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Trumps Afghanistan-Kehrtwende: Optimismus - und Skepsis

Von dpa
Aktualisiert am 29.11.2019Lesedauer: 4 Min.
Höchste Sicherheitsstufe: US-PrÀsident Donald Trump spricht - gut abgeschirmt - zu US-Truppen auf der Bagram Air Base.
Höchste Sicherheitsstufe: US-PrÀsident Donald Trump spricht - gut abgeschirmt - zu US-Truppen auf der Bagram Air Base. (Quelle: Alex Brandon/AP/dpa./dpa)
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Bagram/Washington (dpa) - Donald Trump eröffnet die Aussicht auf neue Friedensverhandlungen in Afghanistan, die Ungewissheit aber bleibt: Der US-PrĂ€sident hat mit der AnkĂŒndigung neuer GesprĂ€che mit den Taliban Optimismus geschĂŒrt.

Viele offene Fragen sorgten allerdings fĂŒr Skepsis. Rund drei Monate nach dem Abbruch von GesprĂ€chen mit den militanten Islamisten sagte Trump am Donnerstag wĂ€hrend eines Überraschungsbesuchs bei US-Truppen nördlich von Kabul: "Wir sprechen mit den Taliban." Details nannte er nicht.

Ein Taliban-Sprecher sagte am Freitag, es sei noch zu frĂŒh, um auf Trumps Aussagen zu reagieren. Zugleich verwies er auf die bereits frĂŒher von den Islamisten ausgedrĂŒckte Bereitschaft, die GesprĂ€che dort wieder aufzunehmen, wo sie zuletzt aufgehört hatten.

Mehr als ein Jahr lang hatten die USA mit den Taliban verhandelt, bis der US-PrĂ€sident die GesprĂ€che Anfang September aufkĂŒndigte. Damals hieß es, man habe kurz vor einer Einigung auf ein Abkommen gestanden, das den Weg fĂŒr einen Abzug der US-Truppen und fĂŒr Frieden in Afghanistan bereiten sollte.

In den Monaten davor war die Gewalt im Land allerdings eskaliert. Fast wöchentlich kam es in StĂ€dten zu AnschlĂ€gen mit Dutzenden Toten. In den lĂ€ndlichen Gebieten ĂŒberfielen die Taliban MilitĂ€rkonvois und brannten Kontrollpunkte der SicherheitskrĂ€fte nieder. Aber auch die US-Luftwaffe fĂŒhrte immer mehr LuftschlĂ€ge durch und bombardierte Taliban-Ziele.

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Der Krieg in Afghanistan ist der lÀngste in der Geschichte der USA - seit 2001 sind amerikanische Soldaten in dem Land. Ein Erfolg in Verhandlungen könnte den Truppenabzug ermöglichen. Trump verspricht immer wieder, die "endlosen Kriege" zu einem Abschluss zu bringen. Im Irak ist ihm das nicht gelungen. US-Truppen sind auch weiterhin in Syrien stationiert.

Trump bekrĂ€ftigte, die US-TruppenstĂ€rke in Afghanistan von zwischen 12.000 und 13.000 auf etwa 8600 reduzieren zu wollen. Gleichzeitig sagte er, die USA wĂŒrden so lange bleiben, bis ein "Deal" mit den Taliban erzielt sei - "oder wir einen totalen Sieg haben".

Trump verteidigte am Donnerstag erneut das abrupte Ende der GesprĂ€che im September. Die Islamisten hĂ€tten versucht, ihre Verhandlungsposition durch Gewalt zu stĂ€rken. "Sie dachten, das sei eine gute Verhandlungsmacht", sagte Trump. "Es war nicht gut, was sie getan haben." Als Bedingung fĂŒr eine VerstĂ€ndigung nannte Trump eine Waffenruhe. Er glaube, dass die Taliban mittlerweile auch eine Waffenruhe wollten. Nach Darstellung des US-PrĂ€sidenten ist dafĂŒr der militĂ€rische Druck der USA auf die Taliban verantwortlich.

