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TV-Debatten zur Bundestagswahl: Wer macht jetzt die Angela Merkel?

Die TV-Debatten  

Wer macht jetzt die Merkel?

Von Johannes Bebermeier und Tim Kummert

28.08.2021, 11:57 Uhr
Söder vs. Habeck – Die einzig wahre Wahlkampfdebatte

DER SPIEGEL, t-online und VICE moderieren gemeinsam ein Streitgespräch mit CSU-Chef Markus Söder und Grünen-Chef Robert Habeck und strahlen es am 28. August um 20 Uhr zeitgleich auf ihren Internetauftritten aus. (Quelle: t-online)

Söder vs. Habeck: Das ist die einzig wahre Wahlkampfdebatte. (Quelle: t-online)


Der Einfluss von TV-Debatten der Kanzlerkandidaten gilt bei vielen als eher gering, nur dieses Mal soll das anders werden: Über ein Wochenende, in das manche Politiker ihre ganze Hoffnung setzen.

Oft ist es nur dieser eine Satz, der hängen bleibt. So wie im Jahr 2013. Damals wollte Peer Steinbrück für die SPD Kanzler werden und versuchte dafür allerhand: mit Wirtschaftskompetenz punkten zum Beispiel, oder den Menschen vom Cover des "SZ Magazins" den Stinkefinger zeigen. 

Angela Merkel machte all diese guten und weniger guten Versuche mit nur einem Satz im TV-Duell zunichte, mit dem sie zugleich ihre gesamte Wahlkampfstrategie zusammenfasste: "Sie kennen mich." 

Damals reichte das für mehr als 40 Prozent bei der Bundestagswahl

So leicht werden es Olaf Scholz (SPD), Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Grüne) in diesem Jahr nicht haben. Keiner von ihnen ist eine Amtsinhaberin, gar eine Merkel. Und doch werden auch sie diesmal versuchen, die großen Bühnen der TV-Trielle für sich zu nutzen.

Am Sonntagabend läuft das erste der Trielle mit den Kanzlerkandidaten auf RTL. Schon am Samstag zeigen t-online, "Spiegel" und "Vice" die "einzig wahre Wahlkampfdebatte" mit CSU-Chef Markus Söder und Grünen-Chef Robert Habeck.

Was erhoffen sich die Parteien, und worauf dürfen sie hoffen?

SPD: Alles – nur keinen Fehler

Mit dem Stinkefinger wird es Olaf Scholz am Sonntag nicht versuchen. So viel dürfte sicher sein. Im legendären "Interview ohne Worte" mit dem "SZ Magazin" probierte er es jetzt mit einer anderen Geste: der Merkel-Raute. Ein neues Wahlplakat zeigt ihn mit dem Slogan: Er kann Kanzlerin. 

Sonderlich subtil sind seine Versuche damit nicht, die früheren Merkel-Wähler von sich zu überzeugen. Aber der Erfolg gab der SPD zuletzt recht: Mit ihrer Strategie, Scholz als den regierungserfahrenen Krisenmanager zu inszenieren, dem man das Land schon irgendwie anvertrauen kann, zog sie in einigen Umfragen jetzt sogar an der Union vorbei. 

Scholz geht damit zwar nicht als Amtsinhaber in die Debatten, aber ihm wird wohl eine ähnliche Rolle zukommen: Er wird derjenige sein, dem die Fehler der großen Koalition vorgehalten werden. Dabei darf er nicht zu sehr in die Defensive geraten, weil niemand für Selbstverteidigung gewählt wird. 

Originalität und sprühende Lebensfreude sind von Scholz in einer solchen Auseinandersetzung nicht zu erwarten. In der SPD freuen sie sich trotzdem auf die Trielle. Jeder Auftritt von Olaf Scholz sei gut, sagt jemand aus der Partei. Er könne sich eigentlich nur bestätigen, sagt jemand anderes, weil er souverän, erfahren und kompetent rüberkomme.

Nur ein grober Fehler, der dürfe eben nicht passieren.

Union: Hoffen auf die Wende

In der Union kursieren vor diesem Wochenende zwei Statistiken, beide wurden erhoben von der "Forschungsgruppe Wahlen" für das ZDF. Da ist zum einen die Statistik, dass 47 Prozent der Deutschen Olaf Scholz für den geeigneten Bundeskanzler halten und nur 17 Prozent dieses Amt Armin Laschet zutrauen. Das ist die schlechte Nachricht für die Union.

