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So gelingt die berufliche Neuorientierung mit 50+

Von dpa
Aktualisiert am 09.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich BeschÀftigte auch jenseits der 50 noch einmal nach neuen Karrierewegen umsehen.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich BeschÀftigte auch jenseits der 50 noch einmal nach neuen Karrierewegen umsehen. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn./dpa)
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Hamburg (dpa/tmn) - Werde ich noch gebraucht? Kann ich das ĂŒberhaupt noch lernen? Und kann ich mit der jĂŒngeren Konkurrenz mithalten? Wer sich im letzten Karrieredrittel noch einmal beruflich neu orientieren will, kann solche Bedenken oft nicht ausblenden.

Gleichzeitig ist es nichts Ungewöhnliches, wenn BerufstĂ€tige jenseits der 50 noch einmal mit dem Gedanken an einen Karrierewechsel spielen. "Die Corona-Pandemie hat hier noch verstĂ€rkt, was sowieso um die 50 rum passiert", sagt Sabine Votteler, die in MĂŒnchen zur beruflichen Neuorientierung coacht. "Dass Menschen anfangen, sich Gedanken zu machen, wie ihr Leben bisher verlaufen ist."

Die Suche nach Sinn und ErfĂŒllung

Christiane Karsch, Berufsberaterin und Inhaberin von "CK Coaching Köln" erklĂ€rt sich das PhĂ€nomen damit, dass viele ĂŒber 50-JĂ€hrige nach "langen Jahren harter Arbeit" anspruchsvoller geworden sind. "Ein Job soll mehr als nur Geld bringen. Er soll in den verbleibenden Jahren bis zur Rente ErfĂŒllung und Sinnhaftigkeit geben."

Gleichzeitig sei die Arbeitswelt volatiler geworden: Erwerbsbiografien seien zunehmend von Wechseln und UmbrĂŒchen gekennzeichnet. Das mache selbst gestaltete VerĂ€nderung leichter.

Den ersten Schritt wagen: Der Blick geht nach innen

Eine Herausforderung ist es dennoch. "FĂŒr eine so massive berufliche VerĂ€nderung muss ich ein StĂŒck weit meine alte IdentitĂ€t aufgeben, meine Rolle, die ich bislang im Leben hatte", sagt Votteler.

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Wer fĂŒr das letzte Drittel der Karriere also eine neue Richtung einschlagen möchte, sollte sich Christiane Karsch zufolge zunĂ€chst mit sich selbst auseinandersetzen. Was ist mir wichtig? Was bringe ich mit? Welche TrĂ€ume möchte ich mir erfĂŒllen? Diese Fragen können helfen, sich auf die "Reise ins berufliche Neuland" vorzubereiten.

Erst im Anschluss geht es darum, sich mit den gewonnenen Erkenntnissen im Hinterkopf mit dem Arbeitsmarkt und den Möglichkeiten vertraut zu machen. So lasse sich viel besser einschÀtzen, welcher Job wirklich zu einem passt.

Nicht in fluffigen Gedanken verlieren

Sabine Votteler empfiehlt, sich auszuprobieren. "Es muss konkreter werden als die fluffigen Gedanken im Kopf." Dazu kann es zum Beispiel gehören, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, die in einer Àhnlichen Position waren oder vielleicht in einem Job sind, in den man will.

Die Coachin empfiehlt sich im weiteren Prozess der Neuorientierung möglichst konkrete Schritte vorzunehmen. Und zwar nicht: NĂ€chste Woche schreibe ich Bewerbungen. Sondern: NĂ€chste Woche schreibe ich fĂŒnf Unternehmen im Raum MĂŒnchen an. Oder: NĂ€chste Woche telefoniere ich mit Herrn X von der Firma Y.

Die eigenen StÀrken kennen

Zur potenziellen Neuausrichtung gehört auch eine Bestandsaufnahme der eigenen Talente, StÀrken und Erfahrungen. Hier haben Bewerberinnen und Bewerber jenseits der 50 oft mehr zu bieten als sie vielleicht im ersten Moment denken, sagt Anna Bordzol, Standortleiterin beim Weiterbildungsanbieter GFN in Hamburg.

Neben der fachlichen Expertise sind es oft Soft Skills, die einen ab einem Alter von 50 Jahren von anderen abheben. "Zum Beispiel den Umgang mit Menschen", sagt Bordzol. "Wer Ă€lter als 50 Jahre alt ist, hat natĂŒrlich schon viele Situationen erlebt, in denen zwischenmenschliches Geschick gefragt ist, etwa auch im Konfliktmanagement." JĂŒngere mĂŒssten das oft erst noch lernen.

Daneben können Ă€ltere FachkrĂ€fte gute Ausbilder sein, die ihr Wissen schon jahrelang an andere weitergegeben haben. Und: Wer sich in diesem Alter nach einer neuen Stelle umschaut, sucht in der Regel ein Unternehmen, in dem er oder sie auch lĂ€nger bleiben kann. FĂŒr Arbeitgeber bedeutet das Planbarkeit. JĂŒngere scheuen schließlich hĂ€ufig weder Jobwechsel noch UmzĂŒge, um voranzukommen.

Potenzielle Defizite ausgleichen

"Auf der anderen Seite der Medaille", wie Anna Bordzol sagt, seien technische Kompetenzen oft ein Stressfaktor fĂŒr Bewerberinnen und Bewerber ĂŒber 50. Sie ließen sich aber ausgleichen, hĂ€ufig dauert lediglich die Einarbeitung in neue Programme etwas lĂ€nger.

Manchmal aber stehen sich Menschen auf ihrem Weg zur beruflichen Neuorientierung selbst im Wege. "Das Denken umzustellen und den Paradigmenwechsel im Kopf hinzubekommen, sich neuen Herausforderungen zu öffnen, fÀllt nicht jedem leicht", sagt Bordzol.

Laut Votteler sollte man fĂŒr eine berufliche Neuausrichtung die eigenen Scheuklappen ablegen: "Statt in Optionen und Wahrscheinlichkeiten zu denken, muss man sich mal die Frage stellen: Was ist eigentlich alles möglich?"

Nicht zuletzt sei es wichtig, Bereitschaft zum lebenslangen Lernen zu zeigen. "Manche sind einfach trĂ€ge geworden aber auch mit 50 kann man noch lernen und Spaß daran haben", so Votteler.

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