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Selenskyj spricht von strategischer Niederlage Moskaus

Von dpa
Aktualisiert am 13.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Blick auf das Schlachtfeld am Siwerskyj Donez: Mehr als 50 zerstörte russische Panzerfahrzeuge liegen an den Ufern des Flusses im Osten der Ukraine. (Quelle: t-online)
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Der ukrainische Staatschef sieht eine strategische Niederlage Moskaus. Und sein Berater will gar eine "schreckliche Idiotie" der FĂŒhrung Russlands erkennen. Ein Überblick ĂŒber die Ereignisse der Nacht.

Knapp zweieinhalb Monate nach der Invasion russischer Truppen in die Ukraine ist die strategische Niederlage Russlands nach Ansicht des ukrainischen PrÀsidenten Wolodymyr Selenskyj "offensichtlich".


Russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine: Eine Chronologie in Bildern

Mehrere Wochen dauert der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine nun schon an. Mit jedem Tag steigt die Anzahl der Toten, Vertriebenen und zerstörten Ortschaften. Ein Überblick ĂŒber die Geschehnisse seit Beginn der Invasion. Im
21. Februar: Russlands PrÀsident Wladimir Putin erkennt die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk im Osten der Ukraine als unabhÀngige Staaten an. Tags darauf stimmt das russische Parlament zu. Soldaten sollen in die Separatistengebiete entsandt werden.
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Die Niederlage Moskaus sei "fĂŒr jeden auf der Welt offensichtlich und auch fĂŒr diejenigen, die immer noch mit ihnen (den Russen) kommunizieren", sagte Selenskyj am Donnerstagabend in seiner tĂ€glichen Videobotschaft. Nur habe Russland nicht den Mut, die Niederlage einzugestehen. "Sie sind Feiglinge und versuchen, diese Wahrheit hinter neuen Raketen-, Luft- und Artillerieangriffen zu verbergen."

Selenskyj kritisiert russische Angriffe auf Schulen und Kliniken

Der ukrainische Staatschef kritisierte die jĂŒngsten russischen Angriffe, bei denen in Tschernihiw im Norden des Landes eine Schule getroffen worden war. "NatĂŒrlich ist der russische Staat in einem Zustand, in dem ihn jede Bildung nur behindert." Russische Kommandeure, die derartige Befehle zum Beschuss von Bildungseinrichtungen erteilten, seien "einfach krank – unheilbar".

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Daneben seien in der Ukraine seit Kriegsbeginn bereits 570 Gesundheitseinrichtungen durch russische Angriffe zerstört worden, darunter 101 KrankenhĂ€user. "Was bringt das?", fragte Selenskyj. "Das ist Unsinn, das ist Barbarei." Dies sei fĂŒr ihn ein Zeichen der Selbstzerstörung Russlands.

Selenskyjs Berater unterstellt russischer FĂŒhrung "Idiotie"

Selenskyjs Berater Olexij Arestowytsch fĂŒhrt seine gelegentlich falschen Analysen des Kriegsgeschehens auf "schreckliche Idiotie" der politischen und militĂ€rischen FĂŒhrung Russlands zurĂŒck. "Ich halte sie eigentlich fĂŒr Menschen mit einem durchschnittlichen Verstand", sagte der Berater von PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj nach einem Bericht der Agentur Unian. "Aber dann unternehmen sie etwas, das mir nie in den Sinn gekommen wĂ€re, weil es so dumm ist."

Russland habe zuletzt weitere 15 Kampfeinheiten "zusammengekratzt", um sie in den Kampf zu "werfen". "In den vergangenen fĂŒnfeinhalbtausend Jahren MilitĂ€rgeschichte lĂ€sst sich keine grĂ¶ĂŸere Idiotie finden", sagte Arestowytsch. Zuletzt hatte er eine neue Offensive der russischen Armee gegen die ukrainische Hauptstadt Kiew nicht ausgeschlossen und von "sinnlosem Selbstmord" gesprochen.

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Verhandlungen um Soldaten in Asowstal gehen weiter

Mit internationaler UnterstĂŒtzung setzt die ukrainische FĂŒhrung ihre BemĂŒhungen um die Rettung der Soldaten im belagerten Stahlwerk Asowstal in der Hafenstadt Mariupol fort. "Wir haben eine neue Runde der Verhandlungen eröffnet", sagte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk nach Angaben der "Ukrajinska Prawda". Kiew habe den UN und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz das Mandat zu den GesprĂ€chen mit der russischen Seite erteilt, die TĂŒrkei sei inzwischen als Vermittler dabei.

