Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Erdogans Angriffsrede, die viele Fragen offen l├Ąsst

Von t-online, dpa, afp, rtr, dru

Aktualisiert am 23.10.2018Lesedauer: 5 Min.
Gefeiert von seiner Fraktion im Parlament: Der t├╝rkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan nutzt den Tod Khashoggis f├╝r seinen Ringen mit Riad aus.
Gefeiert von seiner Fraktion im Parlament: Der t├╝rkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan nutzt den Tod Khashoggis f├╝r sein Ringen mit Riad aus. (Quelle: Ali Unal/ap-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Erdogan spricht von einem barbarischen, geplanten Mord, w├Ąhrend neue Details im Fall des get├Âteten Journalisten Khashoggi weiter nur tr├Âpfchenweise ans Licht kommen. Wie lange treibt der Staatschef dieses Spiel noch?

Neue Enth├╝llungen, wilde Ger├╝chte, und ein Pr├Ąsident, der "seine Karten geschickt ausspielt": Am Dienstag haben sich die Entwicklungen im Fall des in Istanbul get├Âteten saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi regelrecht ├╝berschlagen.


NACHRICHTEN DES TAGES

Kreuzfahrtfestival Hamburg Cruise Days
Kreuzfahrtfestival Hamburg Cruise Days
+3

Erst bezeichnete der t├╝rkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan in einer weltweit beachteten Rede den Tod Khashoggis als "barbarischen, geplanten Mord" und widersprach damit energisch der Version Riads von einer tragischen Eskalation eines Streits. Dann sorgten Ger├╝chte um den angeblichen Fund von K├Ârperteilen Khashoggis f├╝r Wirbel, die von t├╝rkischen Ermittlern jedoch dementiert wurden. W├Ąhrenddessen feierte die gescholtene W├╝stenmonarchie bei ihrer Investorenkonferenz einen Milliardenabschluss nach dem anderen. So als w├Ąren die zahlreichen Absagen vor allem aus Europa und den USA ohne Wirkung geblieben.

Erdogan: Es war ein politischer Mord

Doch der Reihe nach: Erdogan sprach in der Rede vor den Abgeordneten seiner Regierungspartei AKP in Ankara von einem "politischen Mord". Er sagte, dass "die bisher aufgetauchten Informationen und Beweise zeigen, dass Jamal Khashoggi einem brutalen Mord zum Opfer gefallen ist". Erdogan vermied es zugleich, Saudi-Arabiens F├╝hrung daf├╝r die Verantwortung zu geben. Er forderte, dass die Verd├Ąchtigen in der T├╝rkei vor Gericht gestellt werden.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Sanktionen treffen jetzt auch manche deutsche Rentner
Anti-Kriegs-Demo in M├╝nchen (Symbolbild): Mit Sanktionen gegen Russland versucht der Westen, das Kriegstreiben Putins aufzuhalten.


Obwohl Erdogan angek├╝ndigt hatte, bei seiner Rede ins Detail gehen zu wollen, legte er die angesprochenen Beweise dann doch nicht vor und lieferte auch sonst keine bahnbrechend neuen Erkenntnisse. Er forderte stattdessen Aufkl├Ąrung von Saudi-Arabien vor allem zu der Frage, wo die Leiche sei.

Erst am Wochenende ÔÇô rund drei Wochen nach Khashoggis Verschwinden ÔÇô hatte Saudi-Arabien zugegeben, dass der Journalist im Istanbuler Konsulat get├Âtet wurde. Riad stellte den Tod aber als Folge einer Schl├Ągerei dar. 18 saudische Staatsangeh├Ârige wurden festgenommen.

