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Lawrow: "Wir spielen nicht mit einem Atomkrieg"

Von dpa
Aktualisiert am 30.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Sergej Lawrow: Der russische Außenminister sieht sein Land nicht im Krieg mit der Nato.
Sergej Lawrow: Der russische Außenminister sieht sein Land nicht im Krieg mit der Nato. (Quelle: dpa-bilder)
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Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat schwere VorwĂŒrfe gegen die Nato erhoben. Indes sorgt der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj fĂŒr Verwirrung. Die Ereignisse der Nacht im Überblick.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat in der Nacht in zwei Interviews gegen die Nato gehetzt. Er warf dem MilitĂ€rbĂŒndnis nach Angaben russischer Agenturen in einem Interview mit der chinesischen Agentur Xinhua vor, das Ende der "Spezialoperation" durch politische Vereinbarungen und Waffenlieferungen zu verhindern.


Bilder zeigen Butscha nach dem Massaker

Butscha gleicht einer Geisterstadt: In dem Vorort der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurden hunderte Zivilisten ermordet. Berichte russischer GrĂ€ueltaten dringen nach und nach an die Öffentlichkeit.
Ukrainische Soldaten erreichen den ehemals russisch besetzten Kiewer Vorort Butscha mit MilitÀr- und einem Hilfskonvoi.
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In einem Interview mit dem arabischsprachigen Sender Al-Arabija sagte Lawrow außerdem, dass Russland die Routen kenne, ĂŒber die der Westen Waffen an die Ukraine liefern wolle. Die gelieferten Waffen sollten zum Ziel werden, "sobald sie das Territorium der Ukraine erreichen".

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sorgte derweil mit Angaben zu einem Massengrab fĂŒr Irritationen. Die IAEA meldete die Wiederaufnahme der Kommunikation zu Tschernobyl. In Berlin dankte der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk deutschen Medien fĂŒr ihre Kriegsberichterstattung.

Verhandlungen laufen schleppend

Die Verhandlungen mit Kiew ĂŒber den Entwurf eines möglichen Abkommens zur Beendigung des Kriegs laufen nach Lawrows Darstellung nicht gut: Sie wĂŒrden auch durch die "militante Rhetorik und hetzerische Aktionen der westlichen UnterstĂŒtzer von Kiew" behindert. Die russische Seite befĂŒrworte jedoch eine Fortsetzung des Verhandlungsprozesses.

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Selenskyj hatte nach Angaben der "Ukrajinska Prawda" gesagt, es bestehe ein hohes Risiko, dass Kiew die Verhandlungen mit Moskau abbreche. Er forderte erneut direkte Verhandlungen mit Kremlchef Wladimir Putin. Die ersten Verhandlungen fĂŒr ein Ende der Kriegshandlungen hatten bereits vier Tage nach der russischen Invasion am 24. Februar begonnen.

Lawrow: Sind nicht im Krieg mit der Nato

Russland sieht sich nicht im Krieg mit der Nato. Vielmehr glaube die Nato, mit Russland im Krieg zu sein, sagte Lawrow nach Angaben russischer Agenturen. Weiterhin drohe Russland nicht mit Atomwaffen, westliche Medien ĂŒbertrieben bei diesem Thema. "Wir spielen nicht mit einem Atomkrieg", sagte Lawrow demnach. Russland hatte Ende Februar Abschreckungswaffen in Alarmbereitschaft versetzen lassen, was weltweit als Drohung mit dem atomaren Arsenal verstanden worden war.

Lawrow behauptete weiterhin, das russische MilitĂ€r tue "alles in seiner Macht Stehende, um zivile Opfer zu vermeiden". Die Ukraine hingegen meldet tĂ€glich zivile Opfer. Das UN-Hochkommissariat fĂŒr Menschenrechte gab die Zahl getöteter Zivilisten zuletzt mit 2.899 an, die tatsĂ€chlichen Zahlen sollen allerdings erheblich höher sein.

Irritationen um Selenskyjs Angaben zu Massengrab

Selenskyj hat in einem Interview von einem neuen Massengrab mit 900 Toten im Kiewer Gebiet gesprochen. Sein Sprecher und die Polizei dementierten. "Zum Stand 29. April sind insgesamt 1.187 Leichen von Opfern der russischen Armee im Gebiet Kiew entdeckt worden, wahrscheinlich meinte der PrĂ€sident diese Gesamtziffer, als er von ĂŒber 900 sprach", hieß es in einem Kommentar der Polizei des Gebiets Kiew. Auch PrĂ€sidentensprecher Serhij Nykyforow betonte in der Onlinezeitung "Ukrajinska Prawda", dass der PrĂ€sident die Gesamtzahl gemeint habe.

Nach dem Abzug russischer Truppen vor knapp einem Monat hatten Funde von teils gefesselten erschossenen Zivilisten vor allem in dem Kiewer Vorort Butscha weltweit fĂŒr Entsetzen gesorgt. Moskau wies alle Anschuldigungen zurĂŒck.

