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Katar isoliert: Verunsicherung & Hamsterkäufe in der Bevölkerung

Katar von Nachbarn isoliert  

Verunsicherung und Hamsterkäufe in Katar

06.06.2017, 13:37 Uhr | AP, rok

Katar isoliert: Verunsicherung & Hamsterkäufe in der Bevölkerung. In Katars Hauptstadt Doha kam es in den Supermärkten zu ersten Hamsterkäufen. (Quelle: dpa)

In Katars Hauptstadt Doha kam es in den Supermärkten zu ersten Hamsterkäufen. (Quelle: dpa)

Die Golfstaaten befinden sich im schwerwiegendsten diplomatischen Konflikt seit dem Irakkrieg 1991. Kuwait und die Türkei bieten sich als Schlichter an. Auch die USA wollen eine schnelle Lösung. In Katar gab es erste Hamsterkäufe.

Im Streit Katars mit seinen Nachbarländern und Ägypten haben sich offenbar mindestens zwei Schlichter angeboten. Der kuwaitische Emir Scheich Sabah al-Ahmad al-Sabah forderte den katarischen Emir auf, Bemühungen zur Entspannung der Lage eine Chance zu geben. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur in Kuwait. Ein türkischer Regierungsmitarbeiter sagte, Präsident Recep Tayyip Erdogan sei "aktiv" in die Lösung der diplomatischen Krise eingebunden. Doch aus Katar kommt Widerstand.

Verunsicherung und Hamsterkäufe in Katar

Die Krise hat für Verunsicherung in der Bevölkerung gesorgt. Am Tag nachdem Katars Nachbarländer Saudi-Arabien, Bahrain und die VAE die Grenzen schlossen und auch Ägypten und der Jemen alle Beziehungen zu Katar abbrachen, kam es zu langen Schlangen in den Supermärkten des Landes.

Die Kunden deckten sich einem Augenzeugen zufolge mit Milch, Wasser, Reis und Eiern ein. "Ich habe so etwas noch nie gesehen - die Menschen machen die Einkaufswagen voll mit Essen und Wasser", beschrieb ein Bewohner der Hauptstadt das Geschehen in den "Doha News". In den sozialen Medien machten Bilder von leeren Regalen in den Geschäften die Runde. Einwohner berichteten ebenfalls, dass in einigen Läden kaum noch frisches oder tiefgefrorenes Fleisch zu finden sei.

Katars Außenministerium hatte zuvor noch verkündet, dass die Schließung der Grenze zu Saudi-Arabien, die Katar praktisch isoliert, keine Auswirkungen auf das tägliche Leben der Kataris haben werde.

Katars Machthaber soll sich zurückhalten

Der katarische Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani sagte dem Nachrichtennetzwerk Al-Dschasira in Doha, dass sein Land all jene ablehne, die Katar ihren Willen aufzwingen oder sich in die inneren Angelegenheiten des Emirats einmischen wollten. Gleichzeitig bestätigte er, der kuwaitische Emir habe den regierenden Emir von Katar, Tamim bin Hamad al-Thani, gebeten, sich mit einer Ansprache zur Krise zurückzuhalten.

Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Numan Kurtulmus teilte indes mit, die Regierung hoffe, Erdogans Initiative helfe dabei, dass die Spannungen am Golf überwunden werden können. Es handelt sich um die schwerwiegendste politische Krise in der Region sei dem Krieg gegen den Irak 1991.

Katar soll Terrorgruppen in der Region unterstützen

Am Montag hatten Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Ägypten die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Verkehrsverbindungen über Land, Meer und Luft wurden eingestellt. Sie beschuldigen Katar unter anderem, Terrorgruppen in der Region zu fördern - Katar weist das zurück. Die jüngste Krise werde durch "absolute Erfindungen" angeheizt.

Später am Montag verlautete auch von der international anerkannten Regierung im Jemen, dass sie ihre Verbindungen zu Katar gekappt habe. Auch die Malediven und eine der rivalisierenden zwei Regierungen in Libyen entschieden, die diplomatischen Beziehungen auf Eis zu legen.

USA wollen eine schnelle Lösung

Saudi-Arabien begründete seinen Schritt mit Katars angeblicher Unterstützung der Muslimbruderschaft, Al-Kaidas sowie der Terrormiliz Islamischer Staat. Auch westliche Regierungen haben Katar vorgeworfen, sunnitische Extremisten wie den Al-Kaida-Zweig in Syrien zu dulden oder sogar zu fördern. Das Land unterstützt die Hamas im Gazastreifen.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte, die Ansage Saudi-Arabiens und anderer Länder folge auf schon lange bestehenden Differenzen. Er rief die Konfliktparteien auf, ihren Disput zu lösen. In Katar hat das US-Militär einen Sitz auf dem Stützpunkt Al Udeid. Der Chef der entsprechenden Einheiten, Adrian Rankine-Galloway, sagte, die Armee habe "keine Pläne" ihren Posten zu wechseln. In Katar sind 10.000 US-Truppen beheimatet, außerdem wird das Land 2022 die Fußball-WM austragen.

Das Emirat Katar: Vom Wüstenzwerg zum globalen Riesen

  • Das Emirat Katar im Osten der arabischen Halbinsel ist geografisch nur etwa halb so groß wie Hessen, gewinnt international aber sowohl politisch als auch wirtschaftlich immer mehr an Bedeutung. Große Vorkommen an Erdöl und Erdgas machten Katar zu einem der reichsten Länder der Erde. Das Land ist 2022 Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft.
  • Rund 2,2 Millionen Menschen leben in Katar, von denen der Großteil aus dem Ausland kommt und als Gastarbeiter beschäftigt ist. Das Land hat zahlreiche Beteiligungen an europäischen Unternehmen, darunter etwa Anteile am VW-Konzern und an der Baufirma Hochtief. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira hat seinen Sitz in Katar.
  • Katar ist Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und hat unter anderem zusammen mit Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten den Golfkooperationsrat mitgegründet, der eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik in der Region als Ziel hat. Südlich der Hauptstadt Doha befindet sich der größte Stützpunkt der US-Armee in der arabischen Welt.
  • Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert Katar für die Ausbeutung von Gastarbeitern und eingeschränkte Meinungsfreiheit.

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