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Rückkehr des Virus: Südostasien zeigt, dass Corona noch nicht vorbei ist

Asiens Vorbilder betroffen  

Corona vorbei? Hier schlägt das Virus jetzt erst zu

Von Saskia Leidinger

02.06.2021, 13:37 Uhr
Vietnam verschärft Corona-Regeln

In Vietnam spitzt sich die Corona-Lage zu. Nach der Entdeckung einer neuen Mutation im südostasiatischen Land werden nun die Corona-Maßnahmen verschärft.

Südostasien: Nach dem in Vietnam eine neue Corona-Mutation entdeckt wurde, werden nun die Regeln verschärft, um eine Zuspitzung der Infektionslage zu vermeiden. (Quelle: t-online)


In Taiwan, Malaysia oder Singapur schien das Coronavirus kaum noch vorhanden. Ein halbwegs normales Leben war möglich. Doch nun ist das Virus zurück und offenbart auch ein Problem für Deutschland.

Einkaufswagen reihte sich an Einkaufswagen, nachdem in Malaysia ein neuer Lockdown verkündet wurde. Im ganzen Land deckten sich die Menschen mit Lebensmitteln für die nächsten zwei Wochen ein. "Bleib zu Hause, brich die Covid-19-Kette", verkündeten elektronische Schilder in der Hauptstadt Kuala Lumpur.

Dabei hatte das muslimisch geprägte Land gerade erst eine Corona-Welle gebrochen. Die Fallzahlen Anfang April lagen bereits wieder unter 50 pro eine Millionen Einwohner, als die Zahlen wieder in die Höhe schossen und jetzt sogar höher als in Indien sind. 237 Neuinfektionen waren es am Montag, in Indien nur noch 126.

Bestatter im Dauereinsatz

"Für mich hätte der Lockdown während des Ramadans durchgeführt werden sollen, als es weniger Fälle gab und die Leute sich nicht so viel bewegten. Es ist also ein bisschen spät", sagt ein Unternehmer aus Kuala Lumpur der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Folge: Bestatter und ihre Helfer sind im Dauereinsatz. "Vorher waren es ein bis drei Fälle im Monat. Jetzt sind es zwei bis drei Fälle am Tag", so ein freiwilliger Helfer zu Reuters. Das macht es schwierig, die Toten innerhalb von 24 Stunden zu beerdigen, wie es im Islam eigentlich üblich ist.

Die Länder in Südostasien waren lange Zeit Vorbilder in der Pandemiebekämpfung. Es gab kaum Infektionen und nur wenige Tote. Doch jetzt ändert sich die Lage rasant und eine neue Virusmutante macht klar: Deutschland kann die Pandemie nicht allein bezwingen.

Neue Corona-Mutante?

Noch bis April dieses Jahres wurden aus Thailand offiziell keine Todesfälle in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gemeldet, jetzt sind es 32 am Tag. Vor allem in Massenunterkünften von Arbeitsmigranten aus benachbarten Staaten und in Gefängnissen verbreitet sich das Virus nach offiziellen Angaben der Militärregierung rasant.

Auch in Indonesien, den Philippinen und Kambodscha steigen die Fall- und Todeszahlen. In Taipeh, der Hauptstadt Taiwans, gleichen manche Viertel wieder einer Geisterstadt. Rollläden sind heruntergefahren, nur vereinzelt sind Menschen auf der Straße unterwegs. "Wir wollen uns nicht infizieren, also versuchen wir so wenig wie möglich nach draußen zu gehen", sagt eine Passantin zu Channel News Asia. Einen landesweiten Lockdown gibt es noch nicht, dennoch haben zahlreiche Unternehmer ihre Geschäfte geschlossen.

Eine Meldung aus der vergangenen Woche besorgt die Menschen zusätzlich – und zwar weltweit. In Vietnam sei eine neue Corona-Mutante entdeckt worden. Nach Angaben des Gesundheitsministers sei sie eine Kombination aus britischer und indischer Variante und sehr ansteckend. Doch die WHO gab am Donnerstag aber Entwarnung. Es handele sich um eine Form der indischen Mutante. Experten warnen, dass jederzeit eine Mutante entstehen könne, die die Wirksamkeit der Impfstoffe massiv beeinträchtige.

Hoffen auf mehr Impfstoff

Dass sich das Coronavirus in Südostasien wieder stärker ausbreiten kann, liegt auch daran, dass hier kaum Menschen geimpft sind. Kaum mehr als fünf Prozent der jeweiligen Bevölkerung haben schon eine erste Spritze bekommen. Einzig der wohlhabende Inselstaat Singapur liegt mit über 35 Prozent geimpfter Bevölkerung auf einem ähnlichen Niveau wie Länder in Europa.

Eine Frau in Manila wird geimpft: Die Impfquote in Südostasien ist niedrig. (Quelle: Reuters/Lisa Marie David)Eine Frau in Manila wird geimpft: Die Impfquote in Südostasien ist niedrig. (Quelle: Lisa Marie David/Reuters)

Malaysia und andere südostasiatische Staaten kämpfen dabei mit den gleichen Problemen wie in Deutschland. Die Berichte über Astrazeneca haben zu großer Skepsis in der Bevölkerung geführt. Hausärzte bemängeln, dass sie nicht stärker in die Impfkampagne einbezogen werden. Wie einfach Menschen an eine Impfung kommen, hängt auch von der Organisation der einzelnen Bundesstaaten in den Ländern ab.

Doch das größte Problem ist vielfach der Mangel an Impfdosen. "Wir hoffen, dass internationale Organisationen und andere Länder beim Zugang zu Covid-19-Impfstoffen helfen", sagte Gesundheitsminister Nguyen Thanh Long. Vietnam hofft nun auf die Freigabe von Patenten, um die begehrten Vakzine selbst herstellen zu können und neue Impfstofflieferungen aus der Covax-Initiative. Diese wurde von der Weltgesundheitsorganisation gegründet und soll die Verteilung von Impfstoffen an arme Länder sichern. Zehn Millionen Dosen sollen über Covax nach Vietnam kommen, weitere zwanzig durch ein direktes Abkommen mit Biontech.

Ein solches wollte auch Taiwan längst abschließen, doch ein eigener Vertrag scheiterte laut taiwanischer Regierung auf Druck von China – was die Volksrepublik zurückweist. Laut dem de facto Botschafter in Taiwan, Thomas Prinz, bemüht sich Deutschland aber zu vermitteln.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus kritisierte am Montag, dass reiche Länder von dem wenigen vorhandenen Impfstoff so viel aufgekauft hätten, dass sie bereits junge und gesunde Menschen impfen, während in vielen ärmeren Ländern noch nicht einmal genügend Impfstoff für das Pflegepersonal und die besonders Gefährdeten angekommen sei.

WHO-Chef warnt vor "monumentalem Fehler"

Malaysias Wissenschaftsminister Khairy Jamaluddin klagt über die ungleiche Impfstoffverteilung: Bislang wurden nur wenige Dosen geliefert. Das soll sich jetzt allerdings ändern und im Oktober eine Impfquote von 80 Prozent erreicht sein.

Weltweit beträgt die Quote von Menschen, die eine erste Spritze erhalten haben erst zehn Prozent. Deshalb warnte WHO-Chef vor allzu großer Entspannung in den westlichen Ländern. "Es wäre ein monumentaler Fehler, falls irgendein Land nun denkt, die Gefahr sei vorüber."

Dass sich die Pandemielage schlagartig wieder ändern kann, zeigen gerade die einstigen Vorbilder aus Südostasien.

Verwendete Quellen:

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