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Markus Lanz und Richard David Precht geraten aneinander: "Darf ich ausreden?"


Lanz und Precht geraten beim Ukraine-Talk erbittert aneinander

Von Nina Jerzy

Aktualisiert am 13.07.2022Lesedauer: 3 Min.
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Richard David Precht (Archivbild): In der jüngsten Lanz-Sendung gab es Kritik an seinem neuen Buch.
Richard David Precht (Archivbild): In der jüngsten Lanz-Sendung kritisierte er auch die deutschen Medien scharf. (Quelle: C. Hardt/ Future Image/imago-images-bilder)
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Als es um Waffen geht, schaut Precht Lanz nicht in die Augen, die Hoffnung auf einen Ukraine-Sieg tut er als Traum ab. Für Lanz ist das eine Frage der Haltung.

Eine halbe Stunde lang waren Markus Lanz und Richard David Precht auf einer Wellenlänge, angefangen beim schwarzen Outfit. Dann aber sprachen sie über Waffenlieferungen an die Ukraine. Gegen die hatte der Philosoph einen Appell unterzeichnet. Seiner Meinung nach kann die Ukraine gegen Russland nicht gewinnen.

"Weil wir nicht liefern", widersprach Lanz am Dienstagabend dem alleinigen Gast seiner Talkshow. Mit modernen Waffen könnten sich die Ukrainer sehr wohl verteidigen. "Das werden sie aber nicht schaffen, Markus. Es deutet nichts darauf hin, dass diese Träume in Erfüllung gehen", wies ihn Precht zurecht. Da eröffnete sich ein abgrundtiefer moralischer Graben zwischen Gast und Moderator.

Precht rechnet damit, dass der Westen sich vermutlich irgendwann mit einem Sieg Wladimir Putins wird abfinden müssen. Damit rüttelte er für Lanz an den ethischen Grundfesten unserer Gesellschaft. "Ich möchte in einer Wertegemeinschaft leben, in der politische Anführer nicht die Frage stellen: Was ist, wenn wir müssen?", sagte der Moderator. "Sondern, in der Menschen leben, die sagen: Wir haben es wenigstens versucht. Als Haltung dem Leben gegenüber ist mir das ehrlich gesagt ein bisschen zu billig."

Lanz gegen Precht

Es war bemerkenswert, wie rasch die eben noch entspannte Stimmung zwischen den auffällig ähnlich gekleideten Männern am Dienstagabend kippte, als es zum Themenkomplex "Ukraine" kam. Dabei kennen Precht und Lanz ihre gegenteiligen Positionen bestens. Sie produzieren seit gut einem Jahr wöchentlich einen gemeinsamen Podcast. Dennoch lagen die Nerven kurz vor der "Markus Lanz"-Sommerpause sehr schnell blank. "Darf ich ausreden", forderte Precht, als ihm der Moderator abermals ins Wort fiel, was er selbst häufig tat, um die Oberhand zu gewinnen.

Der Autor warf der Presse vor, in ihrer Berichterstattung eine weitverbreitete Skepsis in der Bevölkerung gegenüber Waffenlieferungen auszublenden. Was auffiel: Er nahm "Markus Lanz" dabei nicht aus. "Es darf in einer pluralen Gesellschaft nicht sein, dass die veröffentlichte Meinung so weit von der öffentlichen Meinung abweicht", kritisierte Precht.

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Er spekulierte, dass in Wahrheit auf höchster politischer Ebene längst Bemühungen um Friedensverhandlungen laufen. Der französische Präsident Emmanuel Macron spreche darüber öffentlich sehr freimütig. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) könne sich das hingegen nicht erlauben. "Er wird in den deutschen Massenmedien erschossen, wenn er sich da ehrlich macht", sagte Precht. Als er bekräftigte, die "deutschen Massenmedien" würden kollektiv eine Exit-Strategie negativ darstellen, wirkte Lanz geradezu besorgt: "Du sagst das so abwertend, Richard, das finde ich nicht gut."

Deutscher Genozid in Afrika?

Der Philosoph wählte auch an anderer Stelle drastische Worte. "Wenn man es radikal formuliert, kann man sagen: Unsere Lebensweise ist in gewisser Hinsicht der Genozid an der Bevölkerung in Afrika", sagte er mit Blick auf dortige Hungerkatastrophen, die durch den CO₂-Ausstoß auch aus Deutschland herbeigeführt würden. "Rassismus statt Humanismus: Wir erleben Menschen, die in Afrika sterben, nicht so wie Menschen, die in Europa sterben."

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Nicht zuletzt deshalb ließ Precht bei der Unterstützung der Ukraine das Pochen auf Anstand und Moral nicht gelten. Der deutsche Wohlstand basiere auf "systematischer Gier" und einem jahrzehntelangen Wachstum, das nur dank der Geschäfte mit "Arschlöchern deluxe" möglich gewesen sei. Nun werde zwar eine wertegeleitete Außenpolitik proklamiert, geändert habe sich jedoch nichts. "Wir fahren nach Katar – wollen wir die Leute veralbern?"

Precht will aber gar nicht, dass die Ampelkoalition Ernst macht. "Was würde das denn tatsächlich bedeuten, wenn wir wirklich nur noch mit liberalen Demokratien Handel treiben würden?", fragte er. "Dann würde unser gesamtes Wirtschaftssystem zusammenbrechen."

Sein realphilosophisches Fazit zu Waffenlieferungen an die Ukraine lautete: "Warum wollen wir uns ausgerechnet in dieser Frage jetzt moralisch ganz sauber machen? Und in all den anderen Fragen, da können wir damit leben, moralisch schmutzig zu sein. Das passt nicht zusammen."

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Verwendete Quellen
  • ZDF: "Markus Lanz" vom 13. Juli 2022
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