Angestrebt sei eine Evakuierung in mehreren Etappen – an erster Stelle stehe die Rettung von 38 schwer verwundeten Verteidigern aus Asowstal. Sollte dies Erfolg haben, "dann bewegen wir uns weiter". Die Ukraine sei unter anderem bereit, russische Kriegsgefangene fĂŒr die Verwundeten aus Asowstal auszutauschen. Im GesprĂ€ch mit den "Tagesthemen" der ARD beschrieb einer der KĂ€mpfer die schwierige Lage. "Unsere Leben bedeuten nichts, mein Leben bedeutet nichts", sagte Illia Samoilenko. Er machte sich zugleich wenig Hoffnung fĂŒr die Zukunft: "Es könnte unser letztes GesprĂ€ch sein."

Im weitlĂ€ufigen Stahlwerk in der Hafenstadt haben sich die letzten ukrainischen Verteidiger verschanzt. Russland lehnt bisher jede Evakuierung ab, fordert von den Ukrainern im Werk die Kapitulation. Die TĂŒrkei schlug dem russischen MilitĂ€r nach Angaben der "Ukrajinska Prawda" vor, alle ukrainischen Soldaten aus Asowstal auf dem Seeweg zu evakuieren. Sie sollten dann bis Kriegsende in der TĂŒrkei bleiben.

Menschen im zerstörten Mariupol: Im weitlÀufigen Stahlwerk in der Hafenstadt haben sich die letzten ukrainischen Verteidiger verschanzt.
Menschen im zerstörten Mariupol: Im weitlÀufigen Stahlwerk in der Hafenstadt haben sich die letzten ukrainischen Verteidiger verschanzt. (Quelle: Alexander Ermochenko/Reuters-bilder)

Russische Raketen treffen Raffinerie in Krementschuk

Die Industriestadt Krementschuk in der Zentralukraine ist nach ukrainischen Angaben am Donnerstag von einer Serie russischer Raketen getroffen worden. Beim bisher grĂ¶ĂŸten Angriff auf die Stadt seit Kriegsbeginn vor zweieinhalb Monaten sei auch eine Raffinerie beschĂ€digt worden, sagte der regionale MilitĂ€rchef Dmitrij Lunin nach Angaben der Agentur Unian.

Ukrainisches Crowdfunding-Projekt bringt Millionen ein

Ein von der ukrainischen FĂŒhrung ins Leben gerufenes Crowdfunding-Projekt zur UnterstĂŒtzung des Landes hat innerhalb einer Woche bereits Millionen eingebracht. Wie Digitalminister Mychajlo Fjodorow mitteilte, seien Spenden von 25,8 Millionen Dollar (24,4 Mio. Euro) ĂŒber die Website United24 eingegangen. "Die UnterstĂŒtzung kam aus 72 LĂ€ndern der Welt." Das Geld werde nun unter den Ministerien aufgeteilt, um die aktuell notwendigsten Projekte zu finanzieren. Die Ukraine hat diese staatliche Spendenplattform wegen des russischen Angriffskriegs geschaffen.

Ukraine nationalisiert Filialen russischer Banken

In der Ukraine werden mit sofortiger Wirkung alle Filialen der russischen Sberbank und der VEB.RF, der ehemaligen Wnjeschekonombank, verstaatlicht. Das beschloss das Parlament in Kiew, wie PrĂ€sidentensprecher Andryj Jermak nach Angaben der Onlinezeitung "Dumskaja" mitteilte. Nunmehr werden alle Gesellschafterrechte der betroffenen Banken sowie deren Einlagen bei anderen ukrainischen Finanzinstituten in Staatseigentum ĂŒberfĂŒhrt.

Was bringt der Tag?

Bundeskanzler Olaf Scholz soll am Freitag im Verteidigungsausschuss des Bundestags (8 Uhr) ĂŒber Deutschlands Haltung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine berichten, insbesondere ĂŒber Waffenlieferungen.

Bei ihrem Treffen in WeißenhĂ€user Strand an der Ostsee setzen die Außenminister der Gruppe der sieben großen Industrienationen (G7) am Freitag (9.30 Uhr) ihre Beratungen ĂŒber Konsequenzen aus dem russischen Krieg gegen die Ukraine fort. Zu dem Treffen werden auch die Außenminister aus der Ukraine und aus Moldau erwartet, Dmytro Kuleba und Nicu Popescu.

In Stuttgart kommen die Agrarminister der G7 zu GesprĂ€chen ĂŒber die Folgen des Ukraine-Krieges fĂŒr die globale ErnĂ€hrungssicherheit zusammen. Bei dem Treffen auf Schloss Hohenheim (11 Uhr) wird auch der ukrainische Landwirtschaftsminister Mykola Solskyj erwartet.

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Nach dem Ja Finnlands zur Nato wird am Freitag die schwedische Sicherheitsanalyse rund um Nato-Frage veröffentlicht. Bis zuletzt war unklar, ob die Analyse eine klare Empfehlung fĂŒr oder gegen eine Nato-Mitgliedschaft Schwedens liefern wird.

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