Erdogan machte deutlich, dass f├╝r ihn die Angelegenheit mit der Festnahme der Saudis noch nicht erledigt sei: "So einen Fall einigen Sicherheits- und Geheimdienstmitgliedern anzulasten, w├╝rde weder uns noch die internationale Gemeinschaft zufriedenstellen", sagte er. Er zweifele aber nicht an der Aufrichtigkeit von K├Ânig Salman. Den Kronprinzen, der verd├Ąchtigt wird, den Mord in Auftrag gegeben zu haben, erw├Ąhnte Erdogan nicht.

T├╝rkei f├╝ttert die Medien ÔÇô und erh├Âht den Druck auf Riad

Lange hatten t├╝rkische Beh├Ârden oder Politiker sich offiziell kaum zu dem Fall ge├Ąu├čert. Stattdessen versorgten der t├╝rkischen Regierung nahe stehende und internationale Medien die ├ľffentlichkeit h├Ąppchenweise mit neuen Informationen aus Ermittlungskreisen. So auch heute.

Am Nachmittag berichtete der britische Sender Sky News unter Berufung auf anonyme Quellen vom angeblichen Fund von K├Ârperteilen Khashoggis im Garten des saudi-arabischen Konsulats. Dem widersprachen Berichte in t├╝rkischen Medien, die sich auf Polizei und Staatsanwaltschaft in Istanbul beriefen: Die Leiche sei noch immer nicht gefunden, die Untersuchungen dauerten an.

So schafft es die F├╝hrung in Ankara, mit der tr├Âpfchenweisen Freigabe von Informationen den Druck auf den geopolitischen Rivalen in Riad weiter zu erh├Âhen und das K├Ânigreich international zu diskreditieren. Und gleichzeitig von der wirtschaftlichen Krise im eigenen Land abzulenken. Der Washington-Korrespondent der regierungsnahen Zeitung "Sabah", Ragip Soylu, mutma├čte, dass es weitere Indiskretionen in Medien geben k├Ânnte. Auf Twitter schrieb er nach Erdogans Rede: "Er spielt seine Karten geschickt aus. Seid nicht ├╝berrascht, wenn die Leaks weitergehen."

Mordkommando aus drei Teams

Das, was Erdogan am Dienstag dann doch preisgab, war eine minuzi├Âse Darstellung der Tat aus t├╝rkischer Sicht, ab der Minute, in der Khashoggi das Konsulat am 2. Oktober betrat. Demnach sollen bereits am Tag vor dem Verschwinden des Mannes mehrere M├Ąnner aus Saudi-Arabien angereist sein.

Erdogan sprach von "drei Teams". Eines habe vor dem Mord im Belgrader Wald und in Yalova au├čerhalb Istanbuls "Nachforschungen angestellt" ÔÇô zu welchem Zweck, lie├č er offen. Am Tag des Mordes seien die T├Ąter dann zwischen 9.50 Uhr und 11.00 Uhr Ortszeit unabh├Ąngig voneinander ins Konsulat gekommen, um sich dort zu treffen.

Der t├╝rkische Pr├Ąsident Erdogan: Starke Beweise f├╝r den Mordvorwurf gegen Riad.
Der t├╝rkische Pr├Ąsident Erdogan: Starke Beweise f├╝r den Mordvorwurf gegen Riad. (Quelle: Ali Unal/ap-bilder)

Es seien aber noch viele Fragen offen. "Wieso haben sich diese 15 Personen, die alle mit dem Fall im Zusammenhang stehen, am Tag des Mordes in Istanbul versammelt?", fragte Erdogan. "Wieso wurden zahlreiche widerspr├╝chliche Erkl├Ąrungen abgegeben, obwohl der Mord Tatsache ist?" Und: Warum sei die Leiche noch nicht gefunden worden?

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Derweil durchsuchten t├╝rkische Sicherheitskr├Ąfte eine Villa in der N├Ąhe von Istanbul nach Spuren. 40 Polizisten seien zwei Stunden lang in dem dreist├Âckigen Haus in Yalova gewesen, berichtete die Zeitung "H├╝rriyet". Angeblich soll das Geb├Ąude einem Mitglied des omin├Âsen 15-k├Âpfigen Spezialkommandos aus Saudi-Arabien geh├Âren.

