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Was wird jetzt aus Donald Trump?

dpa, Can Merey

Aktualisiert am 09.11.2020Lesedauer: 5 Min.
Donald Trump: Was macht der Republikaner nach seiner PrÀsidentschaft?
Donald Trump: Was macht der Republikaner nach seiner PrÀsidentschaft? (Quelle: Carlos Barria/Reuters-bilder)
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US-PrĂ€sident Donald Trump hat seine Niederlage noch nicht akzeptiert. Dennoch rĂŒckt der Tag seines Auszugs aus dem Weißen Haus immer nĂ€her. Was hat der 74-JĂ€hrige dann vor?

Selbstvertrauen gehört zu jedem Wahlkampf dazu – und wenn es Donald Trump an etwas nicht mangelt, dann daran. Selbst fĂŒr seine VerhĂ€ltnisse lehnte sich der US-PrĂ€sident aber weit aus dem Fenster, als er behauptete, dass er bei der Wahl gegen "den schlechtesten Kandidaten" jemals antrete. Und wenn er doch gegen den Demokraten Joe Biden verlieren sollte? "Vielleicht werde ich das Land verlassen mĂŒssen", spottete der Republikaner Mitte Oktober. Zwar wehrt sich Trump noch dagegen, seine Niederlage gegen Biden anzuerkennen. Aller Voraussicht nach wird er am 20. Januar aber das Weiße Haus verlassen mĂŒssen. Was geschieht danach mit Trump? Seine Gegner sĂ€hen den 74-JĂ€hrigen am liebsten vor Gericht.


Vier Jahre PrÀsident Trump: Seine Amtszeit in Bildern

Immer wieder streitet Trump seit dem das Wahlergebnis ab. Mit mehreren Klagen versucht er die angeblich "gestohlene Wahl" zurĂŒckzugewinnen – bislang erfolglos.
Das AuszĂ€hlen der Stimmen dauerte lange. Und wĂ€hrend sich abzeichnete, dass Joe Biden die PrĂ€sidentschaftswahl gewinnen wĂŒrde, fuhr Trump auf den Golfplatz. Am 7. November erfuhr er dort dann von seiner Niederlage. Mit 46,9 Prozent verliert er gegen seinen Konkurrenten Joe Biden die US-Wahl.
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  • Trump bleibt einflussreich

Absehbar ist, dass Trump – der immer betont hat, dass er kein Berufspolitiker ist – vielleicht aus Washington, nicht aber in der Versenkung verschwinden wird. "Trump wird sich wahrscheinlich als widerstandsfĂ€higer als erwartet erweisen und mit ziemlicher Sicherheit eine mĂ€chtige und störende Kraft im amerikanischen Leben bleiben", schrieb die "New York Times".

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Trump mag abgewĂ€hlt sein, der Trumpismus, seine Ideologie, ist damit nicht passĂ©. Der polternde PrĂ€sident hat bei der Wahl mehr als 70 Millionen Stimmen bekommen, fast jeder zweite WĂ€hler hĂ€tte ihm eine zweite Amtszeit gewĂŒnscht. In einer Umfrage des "Washington Examiner" vor der Wahl sprachen sich unter AnhĂ€ngern seiner Republikaner 38 Prozent dafĂŒr aus, dass er im Fall seiner Niederlage spĂ€ter noch einmal als PrĂ€sident kandidieren sollte. Rechtlich sprĂ€che nichts dagegen, sollte er 2024 wieder antreten wollen.

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FĂŒr Aufmerksamkeit dĂŒrfte Trump weiter ĂŒber seinen Twitter-Account mit mehr als 88 Millionen Abonnenten sorgen, es ist sein privater. Nach vier Jahren Dauerfeuer auf seinem Twitter-Account @realdonaldtrump ist absehbar, dass Trump das Weltgeschehen auch kĂŒnftig per Tweets kommentieren wird – das tat er schließlich schon vor seiner PrĂ€sidentschaft.