Beobachter sehen indes keine Anzeichen dafĂŒr, dass die Islamisten ihren Kurs geĂ€ndert hĂ€tten. In den vergangenen Wochen ist zwar die Gewalt vor allem in der Hauptstadt Kabul zurĂŒckgegangen. Allerdings greifen Taliban-KĂ€mpfer weiter mehrmals in der Woche SicherheitskrĂ€fte an oder töten gezielt Regierungsmitarbeiter. In der Vergangenheit hatten die Taliban stets erklĂ€rt, erst nach einem Abzug der US-Truppen ĂŒber eine Waffenruhe sprechen zu wollen.

Dass die USA nun offenbar auf eine Feuerpause als Bedingung fĂŒr eine Übereinkunft mit den Taliban bestehen, löste bei Afghanen Optimismus aus. Die Regierung in Kabul fordert eine Feuerpause seit langem. PrĂ€sident Aschraf Ghani war bei Trumps Truppenbesuch dabei. Im Anschluss erklĂ€rte er auf Twitter, die beiden PrĂ€sidenten hĂ€tten unterstrichen, dass die Taliban "eine Waffenruhe akzeptieren mĂŒssen", wenn sie wirklich ein Friedensabkommen erreichen wollten.

Trump ließ bei seinem Besuch offen, auf welcher Ebene die GesprĂ€che gefĂŒhrt werden. In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Berichte gegeben, dass die GesprĂ€che zwischen den USA und den Taliban wieder aufgenommen worden seien.

Allerdings wurde dies von keiner Seite offiziell bestĂ€tigt. Offen blieb auch, ob oder wie die afghanische Regierung in die BemĂŒhungen eingebunden wird. Die direkten GesprĂ€che zwischen Washington und den Taliban hatten zu Verwerfungen im US-afghanischen VerhĂ€ltnis gefĂŒhrt. Kabul fĂŒhlte sich oft ĂŒbergangen und kritisierte, dass seine Interessen keine ausreichende BerĂŒcksichtigung gefunden hĂ€tten.

Ghani ĂŒberschĂŒttete Trump beim Truppenbesuch nun mit Komplimenten. In einer unerwartet euphorischen Rede vor den versammelten US-Soldaten lobte er Trump als "Architekten" der SĂŒdasien-Strategie, die Al-Kaida und die Terrormiliz Islamischer Staat "auslöscht". Immer wieder ĂŒberschlug sich seine Stimme. Dass die USA unter Trump den Tod des IS-AnfĂŒhrers Abu Bakr al-Bagdadi herbeigefĂŒhrt hĂ€tten, sei eine "weit grĂ¶ĂŸere Leistung" gewesen, als die Tötung von Osama bin Laden, sagte Ghani. Der Chef der Terrororganisation Al-Kaida war bei einer US-Kommandoaktion unter PrĂ€sident Barack Obama getötet worden.

Vergangene Woche hatte es aus Kabul geheißen, Trump habe Ghani in einem Telefonat gesagt, die Regierung in Kabul mĂŒsse von Anfang an die FĂŒhrung bei den GesprĂ€chen ĂŒbernehmen. Die Taliban weigern sich aber, mit der Regierung in Kabul zu sprechen. Sie betrachten sie als "Marionette" des Westens. "Insgesamt wird die afghanische Regierung nach wie vor erstmal weiter Zaungast seien, solange die USA mit den Taliban reden", sagte Thomas Ruttig von der Kabuler Denkfabrik Afghanistan Analysts Network.

Beobachter hatten einen kĂŒrzlich vollzogenen Gefangenenaustausch, bei dem zwei westliche Taliban-Geiseln im Gegenzug fĂŒr drei hochrangige Taliban-Mitglieder freigelassen wurden, als möglichen Schritt zur Wiederaufnahme der USA-Taliban-GesprĂ€che gewertet.

Weniger als ein Jahr vor der US-Wahl kĂ€me es Trump gelegen, einen außenpolitischen Erfolg in Afghanistan zu verzeichnen. Baustellen gibt es viele. Bislang ging weder die Strategie des "maximalen Drucks" im Atomstreit mit dem Iran auf, noch konnte Trump Nordkorea dazu bewegen, sein Atomprogramm aufzugeben.

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