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Zehn Tote nach Beschuss bei Charkiw – darunter ein Baby

Von dpa
Aktualisiert am 16.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Ukraine-Krieg: Russland greift mehrere StÀdte an und setzt vor allem auf die Zerstörung von Eisenbahnstrecken und Bahnhöfen. (Quelle: t-online)
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In mehr als 900 Orten und StĂ€dten beginnt die Wiederherstellung des normalen Alltags, berichtet die Ukraine. In Charkiw sei bei einem Angriff ein Baby gestorben. Der Überblick aus der Nacht.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sieht sein Land in ehemals von russischen Truppen besetzten Orten und StĂ€dten mit massiven Herausforderungen konfrontiert. Der Umfang der Arbeit fĂŒr eine Wiederherstellung des normalen Lebens sei "wirklich enorm".


Russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine: Eine Chronologie in Bildern

Mehrere Wochen dauert der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine nun schon an. Mit jedem Tag steigt die Anzahl der Toten, Vertriebenen und zerstörten Ortschaften. Ein Überblick ĂŒber die Geschehnisse seit Beginn der Invasion. Im
21. Februar: Russlands PrÀsident Wladimir Putin erkennt die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk im Osten der Ukraine als unabhÀngige Staaten an. Tags darauf stimmt das russische Parlament zu. Soldaten sollen in die Separatistengebiete entsandt werden.
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Ihm zufolge sind im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bislang 2.500 bis 3.000 ukrainische Soldaten getötet worden. Angaben aus Kiew zufolge dauerte der Beschuss durch russische Truppen an. Moskau verschickt Protestnoten an jene LÀnder, die der Ukraine Waffen liefern.

Wiederaufbau in mehr als 900 Gebieten

Die ukrainischen Behörden setzten die Wiederherstellung des normalen Lebens in den Gebieten fort, die wieder unter ukrainischer Kontrolle seien, sagte Selenskyj in seiner Videobotschaft in der Nacht zu Samstag. Der Umfang der Arbeit in den 918 Orten und StĂ€dten unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe sei massiv.

Man fĂŒhre Entminungsarbeiten durch, stelle die Versorgung der Orte mit Strom, Wasser und Gas wieder her. Auch die Polizei, Post und lokale Behörden nĂ€hmen ihre Arbeit wieder auf. Zugverbindungen seien etwa in der Region Sumy im Nordosten des Landes wieder eingerichtet oder stĂŒnden etwa mit der Stadt Tschernihiw im Norden kurz vor der Wiederaufnahme.

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HumanitĂ€re StĂ€be habe man bisher in 338 derartigen Orten etabliert. Diese stellten unter anderem notfallmedizinische Versorgung bereit, sagte Selenskyj. Auch Schulen und andere Bildungseinrichtungen sollen dort, wo dies möglich sei, wieder aufgenommen werden. Russische Truppen hĂ€tten mit Stand Freitag 1.018 Bildungseinrichtungen in dem Land zerstört oder beschĂ€digt, so Selenskyj. Die Angaben konnten nicht unabhĂ€ngig geprĂŒft werden.

Ukraine: Große Zerstörung in Sjewjerodonezk

Durch den russischen Angriffskrieg nahm nach ukrainischen Angaben auch die Großstadt Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk großen Schaden. Laut Olexandr Strjuk, Chef der MilitĂ€rverwaltung der Stadt, ist Sjewjerodonezk zu rund 70 Prozent zerstört.

Die wichtigsten Straßen seien erheblich beschĂ€digt und auch die Wasserversorgung sei bis zur DurchfĂŒhrung von Reparaturarbeiten eingestellt, sagte Strjuk im ukrainischen Einheitsfernsehen. Von den rund 130.000 Bewohnerinnen und Bewohnern vor dem Krieg seien nur mehr etwa 20.000 Menschen vor Ort, sagte er. Die Angaben konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig geprĂŒft werden.

