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Stehen wir wirklich vor einem Weltkrieg?

  • Patrick Diekmann
Von Patrick Diekmann

Aktualisiert am 28.04.2022Lesedauer: 5 Min.
Nazi-Vergleich: Russlands Außenminister Sergej Lawrow sorgt fĂŒr Empörung. (Quelle: Glomex)
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Die russische Armee kommt in der Ukraine kaum voran und der Kreml macht vor allem den Westen dafĂŒr verantwortlich. Außenminister Sergej Lawrow sieht die Gefahr eines Weltkrieges. Was steckt dahinter?

Bislang hat er noch nichts gewonnen. Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin kann in der Ukraine kaum militĂ€rische Erfolge vorweisen. Auch zu Beginn der zweiten russischen Offensive im Osten des Landes gibt es nur wenig GelĂ€ndegewinne, die wichtige Hafenstadt Mariupol ist noch nicht gefallen. Bis zum 9. Mai – dem "Tag des Sieges" – wollte der Kremlchef Ergebnisse sehen, aber das wird durch den erbitterten Widerstand der Ukraine immer unwahrscheinlicher.


Russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine: Eine Chronologie in Bildern

Mehrere Wochen dauert der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine nun schon an. Mit jedem Tag steigt die Anzahl der Toten, Vertriebenen und zerstörten Ortschaften. Ein Überblick ĂŒber die Geschehnisse seit Beginn der Invasion. Im
21. Februar: Russlands PrÀsident Wladimir Putin erkennt die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk im Osten der Ukraine als unabhÀngige Staaten an. Tags darauf stimmt das russische Parlament zu. Soldaten sollen in die Separatistengebiete entsandt werden.
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Die bisherigen Misserfolge bringen Moskau in ErklĂ€rungsnot. Das Selbstbild der militĂ€rischen Großmacht bröckelt langsam und der Kreml sucht sich deshalb kommunikativ einen Kriegsgegner, der sehr viel grĂ¶ĂŸer ist als die in Putins Augen kleine Ukraine: den Westen. Deshalb bringt der russische Außenminister Sergej Lawrow den "Dritten Weltkrieg" ins GesprĂ€ch.

Lawrow verwendete das Tabuwort "Krieg" gleich dreimal in einem Satz: "Wenn die Nato ĂŒber einen Stellvertreter de facto in einen Krieg mit Russland tritt und diesen Stellvertreter bewaffnet, dann tut man im Krieg, was man im Krieg tun muss", erklĂ€rte der Außenminister in einem Interview im russischen Fernsehen am Montag. Die Gefahr eines Dritten Weltkrieges sei "ernst, sie ist real, sie darf nicht unterschĂ€tzt werden."

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Erster Angriff mit neuer Waffe hat drastische Folgen


Gleichzeitig erklĂ€rte Lawrow, er wolle nicht, dass in einer derartigen Situation die Risiken noch weiter kĂŒnstlich aufgeblĂ€ht wĂŒrden. Diese Aussage ist mindestens makaber, weil er selbst einen "Weltkrieg" ins GesprĂ€ch bringt und weil Russland momentan einen Angriffskrieg gegen die Ukraine fĂŒhrt. Dabei sollte man nie vergessen: Putin könnte seinen Krieg noch heute beenden und damit auch die Gefahr einer Auseinandersetzung zwischen dem Westen und Russland minimieren.

Es gibt allerdings keinerlei Anzeichen fĂŒr einen drohenden atomaren Konflikt oder einen russischen Angriff auf Nato-Territorium. Die Gefahr ist zwar real, aber das Szenario ist auch unwahrscheinlich.

Die maximale Eskalationsrhetorik ist eher ein Zeichen der gegenwĂ€rtigen SchwĂ€che Russlands. Lawrow verfolgt damit eine Doppelstrategie: Einerseits möchte er den Westen verunsichern, sodass LĂ€nder ihre Waffenlieferungen an die Ukraine ĂŒberdenken oder zumindest vorsichtiger agieren. Andererseits ist es der Versuch, den Russinnen und Russen zu erklĂ€ren, warum sich das Land nun in einem Krieg befindet und nicht mehr in einer "Spezialoperation".

Insgesamt lassen sich vier GrĂŒnde fĂŒr Lawrows Äußerungen erkennen:

1. FĂŒr Russland ist der Krieg militĂ€risch eine Katastrophe

Die russische FĂŒhrung hat sich mit dem Krieg nicht nur komplett verkalkuliert, die FehleinschĂ€tzungen scheinen sich auch im weiteren Kriegsverlauf fortzusetzen. Der schnelle Siegeszug in Richtung Kiew ist gescheitert und auch die Offensive im Osten der Ukraine lĂ€uft wahrscheinlich nicht so, wie der Kreml sich das vorgestellt hat.

Wladimir Putin: Der russische PrÀsident hat sich mit seinem Krieg in der Ukraine mehrfach verrechnet.
Wladimir Putin: Der russische PrÀsident hat sich mit seinem Krieg in der Ukraine mehrfach verrechnet. (Quelle: dpa-bilder)

Dabei scheint sich Russland verhoben zu haben, viele russische KrĂ€fte sind schon jetzt in anderen Teilen Asiens, in Syrien oder in Nordafrika gebunden. Durch den Ukraine-Krieg muss Moskau seine eigene Landesverteidigung immer weiter entblĂ¶ĂŸen, deren Fundament vor allem die atomare Abschreckung ist. Deshalb weist der Kreml in den vergangenen Wochen wohl immer wieder darauf hin, dass man Atomwaffen einsetzen wĂŒrde, wenn die Existenz Russlands bedroht ist.