  • Das "Strafregister"

Juristisch könnte es fĂŒr Trump nach seinem erzwungenen Auszug aus dem Weißen Haus ungemĂŒtlich werden. Die "Washington Post" machte sich in Erwartung von Trumps Niederlage schon vor der Wahl die MĂŒhe, "ein Strafregister fĂŒr einen frĂŒheren PrĂ€sidenten" zusammenzustellen. Die Zeitung fĂŒhrte als mögliche Anklagepunkte unter anderem VerstĂ¶ĂŸe gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung, Bestechlichkeit und Justizbehinderung an. Letzteres zielt vor allem auf die Russland-Untersuchungen von FBI-Sonderermittler Robert Mueller ab.

Mueller fand zwar keine Beweise fĂŒr Geheimabsprachen des Trump-Lagers mit Vertretern Russlands vor der Wahl 2016. Vom Vorwurf der Justizbehinderung entlastete er Trump aber ausdrĂŒcklich nicht. Mueller machte in seinem Abschlussbericht vom MĂ€rz vergangenen Jahres deutlich, dass zwar gegen einen PrĂ€sidenten in dessen Amtszeit nicht Anklage erhoben werden könne. Er schrieb aber auch, dass "ein PrĂ€sident keine ImmunitĂ€t hat, nachdem er aus dem Amt ausscheidet".

  • Könnte Trump sich selbst begnadigen?

Trump nannte die Russland-Untersuchungen eine "Hexenjagd". Ähnlich dĂŒrfte er reagieren, sollte er nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus juristisch verfolgt werden. WĂ€hrend der Mueller-Ermittlungen schrieb Trump im Juni 2018 auf Twitter: "Wie von zahlreichen Rechtsgelehrten festgestellt wurde, habe ich das absolute Recht, mich selbst zu begnadigen, aber warum sollte ich das tun, wenn ich nichts falsch gemacht habe?" Ob Trump das tatsĂ€chlich darf, ist umstritten – sollte er einen solchen Schritt in seinen letzten Wochen im Amt unternehmen, wĂ€re es ein Novum in der Geschichte der USA.


Zwar bekam auch PrĂ€sident Richard Nixon einen strafrechtlichen Blankoscheck fĂŒr seine Zeit im Weißen Haus, die mit dem RĂŒcktritt wegen der Watergate-AffĂ€re endete: Die Begnadigung galt "fĂŒr alle Straftaten gegen die Vereinigten Staaten, die er, Richard Nixon, in der Zeit vom 20. Januar 1969 bis zum 9. August 1974 begangen hat oder begangen haben könnte oder an denen er teilgenommen haben könnte". Ausgesprochen wurde sie aber nicht von Nixon selbst, sondern von seinem Amtsnachfolger, dem vorherigen VizeprĂ€sidenten Gerald Ford.

  • Der Haken bei der Selbstbegnadigung

Der frĂŒhere Staatsanwalt Elie Honig ging im Juli in einem Kommentar fĂŒr den Sender CNN davon aus, dass eine Trump-Selbstbegnadigung vermutlich nicht Bestand haben wĂŒrde. "Aber es hat fĂŒr Trump fast keinen Nachteil, es zumindest zu versuchen und zu sehen, ob es hĂ€lt. Ein schwacher Schild ist besser als gar kein Schild, zumindest fĂŒr jemanden, dem Selbstschutz wichtiger ist als Rechtsstaatlichkeit."

Auch wenn Trump damit durchkĂ€me, hĂ€tte eine Selbstbegnadigung einen Haken: Sie wĂŒrde nur fĂŒr Vergehen auf Bundesebene gelten. Keinen Einfluss hĂ€tte sie etwa auf das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft in Manhattan, bei dem es unter anderem um Trumps Finanzen geht. Die AnklĂ€ger haben unter anderem seine Steuerunterlagen angefordert, gegen deren Veröffentlichung sich Trump seit Jahren wehrt. Kritiker sind ĂŒberzeugt davon, dass er etwas zu verbergen hat.

  • ZurĂŒck zu den Wurzeln?

