstrationen geh├Âren zum 1. Mai. Bereits am Freitagabend veranstaltete das B├╝ndnis "Wer hat, der gibt" ein Fest mit Musik, Infost├Ąnden und Redebeitr├Ągen. Mehrere hundert Menschen versammelten sich zu den "Symphonien der Umverteilung" auf dem Schulterblatt vor der Roten Flora.

Am Samstagabend veranstalteten die Organisatoren der Revolution├Ąren 1.-Mai-Demo an der S-Bahn Sternschanze das sogenannte Klassenfest, ein Hiphop-Open-Air-Konzert "gegen Staat und Kapital". Neben Musik gab es auch hier inhaltliche Redebeitr├Ąge.

Verschiedene Rapper und Rapperinnen sorgten im Anschluss f├╝r die Musik zum Klassenkampf. Der Bass dr├Âhnte ├╝ber den Platz, auf dem rund 650 Menschen feierten, tanzten und mitrappten. Zwischen den Liedern stimmten die Musiker immer wieder Sprechch├Âre gegen Kapitalismus und Polizei an. Feiernde z├╝ndeten Raucht├Âpfe und Bengalos in der Menge.

Bereits am Freitagabend fand das "Klassenfest" in der Sternschanze statt.
Bereits am Freitagabend fand das "Klassenfest" in der Sternschanze statt. (Quelle: Jannis Gro├če)

Die Polizei hielt sich zur├╝ck. Sie sperrte lediglich die Stra├če und beobachte die Lage vom Bahnsteig der S-Bahn aus.

Polizei zieht positive Bilanz zum 1. Mai

Am Sonntagabend zog die Polizei ├╝berwiegend positive Bilanz. "Drei Aufz├╝ge haben wir mit einem gr├Â├čeren Kr├Ąfteansatz begleitet, um Krawallmachern keinen Raum zu geben", hei├čt es in einer Pressemitteilung.

Diese Taktik sei insbesondere in Wilhelmsburg aufgegangen. ├ťber 1.200 Einsatzkr├Ąfte waren nach Angaben der Polizei am 1. Mai im Einsatz.

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