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Zähneknirschen: Das können Bruxismus-Patienten tun

Bruxismus  

Zähneknirscher schmirgeln ihre Zähne kaputt

15.04.2015, 16:54 Uhr | dpa

Zähneknirschen: Das können Bruxismus-Patienten tun. Zähneknirschen schadet nicht nur den Zähnen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zähneknirschen schadet nicht nur den Zähnen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In deutschen Schlafzimmern ist einiges los: Es wird gepresst und geknirscht, mit den Zähnen oder der Zunge. Hört sich ulkig an, kann aber für die Betroffenen schlimme Folgen haben.

"Ich bin oft morgens mit verkrampftem Kiefer und Nacken und häufig auch mit Kopfschmerzen aufgewacht", erinnert sich Christine Vogel, die seit 20 Jahren mit den Zähnen knirscht. Beim Knirschen beißt man unbewusst mit den Zähnen hin und her, wobei ein Geräusch entsteht, das etwa so angenehm ist wie jenes, wenn man mit dem Fingernagel über eine Tafel fährt.

Zähne werden kürzer

Andere beißen im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne zusammen, pressen mit der Zunge gegen die Zahnreihen oder saugen ihre Wangen ein und beißen auf den Innenseiten herum. All das hinterlässt auf Dauer Spuren: "Die Zähne werden kürzer, es gibt kein Fissurenrelief mehr, die oberste Schicht wird auf Dauer weggerieben", erklärt Thomas Wolf vom Bundesvorstand des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte in Bonn. Wenn die oberste Schicht weggeschmirgelt ist, liegt das Dentin frei. Darin sind Nervenweiterleitungen, so dass die Zähne immer empfindlicher werden. "Je mehr man knirscht oder presst, desto mehr nähert man sich dem Nerv", ergänzt Wolf. Im schlimmsten Fall kann sich der Kieferknochen verändern, die Zähne können sich lockern - und ausfallen. Wer die Zähne aufeinanderpresst, kann sie zerbröseln.

Muskeln verhärten sich

Denn sowohl Knirschen als auch Pressen geschieht mit einem unglaublichen Druck, wodurch die Muskulatur im Gesicht - vor allem im Kiefer - aber auch im Nacken, in der Schulter bis weiter den Rücken hinunter verhärtet. "Der Kiefermuskel ist einer der stärksten Muskeln im Körper", erklärt Dagmar Schlaubitz vom Deutschen Verband für Physiotherapie. Sie hat sich auf die Behandlung von Zähneknirschern und -pressern spezialisiert.

Durch die verhärteten Muskeln kommt es oft zu Kopfschmerzen, zu Tinnitus und Sichtfeldeinschränkungen. Nicht zuletzt bekommen Betroffene den Mund nur mit Schmerzen und Knacken weiter geöffnet, das Kiefergelenk wird geschädigt.

Ursache ist oft Stress

Die Ursache kann eine Zahn- oder Kieferfehlstellung sein, etwa wenn das Kiefergelenk nicht richtig steht, so Wolf. "Auch kann ein ungleiches Verhältnis der Muskeln und Bänder vorliegen, zum Beispiel, wenn man immer nur auf einer Seite kaut." Oft hat das Knirschen aber mit den Lebensumständen zu tun. Eine hohe Belastung im Job, Ärger in der Beziehung und Anspannung kann man tagsüber kontrollieren - nachts aber toben die Belastungen sich aus und die Betroffenen merken es oft nicht.

Nicht nur eine Schiene hilft

Um die Zähne zu schützen, lässt der Zahnarzt eine Aufbissschiene anfertigen. "Es gibt auch spezielle Schienen, die die Schiefstellung vom Kiefergelenk korrigieren oder es besser positionieren", erklärt Wolf. "Die Schienen sollten alle halbe Jahr überprüft werden."

Um die akuten Schmerzen zu lindern, verschreibt der Arzt meist Physiotherapie. "Gut geeignet ist manuelle Therapie", erklärt Schlaubitz. "Es geht zunächst darum, die Spannung herauszuholen und den Muskel zu lockern." Doch die Ursache ist damit nicht behoben. Jeder Zähneknirscher oder -presser braucht auf Dauer Möglichkeiten zum Abschalten und Loslassen.

Sich selbst beobachten

Außerdem sollte man auch seine Wahrnehmung schärfen und beobachten, wann auch tagsüber die Zähne aufeinanderliegen. Denn eigentlich haben Zähne nur beim Essen miteinander Kontakt. Im entspannten Zustand nie. Wolf behandelt seine Patienten mit der Hypnotherapie, also Hypnose. "Es geht darum, zu sehen, wann es mit dem Knirschen losging und was zu der Zeit im Leben passiert ist", so der Zahnarzt. Vielen hilft auch der Austausch mit einem Psychotherapeuten.

Probleme nicht einfach runterschlucken

"Man glaubt ja gar nicht, wie gut wir Knirscher verdrängen können", stellt Christine Vogel fest. "In unangenehmen Situationen sagte ich mir "Das macht doch nichts", aber eigentlich war ich sauer, aufgewühlt, wütend, gab es aber vor mir selbst nicht zu."

Mehrmals am Tag sollte man sich die Frage stellen, wie es einem gerade geht, um seine eigenen Gefühle wahrzunehmen statt sie wegzudrängen, rät sie. Ebenso hilft es herausfinden, was einen wann unter Druck setzt. "Dann muss man einen Weg finden, mit den Situationen oder Menschen anders umzugehen. Bloß nicht weiter runterschlucken."

Übungen gegen das Knirschen

Auch mit einigen sehr einfachen Übungen kann man dem Knirschen etwas entgegensetzen. So kann man den Mund mehrmals am Tag weit öffnen und damit die Muskulatur dehnen. Schlaubitz empfiehlt, sich Übungen vom Physiotherapeuten zeigen zu lassen, um die Muskulatur zu dehnen und zu kräftigen.

Je eher sich jemand, der sich mit verspanntem Nacken und Kopfweh plagt, an einen Zahnarzt wendet, desto besser. Christine Vogel knirscht heute noch bei extremer Belastung und setzt dann ihre Beißschiene ein. Ihre Tipps gibt sie auf ihrer Internetseite weiter. Denn: "Beschwerden wie Tinnitus, Kopf- und Nackenschmerzen und schlechter Schlaf sind bei mir verschwunden."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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