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Nachhaltigkeits-Studie: Deutschen sind faire Löhne wichtiger als Klimaschutz


Studie  

Höhere Preise fürs Klima? Das denken die Deutschen wirklich

25.08.2021, 10:05 Uhr
Nachhaltigkeits-Studie: Deutschen sind faire Löhne wichtiger als Klimaschutz. Kollegen im Büro (Symbolbild): Den Deutschen sind faire Löhne im Wirtschaftssystem besonders wichtig, zeigt eine aktuelle Studie.  (Quelle: imago images)

Kollegen im Büro (Symbolbild): Den Deutschen sind faire Löhne im Wirtschaftssystem besonders wichtig, zeigt eine aktuelle Studie. (Quelle: imago images)

Mit dem Korb zum Supermarkt, mit der Bahn in den Urlaub: Den Deutschen ist der Klimaschutz wichtig. Doch eine Studie zeigt, dass für sie in der Wirtschaft andere Werte Vorrang haben.

Die Bekämpfung des Klimawandels ist einem großen Teil der Deutschen wichtig und sie räumen der Wirtschaft dabei einen hohen Stellenwert ein. Doch noch wichtiger sind ihnen faire Löhne. Das geht aus der Studie "Nachhaltigkeit in der sozialen Marktwirtschaft" hervor, die am heutigen Mittwoch vom Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft vorgestellt wurde. Die Studie lag t-online vorab vor. 

Danach befragt, was ihnen an einem Wirtschaftssystem besonders wichtig ist, gaben 80 Prozent der repräsentativen Stichprobe "Faire Arbeitsbedingungen und Löhne" an. Dahinter folgten Leistungsgerechtigkeit (70 Prozent), sichere Arbeitsplätze (69 Prozent) und die Absicherung gegen Krankheit und Arbeitslosigkeit (68 Prozent).

Auf Platz fünf und sechs folgten dann die ersten Kategorien zum Thema Klimaschutz mit Schutz von Umwelt und Klima und Nachhaltigkeit mit jeweils 60 Prozent Zustimmung. Besonders interessant: 54 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass Klimaschutz nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen gehen dürfe. 

Für die Studie hat das Institut für Demoskopie Allensbach vom 3. Juli bis zum 14. Juli bundesweit 1028 Personen ab 16 Jahren mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland befragt. Beauftragt hat die Studie der Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von 20 Verbänden, darunter der Bundesverband deutscher Banken, Bundesverband der Deutschen Industrie, Bundesverband Deutscher Digitalpublisher und Zeitungsverleger, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft;  Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Der Mittelstandsverbund – ZGV, Deutscher Hotel- und Gaststättenverband; Deutscher Industrie- und Handelskammertag, Handelsverband Deutschland – HDE.

Deutlich unwichtiger schätzen die Befragten hingegen Werte wie Mitbestimmung der Arbeitnehmer (31 Prozent), unternehmerische Freiheit (21 Prozent) und geringen staatlichen Einfluss (15 Prozent) ein.  

Wirtschaft als Klimaschutz-Akteur

Für einen Großteil der Befragten ist die Wirtschaft ein wichtiger Akteur beim Thema Klimaschutz. 89 Prozent gaben an, dass sie viel oder sehr viel dazu beitragen kann. Zum Vergleich: Die Politik sehen 80 Prozent in der Pflicht und 73 Prozent schreiben den Verbrauchern eine große Rolle zu. Dabei glauben 60 Prozent der Deutschen, dass Anreize besser sind als Verbote und Regulierungen um die Klimaschutzziele zu erreichen. 

Dabei sind 43 Prozent der Deutschen überzeugt, dass es gravierender Änderungen in unserem Wirtschaftssystem bedarf. 36 Prozent sehen dies nicht so. Noch größer ist aber die Gruppe derer, die unsere derzeitige Lebensweise als Hindernis für den Klimaschutz begreife. So glauben 60 Prozent, dass wir unseren Konsum einschränken müssen. 

Mehr als die Hälfte lehnt höhere Preise ab

Persönliche Einschränkungen wie höhere Preise lehnen viele Befragte hingegen ab. Am höchsten ist die Zustimmung noch bei Fleischprodukten: Jeder dritte Befragte wäre hier zumindest bereit, mehr Geld beim Einkauf auszugeben. Bei anderen Produkten und Dienstleistungen sinkt dieser Wert allerdings deutlich. 

Nur noch knapp ein Viertel möchte höhere Preise für Flüge akzeptieren, bei Kleidung sind es nur noch 17 Prozent. Dahinter folgen Möbel (11 Prozent), Restaurantbesuche (10 Prozent). Besonders kritisch wird es bei den Preisen für Strom und Heizen: Nur sechs Prozent wären bereit, hier deutlich mehr zu bezahlen. Und gerade einmal zwei Prozent würden eine höhere Miete akzeptabel finden. Und mehr als jeder Zweite (55 Prozent) lehnt jegliche höhere Preise ab. 

Soziale Marktwirtschaft ist beliebter als je zuvor

Die Studie fragte auch die allgemeine Zufriedenheit mit dem deutschen Wirtschaftssystem ab. Insgesamt kommt die soziale Marktwirtschaft bei der Bevölkerung gut an. 56 Prozent der Deutschen haben demnach eine grundsätzlich gute Meinung über die soziale Marktwirtschaft. Das ist der höchste Zustimmungswert seit der Einführung der Frage vor 25 Jahren. Diese Zufriedenheit gab es nicht immer in der Bevölkerung: 2004 und 2005 bewerteten mehr Menschen das Wirtschaftssystem negativ als positiv. 

Aktuell lehnen lediglich 15 Prozent die soziale Marktwirtschaft ab. 29 Prozent bezogen nicht direkt Stellung bei der Frage. Vor allem Menschen im Westen Deutschlands und solche mit einem höheren sozioökonomischen Status schätzen die soziale Marktwirtschaft, doch auch im Osten und bei Menschen mit niedrigerem sozioökonomischen Status überwog die positive Einstellung zur sozialen Marktwirtschaft deutlich.

Soziale Marktwirtschaft zeigt Stärke in der Krise

Gerade in der Coronakrise bewährte sich unser Wirtschaftssystem: Mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) sind in der Krise zufrieden mit der sozialen Marktwirtschaft. 20 Prozent waren allerdings auch deutlich anderer Meinung. 

Die Autoren der Studie schreiben dazu: "Da der Rückhalt für ein Wirtschaftssystem generell wesentlich von seinem Erfolg abhängt, dürfte die Bewährung der sozialen Marktwirtschaft in der Corona-Krise (...) der wesentliche Grund sein für die aktuell deutlich positivere Beurteilung.". 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Studie: Nachhaltigkeit in der sozialen Marktwirtschaft

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