Beruflich könnte Trump zu seinen Wurzeln zurĂŒckkehren: Er könnte wieder eine Fernsehshow bekommen, als Reality-TV-Star war er frĂŒher außerordentlich erfolgreich. Spekuliert wurde immer wieder auch darĂŒber, dass Trump nach seinem politischen Engagement einen eigenen Sender betreiben könnte. Vor allem könnte er wieder die FĂŒhrung der Trump-Organisation ĂŒbernehmen, die vor allem im Immobilienbereich aktiv ist und unter anderem Hotels und GolfplĂ€tze betreibt.

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Nach seinem Wahlsieg 2016 hatte Donald Trump die Leitung des Firmen-Konglomerats an seine Söhne Eric und Donald Junior abgegeben. Er blieb aber Besitzer, obwohl er versprochen hatte, sich von seinen GeschĂ€ften "vollstĂ€ndig zu isolieren". Kritiker warfen ihm Interessenkonflikte vor – und beschuldigten ihn, Profit aus dem PrĂ€sidentenamt geschlagen zu haben. Auch diese VorwĂŒrfe dĂŒrften mit Trumps Ausscheiden aus dem Amt nicht ausgestanden sein.

  • Wie Trump beim Steuerzahler abkassierte

"Seit seinem ersten Monat im Amt hat Trump seine Macht dazu genutzt, von US-Steuerzahlern – und von seinen politischen UnterstĂŒtzern – Millionen in seine eigenen GeschĂ€fte zu leiten", schrieb die "Washington Post" kurz vor der Wahl. Ein Beispiel: Beim Treffen des PrĂ€sidenten mit dem damaligen japanischen Regierungschef Shinzo Abe im FrĂŒhjahr 2018 habe Trumps Feriendomizil Mar-a-Lago in Florida der US-Regierung 13.700 Dollar (11.580 Euro) fĂŒr Zimmer, 16.500 Dollar fĂŒr Essen und Wein sowie 6.000 Dollar fĂŒr Blumen berechnet.

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Die "Washington Post" berichtete, seit Trumps Amtsantritt habe dessen Firma mindestens 2,5 Millionen Dollar von der US-Regierung kassiert. Hinzu kĂ€men mindestens 5,6 Millionen Dollar fĂŒr Veranstaltungen seines Wahlkampfteams in seinen Anwesen – Gelder, die in Trumps Unternehmen flossen. Das mag nicht strafbar sein, moralisch fragwĂŒrdig ist es allemal. Nach einer ZĂ€hlung der "Washington Post" besuchte Trump seine Clubs und Hotels in seiner ersten Amtszeit mehr als 280 Mal. Dabei hatte Trump der Zeitung "The Hill" vor der Wahl 2016 noch gesagt, sollte er gewinnen, werde er vor lauter Arbeit kaum Zeit haben, das Weiße Haus zu verlassen.

  • Milliarden-Einbußen durch das PrĂ€sidentenamt?

Trump hat stets dementiert, dass er von seinem Amt profitiere – im Gegenteil. Er behauptete, sein politisches Engagement habe ihn wegen entgangener EinkĂŒnfte Milliarden Dollar gekostet. "Ob ich zwei Milliarden Dollar, fĂŒnf Milliarden Dollar oder weniger verloren habe, macht keinen Unterschied", sagte Trump im Oktober 2019. "Ich mache das fĂŒr das Land. Ich mache es fĂŒr die Menschen." Damals hatte Trump nach einem Sturm der EntrĂŒstung gerade seine PlĂ€ne zu den Akten legen mĂŒssen, den G7-Gipfel in einem seiner Hotels in Florida abzuhalten.

TatsĂ€chlich ist Trumps Vermögen nach SchĂ€tzungen des Magazins "Forbes" vom September binnen eines Jahres von 3,1 Milliarden Dollar auf 2,5 Milliarden Dollar geschrumpft. Auf der "Forbes"-Liste der 400 reichsten Amerikaner fiel Trump von Rang 275 auf 352. "Forbes" hĂ€lt allerdings nicht Trumps Engagement als PrĂ€sident fĂŒr den Grund fĂŒr diese Entwicklung – sondern die Corona-Pandemie, die den Wert von BĂŒrogebĂ€uden, Hotels und Resorts gemindert habe.

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