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Manöver im Mittelmeer: Putin schickt Schwarzmeerflotte Richtung Syrien


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Putin schickt Schwarzmeerflotte Richtung Syrien

spiegel-online, Von Benjamin Bidder, Moskau

24.09.2015Lesedauer: 3 Min.
Russische Kriegsschiffe der Schwarzmeerflotte (Archivaufnahme).
Russische Kriegsschiffe der Schwarzmeerflotte (Archivaufnahme). (Quelle: Reuters-bilder)
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Russlands Verteidigungsministerium hat den Beginn eines Flottenmanövers verkündet. Mehrere Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte haben den Bosporus passiert. Nach Moskauer Angaben handelt es sich dabei neben Versorgungsschiffen um den Raketenkreuzer "Moskwa" (rund 500 Mann Besatzung), den Zerstörer "Smetlivij" (circa 300 Mann) und das Landungsschiff "Saratow" (circa 50 Mann Besatzung, kann daneben bis zu 20 Panzer und 400 Mann transportieren).

Ziel der Schiffe sei ein Gebiet im "östlichen Mittelmeer". Das Mittelmeer grenzt im Osten an die Küste Syriens, und genau dort baut Russland derzeit zwei Stützpunkte aus:


Satellitenbilder aus Syrien

Russlands Armee baut ihre Präsenz im Nordwesten Syriens aus. Im Umland der Hafenstadt Latakia entstehen derzeit offenbar zwei weitere Stützpunkte. Darauf deuten diese Satellitenaufnahmen vom 13. September hin, die von der Militärfachzeitschrift "IHS Jane's" veröffentlicht wurden. Zu sehen sein sollen Zelte und Fahrzeuge.
In den vergangenen Tagen und Wochen gab es immer wieder neue Vermutungen und Informationen über eine mögliche russische Offensive in Syrien. So sind auf diesen Aufnahmen vom 4. September auf dem Flughafen Bassel al-Assad in Latakia kaum Hinweise für eine russische Militärpräsenz zu entdecken - noch nicht.
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  • In Latakia im Norden rüstet Moskau eine Luftwaffenbasis auf. Satellitenaufnahmen zeigten zuletzt 28 russische Kampfjets nahe Latakia.
  • In der nördlicher gelegenen Hafenstadt Tartus unterhält Russland eine Marinebasis. Nach Angaben der Moskauer Tageszeitung "Kommersant" wird sie derzeit ausgebaut, damit in Tartus in naher Zukunft auch größere russische Kriegsschiffe anlegen können. Die Rede ist von 1700 Militärs, die derzeit in Tartus im Einsatz sein sollen.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums besteht kein Zusammenhang zwischen dem Flottenmanöver und der Syrien-Krise. Es handele sich um "planmäßige Übungen" im Rahmen eines 2014 verabschiedeten Manöverplans. Es sollen Kampfeinsätze gegen andere Schiffe und Luftangriffe trainiert werden sowie Bergungseinsätze, heißt es auf der Webseite des Verteidigungsministeriums.

Annäherung des Westens an Moskau

Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Westen dazu aufgerufen, eine breite Koalition im Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" zu bilden, die in Syrien und im Irak weite Gebiete kontrolliert. Moskau fordert vom Westen, auch Syriens Diktator Baschar al-Assad als Partner in diese Allianz aufzunehmen. Europa und die USA bestehen bislang auf einem Rücktritt des Präsidenten. Gewaltsame Einsätze von Assads Militär gegen Demonstranten markierten 2011 den Beginn des syrischen Bürgerkriegs.

Laut einem Bericht der US-Agentur Bloomberg erwägt der Kreml aber Luftschläge in Syrien unabhängig von einer möglichen Einigung mit den USA und Europa. Unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen meldet Bloomberg, Putin bevorzuge zwar ein gemeinsames Vorgehen mit dem Westen, "bereitet aber auch den Start unilateraler Luftschläge gegen den 'Islamischen Staat' vor".

"Russland hofft, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzt und Obama Putins ausgestreckte Hand annimmt", zitiert Bloomberg die Moskauer Nahost-Expertin Jelena Suponina. Putin werde aber unabhängig davon "in jedem Fall handeln".

Im Westen deutet sich eine Annäherung an Moskau in der Syrien-Politik an. Kanzlerin Angela Merkel macht sich überraschend für Gespräche mit Assad stark. CSU-Chef Horst Seehofer plädierte schon Mitte September im SPIEGEL dafür, den Kreml in der Syrien-Frage mit ins Boot zu holen.

US-Präsident Obama unter Druck

Putin wird am kommenden Montag vor der Uno-Vollversammlung reden. Russlands Präsident will vor allem über Syrien und die Gefahr des internationalen Terrorismus sprechen. Die Flüchtlingswelle und die Eskalation in Syrien haben andere Themen der Vollversammlung in den Hintergrund gedrängt - zum Beispiel die Krise in der Ostukraine oder das Bemühen der Niederlande und Australiens, ein Tribunal zum Abschuss von Flug MH17 über dem Donbass einzurichten.

Russland setzt mit seinen Militäroperationen in Syrien US-Präsident Barack Obama unter Druck. Eigentlich wollte das Weiße Haus den Kreml-Chef bei dessen Visite in New York demonstrativ meiden. Inzwischen werden aber auch in den USA immer mehr Stimmen laut, die ein Treffen zwischen Obama und Putin fordern. Zuletzt gab es widersprüchliche Meldungen dazu: Medien meldeten, der US-Präsident wolle nun doch mit seinem russischen Amtskollegen zusammenkommen. Das Weiße Haus und der Kreml dementierten. Noch gebe es keine Entscheidung.

Moskau hat mit seinen Vorstößen den Handlungsspielraum des Westens in Syrien massiv begrenzt. Neben Su-24- und Su-25- Kampfflugzeugen für Fronteinsätze gegen feindliche Bodentruppen hat Moskau auch vier moderne Abfangjäger des Typs Su-30SM nach Latakia verlegt. Sie sollen Versuche des Westens unterbinden, eine russische Militäroperation durch die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien zu verhindern. Sollte der Westen dennoch eine No-Fly-Zone einrichten wollen, "wird er vorher Moskaus Jets abschießen müssen", warnt der Moskauer Rüstungsexperte Ruslan Puchow. Das aber könne "den Beginn eines großen Kriegs bedeuten".

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