IAEA: Russische Nuklearspezialisten in Saporischschja

Russische Behörden haben Nuklearspezialisten in das ukrainische Atomkraftwerk im sĂŒdöstlich gelegenen Saporischschja geschickt. Die acht Vertreter von Rosenergoatom, das zum russischen Staatskonzern Rosatom gehört, fordern von der Stationsleitung tĂ€gliche Berichte zu "vertraulichen Fragen" in Bezug auf den Betrieb des AKW, heißt es in einer ErklĂ€rung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) unter Berufung auf ukrainische Behörden.

Demnach wird das Kernkraftwerk weiterhin von ukrainischem Personal betrieben, aber von russischen StreitkrÀften kontrolliert. Russische Truppen hatten die Anlage am 4. MÀrz besetzt. Weiterhin werde die Kommunikation zur Anlage in Tschernobyl schrittweise wiederhergestellt, so die IAEA.

EisenbahnbrĂŒcke im Osten gesprengt

Die ukrainische Armee hat eine EisenbahnbrĂŒcke im Gebiet Donezk gesprengt. Dabei sei ein russischer GĂŒterzug getroffen worden, wie die "Ukrajinska Prawda" schrieb. Nach Angaben des Onlineportals "Hromadske" war unklar, ob es sich um GĂŒterwaggons oder Kesselwagen handelte.

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Bei der zerstörten BrĂŒcke handelte es sich nach Angaben der Zeitungen um eine Verbindung ĂŒber den Fluss Siwerskyj Donez zwischen den Orten Lyman und Rajhorodok im Osten der Ukraine. Die Eisenbahnverbindung nach Lyman, das im Epizentrum der KĂ€mpfe in der Ostukraine liege, sei damit zerstört.

USA trainieren ukrainische Soldaten

Die USA bilden in Deutschland und an anderen Standorten ukrainische Soldaten im Umgang mit militĂ€rischer AusrĂŒstung aus. Der Sprecher des US-Verteidigungsministers, John Kirby, sagte, das Training auf deutschem Boden habe bereits begonnen. Es gehe unter anderem um den Umgang mit Haubitzen und anderen Waffensystemen, die Kiew zur UnterstĂŒtzung im Krieg gegen Russland bekomme.

Die USA statten die Ukraine im großen Stil mit Waffen und Munition aus, um das Land im Krieg gegen Russland zu unterstĂŒtzen.

MĂŒtzenich wirbt fĂŒr diplomatische Initiativen

SPD-Fraktionschef Rolf MĂŒtzenich hat die Bundesregierung aufgefordert, mit diplomatischen Initiativen auf LĂ€nder zuzugehen, die Russland bislang etwa aus ökonomischen GrĂŒnden unterstĂŒtzen. "Ganz entscheidend ist, dass strategische Partner Russlands sich von Putin abwenden. 45 Staaten haben den russischen Angriff auf die Ukraine nicht verurteilt, darunter fĂŒnf AtommĂ€chte", erklĂ€rte MĂŒtzenich in der DĂŒsseldorfer "Rheinischen Post".

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"Putins Regierung muss isoliert werden. Und das mĂŒssen wir durch GesprĂ€che in den LĂ€ndern erreichen." Beispielsweise wolle Indien große Gasmengen aus Russland kaufen. Auch China sei ein wichtiger UnterstĂŒtzer Russlands. Ebenso Brasilien, SĂŒdafrika und andere Staaten.

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Melnyk spricht beim Bundespresseball

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat den deutschen Medien beim Bundespresseball ausdrĂŒcklich fĂŒr ihre Berichterstattung ĂŒber den Krieg Russlands gegen sein Heimatland gedankt. "Umso mehr finde ich es schade, dass viele Politiker hauptsĂ€chlich durch ihre Abwesenheit glĂ€nzen. Doch wenn sie hoffen, dass sie dadurch kritischen Fragen entgehen, dann irren sie sich", sagte Melnyk am Freitagabend bei der Eröffnung des Balls.

Der Ball wurde in diesem Jahr als Zeichen der SolidaritÀt mit der Ukraine prÀsentiert. BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier sowie mehrere Minister hatten ihre Teilnahme am "SolidaritÀtsball" abgesagt.

Das wird am Samstag wichtig

Die GrĂŒnen sprechen am Samstag bei einem kleinen Parteitag in DĂŒsseldorf ĂŒber die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Dabei steht auch ein Bekenntnis zur UnterstĂŒtzung des Wiederaufbaus in der Ukraine und zur Hilfe fĂŒr EntwicklungslĂ€nder, die unter dem Ausfall von Getreidelieferungen aus der Ukraine leiden, auf der Tagesordnung.

Auch die CSU trifft sich zu einem kleinen Parteitag in WĂŒrzburg. Im Zentrum steht vor allem die Außenpolitik. Angesichts des Krieges setzt die Partei noch stĂ€rker als frĂŒher auf eine Bindung an den Westen, militĂ€rische StĂ€rke und UnabhĂ€ngigkeit.

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