In einer Istanbuler Garage stie├čen die Ermittler in einem Auto mit saudiarabischem Diplomatenkennzeichen auf Dokumente und einen Laptop. Laut CNN T├╝rk geh├Ârten die Gegenst├Ąnde dem get├Âteten Khashoggi. Allerdings gab es auch daf├╝r keine offizielle Best├Ątigung.

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir ben├Âtigen Ihre Zustimmung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie k├Ânnen diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit k├Ânnen personenbezogene Daten an Drittplattformen ├╝bermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Die G7-Au├čenminister riefen Saudi-Arabien dazu auf, mehr als bisher zur Aufkl├Ąrung beizutragen. In einer gemeinsamen Erkl├Ąrung schrieben Bundesau├čenminister Heiko Maas (SPD) und seine G7-Kollegen, dass die bislang von Riad gebotenen Erkl├Ąrungen "noch viele Fragen unbeantwortet" lie├čen. Saudi-Arabien m├╝sse eine "glaubw├╝rdige, transparente und z├╝gige Untersuchung" erm├Âglichen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Offenbar in der Absicht, sein international ramponiertes Image aufzupolieren, lud die Herrscherfamilie des W├╝stenstaats am Dienstag Familienangeh├Ârige Khashoggis in den K├Ânigspalast in Riad. Allerdings wirkten die Bilder von dem Empfang bizarr: Khashoggis Bruder sowie sein Sohn Salah nahmen vor den Kameras des Staatsfernsehens die Kondolenzen von K├Ânig Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman entgegen ÔÇô jenem Thronfolger also, der im Verdacht steht, hauptverantwortlich zu sein f├╝r den Tod des im Exil lebenden Journalisten.

K├Ânigspalast in Riad: Khashoggis Sohn Salah trifft Kronprinz Mohammed bin Salman.
K├Ânigspalast in Riad: Khashoggis Sohn Salah trifft Kronprinz Mohammed bin Salman. (Quelle: SPA/dpa-bilder)
Loading...
Loading...
Loading...

"Das sind schwierige Tage f├╝r uns"

Wie angespannt die Gem├╝tslage in der saudiarabischen F├╝hrung offenbar ist, lie├č ├ľlminister Chalid al-Falih bei der internationalen Investorenkonferenz in Riad durchblicken. Das K├Ânigreich befinde sich in einer Krise, r├Ąumte er auf dem Podium ein: "Das sind schwierige Tage f├╝r uns."


Allerdings schienen die Absagen internationaler Hochkar├Ąter f├╝r das Treffen wie die von US-Finanzminister Steven Mnuchin, der Chefin des Internationalen W├Ąhrungsfonds, Christine Lagarde, oder von Siemens-Chef Joe Kaeser weniger Effekt zu haben, als angenommen. Nach Regierungsangaben sollten dennoch Auftr├Ąge im Umfang von mehr als 50 Milliarden Dollar unterzeichnet werden.

Besucher der Investorenkonferenz in Riad: Abschluss von Auftr├Ągen in Milliardenh├Âhe.
Besucher der Investorenkonferenz in Riad: Abschluss von Auftr├Ągen in Milliardenh├Âhe. (Quelle: Amr Nabil/ap-bilder)

Mit von der Partie unter anderem: S├╝dkoreas Autobauer Hyundai, der amerikanische ├ľlfeldausr├╝ster Schlumberger sowie der franz├Âsische ├ľlkonzern Total. "Gro├čartig, mehr Leute mehr Geld", feierte Kronprinz Mohammed bin Salman die Vertragsabschl├╝sse.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • Bastian Brauns
Von Bastian Brauns, Houston
AnkaraEuropaIstanbulMordRecep Tayyip ErdoganSaudi-ArabienT├╝rkeiUSA
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website