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Inflationsjahr 2022: So arm macht Sie die kalte Progression in diesem Jahr


So arm macht Sie die kalte Progression

  • Florian Schmidt
Von Florian Schmidt

Aktualisiert am 11.12.2022Lesedauer: 3 Min.
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Einkaufen in der Vorweihnachtszeit: Auch für Geschenke müssen die Deutschen dieses Jahr mehr Geld ausgeben. (Quelle: IMAGO/Rüdiger Wölk)
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Finanzminister Lindner will die kalte Progression im Steuertarif ausgleichen. Weniger zahlen müssen Sie aber erst im nächsten Jahr. Wie viel Geld Sie 2022 verlieren.

Jeder merkt es und das fast jeden Tag: Das Leben in Deutschland ist teurer geworden. Seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine ist die Inflation stark gestiegen. Für dieselben Anschaffungen, Dienstleistungen und Einkäufe mussten Verbraucher im November durchschnittlich zehn Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr.

Doch das ist nicht das einzige Problem. Hinzu kommt die Belastung durch die sogenannte kalte Progression. Gemeint ist damit ein Phänomen im deutschen Steuersystem, das durch die Inflation entsteht. Weil höhere Einkommen stärker besteuert werden als niedrigere, hat die kalte Progression zwei Folgen:

  • Erstens: Wer in Zeiten hoher Inflation eine Gehaltserhöhung bekommt, kann sich durch die kalte Progression nicht mehr, sondern womöglich sogar weniger leisten – weil er durch einen höheren Bruttolohn im Steuertarif nach oben rutscht und mehr Steuern zahlen muss. (Mehr dazu lesen Sie hier.)
  • Zweitens: Auch wessen Gehalt nicht erhöht wird, um die Inflation in Teilen auszugleichen, zahlt zu viel Steuern – und zwar auf den Teil des Einkommens, den einzig die steigenden Preise auffressen, ohne dass Verbraucher dafür mehr bekommen.

Wie hoch diese Extrabelastung durch die kalte Progression ausfällt, haben jetzt die Ökonomen Tobias Hentze und Martin Beznoska vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln ausgerechnet. Sie stützen sich dabei auf die von Finanzminister Christian Lindner (FDP) geplante Anpassung des Steuertarifs im kommenden Jahr. Ihr Fazit: "Die Zusatzbelastung in diesem Jahr entspricht der steuerlichen Entlastung im kommenden Jahr", sagt Beznoska.

Was er damit meint: Das Minus, das die Deutschen wegen der kalten Progression 2022 machen, gleicht die Bundesregierung erst 2023 wieder aus.

Staat gleicht kalte Progression wieder aus

Lindners Ziel ist dabei eine vollständige Kompensation der kalten Progression. Durch das Inflationsausgleichsgesetz verschieben sich dann die Einkommensgrenzen für die allermeisten Einkommensgruppen um die angenommene Inflationsrate nach oben, sodass niemand mehr Steuern zahlen muss, nur weil er seinem Chef den Ausgleich der Teuerung abgerungen hat.

Und wer kein Lohnplus bekommt, zahlt dadurch ab dem 1. Januar weniger Lohnsteuer – weil er für den Teil seines Einkommens, der einzig für die gestiegenen Preise draufgeht, nicht mehr vom Finanzamt zur Kasse gebeten wird.

Der Haken daran, so Beznoska: "Das gilt nicht sofort. Zunächst ist das Geld erst einmal weg, über die Lohnsteuer schöpft es der Fiskus bei den meisten Arbeitnehmern in diesem Jahr ab. Erst nächstes Jahr reduziert sich die monatliche Lohnsteuerbelastung als Ausgleich für die kalte Progression."

Aufs Jahr gesehen ist das gar nicht einmal so wenig. Ab einem Monatseinkommen in Höhe von 1.500 Euro, wenn für die meisten überhaupt erst Steuern anfallen, entstehen der IW-Rechnung zufolge im gesamten Jahr 2022 Verluste durch die kalte Progression von rund 120 Euro bis 1.200 Euro, wie die folgende interaktive Tabelle zeigt.

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Ein Rechenbeispiel: Eine alleinstehende Frau ohne Kinder mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 4.000 Euro muss dieses Jahr insgesamt 329 Euro Steuern zahlen auf jenen Teil des Einkommens, der komplett für die gestiegenen Preise draufgeht. Erst im nächsten Jahr reduziert sich die monatliche Lohnsteuer um ein Zwölftel dieses Betrags.

Mit einem Klick auf "siehe auch: Eheleute" gelangen Sie zur Tabelle, die die Einkommenssituation von Paaren abbildet, die ihre Steuer gemeinsam veranlagen. Besonders stark reduziert sich die Steuerbelastung nächstes Jahr bei jenen Eheleuten, bei denen beide ein hohes Einkommen haben.

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"In absoluten Summen sieht es auf den ersten Blick so aus, als profitierten Reichere stärker von der Anpassung des Steuertarifs", sagt Beznoska. "Prozentual aber ist die Entlastung durch das Inflationsausgleichsgesetz bei Haushalten mit mittleren Einkommen größer."

Dieses Vorgehen sei grundsätzlich richtig, sagt der Ökonom. "Am besten wäre sogar ein Steuertarif 'auf Rädern', der sich mit der Inflation bewegt. Die Grenzen für die nächsthöhere Gruppe im Steuertarif würde dann automatisch steigen, wenn die Preise anziehen."

Für ihre Berechnungen haben sich Beznoska und Hentze auf die Annahme des Finanzministeriums gestützt, dass die Verbraucherpreise in diesem Jahr um durchschnittlich 8,0 Prozent steigen werden. Zuletzt lag die Inflationsrate im November bei 10,0 Prozent.

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Verwendete Quellen
  • IW-Studie: "Automatische Inflationsanpassung auch bei Lohn- und Einkommenssteuer"
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