Bei der zweiten Statistik geht es darum, ob die Befragten glauben, dass der Wahlsieger schon feststehe. Dabei antworten 89 Prozent: Nein, das Rennen ist noch offen. Diese 89 Prozent sind die gute Nachricht, daran hält man sich fest. Da könne man die mittlerweile auf Augenhöhe liegende SPD noch locker überholen, heißt es bei den Christdemokraten. 

Trotzdem ist klar: Der anhaltende Abwärtstrend der Union ängstigt intern viele. Auch weil Armin Laschet keinen Strategiewechsel und keine Angriffsfreude erkennen lässt. Das soll sich nun ändern, deshalb konzentriert sich die Hoffnung nun auf dieses Wochenende: Es soll für die Union endlich die Wende bringen und dafür sorgen, dass die Zahlen von CDU und CSU einen Sprung nach oben machen. 

Die erste Hürde dafür wartet bereits am Samstag: Bei der Debatte von Habeck und Söder sind viele bei der CDU schon froh, wenn der CSU-Chef einfach friedlich auftritt. Keine Stichelei gegen Laschet, kein verklausuliertes Ich-könnte-es-aber-besser-Gerede. Ganz kühne Wahlkämpfer hoffen sogar auf ein Lob für den CDU-Kanzlerkandidaten.

Der tritt dann selbst am Sonntagabend bei RTL gegen Baerbock und Scholz an. Christoph Ploß, der konservative Hamburger CDU-Chef, fordert schon mal: "In dem Triell müssen vor allem die inhaltlichen Unterschiede zwischen SPD und CDU deutlich werden." Und Laschet solle dabei besonders staatsmännisch wirken, heißt es in der CDU-Spitze. Die Menschen müssten glauben, dass man ihm das Land anvertrauen kann – womit die 17 Prozent von der ersten ZDF-Statistik gesteigert werden sollen. 

Noch herrscht in der Partei vorsichtiger Optimismus. Die Vizechefin der Bundestagsfraktion, Katja Leikert, glaubt, dass Laschet "bei den Zuschauern mit seiner großen Erfahrung, seiner enormen Fachkenntnis und seiner sympathischen Art punkten wird." Viele andere wollen sich jedoch nicht äußern. Sie warten erst einmal ab, wie sich ihr Chef schlagen wird.

Grüne: Erstmals wirklich Underdog

Die Grünen sind erstmals in diesem Wahlkampf so richtig in der Rolle des Underdogs. Das ist objektiv betrachtet etwas seltsam, weil sie sich selbst mit den derzeitigen knapp zwanzig Prozent im Vergleich zur vorigen Wahl verdoppeln würden. Nur waren die Erwartungen eben größer – auch die eigenen.

Doch das Image von Annalena Baerbock hat durch ihre Fehlerchen und Fehler arg gelitten. Und einen gewaltigen politischen Umbruch mit einer Wackelkandidatin anzugehen, das ist für viele derzeit offenbar doch zu viel der Unsicherheit.

In ihrem Umfeld hoffen sie jetzt, dass sich Baerbock dem breiteren Triell-Publikum gewissermaßen noch mal ganz neu vorstellen kann. Dass sie also bei vielen, die sich nicht ständig mit Politik beschäftigen, die Chance hat, jetzt einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Und bei den anderen einen schlechten Eindruck mit dem ungefilterten Fernsehauftritt zu korrigieren.

Debattieren, das könne Baerbock, und in den Themen sei sie ohnehin so fit wie keine Zweite, heißt es in der Partei. Sie gilt als schnell im Kopf, manchmal ist sie vielleicht zu schnell. Dann verheddert sie sich in ihren Sätzen oder formuliert zu kompliziert. Das ist im TV-Triell die Gefahr.

Aber eigentlich hat Baerbock wenig zu verlieren und viel zu gewinnen.

Genau wie Robert Habeck am Samstag in der Debatte mit Markus Söder. Es sind im Moment vor allem seine Auftritte, die als Videoschnipsel in den sozialen Medien weite Verbreitung finden. Wenn er etwa die Klimakrise erklärt oder Friedrich Merz die Finanzpolitik.

Fehler passieren ihm zwar auch immer wieder, das war damals ein Argument gegen Habeck als Kanzlerkandidaten. Doch er steht eben derzeit nicht so im Fokus wie Baerbock und kann lockerer aufspielen. Was ihm liegt. Und den Grünen nützen könnte.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen, Beobachtungen und Gespräche

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