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Deutsche-Bank-Chef kündigt harte Einschnitte an


Christian Sewing  

Deutsche-Bank-Chef kündigt harte Einschnitte an

23.05.2019, 11:53 Uhr | sm, t-online.de

Deutsche-Bank-Chef kündigt harte Einschnitte an. Deutsche-Bank-Chef auf der Hauptversammlung: Sewing hatte den Chefposten der Bank im vergangenen Jahr überraschend von dem Briten John Cryan übernommen und seitdem die Bilanz verbessert. (Quelle: Reuters/Kai Pfaffenbach)

Deutsche-Bank-Chef auf der Hauptversammlung: Sewing hatte den Chefposten der Bank im vergangenen Jahr überraschend von dem Briten John Cryan übernommen und seitdem die Bilanz verbessert. (Quelle: Kai Pfaffenbach/Reuters)

Die krisengeschüttelte Deutsche Bank will ihre Neuausrichtung deutlich beschleunigen. Das verlustreiche Kapitalmarktgeschäft soll weiter gestutzt werden. Jeder Bereich müsse seine Rendite steigern.

Der Chef der Deutschen Bank DEUTSCHE BANK AG NA O.N. Aktie, Christian Sewing, kündigt weitere "erhebliche Veränderungen" an. Auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt am Main sagte er vor den Aktionären: "Unsere Deutsche Bank braucht eine klarere Ausrichtung – eine Bank, die voll auf Kundenbedürfnisse ausgerichtet und gleichzeitig weniger schwankungsanfällig ist". Alle Geschäftsbereiche der Bank müssten ihre Rendite steigern.

Die Deutsche Bank müsse grundsätzlich anders denken und arbeiten, fordert Sewing. "Zu oft hatten in unserer Bank diejenigen die Oberhand, die bremsen statt Neues zu ermöglichen, die Altes verwalten anstatt Chancen zu nutzen." Die Bank ändere nun ihre Haltung und öffne sich dem Wandel, sagt Sewing zum Applaus der Aktionäre.

Harte Einschnitte im Investmentbanking

Sewing hatte den Chefposten der Bank im vergangenen Jahr überraschend von dem Briten John Cryan übernommen. Seitdem hat er viele milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten der Bank bewältigt und auch die Bilanz verbessert – nach Ansicht vieler Aktionäre allerdings nicht schnell genug. Die Aktie der Bank notiert auf dem Tiefstand.

"Wir haben immer noch zu hohe Kosten, die wir nicht direkt einer Leistung für unsere Kunden zuordnen können", kritisierte Sewing. Deshalb müsse die Bank deutlich mehr automatisieren und eine Plattform im Netz schaffen, die auch für andere Anbieter attraktiv sei.

Im vergangenen Jahr gab es immerhin den ersten Jahresgewinn seit 2014. Doch das erste Quartal 2019 verdeutlichte, wie angespannt die Lage der Deutschen Bank nach wie vor ist: Deutschlands größtes Geldhaus verdiente gerade einmal 201 Millionen Euro, während die US-Konkurrenz in den drei Monaten Milliardengewinne einfuhr. 

Einer der zehntgrößten Vermögensverwalter werden

Im Privat- und Firmenkundenbereich habe die Bank "noch so viel Potenzial", neue Kunden zu gewinnen, betonte Sewing. Mit der Tochter für Vermögensverwaltung, DWS, will Sewing in die Top Ten weltweit aufsteigen. Aktuell befindet sich die DWS nicht einmal unter den größten 20 dieser Unternehmen.

Die Transaktionsbank, die Zahlungen für Unternehmen abwickelt, sei in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden, klagte Sewing. Zum bereits zurückgestutzten Unternehmens- und Investmentbanking sagte Sewing: "Wir sind zu harten Einschnitten bereit".

Paul Achleitner: Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank zog auf der Hauptversammlung in Frankfurt eine durchwachsene Bilanz. (Quelle: Reuters)

Von der Geldmaschine zum Sorgenkind

Die Investmentbank von Deutschlands größtem Geldhaus war vor der Finanzkrise eine Gewinnmaschine, hat sich in den vergangenen Jahren aber zum Sorgenkind entwickelt. Vor allem in den USA, wo frühere Deutsche-Bank-Chefs mit den großen Wall-Street-Häusern auf Augenhöhe konkurrieren wollten, ist das Institut inzwischen abgeschlagen.

Sewing hat bereits vergangenes Jahr im Aktienhandel oder bei Dienstleistungen für Hedgefonds den Rotstift angesetzt. Vielen wichtigen Aktionären reicht das aber nicht, weil die Erträge weiter erodieren. Zu Jahresbeginn schrieb das Kapitalmarktgeschäft sogar einen Verlust, obwohl das Auftaktquartal normalerweise das stärkste ist.

Etliche Großinvestoren sind unzufrieden und fordern einen erneuten Kurswechsel. "Es ist traurig und schockierend, was aus der Deutschen Bank geworden ist", sagte Alexandra Annecke von der Fondsgesellschaft Union Investment, einem der mittelgroßen Einzelaktionäre der Bank. "Das einstige Vorzeigeinstitut ist nur noch ein Koloss auf tönernen Füßen."

Kritiker fordern ethisches und nachhaltiges Handeln

Schließlich versprach der Vorstandschef, dass Deutschlands größtes Geldhaus künftig stärker auf Nachhaltigkeit achten will: "So wollen wir künftig weniger Projekte mit fossilen Energieträgern finanzieren und arbeiten derzeit an entsprechenden Zielen".


Damit ging Sewing auch auf Kritik von Demonstranten vor der Frankfurter Messehalle ein, die von der Bank einen Stopp der Finanzierung von Waffenherstellern sowie Kohle- und Gasprojekten forderten. Mit Trommeln und Plakaten kritisierten sie zudem gegen die Geldwäsche-Skandale der Deutschen Bank.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa, dpa-AFX, Reuters, AFP

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