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Energiekrise: Deshalb bedeutet der fallende Gaspreis keine Entwarnung


Der Gaspreis fällt – nur nicht für die Kunden

Von Frederike Holewik

Aktualisiert am 14.09.2022Lesedauer: 3 Min.
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Kochen in der Gaskrise: Die Deutschen müssen sich auf deutlich höhere Kosten einstellen.
Kochen in der Gaskrise: Die Preise für Verbraucher steigen. (Quelle: Ekaterina Yakunina/imago-images-bilder)
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Die Gaspreise sinken, aber bislang nur an der Börse. Experten befürchten, dass Privatverbraucher zunächst nichts davon spüren werden.

Die Gaspreise sinken. Am Dienstag kostete europäisches Gas (TTF) an der Energiebörse EEX noch 186 Euro pro Megawattstunde. Das sind knapp 126 Euro weniger als noch vor rund 14 Tagen, als die TTF-Terminkontrakte für 312 Euro je Megawattstunde gehandelt wurden.

Für Privatkunden bergen diese Zahlen aber nur wenig Grund zur Freude. Vielmehr dürften in vielen Haushalten gerade in den nächsten Woche die Briefe mit weiteren Preiserhöhungen eintrudeln.

Davor jedenfalls warnt jetzt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der die Interessen der Stadtwerke vertritt. "Wir sollten unseren Blick nicht nur auf die kurzfristigen Börsenpreise richten" sagte ein Sprecher t-online. "Das ist eine Momentaufnahme und kann sich auch wieder ändern."

Zuletzt sei das an den kurzfristigen Auswirkungen des russischen Gaslieferstopps zu sehen gewesen. Verkürzt gesagt: Mal geht der Preis hinauf, mal fällt er – das aber muss sich nicht direkt auf die Endverbraucher durchschlagen.

Verivox: Steuersenkung gleicht Mehrkosten nicht aus

Wie hoch die Rechnungen für viele Menschen dieser Tage werden dürften, zeigt eine exklusive Auswertung des Vergleichsportals Verivox für t-online: Mitte September liegen die durchschnittlichen Gaskosten für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh demnach bei 4.801 Euro (24 Cent/kWh). Vor einem Jahr wurden für die gleiche Menge Gas nur 1.299 Euro fällig. Der Anstieg liegt also bei 270 Prozent.

Wer bislang keinen Brief von seinem Anbieter erhalten hat, könnte in den kommenden Wochen also noch Post bekommen – mit Ankündigungen für eine ähnlich hohe Abschlagssteigerung. Allein für September, Oktober und November haben örtliche Gasgrundversorger schon jetzt 527 Preiserhöhungen angekündigt. Diese betragen durchschnittlich 46 Prozent. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh entspricht das jährlichen Mehrkosten von 1.100 Euro.

"Die durchschnittlichen Gaskosten haben sich fast vervierfacht und belasten die Haushalte schwer. Die höheren Ausgaben für Gas schmälern die Kaufkraft und können zu Überschuldung führen", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. "Ab Oktober wird zwar die Mehrwertsteuer auf Erdgas auf 7 Prozent abgesenkt, gleichzeitig treten aber eine Reihe von Umlagen in Kraft. Die Steuersenkung kann die höheren Kosten nicht ausgleichen."

Fristen hängen vom Versorger ab

Für die Berechnung erstellt Verivox einen Verbraucherpreisindex, in den die Preise der örtlichen Grundversorger sowie die Neukundenpreise der wichtigsten überregionalen Versorger einfließen.

Wann Kunden über eine Preiserhöhung informiert werden, hängt vom jeweiligen Anbieter ab. "In der Grundversorgung sind Preisänderungen jederzeit zum Monatsanfang möglich; sie müssen aber sechs Wochen vorher öffentlich bekannt gemacht und zeitgleich dem Kunden brieflich mitgeteilt werden", erläutert der VKU.

Außerhalb der Grundversorgung seien Preisänderungen nach dem Energiewirtschaftsgesetz jederzeit möglich. "Hierüber werden Haushaltskunden spätestens einen Monat vorher, Nicht-Haushaltskunden spätestens zwei Wochen vorher von ihrem Versorger informiert", so der Sprecher weiter.

Stadtwerke kaufen langfristig ein

Doch warum schlagen sich die sinkenden Preise an den Märkten nicht auch direkt bei den Kunden nieder?

Der VKU erklärt das so: Der Preisrückgang sei nur eine kurzfristige Entspannung. Zudem seien die Preise weiterhin extrem hoch. "Generell gilt: Je länger die aktuelle Rallye andauert, desto stärker oder häufiger müssen Preise angehoben werden", so der Sprecher.

Hintergrund sei, dass die meisten Stadtwerke ihre Energiemengen in vielen kleinen Schritten über einen langen Zeitraum von mehreren Jahren einkauften. "Hohe oder niedrigere Preise in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum beeinflussen generell weniger stark die durchschnittlichen Beschaffungskosten als hohe beziehungsweise niedrigere Preise über einen langen Zeitraum", so der VKU-Sprecher weiter.

Im nächsten Jahr könnte es noch schlimmer werden

Das heißt: Da die Preise insgesamt weiterhin hoch sind, machen sich die Schwankungen nach unten derzeit noch nicht bemerkbar.

Doch auch die Stadtwerke können sich den Preisschwankungen nicht gänzlich entziehen und das bekommen auch die Kunden zu spüren, allerdings bislang eher mit einem Aufwärtstrend: "Die Preissteigerungen betragen derzeit häufig zwischen 30 und 60 Prozent. Es gibt aber auch Stadtwerke, die ihre Preise mehr als verdoppeln müssen, teilweise mehr", heißt es vom VKU.

Ein Ende sei noch nicht in Sicht. "Und wir wissen, dass sich diese Entwicklung ins kommende Jahr fortsetzen und eventuell auch noch einmal verschärfen könnte", so der Verband.

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Verwendete Quellen
  • Auswertung von Verivox
  • Schriftliches Statement Verband kommunaler Unternehmen (VKU)
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