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Die Nacht im Überblick: Ukraine berichtet wieder von getöteten Zivilisten


Russland plant Militärbasis in besetztem Gebiet

Von dpa, rtr, aj

Aktualisiert am 24.05.2022Lesedauer: 4 Min.
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"Danke für den Hinweis": Ein Fernsehbeitrag verriet den Ukrainern ein entscheidendes Detail. (Quelle: t-online)
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Im Gebiet Cherson haben russische Besetzer heikle Baupläne angekündigt. Im Osten der Ukraine gehen die Angriffe auf die Infrastruktur weiter. Moskau kündigt an: Russland will sich Eurasien zuwenden.

Moskau hat in der Nacht zu Dienstag angekündigt, es werde sich nur auf sich selbst und auf diejenigen Staaten verlassen, die "ihre Zuverlässigkeit bewiesen haben". Das sagte Sergej Lawrow den Staatsagenturen Ria und Tass zufolge in der Nacht zum Dienstag. Die "diktatorische Position" des Westens gegenüber Russland beschleunige nach Ansicht des russischen Außenministers die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen seines Landes zu China.

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Nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine vor drei Monaten haben die USA, die EU und weitere westliche Staaten Sanktionen gegen Russland verhängt.

Die Zukunft für Russland liegt laut Lawrow nun in der Region Eurasien. Neben China nannte er auch Indien und den Iran als wichtige Partner. Auf westliche Lieferungen sollte sich Russland seiner Meinung nach nicht mehr verlassen. Russland werde sich vielmehr "ernsthaft überlegen", ob es eine Wiederaufnahme der Beziehungen brauche, wenn der Westen etwas anbiete.

Ukraine berichtet wieder von getöteten Zivilisten

Durch russische Angriffe im Osten der Ukraine sind nach ukrainischen Angaben am Montag drei weitere Zivilisten getötet worden. Sechs Menschen seien verletzt worden, schrieb der Gouverneur des Gebiets Donezk, Pawlo Kyrylenko, auf Telegram. Die ukrainische Armee gab an, auf russischer Seite acht Panzer, eine Drohne, sechs Flugzeuge sowie weitere Militärtechnik zerstört zu haben. In der Region Nowoukrajinka soll eine russische Rakete abgeschossen worden sein. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Ebenfalls im Osten der Ukraine soll Infrastruktur der Eisenbahn zerstört worden sein. Bei vier Raketeneinschlägen im Gebiet Dnipropetrowsk seien Gleise sowie die Oberleitungen schwer beschädigt worden, teilte Gouverneur Walentyn Resnitschenko auf seinem Telegram-Kanal mit. In vielen Regionen des Landes – vor allem in der Zentralukraine und im Osten – gab es in der Nacht Luftangriffe.

Russland baue zudem nach ukrainischen Angaben die Kommandostrukturen der Militärpolizei aus. In den besetzten Regionen Cherson und Saporischschja seien 19 sogenannte Kommandantenbüros eingerichtet worden, schrieb der ukrainische Generalstab am Montagabend. Die prorussischen Behörden in Cherson dringen auf einen Militärstützpunkt. "Es sollte einen russischen Militärstützpunkt in der Region Cherson geben", zitierte RIA den stellvertretenden Leiter der "zivil-militärischen Regionalverwaltung", Kirill Stremousow. "Die gesamte Bevölkerung will das. Das ist wichtig und wird ein Garant für die Sicherheit der Region und ihrer Bewohner sein."

Ukraine hofft weiter auf Austausch von Mariupoler Kämpfern

Die in der Hafenstadt Mariupol gefangen genommenen ukrainischen Soldaten sollen nach dem Willen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit der Unterstützung weiterer Staaten gegen russische Soldaten ausgetauscht werden. "Wir müssen sie austauschen", sagte er der ukrainischen Agentur Interfax zufolge. Alle UN-Mitglieder sollten sich einschalten.

Im Stahlwerk von Mariupol im Süden der Ukraine hatten sich am Freitagabend nach wochenlanger Belagerung die letzten von mehr als 2.400 ukrainischen Kämpfern ergeben. Von russischer Seite gibt es auch Forderungen, sie vor Gericht zu stellen. In der Ukraine war am Montag ein erster russischer Soldat wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Selenskyj forderte vom Westen moderne Raketenabwehrwaffen und Kampfflugzeuge. Viele Menschen wären "nicht gestorben, wenn wir alle Waffen erhalten hätten, um die wir bitten", sagte er in seiner Videobotschaft. Sein Land sei seit Kriegsbeginn Ziel von 3.000 Luftangriffen und annähernd 1.500 Raketenangriffen gewesen. Die große Mehrheit der Angriffe habe zivilen Objekten gegolten. Alle Partner der Ukraine seien sich einig, dass der Kampf seines Landes gegen Russland dem "Schutz der gemeinsamen Werte aller Länder in der freien Welt" diene, sagte Selenskyj weiter. Deshalb habe sein Land ein Recht auf Waffenhilfe.

Habeck: Ölembargo greifbar

Bundeswirtschaftsminister Habeck sieht ein Ölembargo gegen Russland "in greifbarer Nähe". Es gebe nur noch wenige Staaten, die Probleme anmeldeten – vor allem Ungarn, sagte der Vizekanzler am Montag im ZDF-"Heute Journal". Man könne Rücksicht nehmen, dann müsse aber auch in Ungarn "was passieren". Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, den Import von russischem Rohöl in sechs Monaten zu beenden. Als Kompromiss will sie Ungarn mehr Zeit einräumen.

"Time Magazine" listet Selenskyj unter 100 einflussreichsten Menschen

Selenskyj ist vom "Time Magazine" zu einem der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2022 gekürt worden. "Mit Präsident Selenskyj haben die Menschen in der Ukraine ein Staatsoberhaupt, das ihrer Tapferkeit und ihrer Widerstandsfähigkeit würdig ist, während Bürger über das ganze Land hinweg... für ihr Zuhause und ihre Freiheit kämpfen", schreibt dazu US-Präsident Joe Biden. Im russischen Krieg gegen sein Land habe Selenskyj "seine Spuren in der Geschichte hinterlassen". Auch der Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, schaffte es auf die bereits am Montag veröffentlichte Liste, auf der auch Putin zu finden ist. Hier lesen Sie die gesamte Meldung.

Das bringt der Tag

In Davos in den Schweizer Alpen geht die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) weiter. Wichtigstes Thema bleibt der Krieg in der Ukraine. Als Redner werden unter anderem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erwartet. Auch die EU-Agrarminister in Brüssel wollen die Lage in der Ukraine erörtern.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
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