2. Der Widerstand der Ukraine

Putin hat nicht nur den Widerstand der Ukraine unterschĂ€tzt, die Moral des Gegners bringt den Kremlchef auch innenpolitisch in ErklĂ€rungsnot. Lange baute die russische FĂŒhrung das Narrativ auf, dass ihre Armee mit einer "Spezialoperation" das "Brudervolk" von Nationalsozialisten befreien möchte. Doch die russische Armee wurde in der Ukraine nirgendwo freundlich empfangen – und damit brach auch die Kommunikationslinie zusammen.

Nun geht es auch um die Moral in den eigenen Reihen, denn viele Russinnen und Russen haben familiĂ€re Verbindungen zur Ukraine. Der Kreml kann schlecht das ukrainische Volk als Feind verkaufen. Die russische Propaganda stellt die ukrainische FĂŒhrung deshalb erneut als Marionetten des Westens dar.

3. Waffenlieferungen des Westens

Russlands Status als militÀrische Supermacht bröckelt. Deshalb macht Lawrow mit seinen Aussagen auch indirekt klar, dass die ukrainische Armee nur Widerstand leisten kann, weil sie vom Westen bewaffnet wird.

"Leopard 1"-Panzer: Das RĂŒstungsunternehmen Rheinmetall hat angekĂŒndigt, diese Panzer an die Ukraine liefern zu wollen.
"Leopard 1"-Panzer: Das RĂŒstungsunternehmen Rheinmetall hat angekĂŒndigt, diese Panzer an die Ukraine liefern zu wollen. (Quelle: dpa-bilder)

Im russischen Staatsfernsehen berichten regelmĂ€ĂŸig regimetreue Kriegskorrespondenten von der Front, dass Russland in einem Krieg mit dem "kollektiven Westen" sei. "Wenn die russische Armee im Donbass einen Panzer vernichtet, kommen gleich zwei nach", beklagt sich der russische Kriegsreporter Alexander Koz auf Telegram. Es sei wie der Kampf gegen eine "Hydra".

Völkerrechtlich wird die Nato durch Waffenlieferungen nicht zu einer Kriegspartei. Trotzdem sind die Lieferungen fĂŒr Russland schmerzhaft und zeigen Wirkung. WĂ€hrend im Westen ĂŒber die Lieferungen von immer schwereren Waffen diskutiert wird, möchte Lawrow das offenbar mit seiner Drohung unterbinden oder zumindest erschweren.

4. Konflikt mit den USA

Der Kreml sieht sich zunehmend in einem Konflikt mit den USA. "Wir wollen Russland so sehr geschwĂ€cht sehen, dass es nicht mehr in der Lage sein wird, Dinge wie diese zu tun, die es mit der Invasion der Ukraine getan hat“, sagte der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin auf einer Pressekonferenz an der ukrainisch-polnischen Grenze am Montag.

Lloyd Austin: Der US-Verteidigungsminister möchte Russland "geschwÀcht sehen".
Lloyd Austin: Der US-Verteidigungsminister möchte Russland "geschwÀcht sehen". (Quelle: dpa-bilder)

Derartige Äußerungen erzeugen Wut in Moskau. Lawrows Interview und seine Atomwaffen-Drohung sind auch als Reaktion zu verstehen. Angst hat die russische FĂŒhrung eigentlich nur vor dem Eingreifen der USA und fĂŒr das Szenario macht der russische Außenminister noch einmal deutlich, dass man im Notfall Atomwaffen einsetzen wĂŒrde.

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Zeichen von SchwÀche

Letztlich fehlt der russischen Armee selbst in der Theorie schlichtweg die Kraft fĂŒr einen Angriff auf die Nato – zumindest mit konventionellen Mitteln. Auch ein atomarer Angriff wĂŒrde Gegenmaßnahmen der Nato zur Folge haben, ein Atomkrieg wĂŒrde auch Russland vernichten. Das weiß auch Moskau.

Ein Frau verabschiedet sich von einem ukrainischen Soldaten: Der Ukraine drohen nun schwere KĂ€mpfe im Osten des Landes.
Ein Frau verabschiedet sich von einem ukrainischen Soldaten: Der Ukraine drohen nun schwere KĂ€mpfe im Osten des Landes. (Quelle: Reuters-bilder)

Trotzdem steuert der Konflikt auf eine neue Eskalation zu. Die russische FĂŒhrung steht unter Druck, fĂŒhlt sich mehr und mehr in die Ecke gedrĂ€ngt. Der Westen liefert immer schwerere Waffen in die Ukraine – und wenn die russische Armee diesen Krieg noch gewinnen möchte, muss sie diese Lieferungen attackieren.

Der Westen und die Ukraine lassen sich umgekehrt von den russischen Drohungen nicht einschĂŒchtern, Lawrows Drohungen werden eher als EingestĂ€ndnis der russischen SchwĂ€che gesehen.

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Trotzdem gehört zur Wahrheit dazu, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine nun noch einmal deutlich blutiger werden könnte. Lawrow kĂŒndigte auch an, dass der Ukraine-Krieg mit einer Vereinbarung mit der Regierung in Kiew enden werde. Der Inhalt hĂ€nge von der militĂ€rischen Situation ab. Übersetzt: Die Stimme der Seite, die in der Ukraine militĂ€risch im Vorteil ist, hat auch mehr Gewicht in den Verhandlungen.

Deshalb droht dem Land im Osten eine große Feldschlacht mit schweren Waffen. Zwar wird es wahrscheinlich keinen Dritten Weltkrieg geben, aber die Situation bleibt höchst gefĂ€hrlich – vor allem fĂŒr die Ukraine.

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Von Liesa Wölm
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