Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Wir brauchen eine Jahrhundertreform fĂŒr die Rente

  • Mauritius Kloft
Ein Kommentar von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 23.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Kanzler Olaf Scholz (Symbolbild): Die Rente steht vor einem Finanzierungsproblem.
Kanzler Olaf Scholz (Symbolbild): Die Rente steht vor einem Finanzierungsproblem. (Quelle: photothek/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Die gesetzliche Rente schlittert auf ein gewaltiges Finanzierungsproblem zu. Auch die Ampel weiß das, selbst wenn sie es nicht aussprechen mag. Doch wir mĂŒssen jetzt handeln. Folgende Mittel sind dafĂŒr nötig.

Es sind Zahlen, die wachrĂŒtteln sollten: Kommen aktuell auf 100 Beitragszahler 57 Rentner, sind es im Jahr 2030 bereits 67, im Jahr 2050 dĂŒrften es nach SchĂ€tzungen gar 77 sein. Klingt zunĂ€chst nach keinem Riesenunterschied. Ist es aber.

Denn wenn die Angehörigen der Babyboomer-Generation in wenigen Jahren in Rente gehen, steht die Rentenkasse vor einem Finanzierungsproblem. Entweder es steigen die BeitrĂ€ge und die ZuschĂŒsse aus Steuermitteln – oder die Rente fĂ€llt schmaler aus. Punkt.

Die Rente ist sicher? Über diesen Satz können junge Erwachsene heute daher nur schmunzeln. Wer heute ins Berufsleben eintritt, weiß weder, wie hoch die eigene Rente spĂ€ter einmal ausfallen wird – noch, ob es ĂŒberhaupt Geld vom Staat geben wird.

Auch im politischen Berlin ist das Problem bekannt. Und doch drĂŒckt sich die Ampel unter Olaf Scholz weiter vor einer richtigen Rentenreform. Einer, die Ehrlichkeit abverlangt; gegenĂŒber den heutigen, vor allem aber den kĂŒnftigen Rentnern. Einer echten Jahrhundertreform fĂŒr die Rente. So könnte sie aussehen:

Folgende zentrale Punkte könnten Teil der Reform sein

Ein echtes kapitalgedecktes System: Was die Ampel plant, ist Murks. Zehn Milliarden Euro sollen in den Aufbau eines Fonds fließen, der Geld an den FinanzmĂ€rkten anlegt. Zehn Milliarden. So viel gibt die Rentenkasse in weniger als zwei Wochen aus. Hier braucht es deutlich grĂ¶ĂŸere Summen, die von den BeitrĂ€gen abgezwackt werden könnten – 15 Milliarden Euro pro Jahr, besser noch 20 Milliarden Euro.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Selenskyj: Können nicht gesamtes Staatsgebiet mit Gewalt zurĂŒckholen
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj (Archiv): Bei einem solchen Vorgehen wĂŒrden Hunderttausende Menschen getötet.


Und ja, wahrscheinlich bedarf es dafĂŒr zunĂ€chst großzĂŒgiger ZuschĂŒsse aus Steuermitteln. Lassen wir diese Milliarden jedoch von unabhĂ€ngigen Experten gewinnbringend und breit gestreut ĂŒber Jahrzehnte anlegen, mĂŒssen wir uns um die Rente unserer Kindeskinder keine Sorgen machen.

Rentenanpassung an die Inflation koppeln: Bis aus dem Fonds allerdings erste ErtrĂ€ge fließen, von denen die Renten bezahlt werden, dĂŒrfte es noch einige Jahre dauern. Daher sollte der Bund auch den Mechanismus der jĂ€hrlichen Rentenanpassung Ă€ndern – um so Gelder einzusparen und mehr Gerechtigkeit zu schaffen.

Im Moment gilt: Die Renten steigen mit den Löhnen. Doch diese Form der Rentenanpassung resultiert noch aus der Zeit der 1950er-Jahre. Das Ziel war damals, dass die Rentner am Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg partizipieren sollten.

