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Ottmar Hitzfeld: "Ich erwarte, dass Klopp bei Bayern Trainer wird"

Hitzfeld im Exklusiv-Interview  

"Ich erwarte, dass Klopp bei Bayern Trainer wird"

04.07.2017, 17:55 Uhr | Florian Wichert, David-Emanuel Digili, t-online.de

Legende Hitzfeld über den FCB, Transfers und mehr

Der ehemalige Fußballtrainer plaudert aus dem Nähkästchen.

Ottmar Hitzfeld hat großen Respekt vor der Leistung von Jürgen Klopp. (Quelle: t-online.de)


Er ist der einzige Trainer, der mit zwei deutschen Mannschaften die Champions League gewann – 1997 mit Dortmund und 2001 mit dem FC Bayern. Er holte sieben deutsche Meisterschaften und dreimal den DFB-Pokal. Er ist bis heute der Trainer mit dem besten Punkteschnitt in der Bundesliga.

Im ersten Teil des Exklusiv-Interviews mit t-online.de spricht Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld über seinen Ex-Verein, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi sowie Jürgen Klopp, dem er eine Zukunft als englischer Meister und Bayern-Coach prophezeit. Und er stellt ein Ranking der aktuell besten Trainer der Welt auf.

t-online.de: Herr Hitzfeld, der FC Bayern hat Granaten angekündigt, bekommt aber nur Granätchen – muss man sich Sorgen um den Rekordmeister machen?

Ottmar Hitzfeld (68): (lacht) Man braucht sich nie Sorgen um den FC Bayern machen. Die Mannschaft steht, der Kader ist hervorragend und Bayern hat Alternativen. Nachdem Alonso aufgehört hat, ist mit Tolisso bereits eine Verstärkung und ein hervorragender Spieler da, der Alonso ersetzen kann. Und auf der rechten Seite kann ich mir vorstellen, dass Kimmich ein zweiter Lahm wird, wenn er regelmäßig spielt. Kimmich ist ein Topspieler, unglaublich spielstark. Die Frage wird nun sein: Welchen Spieler kann man noch verkaufen, der nicht den Durchbruch geschafft hat – Costa, Coman, Sanches?

Ihre Meinung dazu?

Wenn man diese Spieler abgeben kann, könnte man für diese Positionen wieder andere Spieler verpflichten. Man muss sich nicht unbedingt trennen, aber das ist ja die Überlegung der Bayern. Es gibt schon noch ein paar offene Fragen, zum Beispiel ob Gnabry im Kader bleibt. Ich könnte mir vorstellen: Wenn Bayern Coman oder Costa verkauft, wird er bestimmt bleiben – ansonsten wird man ihn verleihen.

Douglas Costa hat die Bosse mit seiner Söldner-Mentalität verärgert, Kingsley Coman wurde wegen des Verdachts der häuslichen Gewalt in Frankreich verhaftet. Haben die Charaktertests versagt?

Das Wichtigste ist, dass die Mentalität und die Einstellung stimmen. Man braucht charakterstarke Spieler, denn gerade die zweite Reihe sollte sich nicht unter-, aber zumindest einordnen. Der FC Bayern wird darauf Wert legen und hat immer die Möglichkeit, auf so etwas zu reagieren und adäquaten Ersatz zu verpflichten, wenn jemand unzufrieden ist oder die Erwartungen nicht erfüllt.

Ottmar Hitzfeld empfing die Redakteure David-Emanuel Digili und Florian Wichert im Swissotel La Plaza in Basel. (Quelle: t-online.de)Ottmar Hitzfeld empfing die Redakteure David-Emanuel Digili und Florian Wichert im Swissotel La Plaza in Basel. (Quelle: t-online.de)

Uli Hoeneß träumt vom FC Bayern Deutschland, Karl-Heinz Rummenigge hat in den letzten Jahren fertige Stars aus dem Ausland geholt – droht da ein Konflikt der Philosophien?

Nein, sie ergänzen sich eher. Es ist schwer für den FC Bayern, deutsche Spieler zu bekommen, die auch den Ansprüchen gerecht werden. Sie haben aber Rudy, Süle und Gnabry geholt, sind also trotzdem fündig geworden auf diesem Markt. Wenn der Verein jedoch eine Granate ankündigt, wird das als europäische Top-Mannschaft natürlich auch ein europäischer Topspieler sein. Vielleicht ein südamerikanischer Spieler –  mit einer enormen Transfersumme.

Einer wie Arsenals Alexis Sanchez?

Es gehört zum Standard der Bayern und zum Prestige, dass man auf dem Transfermarkt zuschlägt. Nicht nur mit Tolisso. Das ist ein Defensivspieler. Vielleicht macht man daneben noch etwas für die Torgefahr. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass man unglaubliche Spieler hat mit Ribéry, Robben, Müller, Thiago, Lewandowski. Wenn man jetzt einen Sanchez holen würde, müsste wieder jemand auf die Bank – das kann auch Probleme schaffen. Bayern wird sich das gut überlegen, ob sie wirklich noch jemanden dieser Kategorie holen.

Hätten Sie Cristiano Ronaldo gerne mal bei Bayern gesehen?

