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UN-Klimakonferenz: Protest gegen USA, Kritik an Deutschland

Neues Ranking veröffentlicht  

Klimaschutz: Protest gegen USA, Kritik an Deutschland

10.12.2018, 19:29 Uhr | dpa

UN-Klimakonferenz: Protest gegen USA, Kritik an Deutschland. Umweltaktivisten stören den Auftritt von Trumps Energieberater: Der US-Präsident will mehr fossile Brennstoffe abbauen.  (Quelle: Reuters/Agencja Gazeta/Grzegorz Celejewski)

Umweltaktivisten stören den Auftritt von Trumps Energieberater: Der US-Präsident will mehr fossile Brennstoffe abbauen. (Quelle: Agencja Gazeta/Grzegorz Celejewski/Reuters)

Am Montag wird es erstmals richtig laut auf der Klimakonferenz. Aktivisten stören mit Sprechchören einen Auftritt des Klimaberaters von Trump. Auch an Deutschland gibt es Kritik.

Beim Klimaschutz ist der einstige Vorreiter Deutschland international gesehen nur noch Mittelmaß. Der von Umweltorganisationen am Montag auf der UN-Klimakonferenz in Polen veröffentlichte Index sieht Deutschland auf Platz 27 – noch hinter Staaten wie der Slowakei, Rumänien oder Indien. Ganz vorn steht Schweden, gefolgt von Marokko und Litauen. Zu Beginn der zweiten und entscheidenden Gipfelwoche in Kattowitz (Katowice) warnten Entwicklungsorganisationen, die Anliegen der ärmsten und verletzlichsten Staaten drohten unter die Räder zu kommen. Dem dürfe insbesondere die EU nicht gleichgültig zuschauen. Ein Auftritt des Klimaberaters von US-Präsident Donald Trump im Tagungszentrum wurde mit Sprechchören unterbrochen.

Vertreter aus fast 200 Staaten beraten in Kattowitz über Regeln für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, mit dem die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzt werden soll. Schon jetzt hat sich die Welt gegenüber der vorindustriellen Zeit um 1750 um rund ein Grad aufgeheizt. Die Konferenz soll am Freitag enden.

Beim Klimaschutz-Ranking blieben wie in den vergangenen Jahren die ersten drei Plätze leer, denn Germanwatch, CAN Europe und das New Climate Institute halten kein Land für vorbildlich genug für einen Platz auf dem Treppchen. Schlusslichter sind der Iran, die USA und Saudi-Arabien. Im vergangenen Jahr belegte Deutschland noch Platz 22 unter den 56 beurteilten Einzelstaaten und der EU, die gemeinsam für mehr als 90 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind.

Deutschland einer der größten Braunkohle-Verbraucher

"Die vergleichsweise schlechte Leistung in der Kategorie Treibhausgase lässt sich vor allem darauf zurückführen, dass Deutschland nach wie vor einer der größten Verbraucher von Braunkohle ist", schreiben die Autoren. Wenn im kommenden Jahr die Entscheidung für einen ehrgeizigen Kohleausstieg falle, könne dies das Land im Index "entscheidend nach vorn bringen".

Die Organisationen bewerten nicht nur Fortschritte beim CO2-Sparen oder Klimaschutz, Versprechen für die Zukunft, sondern 14 Indikatoren aus den Kategorien Treibhausgase, erneuerbare Energien, Energieverbrauch und Klimapolitik.

China als bevölkerungsreichstes Land mit den meisten Treibhausgas-Emissionen sehen die Experten im Ranking auf Platz 33 und damit weiter vorn als vor einem Jahr (41). "Dies liegt in erster Linie am Trend der chinesischen Treibhausgasemissionen, da diese zwischen 2014 und 2016 nicht gestiegen sind", heißt es zur Begründung. Allerdings dürfte ein Anstieg der Emissionen 2017 und 2018 zu einem schlechteren Platz im kommenden Jahr führen.

Auf Platz zwei bei den Emissionen liegen die USA, die im Vergleich zum Vorjahr noch mal drei Plätze auf den vorletzten Platz abgerutscht sind. US-Präsident Donald Trump hat den Austritt aus dem Pariser Abkommen erklärt, der allerdings noch nicht wirksam ist. Lob gibt es für Bemühungen unterhalb der nationalen Ebene: "Vor allem Städte und einzelne Bundesstaaten wollen eine ambitioniertere Klimapolitik erreichen", heißt es im Klimaschutz-Index.

Modekonzerne wollen umweltfreundlicher werden

Trumps Energie- und Klimaberater Preston Wells Griffith wurde am Montag im Tagungszentrum in Kattwitz von Umweltschützern gestört, als er einen Vortrag halten wollte. Die Demonstranten skandierten kurz nach Beginn "Shame on you" (Schämt euch) und hielten ein Banner hoch, auf dem "Lasst es im Boden" stand – gemeint waren fossile Brennstoffe wie Kohle und Öl. Trump setzt energiepolitischen unter anderem auf ein Comeback des klimaschädlichen Kohlestroms.

Die Klimaexpertin von Brot für die Welt, Sabine Minninger, warf den USA und anderen Staaten vor, sie träten als Bremser auf und wollten die Anliegen der verletzlichsten Staaten aus dem Regelwerk zum Paris-Abkommen streichen. "Grund ist deren Befürchtung, mit Kompensationszahlungen in die Verantwortung genommen zu werden." Es sei nicht hinnehmbar, "dass Deutschland und die EU schweigen, während die legitimen Interessen armer Staaten bei den Klimaverhandlungen unter die Räder kommen".



Große Mode- und Sportartikelkonzerne wie Adidas, Esprit, Levi's, H&M und Puma verpflichteten sich auf der UN-Klimakonferenz, ihren Ausstoß von Treibhausgasen freiwillig deutlich zu senken. Fernziel ist es, die Emissionen klimaschädlicher Gase, die die Erderhitzung verursachen, bis 2050 bis auf netto Null zu verringern, wie es in der unterzeichneten Charta heißt.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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