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Drohende Karstadt-Kaufhof-Pleite | Mach's gut, liebes Kaufhaus – es war schön mit Dir


Mach's gut, liebes Kaufhaus – es war schön mit Dir

  • Florian Schmidt
Von Florian Schmidt

Aktualisiert am 01.11.2022Lesedauer: 3 Min.
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Rabatt satt: Viele Kaufhäuser buhlen mit Sonderangeboten um Kunden – und ziehen doch immer weniger Menschen an.
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Das Kaufhaus war ein Symbol des Wohlstands und des Überflusses. Doch als solches hat es ausgedient. Ein Abschiedsbrief.

Liebes Kaufhaus,

nichts ist schöner als das wohlige Gefühl, das ich bekomme, wenn ich Deine gläserne Eingangspforte aufstoße, wenn der heiße Luftstoß von oben auf mich niedergeht, wenn ich eintauche ins Radio-Gedudel, das mich aus Deinen vielen kleinen Lautsprechern berieselt.

Links das Reisegepäck, rechts das Parfum. Vor mir Schuhe, die Pralinen-Theke, dahinter die Rolltreppe, die hinaufführt zur langweilig präsentierten Modeauswahl deutscher Textilmarken und hinab zu Bügeleisen, Töpfen, Löffeln sowie dem Supermarkt im Keller, in dem alles immer ein bisschen teurer ist als woanders. All das ist mir so vertraut wie die immergleiche Weihnachtsplatte in meiner Kindheit an Heiligabend.

Jahrelang habe ich Dir die Treue gehalten. Zugegeben, zuletzt nur noch halbherzig und immer seltener. Meist kaufte ich dann nur ein Paar Socken – stets begleitet von den alten schönen Gefühlen und dem Gedanken: Bummeln allein ist zwar schön, Stöbern macht Spaß. Aber das reicht nicht. Wer kauft hier eigentlich noch mehr als Kleinigkeiten? Irgendwann bin ich der Letzte hier.

Deine Tüten sind seltener zu sehen

Als die Rettung von Karstadt und Kaufhof vor zwei Jahren glückte, war ich deshalb sehr froh. Mit diesen beiden dann fusionierten Ketten bliebst Du am Leben. Nicht nur für mich, sondern auch als "Anker" für die Innenstädte.

Und doch ahnte natürlich auch ich schon damals: Allzu lange geht das nicht mehr gut. Sogar in der Weihnachtszeit sah ich immer weniger Menschen mit Deinen Tüten herumlaufen, und selbst in der Feinkostabteilung wurde es immer leerer.

Und ja, auch ich komme kaum noch vorbei. Seit zwei, drei Jahren ertappe ich mich immer öfter beim großangelegten Online-Shopping. Sogar die Kleinigkeiten, die ich sonst auf Deinen weitläufigen Verkaufsflächen fand, besorge ich inzwischen woanders.

Zu muffig, zu verstaubt, zu oll

Die gute Flasche Wein kaufe ich beim Spezialhändler an der Ecke. Für ein neues Portemonnaie ist die Auswahl im Netz größer. Und die Socken? Gibt's im Dreierpack auch beim Bekleidungsriesen, wo ich ohnehin einmal jedes halbe Jahr vorbeischaue.

Klar, ein Besuch bei einer Deiner Edelschwestern, dem Berliner KaDeWe, dem Alsterhaus in Hamburg oder dem Oberpollinger in München, ist noch immer ein aufregendes Erlebnis. Dort liegt vieles aus, was es sonst nirgends gibt: Ausgefallenes, Kurioses, oft Luxuriöses, das sich viele Menschen gern vor Ort anschauen. Auch mir geht das so. Und selbst wenn ich und die vielen anderen hier nur wenig kaufen, reicht das aus, damit die Häuser bestehen bleiben.

Du aber, mein heimeliges Kaufhaus, lockst mich nicht mehr aus der Wohnung. Zu muffig, zu verstaubt, zu oll wirkt Dein Interieur oft, zu langweilig, zu durchschnittlich, zu stromlinienförmig Dein Sortiment. Und wenn ich mal was Besonderes suche, finde ich es bei Dir nicht. Die Welt und ich, wir haben uns gewandelt. Du leider nicht.

Komfortables Online-Shopping

Früher warst du ein Ort des Überflusses, der Vielfalt, an dem es alles aus aller Welt gab. Heute kommt die Welt zu mir nach Hause. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann ich jedes noch so ausgefallene Kleidungsstück fast immer in jeder Farbe und Größe im Internet bestellen.

Es wird mir direkt an die Tür geliefert. Vor dem Spiegel im Schlafzimmer kann ich es anprobieren und meine Liebsten gleich fragen, wie es mir steht. Verziehen sie gequält die Gesichter, geht es eben kostenfrei retour.

Was all das heißt, fragst Du Dich in Deiner Verzweiflung, liebes Kaufhaus? Womöglich ahnst Du es bereits. Du bist aus der Zeit gefallen. Im Vergleich zu dem, was mir das Internet bietet, wirkst Du langsam und fast armselig.

Es war schön – doch jetzt mach's gut

Längst ist allen klar, Deine besten Tage liegen hinter Dir. Scheitert Deine Rettung nun, sollten wir Dich nicht erneut mit Staatsgeld künstlich am Leben halten. Ich und wir alle, vor allem aber Du und jene Menschen, denen Du Arbeit gibst, müssen akzeptieren: Es ist vorbei. Du wirst nicht länger gebraucht. Wir müssen Abschied nehmen.

Sei gewiss, die Erinnerung an Dich werde ich in Ehren halten. Dein einmaliges Geruchsgemisch aus Schokolade und Eau de Toilette, die schrulligen Werbesprüche aus dem Lautsprecher, die bunten Lichterketten in der Adventszeit – es war schön mit Dir, hab vielen Dank. Doch nun endet unsere gemeinsame Zeit.

Mach's gut!

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Von Frederike Holewik, Heike Vowinkel
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