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Nichts davon ist eine Überraschung

Von Gerhard Spörl

Aktualisiert am 09.08.2021Lesedauer: 3 Min.
Bundeswehrsoldaten nahe Kundus (Archivfoto): Die Provinzhauptstadt ist an die Taliban gefallen
Bundeswehrsoldaten nahe Kundus (Archivfoto): Die Provinzhauptstadt ist an die Taliban gefallen. (Quelle: Maurizio Gambarini/dpa-bilder)
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Was zu erwarten war, tritt ein: Die Taliban erobern systematisch Afghanistan. Die vom Westen ausgebildete Armee kann ihnen nichts entgegensetzen. Wann Kabul fällt, ist nur eine Frage der Zeit.

In Afghanistan haben die Taliban eine Großoffensive gestartet und erobern im Westen, Südwesten und Norden Provinz nach Provinz und Hauptstadt nach Hauptstadt. Nimrus oder Tachar sagt uns Deutschen nicht viel, aber Kundus ist uns ein Begriff, denn dort war die Bundeswehr stationiert.

In diesem Handelszentrum, das auch ein Hauptumschlagplatz für den Drogenhandel ist, haben die Taliban jetzt die Macht übernommen und werden dort so vorgehen, wie sie überall vorgehen: Rache üben an Menschen, die im Sold des Westen standen; Schulen schließen, in die Mädchen gingen; ihren steinalten Islam zum Gesetz erheben; hängen oder erschießen, wer immer sich gegen sie auflehnt oder erhebt oder auch nur Missfallen äußert.

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Ein Krieg, der keiner sein durfte

Nichts davon ist eine Überraschung. Es kommt, wie es kommen musste. Der Westen geht und die Führung der Taliban kommt aus dem pakistanischen Exil in Quetta zurück. Die Taliban übernehmen das Land wieder, das der Westen ihm nach den Anschlägen auf Amerika am 11. September 2001 abgejagt hatte, weil sie Osama bin Laden beherbergten.

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Die ARD-Intendanten v.l.n.r.: Manfred Krupp (HR), Prof. Dr. Karola Wille (MDR), Dr. Katja Wildermuth (BR), Generalsekretärin Dr. Susanne Pfab, Programmdirektorin Christine Strobl, Martin Grasmück (SR), Dr. Yvette Gerner (Radio Bremen), Joachim Knuth (NDR). Vorne Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, Tom Buhrow (WDR) und Dr. Kai Gniffke (SWR).


Das deutsche Interesse an Afghanistan war immer lau. Dass dort am Hindukusch unsere Sicherheit verteidigt wird, hat ein Verteidigungsminister behauptet, um den Einsatz zu rechtfertigen. Er hieß Peter Struck, er meinte es ernst, auch wenn der Satz heute fast skurril wirkt. Sein Nachfolger, er hieß Franz Josef Jung, verbat sich, dass der Krieg Krieg genannt wurde; er stufte ihn zum Konflikt herab. Auch sehr komisch. In diesem Krieg, der keiner sein durfte, starben 59 deutsche Soldaten.

Ehrenhain im Camp Marmal in Masar-e Scharif: 59 Bundeswehrsoldaten sind in Afghanistan gestorben.
Ehrenhain im Camp Marmal in Masar-e Scharif: 59 Bundeswehrsoldaten sind in Afghanistan gestorben. (Quelle: Florian Gaertner/imago-images-bilder)

Auch jetzt wieder, da die Taliban nach Kandahar und Herat auch Kundus unterwarfen, herrscht im Westen große Verlegenheit, in der das Schweigen dröhnt. Aber was sollten sie auch sagen, Joe Biden oder Boris Johnson oder Angela Merkel?

Immerhin meldete sich ein deutscher Politiker zu Wort, und allein diesen Umstand muss man ihm hoch anrechnen. Es ist Norbert Röttgen, der gerne geworden wäre, was Armin Laschet ist, nämlich CDU-Vorsitzender. In der Außenpolitik besitzt er Autorität.

Im Fernsehen sind Schreckensbilder zu sehen

Was sich momentan in Afghanistan ereignet, nennt Röttgen ein Desaster, womit er zweifellos recht hat. Er sagt auch, der Westen dürfe nicht zulassen, dass die Taliban militärisch Fakten schaffen, da dann die Aussicht auf eine politische Lösung schrumpfe. Und er appelliert an Joe Biden, den Vormarsch der Taliban zu stoppen – militärisch, mit europäischer Unterstützung, auch durch die Bundeswehr.

Na ja, die Verzweiflung darüber, was in Afghanistan seinen Lauf nimmt, verstehe ich nur zu gut. In Kundus gibt es weder Wasser noch Strom. Leidtragende sind wie immer die Zivilisten. Im Fernsehen sind Schreckensbilder zu sehen, die an Syrien erinnern. Grausam. Trostlos. Aussichtslos.

Aber niemand kann ernsthaft glauben, dass sich die Uhr zurückdrehen lässt. 20 Jahre lang standen westliche Soldaten im Land. Milliarden Dollar flossen in Ausrüstung und Ausbildung von Armee und Polizei. US-Diplomaten verhandelten jahrelang mit den Taliban über die Bedingungen eines Abzugs. Die Taliban ließen sich auf keinerlei Kompromiss ein: keine Machtteilung mit der Regierung in Kabul, keine politische Lösung.

Die Gewalt, die aus den Gewehrläufen kommt, ist ihr Lebenselixier

Sie wussten, dass der Westen raus will aus Afghanistan. So warteten sie ab und gehen nun militärisch vor. Die Gewalt, die aus den Gewehrläufen kommt, ist ihr Lebenselixier. Auch US-Bomben- oder Drohnenangriffe werden sie nicht davon abhalten, das Land systematisch zu erobern. Wann sie Kabul, die Hauptstadt, einnehmen werden, ist nur eine Frage der Zeit.

Die Taliban sind wie die Vietcong: an Entsagung gewöhnt, militärisch beispielhaft diszipliniert, erfindungsreich in der militärischen Unterlegenheit, von ihrem Sieg bis zur Selbstaufgabe überzeugt.

Afghanistan ist ein hartes, sperriges, atavistisches Land, an dem noch jeder Eroberer gescheitert ist. Amerika, Vietnam im Gedächtnis, hätte wissen können, wie auch diese Expedition enden würde.

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