Heute sind die Probleme aber ganz andere: Die Rente sollte deswegen mit der Inflationsrate steigen. So wĂŒrde sichergestellt, dass Rentner zumindest die Kaufkraft behalten. Konkret mĂŒsste es so laufen: Wer in den Ruhestand geht, sollte die ersten Jahre noch von der aktuellen Lohnentwicklung profitieren. Ab einem gewissen Alter steigen die Renten dann nur noch mit dem Anstieg der Teuerung. Das ließe sich auch mit einer Wahlfreiheit verbinden.

Sicherlich: Je Ă€lter ein Rentner wird, desto weiter entfernt er sich von den aktuellen Löhnen. Dieser Modus kĂ€me daher vor allem Menschen zugute, die in körperlich harten Berufen gearbeitet haben. Denn diese haben statistisch gesehen eine geringere Lebenserwartung; sie haben also nichts davon, wenn ihre Rente nach 20 Jahren drastisch gestiegen ist – weil sie bereits tot sind.

Rentenalter an die Lebenserwartung docken: Wer lĂ€nger lebt, sollte auch lĂ€nger arbeiten. So einfach diese Formel ist, so dringend ist es, dass sie RealitĂ€t wird. Das heißt, wenn wir alle Ă€lter werden, muss die Regelaltersgrenze kontinuierlich steigen.

Umgekehrt muss konsequent gelten: Wer frĂŒher in Rente gehen will, kann das machen – muss dafĂŒr aber höhere AbschlĂ€ge in Kauf nehmen. Klar: Viele Menschen können schlicht nicht lĂ€nger arbeiten gehen.

FĂŒr sie ist endlich ein leichterer Zugang zur Erwerbsminderungsrente nötig, die zusĂ€tzlich aufgestockt werden muss. Mit den gewonnenen Mitteln (siehe oben) ließe sich das locker einrichten.

Neben den drei genannten Ideen sollte das Einwanderungssystem radikal vereinfacht werden. Dass tatsĂ€chlich netto 400.000 Migranten pro Jahr nach Deutschland kommen – die laut SchĂ€tzungen nötig wĂ€ren, um die Rente zu sichern –, ist zwar unrealistisch. Dennoch: Es braucht Einwanderer, auch um dem aktuellen FachkrĂ€ftemangel entgegenzuwirken.

Reform sollte Generationen nicht aufhetzen

Die VorschlĂ€ge sind alle da, wurden zigfach von Deutschlands Ökonomen durchexerziert. Sicher, das alles kostet viel Geld, es geht um MilliardenbetrĂ€ge. Doch bei der Rente ist es wie beim Klima: Handeln wir nicht, wird es noch teurer.

Weitere Artikel

Gundula Roßbach
"Wir werden eine ordentliche Rentenerhöhung sehen"
Älteres Ehepaar (Symbolbild): Die RentenprĂ€sidentin sieht die Rentenkasse gut aufgestellt.

65-jÀhriges JubilÀum
Ist Deutschlands Rentensystem veraltet?
Ältere Frau schaut aus dem Fenster (Symbolbild): Das Umlagesystem der Rente wird 65 Jahre alt.

Österreich, Holland, Schweden
Wie Deutschlands Nachbarn in Rente gehen
Älteres Ehepaar beim Wandern (Symbolbild): In Österreich zahlen alle ErwerbstĂ€tigen ĂŒber ein Umlagesystem in die Rente ein – auch SelbststĂ€ndige.


Bei einer solchen Reform geht es nicht darum, die Generationen, die einst einen Vertrag geschlossen haben, zu spalten oder gegeneinander auszuspielen. Es geht um Ehrlichkeit. Und um echten Respekt: ganz im Sinne von Olaf Scholz.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff
Hubertus HeilOlaf Scholz
Ratgeber

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website