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Syrien: Tote bei Angriff auf Krankenhaus in Afrin – Vorwürfe gegen Türkei

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Schwere Vorwürfe gegen die Türkei  

"Afrin wird wahllos mit tausenden Granaten beschossen"

17.03.2018, 16:50 Uhr | dpa, pdi

Syrien: Tote bei Angriff auf Krankenhaus in Afrin – Vorwürfe gegen Türkei. Kurdische Flüchtlinge in Afrin: Durch die türkische Operation "Olivenzweig" sind in der syrischen Provinz immer mehr Menschen auf der Flucht. (Quelle: dpa)

Kurdische Flüchtlinge in Afrin: Durch die türkische Operation "Olivenzweig" sind in der syrischen Provinz immer mehr Menschen auf der Flucht. (Quelle: dpa)

Bei dem Beschuss des einzigen Krankenhauses in Afrin sind offenbar 16 Menschen ums Leben gekommen. Ein Arzt beschuldigt das türkische Militär – die Türkei dementiert.

Wegen der anhaltenden Angriffe auf die belagerten Gebiete Afrin und Ost-Ghuta in Syrien sind erneut tausende Menschen aus den heftig umkämpften Gegenden geflohen. Sowohl die türkische Armee und ihre Verbündeten, als auch die syrische Regierung und Russland setzten am Freitag ihre Angriffe fort. Nach Angaben von Beobachtern und Aktivisten wurden dabei weit mehr als 100 Zivilisten getötet.

In der kurdischen Stadt Afrin in Nordsyrien wurde nach Angaben eines Arztes das einzige Krankenhaus von türkischen Granaten getroffen. Mindestens 16 Menschen seien getötet und Dutzende andere verletzt worden, sagte Doktor Joan Schitika am Freitagabend per Nachrichtendienst WhatsApp. Die türkischen Streitkräfte dementierten, dass sie ein Krankenhaus beschossen hätten.

Hier liegt die Krisen-Region Afrin: t-online.de zeigt, wo Türkei, Kurden und syrische Truppen kämpfen. (Quelle: t-online.de / Google Earth Studio)

"Wahllos beschossen"

"Das Krankenhaus wurde von mehreren türkischen Granaten getroffen", erklärte dagegen der Arzt. "Zivilisten werden sogar in Krankenhäusern angegriffen, und Afrin wird wahllos mit tausenden Granaten beschossen." Zuvor war bereits von 27 getöteten Zivilisten berichtet worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die Massenflucht von Zivilisten ging angesichts heftiger Kämpfe am Freitag weiter. Seit Mitternacht seien mehr als 2.500 Zivilisten geflohen, berichtete die Beobachtungsstelle, die ihre Informationen von einem breiten Netzwerk an Informanten in Syrien bezieht. Damit habe sich die Zahl der Geflohenen in den vergangenen Tagen auf mehr als 35.000 alleine in Afrin erhöht. Die meisten Menschen seien in Richtung der weiter entfernt liegenden Orte Nubul und Sahra geflohen.

Afrin steht seit Beginn der Woche praktisch unter Belagerung von türkischen Truppen und mit ihnen verbündeten Rebellen. Das türkische Militär warf am Freitag Flugblätter über der Stadt ab und warnte die Bewohner, sich von "Terroristen" fernzuhalten. Die Zettel riefen dazu auf, "der türkischen Armee zu vertrauen" und den "Schutz des türkischen Militärs" zu suchen. Seit dem 20. Januar geht die Türkei zusammen mit Verbündeten gegen die kurdischen Volksschutzeinheiten YPG in Afrin vor. Sie sieht darin einen verlängerten Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in Syrien.

Schwere Kämpfe in Ost-Ghuta

Nachdem am Tag zuvor bereits mehr als 13.000 Zivilisten aus dem Rebellengebiet Ost-Ghuta nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus geflohen waren, hätten am Freitagmorgen erneut knapp 2.000 Menschen das Gebiet verlassen, teilte das russische Außenministerium mit. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach sogar von knapp 20 000 Menschen, die Ost-Ghuta zuvor verlassen hatten.

Kafr Batna in Ost-Ghuta: Ein Mann erhält Erste Hilfe, nachdem er während eines Luftangriffs durch die syrische Armee verwundet wurde. (Quelle: dpa/Anas Alkharboutli)Kafr Batna in Ost-Ghuta: Ein Mann erhält Erste Hilfe, nachdem er während eines Luftangriffs durch die syrische Armee verwundet wurde. (Quelle: Anas Alkharboutli/dpa)

UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich besorgt über die neuen Entwicklungen. Die Verzweiflung dieser Menschen sorge ihn sehr, sagte Guterres am Freitag. Er bedauere sehr, dass die vom UN-Sicherheitsrat geforderte Waffenruhe nach wie vor nicht umgesetzt sei.

Der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura warnte davor, die Waffenruhe als "Wahlmenü" anzusehen. Sie könne nicht nur stückweise umgesetzt werden, sagte de Mistura, per Video aus Brüssel zugeschaltet, am Freitag dem Sicherheitsrat in New York.

"Überall hat es gebrannt"

Nach Angaben der Beobachtungsstelle setzte Russland nach der Massenflucht seine Luftangriffe auf Ost-Ghuta fort. Dabei seien am Freitag insgesamt mindestens 79 Zivilisten getötet worden. Aktivisten aus Ost-Ghuta berichteten der Deutschen Presse-Agentur, dass Kampfjets vier Raketen auf einen Markt abgefeuert hätten. "Überall hat es gebrannt, Menschen liefen teilweise brennend herum und schrien", sagte der Aktivist Abu Ahed.

Die Angriffe erfolgten, nachdem es Rebellen der Gruppe Failak al-Rahman gelungen war, verlorenes Gebiet von syrischen Regierungstruppen zurückzuerobern. Allein in Ost-Ghuta seien nach Schätzungen der Menschenrechtsbeobachter mit Sitz in Großbritannien knapp 2 000 Menschen in den vergangenen Wochen getötet worden.

Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, kritisierte nach einem Besuch in Ost-Ghuta den anhaltenden Bruch internationalen Menschenrechts. Dazu zählte er "Belagerungen, Blockaden, unverhältnismäßige Attacken in städtischem Gebiet und der gezielte Angriff auf Zivilisten".

Brüchiger Waffenstillstand

Russland, der Iran und die Türkei, die sich selbst als Garantiemächte für die Überwachung eines Waffenstillstands in Syrien sehen, haben sich zufrieden mit der Entwicklung in dem Land gezeigt. Besonders die gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus seien hervorzuheben, hieß es  in einer gemeinsamen Erklärung, die das kasachische Außenministerium nach einem Treffen der Konfliktparteien in Astana verbreitete. Darin drückten die Außenminister zugleich ihre Sorge über andauernde Verletzungen der Feuerpause aus.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu rief in Astana zu verstärkten Bemühungen der Türkei, Russlands und des Irans für die Durchsetzung eines Waffenstillstands in Syrien auf. "Wir glauben, dass die Garantiemächte ihre gemeinsamen Bemühungen verstärken müssen, damit die Verstöße gegen den Waffenstillstand beendet, Zivilisten geschützt werden und die Lieferung von humanitärer Hilfe gewährleistet wird." Die Türkei bestreitet, dass bei ihren Angriffen Zivilisten getötet wurden.

Verwendete Quellen:
  • dpa, afp

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