Als ich von den Gerüchten gelesen habe, musste ich schmunzeln. Ich habe mich schon gefreut über diese Idee – auch wenn sie unrealistisch ist. Für die Fans wäre das natürlich ein Highlight, ein Weihnachtsgeschenk, wenn man Cristiano Ronaldo verpflichten könnte. Aber das ist utopisch. Er würde den Gehaltsrahmen sprengen und Bayern würde sich finanziell auch bei anderen Spielern selbst unter Zugzwang setzen. Dann kommen Manager, die die Situation  ausnutzen und auch mehr rausschlagen wollen für ihre Spieler. Uli Hoeneß würde so ein Risiko nicht eingehen. Es ist die Kunst, logische Preise zu zahlen, keine übertriebenen.

Trainer Ottmar Hitzfeld mit Stefan Effenberg (l.) und Patrik Andersson auf Ehrenrunde nach dem Sieg in der Champions League 2001. (Quelle: imago images/Frinke)Trainer Ottmar Hitzfeld mit Stefan Effenberg (l.) und Patrik Andersson auf Ehrenrunde nach dem Sieg in der Champions League 2001. (Quelle: Frinke/imago images)

Sie waren insgesamt sieben Jahre lang beim FC Bayern Trainer. Haben Sie mit Hoeneß und Rummenigge zumindest mal über große Namen wie seinerzeit Zidane, Beckham oder Roberto Carlos gesprochen?

Wir haben über Transfer-Möglichkeiten, den Markt an sich und die Veränderungen der Preise diskutiert. Aber über solche Namen haben wir nicht mal diskutiert. Man hat hervorragende Sponsoren und Werbeträger beim FC Bayern, die einem helfen würden, solche Spieler zu finanzieren – aber das würde einfach zu vielen Problemen führen. 

Verliert Bayern nicht international irgendwann den Anschluss, wenn man über solche Spieler nicht mal nachdenkt? Zumal die England-Klubs so viel mehr TV-Gelder kassieren.

Ich glaube nicht, dass Bayern den Anschluss verlieren wird. Der FC Bayern hat immer wieder bewiesen, dass er zu den besten vier Mannschaften der Welt gehört. Man braucht keinen Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo. Es werden auch andere Klubs Champions-League-Sieger. Ein hervorragendes Scouting-Team ist wichtiger – und das haben sie.

Was sie noch nicht haben, ist ein Sportdirektor. Würde Sie das nicht noch mal reizen?

Nein. Unmöglich. Mittlerweile lebe ich in einer anderen Welt. Wenn man Verantwortung hat, ist man einem riesigen Druck ausgesetzt und hat kein selbstbestimmtes Leben. Als Sportdirektor hat man einen Tagesablauf, einen Spielkalender – alles ist vorgegeben. Heute kann ich aber selbst sagen, ob und wann ich nach Mallorca fliege, mir ein Bundesligaspiel angucke oder golfen gehe. Ob ich Interviews gebe, einen Vortrag halte oder nicht – ich kann es selbst bestimmen. In meinem jetzigen Lebensbereich ist es so genau richtig und damit bin ich sehr glücklich.

Gab es denn in den letzten Jahren trotzdem Bundesligisten, die gesagt haben: „Herr Hitzfeld, könnten Sie sich das nochmal vorstellen, bei uns Trainer zu sein?“

Ja. Obwohl bekannt ist, dass ich nicht mehr Trainer werden möchte, habe ich Anfragen gehabt – international und auch aus der Bundesliga. Ich habe aber keine Sekunde überlegt, weil ich sonst bei der Schweiz zwei Jahre länger hätte unterschreiben können. Man muss auch loslassen können, und da bin auch ein bisschen altmodisch: Mit 65 in Rente gehen – und dann soll auch Schluss sein. Die Jungen sollen nachkommen. Man sollte nicht zu lange vom Job leben, bis es irgendwann heißt: „Der könnte jetzt endlich mal aufhören.“

Sie gehören zu den erfolgreichsten Trainer aller Zeiten – welches sind denn für Sie heute die besten Trainer der Welt? 

Zinedine Zidane hat die Champions League gewonnen, lässt einen guten Fußball spielen und der Mannschaft viele Freiheiten. Joachim Löw als Weltmeister-Trainer. Dann Carlo Ancelotti, der in vielen verschiedenen Ländern Meister geworden ist. Dann Pep Guardiola mit seiner Philosophie, die er verbreitet hat – der Kombinationsfußball, der Barca-Stil. Und dazu kommt jetzt Antonio Conte, der in England Meister wurde, was besonders schwierig ist. Danach kommt für mich Massimiliano Allegri.

Wo ordnen Sie Jürgen Klopp als Aushängeschild des deutschen Fußballs ein?

Jürgen Klopp gehört zu den Top-Trainern, aber er hat im Vergleich zu den anderen keine großen internationalen Titel gewonnen bisher. Er wird über kurz oder lang englischer Meister, davon bin ich fest überzeugt. Er baut in Liverpool etwas auf, ist Motivator, anerkannt – und eine fantastische Werbung für deutsche Trainer. Sich in England durchzusetzen, ist nicht einfach – er hat es geschafft.

Er galt stets als Kandidat für das Traineramt bei Bayern.

Jürgen Klopp gehört sicher immer zu den Kandidaten beim FC Bayern. Er kennt die Bundesliga, wurde Deutscher Meister und Pokalsieger. Ich denke und erwarte, dass er irgendwann beim FC Bayern Trainer sein wird.

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