Ukraine: Mindestens zehn Tote nach Beschuss von Charkiw

Bei einem Beschuss des Industriebezirks der ostukrainischen Metropole Charkiw sollen ukrainischen Angaben zufolge mindestens zehn Menschen getötet worden sein. Unter den Opfern sei ein sieben Monate altes Baby, teilte die Staatsanwaltschaft des Gebietes Charkiw am Freitagabend auf Facebook mit. Die Ukraine berichtete zudem ĂŒber einen russischen Luftangriff auf einen Flugplatz in der Stadt Olexandrija im Gebiet Kirowohrad in der zentralen Ukraine. Die Rettungsarbeiten liefen, schrieb der BĂŒrgermeister Serhij Kusmenko auf Facebook. Über SchĂ€den oder Opfer gab es zunĂ€chst keine Angaben.

Seit Beginn der russischen Invasion sind nach Angaben aus Kiew bislang 2.500 bis 3.000 ukrainische Soldaten getötet worden. Das sagte Selenskyj laut Übersetzung dem US-Fernsehsender CNN in einem Interview, das am Freitag in ersten AuszĂŒgen verbreitet wurde. Er berichtete zudem von etwa 10.000 verletzten Soldaten auf ukrainischer Seite. Es sei schwer zu sagen, wie viele davon ĂŒberleben wĂŒrden. Selenskyj zufolge sollen auf der Seite Russlands bereits 20.000 Soldaten getötet worden sein. Moskau sprach zuletzt von etwa 1.350 getöteten MilitĂ€rs in den eigenen Reihen.

Selenskyj: NĂ€chstes Sanktionspaket muss Ölembargo beinhalten

Selenskyj forderte erneut schĂ€rfere Sanktionen gegen Moskau. "Das nĂ€chste Sanktionspaket gegen Russland muss einen Verzicht auf russisches Öl beinhalten", sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Die aktuellen Strafmaßnahmen gegen Russland nannte Selenskyj "ernst", aber nicht ausreichend. "Wir fordern stĂ€rkere, zerstörerische." Der Krieg könne auch verkĂŒrzt werden, wenn Kiew rasch alle geforderten Waffen erhalte.

Russland sandte wegen Waffenlieferungen an die Ukraine Protestnoten an mehrere westliche LĂ€nder. Darunter seien auch die USA, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, der Agentur Interfax zufolge. Nach Angaben der US-Tageszeitung "Washington Post" warnt Moskau in dem Schreiben, dass solche Lieferungen "unvorhersehbare Folgen" haben könnten.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor sieben Wochen hat die Ukraine Waffen aus vielen LĂ€ndern bekommen. Deutschland will seine RĂŒstungshilfe an PartnerlĂ€nder auf zwei Milliarden Euro aufstocken. Das Geld soll ĂŒberwiegend der Ukraine zugutekommen. Lesen Sie hier mehr dazu.

Selenskyj: Fragebogen zu EU-Beitritt fast abgeschlossen

Die Ukraine hat die Antworten fĂŒr einen Fragebogen fĂŒr einen EU-Beitritt nach Angaben von PrĂ€sident Selenskyj fast fertig. "Die Arbeit ist fast abgeschlossen, und wir werden die Antworten bald den Vertretern der EuropĂ€ischen Union zur VerfĂŒgung stellen", sagte er in seiner Videobotschaft. Der Fragebogen gilt als Grundlage fĂŒr BeitrittsgesprĂ€che.

Der Krieg in der Ukraine hat nach den Worten von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) starke Auswirkungen auch auf die Logistikbranche in Deutschland. "Die Lieferketten sind stark beeintrÀchtigt", sagte Wissing dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag).

Die Seidenstraße etwa werde weniger genutzt, weil Spediteure Risiken eingehen, wenn sie Waren darĂŒber beförderten. Allein in Polen fehlten rund 100.000 ukrainische Lastwagenfahrer, weil sie zum Wehrdienst einberufen worden seien. Auch hohe Energiepreise machten der Branche zu schaffen.

Das wird heute wichtig

In mehreren deutschen StÀdten sind am Samstag OstermÀrsche der Friedensbewegung geplant. Die Kundgebungen richten sich vor allem gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. In Berlin geht die Diskussion um die Lieferung schwerer Waffen aus Deutschland an die Ukraine weiter.

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Von Patrick Diekmann, Madrid
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